Startseite > Kalender-Artikel > Müssen literarische Texte heutigen Erwartungen angepasst werden?
Müssen literarische Texte heutigen Erwartungen angepasst werden?
Donnerstag 6. Mai 2021, von
Dieser Beitrag schliesst sich an die Aufzeichnung vom Montag, den 3. Mai 2021 zum Thema CHARTA DER (Presse- und der) MEINUNGSFREIHEIT an.
In der erst am Tag der Veranstaltung, dem 5. Mai 2021, in Frankfurt am Main verfassten und von dort aus versandten PRESSEMITTEILUNG heisst es gleich eingangs:
... heute veranstalten die Frankfurter Buchmesse und die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung im Rahmen der Woche der Meinungsfreiheit (3.-10. Mai 2021) eine virtuelle Live-Diskussion zum Thema "Cancel Culture oder Trigger Warnung? Müssen literarische Texte heutigen Erwartungen angepasst werden?"
Die Veranstaltung wird um 18.00 Uhr live übertragen, den Link zum Livestream finden Sie hier. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Und im Subtext zu diesem auf YouTube ausgespielten ZOOM-Link heisst es:
Über den Umgang mit kulturellen Stereotypen, klischeehaften Darstellungen und diskriminierenden Formulierungen in der Literatur ist ein heftiger Streit entbrannt: Auf dem Prüfstand stehen Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur ebenso wie Werke des Literaturkanons. Daraus ergeben sich zahlreiche Diskussionsansätze: Wieviel Rücksicht muss Literatur auf die Bedürfnisse heutiger Leserinnen und Leser nehmen? Dürfen oder sollten die betreffenden Werke nachträglich umgeschrieben werden? Muss der klassische Kanon neubewertet werden?
Mit dabei sind, wie angekündigt, in alphabetischer Reihenfolge:
– Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse
– Ijoma Mangold, Kulturkorrespondent der Wochenzeitung DIE ZEIT und Autor
– Prof. Ernst Osterkamp, Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung
– Dr. Christiane Raabe, Direktorin der Internationalen Jugendbibliothek (IJB) München
– Ulrike von Stenglin, Verlagsleiterin, hanserblau
Hier kann das Gespräch nochmals nachverfolgt werden:
Und hier unten im PS-Bereich, findet sich die Chat-Doku, die - in gewisser Weise - für sich selber spricht. An dieser Stelle aber soll einer dieser Sätze nochmals aufgegriffen und zu ’Gehör’ gebracht werden.
Er stammt von Mathias Jeschke und lautet:
Danke, Herr Osterkamp, für die Einführung der hstorisschen Dimension.
Von dieser Frage ausgehend, hätte sich diese ganze Diskussion quasi nochmals "vom Kopf auf die Füsse" stellen lassen. Denn es geht um die wahrlich relevante Frage, ob und inwieweit es heute noch möglich ist, "historische Distanzen" wahrnehmen zu können, "weil im Internet im Grunde genommen alle Texte gleichzeitig sind".
Die Beobachtung von Ernst Osterkamp lautet, dass sich die Tendenz einer "grundsätzliche(n) Enthistorisierung (...) mit einem gesteigerten moralischen Anspruch" verbindet, was dazu führe, dass Vieles an der Vergangenheit nicht mehr zugelassen werde.
Aber nichts passiert: Hier wird eine These vorgetragen, auf die Niemand so recht zu antworten weiss, oder sich zu antworten traut, bis dass dann Ijoma Mangold das Wort ergreift und auf einige aktuelle Beispiele der Umwidmung von solchen Texten hinweist.
Die Frage und die ’Antwort’ sind hier nachzuhören:
Dabei hat diese hier zur These verdichtete Beobachtung nicht nur eine hohe Qualität und Gültigkeit, die weit über dieses hier vorgetragene individuelle Erleben hinausgeht. Ja, es ist eigentlich enttäuschend, dass selbst Jürgen Boos, der sich so früh und engagiert für das Thema der Digitalisierung des Buch- und Verlags-Sektors engagiert hat, so überhaupt nichts beizutragen hatte.
Am Ende des Chats fragt Priska Mielke:
Wollen wir wirklich eine Literatur ohne Ecken und Kanten, die niemandem wehtut, dafür aber auch keine gesellschaftlichen Debatten anstößt oder Konflikte aufdeckt?
Und der Autor dieser Zeilen fragt bei dem Moderator dieser Gesprächsrunde an, ob es nicht trotz - ja gerade wegen - dieser Sprachlosigkeit nicht umso dringender sinnstiftend und not-wendig sei, wenn wir diese von ihm aufgeworfene Fragestellung nochmals in einem anderen Kontext zur Sprache bringen würden - und sei es im Herbst 2021 auf der Buchmesse selber.
Die Folgen der Pandemie"welle" mögen zu diesem Zeitpunkt vielleicht wieder "abgeebbt" sein, die Folgen der Gleichschaltung des Historischen im Digitalen Raum sicherlich nicht: im Gegenteil!
