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KI? Dialog mit ... und in LinkedIn

Montag 3. November 2025, von Dr. Wolf Siegert

Eigentlich war der aktuelle Zugang zum eigenen LinkedIn-Account nur dadurch veranlasst, um dort gerade noch rechtzeitig in den Einstellungen zu untersagen, dass das eigene Profil für die KI-gestützten Auswertungen des Unternehmens verwendet werden darf [1] [2].

Dann aber wurde sogleich der Zugang zu zwei Menschen in den Vordergrund gerückt, zu denen es seit vielen Jahren einen hohen Vertrauensvorschuss gibt.

Sie seien hier zitiert - als wenn es die eigene Stimme gewesen wäre:

Ralf Schneider • 1st
Be a curious, compassionate and courageous pioneer of your life. All in and just do it🌈
(edited)
1w
Liebe Dr. Miriam Meckel, 🙏 du triffst den Nagel auf den Kopf, denn KI wird viel können oder sogar sehr viel können. Aber KI wird immer nur Vergangenes in die Gegenwart und Zukunft explorieren. Der“Schöpfungsakt“ einer neuen Idee und der daraus abgeleiteten Handlung verbleibt immer beim Menschen oder wir werden bequem und folgen unkritisch und automatisiert den Reizen der KI und schrauben uns immer tiefer in den Sumpf oder kreieren noch mehr. Es kommt immer auf die Nutzung von Werkzeugen an, das gilt für AI, Agentic AI oder auch für AI

Dr. Miriam Meckel Co-founder, Executive Chairwoman @ ada | Professor @ University of St. Gallen | AI, Communication
October 28, 2025

Das Münchhausen-Syndrom der KI-Zeit

Kürzlich ging ein Zucken durch die Chefetagen der Wirtschaft. Das MIT hatte eine Studie veröffentlicht, die sagt:

95 Prozent aller KI-Pilotprojekte scheitern.

Die Tumben folgerten daraus: Alles Geldverschwendung und dass man sich nun also doch nicht so sehr mit der neuen Technologie beschäftigen müsse. Die Klügeren begannen nachzudenken, woran es denn wohl liegen mag.

Vor allem aber schielten viele auf eine andere Zahl: 400 Milliarden Dollar werfen die US-Techunternehmen in diesem Jahr auf die Weiterentwicklung der KI. Mal zum Vergleich: Das Apollo-Programm für Amerikas Reise zum Mond kostete bereinigt in zehn Jahren zwischen 1960 und 1970 300 Milliarden.

Bei der KI bringen die Unternehmen derzeit also die Finanzierung eines gesamten Apollo-Programms nicht in zehn Jahren auf, sondern alle zehn Monate. Wir sind gerade auf der Reise ins nächste Schwarze Loch.

Woher kommt die Produktivität, die solche Investitionen rechtfertigt? Jedenfalls nicht daraus, dass die meisten Menschen mit KI Katzenbilder erstellen oder Geburtstagsgedichte schreiben lassen. Die zentrale Frage lautet: Was macht KI mit dem Arbeitsmarkt und der Arbeitsproduktivität von Mitarbeitenden und Unternehmen?

Das MIT sagt: bislang nicht Gutes. Um das erklären zu können, müssen wir einen Schritt zurücktreten, um auf den Arbeitsmarkt zu schauen. Auf dem dreht sich die Diskussion bislang im Wesentlichen um Stelleneinsparungen. In unheilgeschwängertem Ton warnte Dario Amodei, Gründer des KI-Unternehmens Anthropic, vor einer massiven Jobvernichtung durch KI, vor allem in der Juristerei, der Finanzbranche und Beratung. Die Hälfte aller Jobs auf Einstiegslevel könnte wegfallen. Viele Führungskräfte sind blöd genug, das für bare Münze zu nehmen. Mal schauen, wo in diesen Unternehmern künftig die Führungsjobs auf Partnerlevel herkommen, wenn kein Nachwuchs mehr in Sicht ist.

Auch die Investmentbank Goldman Sachs sagt: Sechs bis sieben Prozent der Jobs in den USA könnten durch KI verlorengehen. Abgesehen davon, dass Donald Trump das auch ohne KI schaffen wird: Woher kommen diese Zahlen?

