Reaktionen auf den DigitalGipfel, Teil 2

VON Dr. Wolf SiegertZUM Samstag Letzte Bearbeitung: vor 8 Stundenzum Post-Scriptum

 

0.

Hier die Fortführung jener Sammlung von Reaktionen auf den DigitalGipfel, Teil 1. Es ging und geht um die schon seit Jahren immer wieder gestellte und auf dieser Plattform samt ihrer Antworten immer wieder neu dokumentierte [1] Frage: "Welche grosse Herausforderung kommt nach der Digitalisierung?".

I.

Zu Beginn dieser Art von Umfragen stiess diese Frage nur auf Unverständnis, Kopfschütteln und Sprachlosigkeit, so wie sie auch jetzt in Nürnberg als pars pro toto hörbar gemacht werden konnte:

Im Verlauf dieser zwei Tage aber hatte sie zumindest eine Chance, auch gehört, angenommen und sogar beantwortet zu werden.

Dieses erste Gesprächsbeispiel mit gleich 3 Antworten zeigt, dass sich die Lage deutlich geändert hat und die Bereitschaft und das Interesse bestehen, sich auch einer solchen Frage anzunehmen:

II.

Auch wenn all diese Antworten von den ca. 50 befragten Personen keine statistischen Rückschlüsse erlauben, ein Stimmungsbild stellen sie durchaus dar. Zumal es möglich ist, diese Antworten bestimmten Clustern zuzuordnen.

Zu hören sind zunächst einmal die Stimmen jener, für die es weder jetzt noch in den nächsten Jahren möglich ist, diese Frage wirklich beantworten zu können, da die aktuellen Digitalisierungs-Aufgaben noch eine lange Zeit im Mittelpunkt des eigenen Denkens und Tuns stehen würden.

Dazu hier drei kurze und dann eine vierte, ausführliche Antwort:

Und hier zu guter Letzt diese ’ultimative Antwort’ im Rahmen dieses Clusters:

Auch bei den nachfolgenden Antworten steht dieser Gedanke im Mittelpunkt, aber es wird darüber hinaus auch ein Blick in die Zukunft geworfen, mit Themen wie "Umwelt" oder der Aufforderung, "aus den Erfahrungen lernen":

In dem folgenden Dialog gibt es diese sich widersprechenden Positionen: die erste Stimme spricht von der Wahrung der "Privatsphäre" als Herausforderung, die zweite davon, dass es mit der Digitalisierung so weitergehen werde, wenn dann vielleicht auch unter einem anderen Namen:

III.

In den nachfolgenden Aussagen wird explizit auf die Fragestellung eingegangen, und es werden eine Vielzahl von Themen angesprochen, von der "Einheitlichkeit der Lebensverhältnisse" bis hin zu der Frage nach den in Zukunft wichtigen Werten und Zielen:

Am häufigsten sind dabei Positionen wie die hier zitierten vertreten, die sich immer wieder dem "Menschen" und zu guter Letzt seiner "Wohlfahrt" zuwenden:

VI.

Die hier vorgestellten Antworten sind alle am Vormittag des 4. Dezember beim Warten auf einen Kaffee oder das Mittagessen vorgetragen wurden [2].

Bei der Entscheidung, welche Frage auf dieser Veranstaltung überhaupt gestellt werden sollte, wurde nach ersten Versuchen ganz bewusst darauf verzichtet, nochmals Stellungnahmen zum Ende der CeBIT aufzurufen.

Erste Testläufe liessen schnell erahnen, dass die Dokumentation dieser Antworten wahrlich kein Vergnügen geworden wäre, auch wenn das Thema nach einer ersten eigenen Stellungnahme nochmals in einem anderen Zusammenhang zur Sprache kommen wird.

Es wurde auch darauf verzichtet, solche Situationen herzustellen, wie jene in den ZDF-Interviews, die dann am Freitag dieser Woche im Format der nachfolgend dokumentierten "heute show" präsentiert wurden.

Vielmehr wurden ganz bewusst ausschliesslich jene Momente genutzt, in denen die Menschen Zeit hatten, in den Schlangen vor der Garderobe oder vor der Kaffeemaschine, auch wurde ganz bewusst auf den Einsatz einer Kamera verzichtet und allen Befragten - trotzt erkennbarem Badge - die volle Anonymität ihrer Aussage vor jedem der Interviews zugesagt [3].

V.