WS
PS+
Hier am Ende des letzten bzw. zu Beginn dieses Tages der von Eckhard Roelcke anmoderierte Bericht von Ludger Fittkau in der Deutschlandfunk Kultur bzw. Deutschlandfunk-Sendung FAZIT, in dem er (fast) Alle(s) zur Sprache kommen lässt, nicht aber die von Osterkamp gestellte Frage:
Mikka Liest Ich bin gespannt!
ALFAcultura ich auch!
janelle kwong Ich auch!
janelle kwong oh, snap!
Nancy Della Ich auch
susannehvv Und ich erst!
buchmesse Livestream lädt noch...
Nathan Warszawski Nu!
Doradea Hallo
4youandme1 👍😀
Anne Sauerelbow cough
Felix Kucher Man wartet.
Cathleeen Wunderlich Frau auch 😊
Mikka Liest 😂
Anna T Da geht es schon los 😂
Ralf Schweikart Vielleicht passt YouTube die Diskussionsbeiträge vorab schon mal den heutigen Erwartungen an,
ALFAcultura mit ZOOM wäre das einfacher!
Axel dielmann Bücher aufklappen geht einfach einfacher ...!
Cathleeen Wunderlich Oder endlich einmal wieder live...
krflkfllfl wohl 18:00 c.t. statt s.t.
Valerie K. hallo?
Anna Becchi In der Zwischenzeit übersetze ich weiter...
Axel dielmann 18:00 y.t. = youtube time
buchmesse Es tut uns wahnsinnig Leid. Aber die Verbindung von Zoom auf YouTube funktioniert leider nicht. Wir stellen den Talk hier auf YouTube rein sobald die Aufnahme beendet ist.
Mathias Jeschke Vorgestern gabs einen interessanten Artikel in der FAZ, zum Lesen im Wartezimmer: "literatur-wie-cancel-culture-schriftsteller-verunsichert" (Link funktioniert hier nicht.)
Mark H Bisher sehr harmonische, wenn auch etwas statische, Diskussion.
nunbooxprodux 🔞
Mikka Liest Les ich halt noch ein bisschen in "Das Flüstern der Bäume" weiter...
Johanna Toensing Könnten Sie uns nicht auf Zoom zulassen?
krflkfllfl@buchmesse das ist dann erst in 2h oder?
Fröken S@buchmesse das heißt, es kommt jetzt erst mal nichts?
4youandme1 Never mind!🎈
Mathias Jeschke Wann wird das Ende der Aufnahme sein?
Felix Kucher Also ich bin dann mal weg.
Cathleeen Wunderlich Was heißt das genau? Ab wann steht die Aufnahme zur Verfügung?
buchmesse Leider ist das Video dann erst ab 19:15 auf YouTube. Ja.
Brienne of friggin Tarth Alles klar. Kein Problem. Manchmal klappt das mit der Technik eben nicht. :-)
Mikka Liest Ah, das ist über Zoom, aber noch nicht für die Öffentlichkeit?
Cathleeen Wunderlich Danke!
Fröken S Danke fürs Bescheid sagen!
Mathias Jeschke Okay. Danke!
Tim Heptner wir gucken später! und bald wieder physisch präsent ...
Mikka Liest Dann guck ich nachher wieder rein.
nunbooxprodux Hallo Mathias. Und tschüss - Ewart
Axel dielmann Merci. Heutige Erwartungen müssen literarischen Texten angepasst werden.
susannehvv Danke, liebe Buchmesse, fürs Probieren!
Olga Mannheimer muss man vielleicht eine Taste drücken - und wir sind alle zu blöd um sie zu finden?
nunbooxprodux Das wird mir zu devot hier. Bin dann auch mal weg.
Victoria LinneaSchade, schade … da kann man gar nicht mitdiskutieren. Denn ich sehe Betroffene in den Chats und vor allem weiße Akademiker*innen unter den Sprechenden ...
dieter brockmeyer Bin dann auch mal weg! Ist das hier jetzt eine praktische Übung, oder was... 😉
Olga Mannheimer@Nathan: nu-nu
buchmesse Es ist sehr ärgerlich. Aber der Zoom-Stream landet hier nicht. Wir könne leider nur die Aufzeichnung danach hier hochladen. Es tut uns Leid.
[...]
buchmesseUff. Jetzt. Finally....
Valerie K.oh! da ist es!
Mikka LiestWunderbar!
buchmesseSorry nochmal für diese schwer entschuldbare Verspätung. Und dennoch: Fragen zum Thema bitte einfach hier in den Chat schreiben. Sie werden ab ca. 19 Uhr im Panel beantwortet.
Mikka LiestManchmal streikt die Technik einfach, da können wir euch keinen Vorwurf machen. 🙃
Tim Heptner👍
Willkommen im Livechat! Bitte achte auf den Schutz deiner Privatsphäre und halte dich an unsere Community-Richtlinien.
Mathias JeschkeBei Dr. Seuss’ "Chinesen" denken ich an Rosendorfers "Briefe in die chinesische Vergangenheit". Mich erschrickt die Dimension dieser Fragestellung. Kann es um ein Political Correctness-Autodafé gehen?
