Deutschland digital. Anders als die Anderen?

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 3. Oktober 2017 um 00 Uhr 09 Minutenzum Post-Scriptum

 

Seit dem 20. Mai 2017 liegt uns diese Einladung vor, seit diesem Tag an dieser Stelle zunächst als Nachricht publiziert, in der Folge Zug um Zug aktualisiert und schliesslich auch zum Anlass der eigenen Berichterstattung genommen.

Prof. Dr. Isabell M. Welpe (TU München), Dr. h.c. Thomas Sattelberger („MINT Zukunft schaffen“), Prof. Dr. Dr. h.c. Manfred Broy (Zentrum Digitalisierung.Bayern) und Prof. Dr. Michael Dowling (MÜNCHNER KREIS) freuen sich, die geplante Konferenz „Digitale Transformation – gibt es einen eigenen Weg für Deutschland?“ anzukündigen.

Wir haben renommierte Wissenschaftler, Entscheidungsträger aus der Politik und erfahrene Experten aus Wirtschaft, Gewerkschaften und Verbänden eingeladen, um gemeinsam in Vorträgen und Diskussionsrunden einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Wir thematisieren folgende vier Spannungsfelder:
◾Industrielles Denken versus Smart-Service-Denken – Das Maschinenhaus Deutschland in globaler Zange?
◾Mitbestimmung 1.0 versus Arbeitswelt 4.0 – Trägt der erfolgreiche Weg der Sozialpartnerschaft in der entgrenzten digitalen Welt?
◾Disruptive versus evolutionäre Innovation – Ist Deutschland radikal genug im globalen Innovationswettbewerb?
◾Sprengt die digitale Revolution den sozialen Zusammenhalt?

Das offizielle Programm mit weiteren Details und Inhalten wird in Kürze verfügbar sein. Für Rückfragen steht Ihnen Felix Hofmann felix1.hofmann[AT]tum.de gerne zur Verfügung.

Hier das Programm als PDF-File (Stand 22. Mai 2017).

Und hier nachfolgend einige Aufzeichnungen, sogenannte blognotes, die vor Ort im Verlauf des Tages live erstellt wurden (Tippfehler inklusive ;-) [1]

9:30 Uhr
Eröffnung durch den Präsidenten der TU
Er erklärt die Bundesministerin als eine der ihren... mit ihren mehr als 25 Professuren, der entsprechenden Alumni, ... [2] .

09:45 Uhr
Keynote

Dr. Ursula von der Leyen
Bundesministerin der Verteidigung

Industrielles Denken versus Smart-Service-Denken:
Das Maschinenhaus Deutschland in der globalen Zange?

Von der Leyen ruft die Revolution aus. Die digitale Revolution. Und diese gelte "auch für die Verwaltung".

Wir brauchen die Digitalisierung: Auch für "den Einsatz": Heute sei alles "Software mit Metall drumherum" und sagt: "Unser Hubschrauber hebt gar nicht mehr ab, wenn er nicht am Internet hängt."

Und weiter: "Wir haben mehr als viertausend Angriffe am Tag. Aber es kann hier bis zu zweihundert Tage brauchen, um überhaupt erkannt zu haben, dass man angegriffen wurde."

Und sie spricht von ihrem Aufenthalt in Estland: dort sei die Papierwirtschaft weitgehend abgeschafft.

"Wir haben uns daher in den letzten drei Jahren komplett neu aufgestellt. Samt einer Abteilung mit einem CIO". Und einer Cybertruppe, als vierter Säule neben dem Heer, der Marine und der Luftwaffe. "Und damit sind wir Vorreiter".

Für diese explosiv disruptive Entwicklungen bedürfe es neuer Mittel. Und eine Verwaltung, die sogar akzeptieren muss, dass ein von ihr finanziertes Projekt auch scheitern kann...

- Durch die Digitalisierung haben alle Hierarchien durchgreifenden Zugriff auf alle Ebenen. Selbst Präsidenten könn(t)en heute direkt vom Regierungssitz aus in das (Kriegs-)geschehen vor Ort eingreifen - sollte es aber vielleicht nicht tun. Denn das würde eine Entmündigung der Zwischenebenen bedeuten. Kein remote micro management mehr: "Wir dürfen nicht übersteuern."

- In Zukunft gibt es keinen Mangel mehr an Informationen, sondern das Problem seiner Interpretation. Statt need to know, need to share. Es kann oft sein, dass die erste Info falsch sein kann.

