ChariCheck XIII-XV

VON Dr. Wolf SiegertZUM Sonnabend Letzte Bearbeitung: 21. August 2017 um 10 Uhr 10 Minuten

 

Dieses ist der Kurzbericht vom dritten Wochenende in der Charité in diesem Jahr 2017.

"Sie sind jetzt ja schon ein Halbprofi", sagt der Stationsarzt bei der Aufnahme am Freitag. Mag sein, denn die Wege hier im Hause sind bekannt und einige der in der Station Beschäftigen erkennen einen wieder [1].

Einer der Anwesenden erinnert sich daran, dass es doch zu dem letzten Aufenthalt auch einen Blog-Eintrag gegeben habe [2]. Aber es seien ihm keine negativen Reaktionen auf diese Einträge bekannt geworden. Und das gelte auch für ihn selber.

Eine weitere Person erinnert sich bei der Einrichtung des Bettes daran, dass bei den vorangegangenen Aufenthalten von dem TV-Angebot kein Gebrauch gemacht wurde. Und sie findet das richtig so. Warum? Weil die Nutzung pro Tag mit 3,90 Euro zu Buche schlägt, die man aus eigener Tasche zu zahlen habe. "Aber, wenn viele Leute wie Sie darüber schreiben - oder uns schreiben - dass sie das für zu teuer halten", dann sei das die einzige Chance, dass sich daran nochmals etwas ändern würde.

Also wird dieser Sachverhalt hiermit nochmals notiert und öffentlich gemacht. Und da der für dieses Wochenende zugewiesene Raum und die Nähe des Bettes zum Fenster einen hohen Datendurchsatz über die im Rechner eingebaute SIM-Karte ermöglicht, ist klar, dass auch dieses Mal das TV-Programm nicht aufgerufen werden wird.

Es gibt auch so genug Input. Am ersten Tag war es einmal mehr notwendig, Geduld zu haben und Langmut zu entwickeln, auch wenn noch die jungen Leute vergeblich an einem herumstechen, ohne dass am Ende nach drei Versuchen auch nur eine einzige Kanüle erfolgreich verlegt worden wäre. So lernt man, wer und was ein "Famulant" ist, und was dieser noch so alles zu lernen hat. Und dass man mit einem ’PJ’ler eine grössere Chance hat, dass die Vene nicht nur getroffen, sondern auch in Funktion gesetzt wird. [3]

Der Sonnabend beginnt mit dem Mitternachtskrimi "Doberschütz und der amerikanische Freund" im Deutschlandfunk [4] und endet mit einem "Supermix aus [der] Adlershofer Unterhaltungsshow Ein Kessel Buntes - Spezial" im TV-Regionalprogramm "Meine Schlagerwelt" des MDR [5]. Dazwischen der tagesschau-Bericht warum Journalisten - offensichtlich fälschlicherweise - ihre Akkreditierung zum G-20-Gipfel in Hamburg wieder entzogen wurde.

Weitere Highlights dieses Tages sind die schon ab heute online abrufbaren Beiträge des Medienmagazins des BR und auf Deutschlandradio Kultur die Breitband-Spezial-"on-demand"-Sendung "Einmal alles bitte. Und zwar Jetzt!" von Christian Conradi, Jochen Dreier, sowie ein "Tacheles" Gespräch von Annette Riedel mit Thomas Metzinger zur Bedeutung und Zukunft der Künstlichen Intelligenz, das unter dem Titel-Link: "Vormarsch der künstlichen Existenz. Menschen könnten die neuen Affen sein" auch nachgehört und nachgelesen werden kann.

Am Ende des Tages waren 80% des monatlich eingekauften Datentarifs erschöpft und der Akku des Smartphones war ebenfalls fast am Ende. Aber in der Nacht lässt sich dieses wieder aufladen - und am Morgen des Sonntags ist es nicht notwendig, sich die Zeitung über den pressreader auf sein Smartphone zu laden, da die Sonntagsausgabe des "Tagesspielgel" als Papierversion zusammen mit dem Frühstück ausgehändigt wird.

Aber der Pressreader-Zugang bietet eine Vielzahl von Quellen an, die nur auf diesem Weg einsehbar sind. Hier ist es die HNA Fritzlar-Homberger Allgemeine vom 19. August 2017 mit einem Artikel der über VR-Anwendungen im medizinischen Umfeld berichtet, in diesem Fall geht es um "Angst-Therapie mit Virtual Reality." Ein Thema, mit dem am ersten Tag der Visite die anwesenden Ärzte noch überrascht werden konnten [6]

Wie schön, dass in diesem Moment davon keine Gebrauch gemacht werden muss. Satt dessen steht der Blick über die Stadt Berlin als uneingeschränkte Realität zur Verfügung. Siehe dazu auch das morgen erscheinende "Sonntags"-Foto mit einer Aufnahme vom heutigen Sonnabend.

Durch das geöffnete Fenster hört man regelmässig das Scheuern der S-Bahn-Eisenräder in der grossen Biegung vor der Einfahrt zum Hauptbahnhof. Und zwischendurch, als es einmal stille wird, ist das Klappen von Pferdehufen zu hören, von zwei PS, die offenkundig einen schon gummibereiften Kutschenwagen unten die Strasse entlang ziehen. [7]

Am Ende des Sonntags ist auch das Ende des Behandlungszeitraums erreicht. Und das wird gefeiert (so wie in diesem tweet dokumentiert ;-).

WS.

Anmerkungen

[1Dieses Mal wird nicht erst zum Abschied ein Scheinchen ins Schweinchen gesteckt, sondern bereits am Ende der Anmeldung ein gut verpackter Karton übergeben, dessen Inhalt so reichlich gefüllt ist, dass nach und nach alle dort Beschäftigten davon werden profitieren können.

[3Um das mit der Kamera des Smartphones aufgenommene Fotodokument hier mit einzubinden, wurde das Bild per MMS an jene Mailadresse geschickt, die auch über den Laptop abgerufen, eingesehen und in diesen Text an dieser Stelle eingebunden werden kann
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[4Dass ausgerechnet der Krimi wegen eines technischen Fehlers nicht voll ausgespielt werden konnte... welch ein Missgeschick: das dem Sender nicht das erste Mal und ausgerechnet bei diesem Format widerfahren ist. Und der daraus dennoch nichts gelernt hat...

[5Und ob man nun selber Freund oder Feind dieser Schlagerwelt ist, es ist ebenso beeindruckend wie bedrückend zu sehen, wie dieser Teil der "Hochkultur" der DDR nach deren Auflösung zerschlagen - oder sagen wir vielleicht besser: nicht mehr anerkannt - wurde.

[6Ein weiteres Thema, Gegenstand einer Deloitte-Studie, ist "Mobile Health".

[7Und um die Aussage glaubhaft zu unterlegen, gelang es später sogar, bei einer weiteren Tour das Gefährt auf einem - hier arg vergrösserten - Foto festzuhalten:
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