Mathias JeschkeMeine beiden afrodeutschen Töchter haben "Jim Knopf" geliebt. Die Jüngste schlug als Lösung für das N-Wort den "Mega-König" vor.
Mikka LiestGroßartig, sie hat daraus ihre eigene Interpretation gemacht.
Mikka LiestHerr Mangold ist so still...
Matty@buchmesse Ich finde die verharmlosung von Rassismus hier schlimmer als ihre Verspätung.
Ell.Warum reden wir nicht über die Gegenwart? (hab jetzt erst bewusst eingeschalten)
KorneliaKönnten Sie bitte darauf achten, dass Sie das N*Wort nicht aussprechen, da dies Rassismus manifestiert
Mikka LiestHaben sie bisher nicht immer nur N-Wort gesagt?
Ell.Kann man bitte auf das N-Wort verzichten, man waeiß was gemeint ist. Danke!
Ell.nein.
MattyJetzt wurde das N-Wort auch noch ausgesprochen. Was soll das hier?
AJ CWieso erscheint da auf magische Weise ein Rassist wenn man es ausschreibt? Alle Teilnehmenden dieses Chats können das Wort wohl in seinen historischen Kontext einordnen.
Ell.Wieso wird nicht über das Gegenwärtige gesprochen?
krflkfllfldas einzige was langweilig ist, ist ihr gejammere über cancel culture
Mikka LiestAh, das habe ich dann überhört, die Übertragung hakelt hier etwas.
krflkfllfles geht nicht um die ablehnung von alterität, sondern die ablehnung von rassismus. und dass rassistische erzählweisen & bilder nicht weiter unkritisch tradiert werden
krflkfllfldas mangelne problembewusstsein sieht man ja schon an der zusammensetzung des panels.
hans peter flückigerfür mich lautet die Frage: Was haben Gesinnungsschnüffler in der Kultur zu tun?
buchmesseWenn Sie Fragen an die Teilnehmenden haben - bitte hier stellen. Sie werden dann gleich beantwortet.
Matty@krflkfllfl definitiv. Es wundert mich auch nicht, dass nicht auf die Kommentare eingegangen wird
KorneliaSmash the canon! Der Kanon ist patriarchale Unterdrückung. Wir müssen uns endlich von dem Konzept eines Kanons zu verabschieden
Andreas Stuhlmann@krflkfllfl aber die Figur des Jim in Huckleberry Finn macht ständig Rassismus-Erfahrungen, soll man das Buch verbieten oder redigieren, dass ein Rassist am Mississippi Jim als "PoC" adressiert?
Ell.Was hat das alles mit HEUTE nun zu tun? Wie macht ihr das nun alles BESSER, liebe Buchbranche?
Mikka LiestIch denke, es ist wichtig, das Thema Rassismus nicht einfach rückwirkend aus der Literatur zu streichen, das könnte nach hinten losgehen und den Eindruck erwecken, es würde unter den Teppich gekehrt.
Mikka LiestDie Frage ist für mich: wird es kritisch hinterfragt oder nicht?
hans peter flückigerunsere moralischen Standards von heute: es lebe die Sektiererei
Mathias JeschkeDanke, Herr Osterkamp, für die Einführung der hstorisschen Dimension.
MattyDieses Panel ist unter aller Sau. Rassismus Reproduktion, ausgesprochenes N-Wort, "Generation Snowflake"...
MattyWas soll bitte diese Argumentation?
Ell.@Matty I feel you.
Mikka LiestWenn ein Buch das Thema Rassismus anprangert und dazu Rassismus zeigt, ist das für mich was anderes, als die Übernahme rassistischer Sprache nur weil es früher halt so war.
MattyMarginalisierte Menschen leiden seit Jahrhunderten schon unter Diskriminierung. Wie können sie argumentieren, dass die Verantwortung nicht bei den Tätern liegt?
MattyDie Verletzung der Gefühle von Menschen ist immer die Schuld der Täter. Sprache kann auch verletzen und es liegt in der Verantwortung von Autor*innen und von Verlagen, dass gewährleistet wird,
Mattydass Rassismus und Diskriminierung nicht reproduziert werden.
Ell.[Nachricht zurückgezogen]
MattyEInzelpersonen die sich nicht verletzt fühlen sind keine Argumente dafür, dass es okay ist Rassismus zu reproduzieren
Ell.*"snowflakeleftthislostplace"*
Camilla Zoller[Nachricht zurückgezogen]
Camilla Zoller[Nachricht zurückgezogen]
Asmus TrautschWas wären geeignete Kommentierungsweisen älterer Lit. mit heute problematischen Wörtern, Themen, Perspektiven? Könnten Leseausgaben Formlösungen wissenschaftlich kommentierter Ausgaben übernehmen?
leicht-sinnSie sind alle überfordcert uind sie haben offensichtlich die falschen Gesprächspartner*innen.
Iova StankovaDanke euch!
Priska MielkeWollen wir wirklich eine Literatur ohne Ecken und Kanten, die niemandem wehtut, dafür aber auch keine gesellschaftlichen Debatten anstößt oder Konflikte aufdeckt?
Mathias JeschkeDanke!
4youandme1Vielen Dank für das spannende Panel!