I.
Natürlich: hier hätte in der Überschrift ""O’zapft is’!" stehen müssen. [1]
Aber der Autor ist des Bayerischen nicht mächtig und nichts ist peinlicher als sich in einem Dialekt, ja, in einer Sprache zu verheddern, derer man nicht wirklich mächtig ist. [2].
Man müsste allenfalls mal den Test machen, ob das Ranking bei Google höher ist, wenn man diese Überschrift nicht im Hochdeutschen schreiben würde...
Dabei hat dieser Ruf an die Massen um Punkt 12:00 Uhr zu Beginn des ersten Wiesn-Samstags noch gar keine so lange Tradition. Dies heute allseits bekannte Tradition sei erst 1950 vom Oberbürgermeister Thomas Wimmer eingeführt worden. Er hatte sich damls mit neunzehn Schlägen in Szene gesetzt, der in diesem Jahr letztmalig nach 14 Jahre als OB agierende Ude mit derer drei.
Am Abend dieses ersten Tages waren bereits ein halbe Million Gäste "gezählt" worden. Die Festzelte mussten bereit am frühen Nachmittag wegen Überfüllung geschlossen werden... [3]
II.
Wer sich über die Geschichte des Oktoberfestes informieren will, findet auf der gleichnmigen Internetadresse Oktoberfest.de folgenden unter anderem folgenden Hinweis:
Ende des 19. Jahrhunderts wurden aus den Buden dann Bierhallen, und die zusätzlichen Attraktionen wurden ausgegliedert, um mehr Sitzplätzen und schließlich auch Musikkapellen Platz zu machen.
In der Eröffnungsreportage des Bayerischen Rundfunks im Ersten am Nachmittag dieses Tages wurde diese Epoche und der Beginn dieser Zelt-Tradition wesentliche plastischer und konkreter geschildert:
Ein Nürnberger Unternehmer habe sich mit Schmiergeldern bei den Münchnern eingeschlichen und die Plätze von gleich mehreren benachbarter Buden zusammengekauft und statt ihrer dann auf der gesamten so erworbenen Fläche ein Zelt errichten lassen.
All diese Zelte: Armbrustschützenzelt, Augustiner-Festhalle, Bräurosl, Fischer-Vroni, Hacker-Festzelt, Hippodrom, Hofbräu Festzelt, Hühnerbraterei Ammer, Käfer’s Wies’n Schänke, Löwenbräu-Festhalle, Ochsenbraterei, Schottenhamel, Schützen-Festzelt und das Winzerer Fähnd’l können heute als 360-Grad-Panoramen im Internet besichtigt werden.
Angesichts dieser Fülle wird allzuleicht "vergessen" dass es eines ganz besonderen Schubes an "krimineller Energie" und "externer Intervention" bedarft hatte, um diese Idee erstmals umsetzen zu können.
III.
Auf der entsprechenden Website der Stadt München wird zur Historie des Oktoberfestes zu diesem Punkt folgendes geschrieben:
Die ersten großen Bierburgen wurden ab 1896 von
unternehmungslustigen Wirten in Zusammenarbeit mit den Brauereien aufgestellt; [4]
Und auch auf der Internet-Seite des Bayerischen Rundfunks wird dieser Augenblick in der Geschichte dieses seit 1819 zum Nationalfest ausgerufenen Mega-Events mit dem harmlosche Sätzlein umschrieben:
" [...] die großen Bierburgen. Die gab es 1896 zum ersten Mal, als unternehmungslustige Wirte sich mit den Brauereien zusammentaten." [5]
IV.
Auch der Einzug der Wiesnwirte ist einst als eine nicht genehmigte Demo gestartet worden, das war anno 1887, und wurde im Nachfolgejahr zunächst ohne entsprechende staatliche Zustimmung wiederholt - bis dann die Kraft des Faktischen die Verhältnisse neu zu ordnen begonnen hat.

V. (Nachtrag)
Am Sonntag danach wird das Oktoberfest-Thema samt der Sorgen und Machenschaften der Wirte zum Hintergrund der Tatort-Handlung in der ARD gemacht.
Nachdem zunächst der Aufbau von Fahrgeschäften und Zelten in die TV-Szenerie eingebaut worden war, wurde am Schluss selbst der Anstich des erste Bierfasses vom Samstag noch mit in den Sonntagskrimi eingeschnitten.
