Europe 14|14

VON Dr. Wolf SiegertZUM Freitag Letzte Bearbeitung: 31. Dezember 2014 um 02 Uhr 39 Minuten

 

In der Zeit vom 7. bis 11. Mai treffen sich bis zu 500 junge interessierte Menschen aus ganz Europa beim HistoryCampus im Maxim Gorki Theater in Berlin Mitte.

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History Campus Berlin EUROPE 14|14

Die hier im Verlauf dieser Woche auch dargestellten und kommentierten Ereignisse rund um die re:publica machten bisher eine Berichterstattung über dieses Thema nicht möglich.

Und auch heute bleibt es zunächst bei dem Besuch der Veranstaltung im Deutschen Historischen Museum [1]

... nachdem sich zuvor die Film-Szene anlässlich der Verleihung des Deutschen Filmpreises 2014 auf Einladung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in den Räumen "der Parlamentarischen Gesellschaft auf dem Friedrich-Ebert-Platz vis-a-vis dem Reichstagsgebäude" getroffen hatte. [2]

Stattdessen wird an dieser Stelle im Vorgriff auch zugleich auf die A bschlussveranstaltung im Maxim Gorki Theater am nachfolgenden Samstagabend hingewiesen.


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Dabei war klar, dass nicht alle der 22 Workshops so "bühnentauglich" sein würden wie die hier abgebildete Inszenierung über die - ganz unterschiedliche - Bedeutung von Jahreszahlen,
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dennoch wäre es wert gewesen, dass alle zumindest eine Erwähnung gefunden hätten.

Applaus
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Jedes dieser Beispiele der Auseinandersetzung mit dem Thema durch KOMMUNIKATION ist wichtig. Denn es geschieht wahrlich nicht in vielen Ländern, dass angesichts dieser nun überall bevorstehenden Erinnerungsveranstaltungen nicht eine Ansammlung von Denkmälern im Mittelpunkt steht, sondern die Aufforderung, mit und in den Köpfen einer anderen Generation und einer anderen Nation - auch der einer feindlichen - für eine längere Zeit zu denken. Und zu lernen, sie so zu bedenken, dass sie auch in einem Rollenspiel überzeugend vorgetragen werden kann.

Das, was da in dieser Woche erreicht worden ist, war so erstaunlich und "bahnbrechend", dass man sich alle Zeit und Mühe dieser Welt hätte geben sollen, diese Ergebnisse auch so ausführlich als möglich "auf die Rampe zu bringen". Und es ist zu wünschen, dass diese Ergebnisse als Nachklang auf diese Veranstaltung auch auf der Webseite des HistoryCampus Berlin dokumentiert werden.

PS.

Es soll dem Leser abschliessend nicht unterschlagen werden, dass auch der Autor selber immer noch mit den Kriegsaufzeichnungen seines Grossvaters Wilhelm Siegert "schwanger" geht [3]. Und dass ihm die Bilder aus diesem Konvolut an allen Ecken und Enden wieder begegnen:
— Bilder aus der aktuellen Luftfahrt, die das Deckblatt einer in Folie eingeschweissten Publikation "schmücken", mit denen die TeilnehmerInnen an diesem Freitag durch das Museum liefen.
— Das Bild von einem Luftschiff, aus dem Bomben geworfen werden, mit denen die Jugendlichen in ihrem Zeichen-"Trick"-Film die Geschichte der Menschen in diesen Kriegsjahren zu illustrieren versuchen.
— Das Bild von einem Militärflugzeug, das das Titelblatt des im bpb-Vertrieb annoncierten Buches Schönheiten und Schrecken dominiert.

Nach dem Ende der Veranstaltung lädt der sich schnell leerende Theatersaal zum Verweilen ein. Die Bühne wird abgebaut. Und all das goldene Lametta, das zum Abschluss vom Bühnenboden abgeworfen wurde, wird Bahn für Bahn zusammengefegt, in einem schmutzig weissen Plastikeimer eingesammelt und von der Bühne gebracht.

Was bleibt, ist eine weisse Tulpe. Die letzte von jenen ihr überreichten Blumen, die die Chefin des Hauses nicht behalten, sondern verteilt in das junge Publikum geworfen hatte: Welch schöne Geste!

Und als Spur dieser guten Geste findet sich noch diese eine Tulpe auf dem schwarzen Bühnenboden. In der weissen Farbe der Trauer.


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Während unten im Foyer die Musik einsetzt und alle miteinander zum Tanzen animiert, liegt diese Blume immer noch wie ein Stück mahnender Natur auf den Brettern, "die die Welt bedeuten"...