- Wie gehen wir mit Big Data und Social Analytics um? Wie kann man den Sprachcode einer typischen Echokammer knacken, um auf diese Art und Weise deren Mitglieder schliesslich sogar umzudrehen? Wie können wir mit Algorithmen umgehen? Sind die Annahmen der Modelle wirklich korrekt und zutreffend? Sind sie uns bekannt? Ist uns klar, dass sie immer deterministisch sind und letztendlich nicht "wahr" sein müssen? Das Verstehen dieser Prinzipien ist keine Frage (nur) an die IT, sondern für die Führung.

Beispiel, der Fall Lisa: Die Bedeutung der Fake-News für die russischsprachige Gemeinde als Muster, um darauf schnell und immer schneller reagieren zu können.

Dieses Thema hat nicht nur Bedeutung für die Bundeswehr, sondern für uns alle in der Gesellschaft.

Sagte all dieses und noch viel mehr... und ward durch den Seitenausgang sam Kamerateam verschwunden.

Kommentar: Ein guter Vortrag, ein überzeugender Auftritt. Und ein allzu schneller Abgang. Das Ganze hätte man genauso als Videokonferenz laufen lassen können. Oder die Ministerin als 3D-Avatar auf die Bühne beamen können. Das wäre auch nicht weniger beeindruckend gewesen. Denn der entscheidenden Punkt bleibt der gleiche: Ein Dialog findet nicht statt.

10:15 Uhr

Es spricht, erneut, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang A. Herrmann
Präsident der Technischen Universität München

Nein, diese aktuellen Entwicklungen seien noch vor wenigen Jahren so noch nicht vorhersehbar gewesen. Auch wenn wir heute wissen, dass man sich dieser Entwicklung nicht entziehen könne. Auch, wenn die Uni heute darauf reagiert habe.

Die Spitzenstellung Münchens als Spitzenstandort der IT-Forschung in Europa soll und kann erhalten bleiben. Zumal die Vernetzung mit Jülich und Karlsruhe besteht. "Und wir weiter um die besten Köpfe" ringen. Von der Digitalisierung der Medizin bis hin zum Thema der Cyber-Sicherheit. Von der digitalisierten Produktion bis hin zur vernetzten Mobilität. Vom digitalen Planen und Bauen bis hin zur digitalen Agrarwirtschaft.

Aber: Die Veränderungen müssen auch im Kopf stattfinden.

"Ich sage, das Land - Beispiel Garching - hat gescheite Köpfe und nicht nur der Wasserkopf München."

Es gehe um eine Investitionsprogramm in Höhe von 5 Milliarden Euro, die auch dem Mittelstand zukommen sollen, dem Rückgrad unserer Wirtschaft.

Die "Unternehmerische Universität" sei ein Gegenentwurf zur Behörde. Aber "... manchmal wandern die jungen Leute nach Berlin ab, weil es dort mehr hipp ist, und weil dort unser Geld ausgegeben wird..."

Diese Digitalisierung sei dahergekommen wie eine "stille Revolution". Aber die Umsetzung in den technischen Anwendungen, "die haben uns überrascht".

10:30 Uhr

Prof. Dr. Isabell M. Welpe
Lehrstuhl für Strategie und Organisation, TUM

leitet die nachfolgende Gesprächsrunde ein. Mit den Begriffen der Innovation, der Disruption und dem "Neudenken". Es geht nicht mehr um die beste Technik, sondern um das beste Kundenerlebnis, der beste Organisation.

Und: Die Bildungsbranche ist noch am wenigsten von dieser Entwicklung beinflusst.

Dr. h.c. Thomas Sattelberger
Initiative MINT Zukunft schaffen

Technologische Veränderung ist immer gekoppelt an eine soziale Innovation.

Die Frage nach der digitalen Transformation hat uns beflügelt.

Prof. Dr. Dr. h.c. Manfred Broy
Zentrum Digitalisierung.Bayern

Die Frage ist, "gibt es überhaupt einen Weg für Deutschland?"

Wir müssen den gleichen Weg gehen, wie in den USA, aber auf eine eigene Art und Weise.

Prof. Dr. Michael Dowling
Münchner Kreis

Er wirbt für eben diesen.


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In eben dieser Zusammensetzung ist auch schon die Besetzung des Pressegesprächs benannt, das um 11:15 Uhr beginnt. Und daher ziehen wir an dieser Stelle auch die beiden Interviews vor, die in dieser bzw. in der nachfolgenden Pause mit zwei der Organisatoren geführt werden konnten, nämlich mit

- Prof. Dr. Dr. h.c. Manfred Broy

- Dr. h.c. Thomas Sattelberger

Das ebenfalls für heute avisierte Gespräch mit Frau Nemat konnte nicht geführt werden (siehe das Post-Scriptum), sie hatte in Bonn bleiben müssen und war kurzfristig über eine Videoverbindung zugeschaltet worden.

