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BP: ÖRR-Schelte | Gutwetterpause

Mittwoch 25. Februar 2026, von Dr. Wolf Siegert

Die Vorhersage für diesen Tag lädt zu einer Schreibpause ein:

Die übereinstimmenden ÖRR-Meldungen zu diesem Tag:

Am selben Tag, jenseits jeglicher Lichtblicke, im Bundestag die:

Aktuelle Stunde im Bundestag am Mittwoch, 25.02.2026 beschäftigt sich mit Fehlern in der Berichterstattung des öffentlich rechtlichen Rundfunks.
Die Debatte wurde auf Verlangen der AfD-Fraktion auf die Tagesordnung gesetzt. Sie trägt den vollen Titel „Schwerwiegende Fehler bei der Berichterstattung durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk“


Ebenfalls an diesem Tag die Veröfentlichtung der WORTLIGA-Studie zu der Frage: Wie verständlich berichten deutsche Online-Medien?

Die Rede ist von einem Gefälle im ÖRR und sinkender Verständlichkeit:

Im Durchschnitt wird der Journalismus immer schwerer verständlich. Das untersuchte WORTLIGA in einer repräsentativen Studie mit über 11.000 Texten. 2023 gab es bereits eine Pilotstudie mit rund 700 Texten.

Zwar hält sich ZDFheute noch auf dem dritten Platz und hängt tagesschau.de bei der Verständlichkeit ab. Insgesamt sind aber fast alle Medien schwerer zu verstehen als noch 2023. BILD.de macht derweil vor, wie Journalismus möglichst viele Menschen erreicht und abholt.

ZDFheute und tagesschau.de: Klartext gegen Amtsdeutsch

ZDFheute belegt mit 58,1 Punkten den dritten Platz, während tagesschau.de mit 51,5 Punkten im Mittelfeld landet. Ursache sind strukturelle Unterschiede: Das ZDF setzt häufig auf „Leichte Sprache“ und extrem vereinfachte Inhalte, nutzt ansonsten aber eine mittlere Verständlichkeit. Die Tagesschau leidet hingegen unter formaler Amtssprache.

Journalismus wird komplizierter – aber nicht überall

Ein Vergleich der 14 Medien, die WORTLIGA bereits 2023 untersuchte, zeigt einen Negativtrend: Die Online-Berichterstattung ist insgesamt komplizierter geworden. Selbst Spitzenreiter BILD.de fiel von 64,2 auf 61,4 Punkte. Auch die FAZ und öffentlich-rechtliche Angebote verloren an Verständlichkeit. Der Top-Verlierer der Studie ist tagesschau.de mit einem Minus von 3,8 Punkten im Vergleich zu 2023.

"Der Abstand zwischen ZDF und Tagesschau ist weiterhin signifikant. Unsere Daten zeigen bei der Tagesschau eine extrem hohe Dichte an Passivkonstruktionen. Das erzeugt Distanz und erschwert den Lesefluss. Das ZDF hebt hingegen durch gezielte und extreme Vereinfachung den Durchschnitt an", sagt Gidon Wagner, Studienleiter und WORTLIGA-Gründer.

Wie BILD Nachrichten für alle macht

ZDFheute schreibt viele seiner Nachrichten in „Leichter Sprache“. Das sind sehr stark vereinfachte Texte, die sich per Definition nicht an alle Leser richten. Im Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Mehrheit der Leser sind deshalb andere Anbieter erfolgreicher. BILD.de führt das Feld als einziges Medium mit einem Score von über 60 an (61,4), gefolgt vom Stern (59,1).

Der Schlüssel zum Erfolg liegt laut Studie in der Satzlänge: BILD.de arbeitet mit durchschnittlich 11,5 Wörtern pro Satz. Im Gegensatz dazu bildet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) mit 15,9 Wörtern pro Satz und einem Score von 46,4 das Schlusslicht des Rankings.

„BILD nutzt dabei keine ’Leichte Sprache’, sondern schreibt für alle: vom Uni-Professor bis zum Schüler. Die Daten zeigen, dass BILD Texte so strukturiert, dass sie überflogen werden können. Das kommt, um bei diesem Beispiel zu bleiben, dem Professor ebenso entgegen wie dem Schüler: Der Akademiker hat weniger Zeit, der Schüler hat weniger Lesekompetenz. Dieser Zweiklang lässt sich auch auf andere Gruppen anwenden“, sagt Gidon Wagner.

Sperrige Expertenbeiträge stören den Journalismus

Ein weiteres zentrales Ergebnis der Untersuchung ist die negative Auswirkung von externen Expertenbeiträgen. Gastartikel von Fachleuten fallen oft auf ein C2-Sprachniveau mit Scores unter 30. Hier müssten Redaktionen für Allgemeinverständlichkeit stärker redigieren. Die Studie identifiziert andererseits Interviews als Treiber von Verständlichkeit. Interviews heben selbst bei komplexen Medien wie der FAZ den Durchschnitt an.