Sie gemahnt uns an jene Welt der Toten, die selber gelernt haben auf Befehl töten zu müssen. Und sie gemahnt uns an jene, die gefangengenommen und getötet wurden, da sie dieses gesamteuropäische Szenario schon vor Beginn des Krieges öffentlich annonciert und politisch vertreten hatten. [4]

Anmerkungen

[1Siehe dazu die Pressemitteilung der Bundeszentrale für politische Bildung:

Frank-Walter Steinmeier diskutierte mit jungen Europäern über den Ersten Weltkrieg

400 junge Menschen aus 40 Ländern treffen sich zum HistoryCampus in Berlin | Werkschau und Abschlussveranstaltung am 10. Mai 2014 | www.europe1414.de

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat heute im Deutschen Historischen Museum in Berlin mit drei jungen Menschen aus Serbien, Belgien und Deutschland über ihre Bezüge zum Ersten Weltkrieg und ihre Erfahrungen mit Krieg und Frieden in Europa diskutiert. Jovana Rakic, Roman Roobroeck und Jan-Philipp Wagner sind Teilnehmer des HistoryCampus, bei dem 400 Jugendliche und junge Erwachsene aus 40 Ländern Europas auf Einladung der Bundeszentrale für politische Bildung, der Körber-Stiftung und der Robert Bosch-Stiftung in Berlin zusammenkommen.

Außenminister Steinmeier in seiner Eröffnungsrede: "Verstehen ist eine Grundbedingung der Außenpolitik. Wer einen Konflikt lösen will, braucht Verständigung. Das gelingt nur, wenn wir bereit sind, die Welt mit den Augen von anderen zu sehen. Wenn ich die Geschichte von 1914 betrachte, dann schockiert mich das Versagen einer Diplomatie, der die Fähigkeit zu Verständnis und Verständigung abhanden gekommen war. Hundert Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs haben wir auf unserem Kontinent eine Friedensordnung erreicht, die auf Versöhnung und gute Nachbarschaft setzt. Bei dem, was heute vor uns liegt, kann uns diese gemeinsame europäische Leistung nur ermutigen."

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Europe 14|14 am Mittwoch bei einer feierlichen Auftaktveranstaltung im Maxim Gorki Theater eröffnet und die Teilnehmer des HistoryCampus, dem Kern von Europe 14|14, begrüßt. Noch bis Samstag beschäftigen sich die jungen Europäer mit Geschichte und Folgewirkungen des Ersten Weltkriegs und stellen sich die Frage: Erster Weltkrieg – was hat das mit mir zu tun? In 22 Workshops erarbeiten sie historische, künstlerische und multimediale Zugänge zu Geschichte und Erinnerungskultur, aber auch zur Aktualität des Geschehens vor 100 Jahren. Zudem diskutieren sie unterschiedliche Perspektiven auf den Ersten Weltkrieg und dessen Bedeutung für das heutige Europa. Die Ergebnisse aus den Workshops werden am Samstag, den 10. Mai 2014, von 16:00 bis 23:30 Uhr mit einer Werkschau präsentiert. Um 19:00 Uhr findet die Abschlussveranstaltung im Maxim Gorki Theater statt.

Europe 14|14 ist ein gemeinsames Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, der Körber-Stiftung und der Robert Bosch Stiftung in Kooperation mit dem Maxim Gorki Theater Berlin und zahlreichen weiteren Partnern. Gefördert wird Europe 14|14 durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Das öffentliche Rahmenprogramm von Europe 14|14 steht unter dem Motto "100 Jahre, vier Wochen, eine Stadt". Zahlreiche Berliner Institutionen bieten die unterschiedlichsten Zugänge zum Thema Erster Weltkrieg und seiner Rezeption. Das Maxim Gorki Theater präsentiert mit dem OpenCampus ein künstlerisches Programm mit Performances, Theater und Musik. Gefördert wird der öffentliche OpenCampus von der Kulturstiftung des Bundes. Lebendiges Erinnern, das Herstellen von Bezügen zur Gegenwart und einen europaweiten Austausch fördern – das sind die Ziele von Europe 14|14.

[2Als Rednerin war auch die Bundeskanzlerin anwesend, aber noch beeindruckender - als Präsidentin der Deutschen Filmakademie - Iris Berben. _ Für Fotos waren nur die dpa für die Agenturen und Werner Schuering für die Freien zugelassen, weshalb es auch von dieser Veranstaltung keine Aufnahmen zu sehen geben wird - im Gegensatz zur nachfolgenden Veranstaltung
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mit Frank Walter Steinmeier, Chef des Auswärtigen Amts,

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mit - von links - Shermin Langhoff, Intendantin des Maxim Gorki Theaters Berlin
& Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung
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und den vielen jungen Gästen aus ganz Europa.

[3Siehe dazu u.a. den letzten Beitrag vom 29. April 2014: "WWI in 14 (+1) Tagebüchern"

[4"Die Etatdebatte vom Mai 1914 nutzte Karl Liebknecht erneut, um die internationalen Verflechtungen des militärisch-industriellen Komplexes aufzuzeigen. Nicht die von den Herrschenden als "vaterlandslos" diskreditierte Sozialdemokratie war unpatriotisch, sondern das in den Großbanken, Kartellen und Rüstungsfirmen konzentrierte Kapital."
Aus dem KALENDERBLATT-Beitrag des Deutschlandfunks vom 11. Mai 2014


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