10:40 Uhr

Claudia Nemat
Mitglied des Vorstands Deutsche Telekom

Zur Einleitung: Sie macht genau das, was oben noch als Kommentar angesprochen worden war. Sie meldet sich über die Video-Strecke bei den Teilnehmern der Konferenz an. Und spricht aus einem Konferenzsaal (was ok. ist) mit einer schlechten Mikrofonie (was nicht ok. ist).

"Ich wäre deutlich lieber bei Euch vor Ort... kann das aber umstände bedingt nicht."

Marktumbrüche sind in der Geschichte unserer industriellen Entwicklung nicht Neues. Von der Automobilindustrie bis hin zur Medizin/Pharmabranche. Man kann auch an gutem Management kaputtgehen (sic! WS.). Was dazu führt, dass man die Marktumbrüche nicht rechtzeitig erkennt. Warum hat die SMS gegenüber Whatsapp versagt? Es geht heute weniger um das Thema Sicherheit, sondern um das Thema Bequemlichkeit und Kundennutzen.

Der Digitale Strukturwandel betrifft vor allem jene Unternehmen, deren Geschäftsmodelle vor allem auf Hardware basieren. Die Daten und die Fähigkeit, diese in die Kultur des Unternehmens übersetzen zu können, das ist das Öl für die zukünftige Produktivität.

80 Milliarden Euro kostet der Ausbau der Haushalte mit Glasfaser.

Was ist zu tun? Die Probleme lassen sich nicht mit den Mitteln lösen, durch die sie geschaffen wurden.

Im Mai wurde das Thema Research neu besetzt. Und heute wird die ganze Einheit mehr und mehr durch ein internationales Team gemanaged.

Es geht um Diversität - auch in den Vorständen.

Man muss die eigenen Fähigkeiten verstehen. Und die Spielregeln des digitalen Marktes begreifen. Diese Fähigkeiten sind: die Integration der Technologien, der Ausbau der Kabel-Netze. Die intelligente Nutzung der Potenziale.

Die Spielregeln:
- Die Einfachheit (simplicity). Komplexe Legacy - Strukturen, die müssen auch mal abgeschaltet werden! Wider dem "innerlichen erotischen Verhältnis zu seiner technischen Plattform".
- Verstehen, was man mit Daten machen kann. Um damit bessere Entscheidungen treffen zu können. Einfache Kundenanfragen sollen auch durch Tech-Bots beantwortet werden können, damit mehr Zeit da ist für die wirklich schwierigen Fragen. Wir schaffen ein Kompetenzzentrum für die Daten-Kenner, als "Community".
- Agile Strukturen schaffen. Nicht mehr nur das Risiko minimieren wollen und Qualität und Kosten optimieren. Sondern mit Trial’nd Error - Konzepten arbeiten. In dem neuen Modell fällt die Rolle des Middle-Managers weg, oder wird zumindest neu definiert. Gute inhaltliche Probleme lösen können, das ist die neue Aufgabe. Und hier geht es um eine kulturelle Transformation.

Nemat komme, so sagt sie selber, bei Codern gut an, aber nicht beim Middle-Management. Das Ziel besagt: "Ängste abbauen."

Das neue Profil gehe so: nur noch 40% Wasserfall, 30% Projektarbeit, 30% Agiles Management.

"Man muss nichts im Leben fürchten, man muss nur alles verstehen." Marie CURIE

Die Daten in den Kundensystemen dürfen von der Technik gar nicht genutzt werden.

Aber wir können auf dieser Grundlage neue Serviceleistungen verkaufen, wenn die Daten anonymisiert bleiben.

11:45 Uhr

Gespräch zum Thema:

Mitbestimmung 1.0 versus Arbeitswelt 4.0:
Trägt der erfolgreiche Weg der Sozialpartnerschaft in der entgrenzten digitalen Welt?

moderiert von Prof. Dr. Dr. h.c. Manfred Broy
Zentrum Digitalisierung.Bayern

Im Gegensatz zu "früher" bestimmt nicht mehr die militärische Entwicklung jene im nichtmilitärischen Bereich. Sondern heute ist es eher umgekehrt.
Informatik soll in Zukunft als Lehrfach an allen Schulen in Bayern eingeführt werden.

Iris Plöger
Mitglied der Hauptgeschäftsführung BDI e.V

"Jeder, der austauschbar wird, wird es in Zukunft noch schwerer haben."
"Wir wissen nicht, was wir den Kindern für ihre Arbeit von morgen beibringen sollen."
"Selbst 50 MB/sec sind für unsere Gesellschaft viel zu wenig."

