"Klassentreffen" zu Hans Kresnik

VON Dr. Wolf SiegertZUM Sonnabend Letzte Bearbeitung: 10. März 2017 um 01 Uhr 31 Minuten

 

Liebe Kolleginnen, Kollegen, Mitstreiter, Fans und Phantasten,

wie wäre es, bei einem Klassentreffen zu Hans Kresnik dabeizusein? Wieso "wäre"?

Am Samstag, 4. März, im Roten Salon in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz ist es soweit!

Um 20 Uhr begrüßen euch die "Klassensprecher" Susan Barnett, Heide-Marie Härtel und Joachim Siska und hoffen auf einen regen Austausch der Erinnerungen durch alle Tänzer-Generationen, die Hans geprägt hat.

Wir erwarten ein lebhaftes Durcheinander, wenn jeder sein persönlich bedeutendstes Erlebnis mit ihm erzählt! Außerdem erwarten euch bei diesem bunten Abend historische Filmaufnahmen und ein kleines Show-Programm.

Wem die Diskussion zu hitzig wird, kann sich an der Bar abkühlen - oder die Klassensprecher verordnen hitzefrei.

Samstag, 4. März 2017, 20 Uhr
Roter Salon (Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Berlin)
Ausweitung der Tanzzone - Klassentreffen zu Hans Kresnik

Dein Platz beim Klassentreffen ist noch frei …


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Herzliche Grüße von
Yoshiko Waki (und ihrem Team des Tanzfonds Erbe-Projekts Friedensanleitung für jedermann - Die 3. Generation) und Heide-Marie Härtel


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So speziell der Anlass ist, der vielleicht nicht das Gros der Leserschaft interessieren mag, so persönlich der Anlass ist, der sich eher aus dem persönlichen Engagement aus zwei Jahren der Zusammenarbeit am Theater der Freien und Hansestadt Bremen in den Jahren 1969 bis 1971 ableiten lässt ... so wichtig sind doch diese folgenden Beobachtungen, die über das Klischee-Bild eines solchen "Klassentreffens" weit hinausreichen:

- An diesem Abend trafen sich viele der Mitarbeiter*innen, Freunde und Kooperationspartner, deren Engagement einen Zeitraum von einem halben Jahrzehnt umfasst. Allein dieser Umstand ist von einem hohen Grad an gegenseitiger Neugier aneinander geprägt. Denn hier traf sich nicht "eine" Klasse, sondern hier fanden sich an diesem Abend Menschen aus wohl fünf Ensemble-Generationen (aus Köln, Heidelberg, Bremen, Berlin, Bonn) zusammen

- Immer wieder war nicht nur die Zeit der gemeinsamen Arbeit das Thema des Abends, sondern auch die Zeit "vor Kresnik" als auch die "nach Kresnik". Dazu gehörten Fragen wie zum Beispiel diese, wer aus der Runde überhaupt nach einem Vortanzen engagiert wurde. Oder, wie es den Betroffenen nach dem - in vielen Fällen nicht freiwilligen - Ausscheiden aus den Ensembles ergangen sei

- Die Dialoge, die sich entspannten, waren von hoher Dichte, Qualität und Authentizität. Hier musst niemand dem Anderen etwas vormachen. Man kannte sich - viele aus der gemeinsamen Arbeit - oder man wusste zumindest voneinander. Und man hatte nun die Möglichkeit, sich gegenseitig zuzuhören. Auch wenn viele der dezidierten Konfliktfälle und - Szenarien expressis verbis ausgespart wurden, sie waren dennoch immer auch Gegenstand der vorgetragenen Erinnerungen.

- Ohne falsches appeasement blieb von all dem Gesagten, von all den testimonials vor allem dieser Satz in Erinnerung: "Wenn Du Dich ihm [Hans Kresnik - WS.] gegenüber offen und vorbehaltlos stellst und den Dialog auf dieser Basis mit ihm suchst, wird er dich nicht fertigmachen."

- Die grosse Zahl der angereisten Anwesenden machte deutlich, dass sie alle - den Autor mit einbeschlossen - diese Jahre der Zusammenarbeit als eine wichtige, in manchen Fällen auch prägende Zeit ihres Lebens erlebt haben. Und, dass sie bereit waren, auch anderen gegenüber Zeugnis abzulegen.

- Szenische Darstellungen - von "historischen Filmausschnitten" bis hin zum "Impro-Theater" über die Probenarbeit - lassen keinen Zweifel daran, wie hart und konsequent es bei dieser Arbeit "zur Sache" ging: Um der (guten] Sache selbst willen, die es (auch) auf der Bühne zu vertreten galt.

- in einem der Filmzitate spricht Hans von dem Vorteil der Schauspieler, über die Sprache als Mittel des Ausdrucks verfügen zu können [1]. Aber an diesem Abend wurde deutlich, dass die Zeit, in der die Tänzerinnen und Tänzer als sprachlose Marionetten an den Fäden des Ballettmeisters hängen, ein für allemal vorbei ist. Ihre an diesem Abend hergestellten Möglichkeiten des internen - in diesem Rahmen aber wahrlich öffentlichen - Dialoges zeigten in den unterschiedlichsten Facetten, dass sie alle ihre jeweils ganz eigene Sprache gefunden hatten, um zu sagen, was es zu sagen gibt: allert und doch ohne jegliche Allüre.

WS.

Anmerkungen

[1Daher war auch die wichtigste Etappe der eigenen Zusammenarbeit jene, als in der Inszenierung von "Jaromir" Tänzer gemeinsam mit Schauspielern die Bühne bespielten.


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