"tauschen" bedeutet: "zahlen"

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 4. Oktober 2018 um 12 Uhr 32 Minuten

 

Das ist Marketing pur: noch vor der offiziellen Stellungnahme des Fachministers zum Diesel-Kompromiss der Bundesregierung schaltet sich die Firma Renault mit diesem Werbe-Angebot in den Markt:

JETZT BIS ZU 10.000 € UMTAUSCHPRÄMIE SICHERN*!

Diesel gegen neu. Wenn Sie Ihren alten Diesel-Pkw beim Kauf eines Renault-Neuwagens in Zahlung geben, erhalten Sie bei teilnehmenden Renault Partnern bis zu 10.000 Euro Umtauschprämie*.
* Umtauschprämie:10.000 € bei Kauf eines Renault ESPACE, 10.000 € bei Kauf eines Renault TALISMAN, 10.000 € bei Kauf eines Renault KOLEOS, 5.000 € bei Kauf eines Renault SCENIC, 5.000 € bei Kauf eines Renault KADJAR, 5.000 € bei Kauf eines Renault MEGANE, 4.000 € bei Kauf eines Renault CAPTUR, 3.000 € bei Kauf eines Renault CLIO, 2.000 € bei Kauf eines Renault TWINGO, 3.000 € bei Kauf eines Renault ZOE, die auf den Kaufpreis des Neufahrzeugs angerechnet wird.
Wechselprämie nur gültig, bei Abgabe Ihres Dieselaltfahrzeugs mit der Euro-Norm 1-5 beim teilnehmenden Renault Partner. Das Dieselaltfahrzeug muss mindestens 6 Monate auf den Käufer des Neufahrzeuges zugelassen sein. Angebot gilt für Privatkunden, nicht kombinierbar mit anderen Angeboten. Gültig bei Kaufantrag bis 30.11.2018 und Zulassung bis 28.02.2019.

Liest man genauer, was auf dieser Seite damit gesagt wird [1], ist festzustellen:
- die Prämien von T€ 10 wird nur für die grossen Boliden gezahlt, für kleinere Autos gibt es nur wesentlich kleinere Prämien
- diese Prämien werden nur für neue Renault-Fahrzeuge gezahlt, nicht für die Renault-Marken wie DACIA
- für die Rücknahme des Gebrauchten wird gar nichts gezahlt, es ist lediglich von einer "Abgabe" die Rede
- Eigentümer eines alten Diesel PKW’s aus der Renault-Marken-Familien sind nicht besser gestellt als die Eigentümer anderer Diesel-PKW’s
- von der Gewährleistung von Ansprüchen von Eigentümern von Diesel-PKW’s aus der Renault-Marken-Familie auf Nachrüstung ihrer Fahrzeuge ist keine Rede
- dies gilt auch für die Eigentümer von Diesel-PKW’s, die in den besonders belasteten Städten - von Backnang bis Stuttgart - verkehren

Wo also, sind letztendlich die spezfischen Vorteile für Renault-Marken-Diesel-Kunden?

Nachfolgend Auszüge aus Zeitungen, die am 3. oder 4. Oktober - teils nur online - erschienen sind:

BERLINER MORGENPOST:

„Wirklich durchsetzen lässt sich das alles nicht. Zum einen muss die Autoindustrie auch wollen. Zum Zweiten müssen die Fahrer der entsprechenden Diesel wollen. Zum Dritten: Wenn weder Autoindustrie noch Kunden wirklich wollen, hat die Bundesregierung keine Handhabe, das mühsam geschnürte Gesamtpaket per Gesetz durchzusetzen. Eine gute, klare Lösung sieht anders aus.“

DER FREITAG:

„Prämien sind für viele Betroffene, die wenig Geld haben, keine Lösung, weil die sich kein neues Auto leisten können. Dass die Industrie Umtauschprämien so kalkuliert, dass sie am Ende noch Geld damit verdient, gehört zu den schmierigen Besonderheiten dieses Skandals. Und die Regierung steht weiter auf Seiten der Täter.“

DER TAGESSPIEGEL:

„Es ist weiter unklar, ob die betroffenen Dieselfahrer auf den Kosten für eine Nachrüstung sitzen bleiben, ob der Steuerzahler ran muss oder ob die Industrie die Verantwortung und die Rechnung übernimmt. Sie gibt sich bislang allein großzügig bei den ‚Umtauschprämien‘. Die aber sind vor allem gut fürs eigene Geschäft.“

FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG:

„Wahrscheinlich ist es eine Farce für die Umweltbilanz, wenn ältere Autos verschrottet und neue produziert werden, aber an den Messstellen werden die Schadstoffwerte sinken. Denn nur darum ging es letztlich: Fahrverbote in den Großstädten für den gemeinen Bürger vermeiden."

„Durch den Elektroantrieb wird das Auto weniger komplex, viel wichtiger werden das Internet und die Cloud. VW verbündet sich gerade mit Microsoft und plant zwei Software-Entwicklungszentren, eines in Amerikas IT-Hauptstadt Seattle, das andere in China. Das wäre eine Frage für die Bundesregierung: Wieso verfügt Deutschland eigentlich nicht über eine ausreichend große und wettbewerbsfähige Software-Industrie?

MANNHEIMER MORGEN:

„Mehr als dieses Paket war realistisch betrachtet nicht drin. Sehr wahrscheinlich ist, dass die Dieselkrise noch lange nicht vorbei ist, wenngleich die Koalition dies gerne sähe. Probleme, die jahrelang verschlafen wurden, lassen sich kaum per Federstrich auflösen.“

MITTELBAYERISCHE ZEITUNG:

„Dennoch sind sie kein Problem für Altdieselfahrer. Denn die Kommunen werden sie nicht überwachen können. So, wie die Kontrollen jetzt gedacht sind, muss niemand damit rechnen, dass er erwischt wird. Man wird den Verdacht nicht los, dass das genau so gewollt ist: Freie Fahrt für alte Diesel.“

STRAUBINGER TAGBLATT:

„Die Krux ist vor allem, dass nichts, was die Hersteller betrifft, gesetzlich geregelt werden kann. Gewiss, diese können sich nicht völlig ausklinken, vor allem jene nicht, die vorsätzlich betrogen haben. Was sie aber letztlich auch anbieten werden, es wird nicht genug sein, um alle zufriedenzustellen.“

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG:

„Die Hersteller dürfen Rabatte ausloben, um neue Fahrzeuge besser loszuwerden. Wer das Auto nicht wechseln kann oder will, darf Hardware nachrüsten. Wann aber solche Systeme genehmigt und am Markt sind, weiß kein Mensch. Das Kalkül der Regierung ist klar: Sie will das Problem aussitzen, bis irgendwann alle alten Autos verschwunden sind.“