Jürgen Walter
COO Kathrein-Werke KG

Innovation ist Key. Aber das müssen in einflussreichen Positionen auch die Leute verstehen. "Nobody is perfect, but a team can be."
"Wir suchen dringend JAVA-Entwickler. Wenn jemand jemand kennt, wollen wir diese Leute kennenlernen."

Prof. Dr.-Ing. Dieter Spath
Präsident Acatech

"So mancher Chef muss vom Saulus zum Paulus werden."
"Das Thema der Instandhaltung kann durch die Vernetzung einen riesigen Sprung nach vorne machen."
"Die Lehrer haben nichts mehr zu tun mit dem, wovon wir hier reden. Wir brauchen für die Zukunft so was wie eine Duale Lehrerausbildung" (Applaus).
" Wir brauchen nach wie vor eine gute Infrastruktur-Entwicklung."

Prof. Dr. Michael Dowling
Münchner Kreis

50% der apple-i_phones kommen aus dem Data-Research-Bereich.
" Wir müssen mehr Mut haben, zu experimentieren."

Fragen aus dem Publikum:

Hagen Hultzsch fragt: Welche Zukunft hat der Maschinenbau in Deutschland.
Manfred Broy antwortet: wir haben eine Chance, wenn wir KI richtig einsetzen.

Schlussfrage: Wo sind die Kinder als Sichtwortgeber für die Gesellschaft der Zukunft?
Iris Plöger": Wir haben nach wie vor Probleme, die Frauen in die MINT-Fächer zu kriegen."

Was das Thema "Frauen" betrifft, so beginnt der Nachmittag mit einer eloquenten Frauenrunde samt einem "Alibi-Mann":

14:00 Uhr
Panel: Disruptive versus evolutionäre Innovation:
Ist Deutschland radikal genug im globalen Innovationswettbewerb?

Moderation: Prof. Dr. Isabell M. Welpe
TU München

Stefan Ries
Personalvorstand SAP SE

Wenn sich die beiden Parteien treffen, kommt auch was Vernünftiges bei raus.
Keine Führungskraft hat Interesse daran, nur Kontrolle ausüben zu müssen. Es bedarf einer Vertrauenskultur. Heute darf jede(r) seine eigenen mobilen Endgeräte mitbringen. In China hat sich in nicht einmal fünf Jahren WeChat etabliert. Und in Deutschland?

Lena-Sophie Müller
Geschäftsführerin Geschäftsstelle Initiative D21

26% machen schon Home Office. Aber die Männer haben dreimal mehr mobile Geräte in Verwendung als die Frauen. "Gig" und "Klick" und "Crowd"-worker sind Einzelkämpfer. Und noch etwas anderes als Selbständige?

Dr. Constanze Kurz
GBR Robert Bosch GmbH

Wir haben heute auch in der Fertigung - der Gral der deutschen Facharbeiter - einen grossen Strategiewechsel vor uns. Die neuen 4.0-Projekte kommen nicht gegen langfristig gewachsene Strukturen an. "Und ich weiss, wovon ich rede, ich war viel im Maschinenbau unterwegs."

"Wir wollen mehr Pilotprojekte habe, mehr Labore. in denen auch nicht alles erlaubt wird, aber auch nicht alles verboten. "

Sabine Bendiek
Vorsitzende der Geschäftsführung Microsoft Deutschland

Sozialpartnerschaft macht Sinn. Das Wissen, was technisch möglich ist, fehlt nach wie vor an vielen Stellen. Was geht heute eigentlich wirklich? Die Frauen müssen endlich auch ihre Chancen haben. "Wir arbeiten super viel daran."

Sie müsse davon weg, den Verlauf der Prozesse zu detailliert vorzuschreiben. Es geht allenfalls noch darum zu sagen, wo die Grenzen sind, welche Leitplanken wo aufzustellen sind.

Wir brauchen_
- Digitale Bildung
- Digitale Kompetenzvermittlung
- Die Abschaffung der digitalen Ausgrenzung
- Kein Krieg, viel Frieden, hohe Wahlbeteiligung
- Aufhebung der sozialen Spaltung zwischen den Analogen und den Digitalen
Ausreichend Schlaf, gute Ernährung, Achtsamkeit ... kurz und gut: Im Reinen sein mit sich selber.

15:00 Uhr
Keynote

Christoph Keese
Executive Vice President Axel Springer [3] [4] [5]

Erst 2013 habe er verstanden, warum es im Silicon Valley geklappt hat und nicht in Deutschland.

Selbst die Digitalisierung des Stammgeschäftes allein reicht nicht aus, um der Pleite zu entgehen.

Also muss man in die digitale Disruptoren investieren.

Die 5 wertvollsten Unternehmen der Welt sind Plattformen, dazu gehört auch Apple.