Aus Mangel an einer ausdefinierten Strategie und klaren Vorgaben, zeigt sich die KI an vielen Stellen als Münchhausensyndrom des Arbeitsmarkts. Sich am eigenen Schopfe aus dem Morast der verkrusteten Arbeitswelt ziehen? Das gelingt mit KI ebenso wenig, wie es Münchhausen mit dem eigenen Körper zu Pferde gelang.

Zum einen: Wie will man die Belegschaft für eine Technologie motivieren, die darauf angelegt ist, den eigenen Job abzuschaffen? So züchtet man nur eine Armee an heimlichen KI-Spezialisten heran, die für sich selbst mit den Tools umzugehen wissen. Auf die Produktivität des Unternehmens färbt das leider nicht ab. Keiner möchte zum eigenen Jobverlust beisteuern.

Führungskräfte reden oft nur über Effizienz. Experimente zeigen aber, dass dieses Argument für Mitarbeitende nicht funktioniert. Eine Gruppe von Rechtsgehilfen sollte KI nutzen, um ihre Produktivität zu erhöhen, eine andere um nervtötende Ausgaben loszuwerden. Die zweite Gruppe war erfolgreich darin, KI anzuwenden und ihre Arbeitsergebnisse zu verbessern, die erste nicht.

Zum zweiten: Schauen wir doch mal hin, was KI wirklich macht. Eine Studie der University of Pennsylvania und von OpenAI zeigt, dass KI nicht Jobs ersetzen wird, sondern einzelne Aufgaben in Berufsfeldern.

80 Prozent der Berufe werden in etwa zehn Prozent ihrer Aufgaben betroffen sein. Das ist eine völlig andere Aussage, als das generelle Gerede vom Jobverlust.

Richtig angewendet, lassen sich durch KI-Modelle etwa 15 Prozent aller Aufgaben über alle Branchen hinweg schneller und effizienter erledigen - bei gleichbleibender Qualität. Bei richtiger strategischer Anwendung kann dieser Anteil auf etwa 50 Prozent wachsen. Das bedeutet: Jedes Unternehmen braucht eine Strategie, sollte die Grundlagentechnologien kaufen, nicht selbst entwickeln, um schnell zu sein, und die Belegschaft ordentlich schulen. Das alles passiert bislang kaum, wie die MIT-Studie zeigt.

Die vielleicht wichtigste Frage aber lautet: Warum analysieren wir immer nur innerhalb der Grenzen des Arbeitsmarktes, wie er derzeit aussieht?

Wenn KI eine Allzwecktechnologie ist, müssten wir dann nicht mal fragen: Wie sieht die Arbeit der Zukunft aus?

In dieser Zukunft wird das Konzept “Job” in Frage gestellt. Dieses Bündel von Aufgaben, das ein Mensch ein Leben lang mit sich herumträgt. Es wird vielmehr wechselnde Konstellationen von Aufgaben geben, die Mensch und KI gemeinsam meistern. Dadurch können wir die Produktivität erhöhen. Wir können Arbeit aber auch schöner gestalten. Indem die mühseligen Anteile von KI übernommen und die strategischen, kreativen beim Menschen verbleiben. Das klappt nicht für alle Jobs? Mag sein. Aber mit KI ließen sich ganze Arbeitszyklen neu gestalten. Warum die Technologie nicht einsetzen, um für jede Nachbarschaft, jeden Ort, eine perfekt koordinierte Tauschplattform zu organisieren, auf dem Leihgüter, Arbeitsleistung und soziale Aufgaben koordiniert werden können? Mit dem zusätzlichen Effekt, dass Menschen wieder mehr miteinander zu tun haben und sprechen?

Ich sehe die Gegenargumente schon auf mich einprasseln. Sind wir noch uptopiefähig? Wenn ja, kann KI eine Riesenchance sein, Arbeit neu und besser zu gestalten. Wenn nein, wird sie uns gefangen nehmen und unsere Gesellschaft lahm legen. Und passiert bereits jetzt:

Mitarbeitende nutzen KI, um eine Aufgabe oberflächlich zu erledigen. Nach außen sieht alles gut aus, schicke Präsentationen und Tabellen, die mit symmetrischen Abständen daherkommen. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das Ergebnis als Arbeitsmüll - “Workslop” genannt.