Am Freitagabend am 7. Dezember 2018 strahlte das ZDF die heute-show mit Oliver Welke und Tina Hausten, Lutz van der Horst, Albrecht Humboldt, Dennis Knossalla und Friedemann Weise aus [4]

Ab Minute 28:00 wird als letzter Beitrag eine Reihe von Interviews von Lutz van der Horst vom DigitalGipfel in Nürnberg ausgestrahlt. Mit von der Partie sind auch diese drei MinisterInnen, zweimal CSU und einmal SPD:

VI.

Und heute sprechen in der DLF-Sendung "Computer und Kommunikation" Peter Welchering und Manfred Kloiber über "Sicherheitslücken und Datenschutz", der in der Audiothek als auch hier nachgehört werden kann:

VII.

Während im Nachgang zur Veranstaltung des Digitalgipfels 2018 in der FAZ die Forderung ihrer Abschaffung erhoben wurde, steht fest, dass sie sowohl 2019 als auch 2020 eine Fortsetzung finden wird. Es gibt mehr als genug Bewerbungen. Und es wird wohl ein wenig so verfahren werden wie beim Olympischen Komitee, das die Orte der Olympischen Spiele für die Jahre 2024 und 2028, Paris und Los Angeles, mit einer Entscheidung bekanntgegeben hat.

Klar ist schon jetzt, dass sich der Dialog zwischen der Politik und der Wirtschaft um die Partizipation der Zivilgesellschaft erweitern wird, dass er noch internationaler werden wird, aber auch noch kreativer und kritischer. Will sagen, dass es dem Digitalgipfel gut anstehen würde, wenn noch mehr über die gesamtgesellschaftliche Bedeutung dieser Herausforderungen nicht nur gesprochen würde, sondern diese in der alltäglichen Praxis auch stärker zum Vorschein kämen.

VIII.

"Die Mühen der Gebirge liegen hinter uns", so Brecht anno 1949. Alle drei an dieser Stelle vorgeführten Interviews - sei es in diesem Blog, in der Satire-TV-Show oder in einem Radio-Fachmagazin - zeigen, dass wir noch nicht einmal jene Gipfel erklommen haben, von denen man zumindest über das sich vor uns auftürmende Gebirge hinwegsehen könnten.

Wir sind derzeit so sehr damit beschäftigt, über die unmittelbaren zukünftigen Herausforderungen zu spekulieren, die ad hoc bewältigt werden müssen. Das macht es schwer, über jene Zukünfte nachzudenken, von denen wir uns noch gar keine rechten Vorstellungen machen können - ausser vielleicht in der Kunst und der Philosophie. Stattdessen liegen uns dann doch immer noch jene Blaupausen näher, wie sie uns aus den US-amerikanischen Gefilden heraus präsentiert werden. Oder zunehmend auch aus den Regionen in südostasiatischen Gefilden.

Wer vermag es, schneller und nachhaltiger aus Fehlern zu lernen, die Maschinen oder wir? Vielleicht könnten ja auf einem der nächsten Panels einige der Gipfelstürmer davon berichten, wie sie gescheitert sind, warum, und was sie dazu bewogen hat weiterzumachen?!

P.S.

Am Sonntag berichtet Sissi Pitzer im BR-Medienmagazin über den Digital-Gipfel und fragt: "Was passiert mit der kreativen Branche in der Digitalisierung?" ohne dabei auf Frau Monika Grütters, no show Staatsministerin für Kultur und Medien, getroffen zu sein. Statt ihrer sind zu hören:
— Jürgen Doetz: Digital ist mehr als Technik
— Dr. Angela Merkel: Für die Bepreisung von Kreativität
— Peter Altmaier: Die Paywall ist eine Krücke, wir brauchen ein Spotifiy für den Print-Content
— Achim Berg: Nicht nur der Wetterbericht, auch die Nachrichtensprecher könnten ein KI-Produkt werden.

Anmerkungen

[1Zum Beispiel anlässlich der hub.berlin am 28. November 2017

[2Bereits am Vorabend wurde in der Warteschlange vor der Garderobe zum Bitkom-Empfang eine erste Serie von Interviews geführt, die auf Anfrage ebenfalls zur Verfügung gestellt werden kann, diesen Beitrag aber an dieser Stelle überfrachten würden.

[3Und diese Anonymität wird voll und ganz gewahrt werden (bis vielleicht die Beobachtung, dass die einzige Person, die auf die Anfrage unwillig - um nicht zu sagen unwirsch - reagierte, aus dem Hause "Audi" kam.

[4


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