Twitter ist an der Börse dreimal so viel wert wie Springer, obwohl man dort noch nie Geld verdient hat.

Wir stecken inmitten eines perfekten digitalen Sturmes - und lesen in Deutschland immer noch die Wasser- und Stromstände an mechanischen Zählern ab.

Alsbald wir es möglich sein, 50 Millionen Nutzer in wenigen Sekunden zu aktivieren.

Ein Gang durch die deutsche Wirklichkeit ist ein Streifzug durch die Vergangenheit. Es geht auch Anders. Das Beispiel ist "AMAZON.Go" mit Sensor Fusion.

Ja, auch er wisse um das Thema Datenschutz. Aber wenn die Belohnung gross genug sei, sei man auch gerne dabei, dafür seine Daten preiszugeben.

Amazon muss wissen, was ich gleich bestellen werde, bevor ich es selber weiss (als Beispiel wird Deep Mind gezeigt ).

Es geht einmal mehr um das Schlag-Worte: DISRUPTION
Auch als die CD erfunden wurde, blieb das Vertriebsmodell erhalten. Das änderte sich erst mit Spotify.
Die Zahl der Saugnäpfen an den Windschutzscheiben zeigt, wie und warum die Automobilindustrie versagt hat.

Im selbstfahrenden Auto werden im Schnitt bis zu 1,5 Stunden an Aufmerksamkeit pro Tag frei. Welche Herausforderung - und Chance - für einen Verlag!

Wie kann der deutsche Weg aussehen? Es gibt Anlass zur Hoffnung!

Johann "JJ" Jungwirth von Volkswagen will einen Schlüsselanhänger unters Volk bringen.
Und aus einem Autofenster-Array wird ein 360 Grad Bildschirm.

Die Plattformen erbringen die Leistungen nicht, die sie verkaufen: von der Alibaba Group bis UBER ... uns verdienen damit / dadurch ihr Geld.

Wir können Weltmarktführer für B-to-B-Plattformen werden.

Blockchain, Internet-of-Things, Artificial Intelligence, das sind Hoffnungs-Punkte für diese Entwicklungen, nachdem man das Cloud-Thema vertan hat.

Nota: Die von den Maschinen geschriebenen Fussball-Spielberichte werden schon heute von den Lesern mehr geschätzt, als die von Menschen geschriebenen.

Die Felder, auf denen man sich ökonomisch engagiert, werden in der Perspektive zunehmend kleiner sein. Man muss nur die Dinge tun, auf die man sich wirklich konzentrieren will und muss.

Nota: Wir haben es mehr und mehr mit "The Winner Takes it All" - Märkten zu tun.

16:15 Uhr
Keynote

Dr. Frederik G. Pferdt
Chief Innovation Evangelist Google Inc.
Sprengt die digitale Revolution den sozialen Zusammenhalt?

Wir können heute Dank der Technologie alle Sprachen sprechen, wir können Tumore identifizieren. Wir können...

Vor 28 Jahren wurde die erste Mail von Karlsruhe nach Boston versandt. Die technische Entwicklung verläuft exponenzial. Aber die Denkweise verläuft weiterhin linear. Heute können "wir" alle Spiele spielen und gewinnen, aber seit kurzem haben auch unsere Maschinen laufen gelernt.

Das Experiment mit dem Publikum lautet: In 45 Sekunden ein Profilbild des Nachbarn, der Nachbarin zu zeichnen.

Seine Leitfrage: "Wie ist es, wenn sie in einer Organisation sind, in der sie eine radikal neue Idee geboren haben?" Und seine Antwort lautet: "Wir brauchen Vertrauen, neue Ideen nicht nur denken, sondern sich auch mit-teilen zu dürfen."

Kinder dürfen fragen - und in Frage stellen, wie diese:
— Was wäre, wenn wir die Transformation zu sauberer Energie beschleunigen können?
— Was wäre, wenn die Raumfahrt für die Menschen erschwinglich wird?
— Was wäre, wenn wir jedem Menschen auf der Welt Zugang zum Internet geben könnten?
— Was wäre, wenn wir alle Sprachen sprechen könnten?

Und jetzt.... solle das Publikum eine solche "Was... wenn... Frage stellen".

Die des Autors: "Was wäre, wenn wir vor dem Tod keine Angst mehr hätten?"

Führungskräfte müssen Fragen stellen können. Es geht "um eine gesunde Missachtung des Unmöglichen", und es geht darum diese Frage anderen mit-teilen zu können. Und daraus wird "The next thinking." [6]

Diese Offenheit und Transparenz ist wichtig. Aus einem "Ja, aber... ein Ja, und..." machen. Und das soll auch ganz praktisch im Publikum zelebriert werden. Und praktiziert.

