Le Pen vs. Macron: Auge um Auge, %Zahl um %Zahl

VON Dr. Wolf SiegertZUM Mittwoch Letzte Bearbeitung: 5. Mai 2017 um 14 Uhr 28 Minutenzum Post-Scriptum

 

In dem Beitrag vom 24. April 2017 "LE PE(i)N: 30 plus" ist bereits auf das Thema der französischen Präsidentschaftswahlen eingegangen worden. Und, anders als befürchtet, hat die Partei von Madame Marine Le Pen in der ersten Runde nicht die mit Abstand höchste Wählerstimmen-Anzahl erreicht.

Jetzt sassen sich die beiden Kandidaten im Abstand von weniger als 3 Metern direkt im Studio des Fernsehsenders TF1 gegenüber.

TF1 war in Frankreich einst das, was in Deutschland "Das Erste" ist. Heute ist es der grösste Privatsender, der sich noch heute auf die Notorietät des Ersten TV-Senders in Frankreich beruft.

Aber jede(r) die(der) heute am Abend dieser Debatte zuschauen wollte, musste sich als Nutzer(in) gegenüber dem Sender zu erkennen geben und als solche(r) online identifizieren.


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Der Sender Phoenix gab in Deutschland in einem Livestream die Möglichkeit, diese Diskussion mitzuerleben - und das auch für jene Zuschauer(innen), die nicht des Französischen mächtig sind.

Bei dem Versuch, auf eine Übertragung des Original-Signals zu stossen, bietet sich alternativ dieser YouTube-Kanal an: https://youtu.be/fs4aB1OLR6s [1].

P.S.

Das schreibt: LesEchos.fr am nächsten Morgen, den 4.Mai 2017, im Nachgang zu diesem Wort-Duell: "Débat : Macron jugé plus convaincant que Le Pen"

Das schreibt die ZEIT-Pressestelle als Vorabmeldung für die Donnerstags-Ausgabe vom 4. Mai 2017:

Fernsehjournalist Georg Stefan Troller: Dreißig bis vierzig Prozent der Franzosen sehnen sich nach Faschismus

Der österreichische Fernsehjournalist, Frankreich-Experte und Holocaust-Überlebende Georg Stefan Troller blickt pessimistisch in Frankreichs Zukunft: Was auch immer passieren werde, sagt der in Paris lebende Troller in der Wochenzeitung DIE ZEIT, „es bleibt ein Block von dreißig bis vierzig Prozent der Franzosen, die sich nach dem Faschismus sehnen oder ihn in Kauf nehmen. Das ist eine Ungeheuerlichkeit.“

Der 95-Jährige, der vor den Nazis über Frankreich in die USA floh und sich 1949 in Paris niederließ, wurde bekannt durch seine halbstündigen Fernsehinterviews, die er mit Prominenten wie Peter Handke, Muhammad Ali, Charles Bukowski oder Hugh Hefner führte. Im ZEIT Feuilleton spricht er über seine innere Rast- und Heimatlosigkeit, was er Marine Le Pen fragen würde, wenn er dürfte, und was ihn zu einem der begnadetsten Fragestellern im deutschen Fernsehen aufsteigen ließ. Zudem schildert er Frankreichs Verhältnis zu Deutschland. Früher hätten die Franzosen Deutschland bloß geachtet. Aber als Merkel während der Flüchtlingskrise den Satz „Wir schaffen das!“ aussprach, hätte sich die Beziehung radikal verändert: „Als dieser Satz fiel, haben die Franzosen Deutschland plötzlich geliebt.“

Und das sendet am Folgetag der Deutschlandfunk im Börsengespräch in seiner Sendung "Wirtschaft am Mittag"

Denn nach dieser Debatte steigen nicht nur in Frankreich die Aktienkurse, in Deutschland springt der DAX sogar auf ein "neues Allzeithoch" von über 12.600 Punkten (sic!): JPEG

Wie sagte doch Marine Le Pen in der Debatte (un-)sinngemäss: "Frankreich wird nach den nächsten Wahlen auf jeden Fall von einer Frau regiert werden: entweder von mir - oder von Mme. Merkel."

Am 5. Mai 2017 erscheint in der Online-Ausgabe der absatzwirtschaft ab 11 Uhr ein Gespräch von Linda Gondorf mit Prof. Andreas Kaplan, in dem er u.a. sagt:

Bei Le Pen gibt es eine ganz klare Wählerschicht. Es sind die sozial Schwächeren, dafür sehr viele junge Wähler. Frankreich hat circa 25 Prozent Jugendarbeitslosigkeit. Da schöpft sie mit Hassparolen einen großen Anteil an Wählern. Dazu wählen sie viele Arbeitslose in Ostfrankreich, wo traditionell die Schwerindustrie saß und im Süden, wo es mehr Migrationsprobleme gibt. Man nennt diese Menschen auch die „Vergessenen“. Sie sind die Außenseiter, wie bei Donald Trump auch.

Anmerkungen

[1Der Versuch, sich das "Duell" auf dem Live-Stream des Senders "France2" anzuschauen scheiterte... aus nicht bekannten Gründen:

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