Der Münchhausen des KI-Zeitalters zieht sich nicht selbst aus dem Sumpf. Er erschafft ihn, damit andere darin ersticken.

Und als Zugabe der Beitrag einer dritten, ebenfalls seit vielen Jahren bekannten Person:

Schönes Fundstück von 20Min in der Schweiz.
Da hat jemand bei der Migros wohl nicht bei der KI aufgepasst.
Auf Nachfrage:
"Ob das Sujet mit KI erstellt wurde, lässt die Migros unbeantwortet. «Offensichtlich wurde dieses Versehen von keiner der beteiligten Personen bemerkt.» Man könne jedoch versichern, dass ein Rentier mit fünf Beinen einfach schneller unterwegs ist «und so die Migros-Produkte noch effizienter zu unserer Kundschaft bringen kann», heisst es weiter."

Substanziell mehr zu diesem Thema dann am 21. November 2025 von einer vierten, ebenfalls seit Jahrzehnten bekannten und geschätzten Person, in der Buchhandlung König an der Museumsinsel in Berlin:
> Siegfried Zielinski: KünstlicheEXtelligenz

Während für den philosophischen Schriftsteller aus Prag [3] die traditionellen Bilder die Welt (be)deuteten, (be)deuteten für ihn Techno-Bilder Texte, die Bilder (be)deuten, die wiederum die Welt (be)deuten.


Auf die An-/Nachfragen, ob es auch eigene Beiträge zu diesem Thema gibt, hier einige Auszüge in chronologischer Reihenfolge mit dem Schwerpunkt auf MS-CoPilot-Anwendungen:

 Mehr Mut zum Dialog: Ein Test-Fall/-File

 Der Traum als Prompt im dreamlab.berlin

 Statt echt: echt stark

 PTO for your hands?!

 Microsoft: "In 5 Schritten fit für KI"

 KI-Klärungen und -Erklärungen

 Blumen, im Licht und ihrem Schatten

 auferstehen? aufstehen!

 KI: "Ja" vs. Atomkraft: "Nein"

 "Ich" - das alter Ego von MS-Copilot

 KI Dominanz der USA? n(o)VIDIA macht erfinderisch

 2008->2025->... Was kommt nach der Digitalisierung?

 Ein SCHWARZER Freitag?!

 Accept the AI intruder or not?

 Diagnose - Prognose - (Buch-Marketing-)Psychose

 KI vs. Gott? -> KI als "Digital Turk"

 Pop up oder Classic cool? Wolf legt nach!

 G7 oder EM? Papst oder Trainer? KI oder Tore? Kitsch statt Kirche?

 Copilot + PC

 DOTS & LINES

 Live-Radio aus der ’Speiche’ / im Netz: "KI vs GOTT"
Es hat insgesamt vier Sendungen von einem ganzen Team von Menschen gegeben, die sich aus den unterschiedlichsten Hintergründen und Perspektiven - teilweise schon lange vor dem Hype - mit diesen neuen Möglichkeiten beschäftigt und diese auch genutzt haben.
So wie auch der Autor selbst, dessen frühere Beiträge bis auf die Dialoge mit Wahlster und Weizenbaum verweisen:

 Intelligenz als eine "Kunst" digitaler Persönlichkeiten?

 App only? Wo im Computer steckt Weizenbaum?


[1

Von: LinkedIn
Gesendet: Montag, 22. September 2025 00:23
An: Wolf Siegert [...]
Betreff: Updates to our terms and data use
See what’s new and how to manage your data
͏Hi Dr. Wolf,
We’re updating our Terms of Service on November 3, 2025. See what’s changing. Learn more
Starting on November 3, 2025, we’ll also use data from members in your region to improve the content-generating AI that enhances your experience and better connects our members to opportunities. This can help hirers find and reach you more easily, and assist members in creating content such as profile updates, messages, and posts. This could include data like details from your profile and public content you create on LinkedIn; it does not include your private messages. You can opt out anytime in your settings if you’d prefer not to have your data used in this way. If you’ve already submitted the Data Processing Objection Form, please check your settings to make sure your choice to opt out is shown.
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This email was intended for Dr. Wolf SIEGERT (Founder & Director IRIS® Media)
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[2

[3Vilém Flusser, Autor einer der wenigen geschriebenen Entwürfe Für eine Philosophie der Fotografie (1983)