Das Ziel ist es, Selbstvertrauen in die eigene Arbeit zu bekommen.

Was macht ein Team wirklich innovativ? "Psychological Safety!"

Die Sicherheit zu verspüren, dass man in Sicherheit arbeiten - und spinnen - kann.
Neugier, kreatives Selbstvertrauen schaffen, das alles kostet keinen Cent.

Was macht die Arbeit erfolgreich? Die Relevanz der Idee für den potenziellen Nutzer.

Diese Aufgaben gilt es auch in der Arbeit mit Flüchtlingen zu lösen: Es gelte Identität zu schaffen (das Hab und Gut einpacken können) und Partizipation zu ermöglichen (Bustickets für eine Fahrt in die Stadt zu besorgen.

Die Aufgabe: jeden Morgen drei Dinge aufschreiben, für die man dankbar sei.
Und nach 20 Tagen bedarf es keines Zettels mehr, um optimistisch in den Tag zu schauen.

17:00 Uhr
Drei Perspektiven

Dr. h.c. Thomas Sattelberger
Initiative MINT Zukunft schaffen

In Deutschland dominiert das "Maschinenmodell".
Können etablierte Unternehmen Transformation?
Wenn wir die Transformation nicht packen, können wir einpacken.

Was ist mit Next-Generation-Unternehmen und Unternehmungen?
Gibt es Souveränität oder "Amazonisierung"? Gibt es Digitale Freiheit oder Digitale Tagelöhner?

Was sind die grossen Innovationsverhinderer? IGM, Angst, amazon...

"Bedingungsloses GrundEeinkommen ist wie eine Erlöserdiskussion - und blendet komplett die Politik aus."

Prof. Dr. Stephan Jansen [7]

Karlshochschule

"Technolgie beeindruckt immer so." Aber warum. Es geht um einen kulturoptimistischen Handlungsaufruf.

"Es geht hier nicht um Kirchentagsstimmung, die man hier auch erleben durfte."

Die faktischen Monopole der Plattformen wird an die Grenzen stossen.

"Die Blockchain ist das nächste grosse Thema der dezentralen Vernetzung und Kontrolle."

Wir haben die vierte industrielle Revolution ausgerufen, bevor sie stattgefunden hat.

"Obdachlosigkeit lässt sich immer noch nicht mit einer App lösen..."

"Wenn das die digitale Lösung sein wird, dann will ich meine analoge Lösung zurück haben." Seien sie optimistisch für die hybride Einstellung.

Die Silicon Valley Dramaturgie der UTOPIE steht dem Modell der europäischen DYSTOPIE entgegen.

Haben die Algorithmen die Qualität eines öffentlichen Gutes? Wem gehören sie?

"China wird schneller alt statt reich."

In Europa wurden die Universitäten erfunden, und die Sozialversicherung.

"Es ist nicht wahr, dass morgens um 8 Uhr 12 jährige Jungens mit Freude ihrem Mathelehrer zuhören wollen."

Das Privatvermögen in Deutschland wird die neue fünfte Gewalt werden. Diese Thematik muss auf die Agenda.

Die Plattformen werden in zwanzig, dreissig Jahren zu öffentlichen zivilgesellschaftlichen Einrichtungen werden.

Nicht nur in den wilden Westen gucken und/oder in den gefährlichen Osten, sondern Teilhaben an einem europäischen Humanismus.

Jedes aktuelle Nachsorge-Problem, was wir heute haben, das hat die CARITAS schon vor acht Jahren gehabt.

Toomas Hendrik Ilves
Staatspräsident Republik Estland a.D.

Wir haben in diesem Land keine politische Entscheidung getroffen, sondern eine ökonomische. Die Digitalisierung war die Voraussetzung, um als Gesellschaft überleben zu können.

Seine These: "AI can become part of your government...!"

Die Musik-Industrie hat sich total gewandelt. Auch der Nokia-Anteil von Telefonen bestand einst bei über 50%. Und wie ist es heute mit den Regierungen?

Er zeigt Bilder von seiner ID-Karte samt seiner Ident-Nummer und er zeigt Bilder von seinen drei Kindern - "damals" und heute. Und er zeigt, wie er online gewählt hat. Und die Frage ist: kann es eine virtuelle Heimat geben? Sein Beispiel: Diego und Saskia entwickelten ein Angebot, eine neue Heimat in Estland zu finden. Es gibt heute 680 Millionen unabhängige Werktätige, die so etwas nutzen könnten.

Und so macht er Werbung für sein Land als einer virtuellen digitalen Plattform für die Sicherung und Ausgestaltung supranationaler Existenzen. Und dann muss er quas von der Bühne stürzen da das Taxi schon vor dem Eingang wartet, um ihn noch rechtzeitig zum Flughafen zu bringen.

