Be Branded or Busted

VON Dr. Wolf SiegertZUM Mittwoch Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 13 Uhr 09 Minuten

 

Die Zeiten, wo der Presseausweis reichte, um damit einen freien Zugang zur Berichterstattung beantragen zu können - und diesen dann auch gewährt zu bekommen - sind vorbei.

Allein für die Veranstaltungen im unmittelbaren Umfeld dieser Tage ist es immer wieder notwendig gewesen, die Anfrage zu begründen, zu belegen, ja: durchzusetzen.

Dabei ist klar und - zumal einem privaten Veranstalter - unbenommen, frei darüber entscheiden zu können, wenn er für sich für welche Art der Publizität dabei haben möchte und wen nicht.

Auch ist es verständlich und nachvollziehbar, wenn danach gefragt wird, was bisher im Zusammenhang mit dem in Frage stehenden Thema schon geschrieben, gesagt und vorgezeigt wurde.

Auch bleibt es nicht aus, dass die wachsene Zahl der "Presseausweise der zweiten Wahl" [1] dazu führen, dass hier in Zukunft noch strengere Massstäbe angesetzt werden.

Und die Flut von Online-Publikationen macht es den Veranstaltern darüber hinaus nochmals schwerer, bei einer oft überbordenden Anzahl von Anfragen die "richtige" Wahl treffen zu können.

Es ist klar, je dynamischer, disperater und "onliniger" sich die ganze Presselandschaft entwickelt, desto grösser die Probleme, die sich dem Veranstalter stellen.

Aber es gilt auch: je mehr Kanäle und Kommunikatoren, desto mehr Chancen, sich über eine zunehmende Vielfalt von Verbindungen bekannt machen zu können und einen Diskurs über das eigene Tun in Gang zu setzen.

Dennoch - und das sei hier zunächst zur Diskussion gestellt - drängt sich nach den aktuellen Erfahrungen der Eindruck auf, dass es gerade angesichts dieser zunehmenden Herausforderungen dem Veranstalter am liebsten ist, gezielt auf bekannte Brands zu setzen.

Und dann vielleicht noch auf den einen oder anderen Namen, der in der Öffentlichkeit und/oder in der "Szene" bekannt ist.

C’est tout.

Alle anderen Kriterien, die jeseits dieses Massstabs noch aufgerufen werden könn(t)en, gelten nach wie vor in vielen Kreisen als ephemer.

Egal, ob das nun die Anzahl der Zugriffe auf eine Online-Seite sind, die Verweildauer auf bestimmten Texten, die Zahl der Downloads für einen bestimmten Podcast und so weiter und so fort.

Und dann haben wir noch nicht einmal davon gesprochen, wer denn diese Berichte zur Kenntnis nimmt und von welcher Qualität diese spezifischen Nutzerdaten sein kön(t)en.

Gerade in Zeiten dieser neuen Vielfalt und Möglichkeiten hat es den Anschein, dass es immer wichtiger zu sein scheint, sich an bestimmte Brands und Persönlichkeiten zu halten, die sozusagen als "sichere Werte" in diesem Tohuwabohu noch zu verorten sind.

Für diejenigen, denen weniger daran liegt, sich mit diesen spezifischen Qualiäten ständig in der Aussendarstellung "qualifizieren" zu wollen, wird damit die Arbeit doppelt schwer.

Sie müssen sich mit ihrer tagtäglichen Arbeit und der Qualität ihrer Arbeit tagtäglich messen lassen. Und sie müssen dafür Sorge tragen, dass die Ergebnisse dieser Bemühungen nicht nur von den Leserinnen und Lesern wahrgenommen und bestenfalls auch gewürdigt und finanziert , sondern auch von den Veranstaltern akzeptiert werden.

Dieser Spagat wird immer grösser und erfordert immer mehr Kraft, Kraft, die eigentlich mehr denn je notwendig wäre, um eine handwerklich gute wie auch sinnlich überzeugende Arbeit zu machen.


Wie sehen das Andere? Hier erste Hinweise und Antworten im Zusammenhang mit diesem Thema:

Der Journalist als Marke und die Selbstinszenierung des Richard “Scholl-Latour” Gutjahr. Von Olaf Kolbrück vom 6. April 2010 auf off-the-record: Blog für Marketing, Werbung und Medien

Rezension des Buches von Bernhard Pörksen, Wolfgang Krischke (Hrsg.): Die Casting-Gesellschaft, Herbert von Halem Verlag, Köln 2010; 346 S., 18 Euro. Von Tina Groll auf Zeit-Online vom 10.12.2010 - 13:09 Uhr.

Fortlaufende Einträge in Jasons Fry’s [2] Blog "Reinventing the Newsroom" und dessen dort eingerichtete Abteilung: "The Journalist as Brand"

Anmerkungen

[1Sie dazu auch die Anmerkungen auf der eigenen Website im Zusammenhang mit dem Thema Presse-Dokumente.

[2"I am a freelance writer, editor and consultant based in Brooklyn, N.Y."


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