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Krapp & Co
Donnerstag 13. Oktober 2016, von
Dieser Text ist eine der vielen Vorstudien zur Vorbreitung einer Inszenierung, die am nachfolgenden Tag eine Antwort auf die Frage liefern sollte, wie eine "heutige" Aufführung von "Das Letzte Band" im Volkstheater München aus Anlass des vierten Zündfunkkongresses des BR aussehen könnte.
Auch wenn die Behandlung dieses Themas wegen Erkrankung des Regisseurs auf das nachfolgende Jahr 2017 verschoben wurde, hier dennoch einige Hinweise und Vorstudien aus dem Umfeld dieses Stückes - und der nochmalige Verweis auf das Interview mit dem "fast 25-Jährigen" Krapp-Darsteller Peter Blum vom 21. September diesen Jahres: "Einmalig in München: "Das letzte Band"".
DAS STÜCK
Samuel Beckett. Krapp’s Last Tape
Samuel Becket. La Dernière Bande
Samuel Beckett.
Das letzte Band. Krapp’s Last Tape. La dernière bande [1]
Peter Handke [2]
Bis daß der Tag euch scheidet oder Eine Frage des Lichts
Jusqu’à ce que le jour vous sépare ou Une question de lumière [3]
Krapp’s Last Tape / La Dernière bande
Digital Manuscript Project
AUSGEWÄHLTE AUFFÜHRUNGEN
2016-09-21: WortSchau-Festival, PEPPER-Theater, PEPPER-Theater
Makanian Zerefay und das Tod & Teufel Theater mit Peter Blum als Krapp
2016: Théâtre de l’Oeuvre, Paris
Regie: Peter Stein | Krapp: Jacques Weber
BilletRéduc
Blog
Blog: Mediapart
2014: Berliner Ensemble
Peter Stein inszeniert Klaus Maria Brandauer
Blog "DaybyDay ISSN 1860-2967".
2010: Das Neue Ensemble
Regie Gerhard Piske, Rainer Escher; Krapp Gerhard Piske
2009: Festival of the Two Worlds, Caio Melisso Theater, Spoleto, Italy
Regie & Krapp: Robert Wilson
2009: Volkstheter Wien
Krapp: Peter Vilnai
2008: Comédie de Valance: La Dernière bande, Jusqu’à ce que le jour vous sépare Ou une question de lumière
Regie: Christophe Perton
1989: Marstalltheater München
Regie: Angela Bürger
AUSGWÄHLTE SCHRIFTEN
About The Making of Samuel Beckett’s ’Krapp’s Last Tape’/’La dernière bande’
2008-01-23: Internet Publikation für Allgemeine und Integrative Psychotherapie
1980-01-04: ZEIT ONLINE
"Becket Das Leben ein Tonband"
in: DER SPIEGEL 19/ [06.05.] 1959
AUSGEWÄHLTE AV-DOKUMENTE
2013: Theater am Puls
Joerg Steve Mohr inszeniert Christian Ohmann
2006: Polly Thomas & Carrie Rooney inszenieren Corin Redgrave
1983: PBS
Regie: Alan Schneider | Krapp: Jack MacGowran
1980: Becket inszeniert Rich Cluchey als Krapp
1960: Provincetown Playhouse
with DONALD DAVIS, directed by Alan Schneider
Originally produced by THEATER 1960 and Harry Joe Brown, Jr.
1972: Theater am Goetheplatz Bremen
Bernhard Minetti in der Regie von Klaus Michael Grüber
1958: Royal Theatre, London
Regie: Donald McWhinnie | Krapp: Patrick Magee
Bei den Recherchen auch das hier gefunden:
Auszug aus einem Vortrag von Jean-Pierre Vincent vom 24. Mai 2015, gehalten im Rahmen des Theater Festivals des Théâtre Dijon Bourgogne, in dem er u.a. über Jean Jourdheuil und die Bedeutung der Dramaturgie spricht - als Idee entwickelt in Frankreich, als Profil vor allem in Deutschland zur Anwendung gebracht - und über die bedeutende Rolle des Zufalls:
[1] Deutsche Übertragung von Erika und Elmar Tophoven. Englische Originalfassung. Französische Übertragung von Samuel Beckett
[2]
»Bis daß der Tag euch scheidet: Eine Antwort auf Das letzte Band von Beckett? Eher ein Echo. Ein Echo jetzt fern, im Raum und auch in der Zeit, jetzt ganz nah an Herrn Krapp, dem einsamen Helden des Stücks von Samuel B. Ein Echo jetzt schwach und widersprüchlich, verzerrt, jetzt stark, verstärkt, vergrößert. Deshalb wage ich es, diesen Echo-Monolog ein Drama zu nennen, ein sehr kleines Drama – so wie Das letzte Band ein Drama ist, ein großes. Kann es sein, daß nach Beckett nur noch unsere sekundären Stücke gekommen sind, wie zum Beispiel, als Beispiel, eben Bis daß der Tag euch scheidet? Keine Reduktion mehr möglich, kein Null-Raum mehr möglich – nur noch Spuren der Verirrten – hier der 1 Verirrten? Aber man mußte sich, wir mußten uns vielleicht verirren, im Interesse der Szene, im Interesse des Theaters? ›Echo‹, wenn ich mich recht erinnere, bezeichnet in der griechischen Mythologie auch eine Person, eine kleine Göttin oder eine Nymphe – auf jeden Fall aber eine Frau, die Stimme einer Frau.«
[3]
»Eines Abends, spät, in der Zukunft«: Krapp, ein greiser, einsamer Mann, bespricht, wie all die Jahre zuvor, ein Tonband – nun allerdings zum letzten Mal. Was bleibt vom Leben, das der Mühe wert war? Was bleibt, wenn Krapp die Spreu vom Weizen trennt? Aus den alten Aufnahmen, in die er hineinhört, spricht sein früheres Leben, und wenn er darauf zurückschaut, bestand nur eine einzige Aussicht auf Glück: im Beisammensein mit seiner Geliebten.
Diese Frau erscheint in Peter Handkes neuem Stück ›Bis daß der Tag euch scheidet oder Eine Frage des Lichts‹ und spricht über ihr Leben mit Monsieur Krapp, ihr Leiden an Mister Krapp, sein Schweigen, seine Unerreichbarkeit. Auch sie trennt die Spreu vom Weizen und fragt, was von der Zeit und ihr selbst an der Seite dieses Mannes bleibt, der ihr fern und nah wie kein anderer war. Ihr Monolog ist die Antwort einer Frau, eine Abrechnung und das Echo einer geteilten Zeit, die sie auf immer verbindet.