Und so gilt zum Anschluss leider einmal mehr: ein Dialog fand nicht mehr statt.

18:30
Take-Aways & Ausklang

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Auf der Seite http://digitaletransformationdeutschland.de/?p=56#more-56 heisst es: "Schreibe einen Kommentar. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. " Wir greifen diese Anregung gerne auf, denn erste kommentierende Anmerkungen und Hinweise finden sich bereits den Fussnoten. Diese werden jetzt zum Abschluss dieser Aufzeichnungen wie folgt ergänzt:

Meine verehrten Damen und Herren aus der Wissenschaft: Es ist beeindruckend, wie sie sich eine so hoch qualifizierte Schar vom Menschen einem so wichtigen Thema mit so viel Engagement annimmt. Und dennoch bitte ich diese Frage nochmals zu bedenken: Warum dieser Titel? Was ist damit wirklich gemeint? Ist es wirklich die Transformation, die digital ist? Geht es nicht vielmehr um eine Transformation in eine zunehmend digitalisierte Welt, die selber noch etwas ganz anderes ist als schon "digital"?
 
Eine nur kleine linguale Petitesse? Nein: Hier wird etwas grundsätzlich - ja, vielleicht nicht verkehrt gemacht, aber zumindest - nicht bedacht. Nochmals: Nicht die Transformation ist digital, nicht einmal der Weg dahin ist es.
 
Die Beobachtung dieses Prozesses ist alles andere als eine Petitesse. Und deshalb treffen wir uns ja zu Veranstaltungen wie diesen, um darüber nachzudenken, darüber zu reden und zu diskutieren. Und dabei nutzen wir an diesem Tag wie diesen auch eine Reihe von digitalen Hilfsmitteln. Aber dann stehen alle ganz real vor der Eingangstür und lassen unsere Taschen kontrollieren. Und er Hunger treibt uns zum Mittagessen. Und wir werden am Abend zu Wein und Bier eingeladen.
 
All das ist sehr konkret, ganz real. Und vielleicht sogar, schlicht und einfach, banal. Doch wir, die Privilegierten, merken kaum - oder gar nicht - wie wir dabei sind, uns auf der einen Seite dieser Entwicklung aktiv zu stellen, und auf der anderen Seite immer mehr Menschen von dieser Art des "Neuen Lebens" abzuhängen.
 
Auf der einen Seite sehen wir uns durchaus als "Macher", beklagen aber schon die Abhängigkeit von grossen Konzernen und Quasi-Monopolen, denen auch wir uns nicht (mehr) zu entziehen vermögen. Auf der anderen Seite vergessen wir im Kampf um und mit diesen Strukturen, dass es viele Menschen gibt, die überhaupt nicht in diese eingebunden sind - oder es auch nicht sein wollen [8].
 
An diesem Punkt müsste jetzt ein längeres Gespräch einsetzen, das an dieser Stelle so nicht geführt werden kann. Daher das Ganze in einer provokanten These überspitzt wie folgt formuliert: Zur Zeit erleben wir, wie sich in dem reichsten Land Europas unter der Oberfläche des Wohlstandsstaates eine nationalistische Strömung breit macht, die in diesem Jahr erstmals nicht mehr nur die Ränge, sondern auch die Sitze in Bundestags besetzen wird.
 
Eine Generation weiter, wird eine solche Opposition auch die bis dahin noch weiter digitalisierte Welt der Plattformen und Subsidiäre erfasst haben. Und es wird eine Grundsatz-Opposition geben, die sich schrill und schrecklich zu den Folgen dieses Prozesses äussern wird: in und mit den neuen Möglichkeiten, die nur die Digitalisierung anzubieten vermag.
 
Das, was wir heute als Fakenews beklagen, die Befürchtungen um den Verlust des Einflusses der Presse als die vierte Gewalt, all das ist nicht mehr als das erste Wetterleuchten einer Fundamentalopposition, die sich den jetzt gelegten Fundamenten einer neu definierten, zunehmend virtuell verwalteten Existenz entgegenstellen wird. Und das - auch - mit digitaler Gewalt [9].


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P.S.