Ergebnisse Studie 2026 – Ranking (Basis: 11.063 Texte)

1. bild.de – Score: 61,4 (B2)
2. stern.de – Score: 59,1 (B2)
3. zdfheute.de – Score: 58,1 (B2)
4. focus.de – Score: 54,5 (B2)
5. web.de – Score: 54,3 (B2)
6. zeit.de – Score: 54,2 (B2)
7. merkur.de – Score: 53,9 (B2)
8. t-online.de – Score: 53,9 (B2)
9. sueddeutsche.de – Score: 52,3 (B2)
10. spiegel.de – Score: 51,7 (C1)
11. tagesschau.de – Score: 51,5 (C1)
12. taz.de – Score: 51,5 (C1)
13. welt.de – Score: 50,1 (C1)
14. tagesspiegel.de – Score: 50,0 (C1)
15. n-tv.de – Score: 49,9 (C1)
16. faz.de – Score: 46,4 (C1)

Methodik und Vergleich zu 2023

Die neue Untersuchung von WORTLIGA ist repräsentativ und breit angelegt. WORTLIGA wertete dafür im November 2025 automatisiert 11.063 Texte aus. Diese stammten von den Startseiten der 16 reichweitenstärksten Nachrichtenportale. Zuvor gab es 2023 eine Pilotstudie mit rund 700 Texten. Damals lieferte die Studie bei einer leicht anderen Medienauswahl ein Stimmungsbild. Die neuen Ergebnisse bieten nun eine umfassende Datenbasis.

Betrachtet man isoliert die 14 Medien, die in beiden Jahren untersucht wurden, zeigt sich der Abwärtstrend: Der durchschnittliche Score dieser Portale sank von 55,1 Punkten (2023) auf 53,3 Punkte (2026).

Ergebnisse Pilot-Studie 2023 (Basis: 700 Texte)

1. bild.de: 64,2
2. zdfheute.de: 60,4
3. rtl.de: 57,7 (in aktueller Studie nicht mehr erfasst)
4. stern.de: 57,3
5. web.de: 56,8
6. t-online.de: 56,7
7. tagesschau.de: 55,3
8. focus.de: 55,2
9. welt.de: 53,4
10. zeit.de: 53,3
11. n-tv.de: 53,0
12. sueddeutsche.de: 52,0
13. taz.de: 52,0
14. spiegel.de: 51,8
15. faz.de: 49,3

Den allgemeinen Abwärtstrend treiben maßgeblich Nachrichten-Schwergewichte wie tagesschau.de, welt.de und das Schlusslicht faz.de an. Mit Amtsdeutsch, Passivkonstruktionen und extrem langen Sätzen hängen sie ihre Leserschaft zunehmend ab.
Als klare Gewinner profilieren sich hingegen stern.de, zeit.de und sueddeutsche.de – sie konnten sich als einzige Portale gegen den branchenweiten Negativtrend stemmen und ihre Verständlichkeit seit 2023 sogar aktiv verbessern.

Die Untersuchung analysiert die sprachliche Qualität deutscher Online-Medien anhand etablierter Lesbarkeitsformeln (WORTLIGA-Verständlichkeitsindex und Flesch-Reading-Ease). Ziel ist es, Muster in der digitalen Nachrichtenvermittlung transparent zu machen.

Wie verständlich berichten deutsche Online-Medien?

8. Fazit
Die Studie "Wie verständlich berichten deutsche Online-Medien?" zeichnet ein klares Bild der
deutschen Online-Publizistik: Es herrscht eine ausgeprägte Klassengesellschaft der
Verständlichkeit. Während Boulevardmedien wie BILD.de und Nachrichtenformate wie
ZDFHeute durch kurze Sätze und klare Strukturen eine breite Zugänglichkeit erreichen (Scores
> 58), schließen traditionelle Zeitungsmarken wie die FAZ (Score 46,4) durch einen
akademischen, komplexen Stil große Teile der Bevölkerung potenziell aus.
Besonders alarmierend ist die Erkenntnis, dass gerade Expertenbeiträge, die eigentlich
Aufklärung bieten sollten, oft die unverständlichsten Texte sind. Hier versäumen es
Redaktionen, ihre "Gatekeeper"-Funktion wahrzunehmen und akademische Sprache in
journalistisches Deutsch zu übersetzen.

Positiv hervorzuheben sind die Ansätze der "Einfachen Sprache" (ZDF) und das strukturierte
Aufbrechen komplexer Themen (BILD, Stern). Sie beweisen, dass Komplexität kein Naturgesetz
ist, sondern eine redaktionelle Entscheidung. Für die Zukunft gilt: Wer Reichweite und
Vertrauen sichern will, muss Barrieren abbauen – nicht durch Trivialisierung von Inhalten,
sondern durch Vereinfachung der Struktur. Die Daten belegen: Kürzere Sätze machen nicht
dümmer, sondern verständlicher.