Im Verlauf dieses Tage wurde versucht, mit allen vier Veranstaltern Interviews zu führen. In zwei Fällen war dieses trotz des eigenen Bemühens letztendlich nicht möglich: Frau Prof. Dr. Isabell M. Welpe hatte uns zu einem Pressegespräch eingeladen, war dann aber nach der Begrüssung in Verlauf desselben nicht mehr zugegen. Von Prof. Dr. Michael Dowling lag eine Zusage vor, am Ende des Tages eine Zusammenfassung für die englischsprachigen Gäste dieser Seite ins Mikro zu sprechen, aber er war nach dem Ende der Veranstaltung weder am Tisch der OrganisatorInnen - die sich selber auch nicht persönlich äussern wollten - noch auf dem Empfang am Eingang zum AudiMax zu finden.
Auch in weiteren Fällen konnte diese Absicht nicht umgesetzt werden: Claudia Nemat war in Bonn geblieben und hatte sich über einen Videokanal zugeschaltet, mit Jürgen Walter - dem Autor noch bekannt aus seiner Zeit bei Fujitsu - wurde vereinbart, sich an diesem Tag nur "unter Dreien" zu besprechen. Gleiches gilt für Stefan Ries, zumal wir gute Anknüpfungspunkte über des Stichwort d.confestival in Potsdam hatten. Und das galt auch für Dr. Frederik G. Pferdt, der bereits in Potsdam gesprochen hatte, aber auch heute nicht ohne Begleitung eines Pressemenschen ins Mikrofon sprechen wollte.

Und das mit Toomas Hendrik Ilves ausgemachte und terminlich fixierte Gespräch und Interview musste ausfallen, nachdem sein Vorredner, Prof. Dr. Stephan Jansen, die Bühnen-Vortrags-Zeit, die ihm vorgegeben war unerbittlich um fast das Doppelte ausgedehnt - und keine(r) der Organisatoren sich ihm gegenüber mit entsprechenden, mehr oder weniger diskreten Signalen, bemerkbar gemacht hatte.

Und wenige Stunden später ein Gespräch von Christian Sachsinger mit Burton Lee und, erneut, Manfred Broy, zum Thema einer K.I.-Strategie und deren Finanzierung:

Umso erfreulicher, darauf hinweisen zu können, dass zum nachfolgenden Wochenende ab dem 22. September 2017 auf der Online-Seite des Medienmagazins des Bayerischen Rundfunks, B5 aktuell, ein Gespräch der Redakteurin Sissi Pitzer mit Christoph Keese zum Thema Digitale Disruption im Journalismus veröffentlicht wurde:

Das hier besprochene Thema wurde nochmals von Christoph Keese in einem Interview angesprochen, das Christoph Heinemann mit ihm am 29. Septermber 2017 im Deutschlandfunk geführt wurde

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:

Anmerkungen

[1Wenn auch mit einigen Handycaps.... es gibt so gut wie keine Steckdose im gesamten AudiMax und der W-Lan-Zugang ist nicht praktikabel, was aber auch an der Sicherheitsarchitektur des eigenen Rechners liegen mag.

[2... während sie es ist, die später den Herrschaften erklärt, was für eine Tortour das noch gewesen sei, Tonnen von Papier für die Beantragung der Kindergartenplätze auszufüllen zu müssen... (sic!).

[3Sein letzter Tweet vom 12. September besagt: "Journalisten, die #Digitalisierung verstehen: Meine Firma #AxelSpringerHY stellt Redakteure/innen ein. Interesse? Mail an liane.weber@hy.co".

[4Die Zusammenfassung seiner Präsentation ist abzurufen unter --------

[5Sein zweiter Buchtitel, auf dessen Inhalt er sich in seiner Präsentation vor allem bezieht lautet: Silicon Germany.

[6Auch bei Google: "Think Google It’s Friday" - gibt’s bei Google als "TGIF".

[7Kommentar: Ein guter Mann mit einem guten Text und guten Absichten und guten Referenzen. Und doch macht er alles verkehrt. Er versteckt seine Kritik in Zynismus, seinen Humor in einer Karikatur des Zitates, die Vielfalt seiner Einsichten in eine einfühlsame Dramaturgie, die sich um Verständnis bemühen sollte und nicht nur um Erkenntnis. Sein Beitrag klingt so, als wolle er sich dafür rächen, dass nicht er die Keynote habe halten dürfen. Und erschlägt damit nicht nur sein Publikum, sondern auch sich selber.

[8Das können bei den Jungen jene sein, die sich für so etwas wie "DigitalDetox" engagieren, bei den Alten eine Fraktion von Leuten, die sich vielleicht einmal als "digitale Reichsbürger" ausweisen werden...

[9

Martin Schautdumm: This is a cover of the german punk band "Ton, Steine, Scherben", the lyrics basically mean: destroy what destroys you. All sounds are from a circuit bend toy guitar I made with a friend. I sampled them into my Akai S6000 and sequenced it with a program called "IMS" running on an Atari ST. The video is filmed with a (cappy) mobil phone on a normal day in the city center of Leeuwarden (Netherlands).


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