Georg Stefan Troller liest & spricht

VON Dr. Wolf SiegertZUM Freitag Letzte Bearbeitung: 28. Januar 2017 um 12 Uhr 57 Minuten

 

Rede und Gegen-Rede.

Heute sprach der Präsident des Bundestages Prof. Dr. Lammert zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.

Und am Abend dieses Tages spricht ein Mann, der wie kaum ein Anderer auch heute noch dieses Gedenken nicht nur zum Andenken macht, sondern dazu auffordert, mit sich selbst ins Gericht zu gehen, sich selbst zu prüfen, ob man nicht doch bereit (gewesen) wäre, angesichts des Aufrufes einer politischen Macht zum Mörder zu werden. Diese schonungslose Radikalität sich selbst gegenüber ist die Voraussetzung für ein Hohelied der Menschlichkeit, das Stefan in seiner ebenso bescheidenen wie überzeugenden Art zu singen vermag.

"Unterwegs auf vielen Straßen" mit Georg Stefan Troller
Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialosmus

NRW-Landesvertretung, Hiroshimastraße 12-16, 10785 Berlin, 18 Uhr

Der 27. Januar ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, an diesem Tag wurden 1945 die Vernichtungslager in Auschwitz befreit. Wie kaum ein Zweiter kann Georg Stefan Troller als einer der letzten Zeitzeugen an diesem Tag zurückblicken, auf die Zeit des Krieges ebenso wie auf die Jahrzehnte, die seither vergangen sind.

Troller hat nicht nur als Schriftsteller, Fernsehjournalist, Drehbuchautor, Regisseur und Dokumentarfilmer mehr erlebt als die meisten Menschen. Bereits mit 16 Jahren floh er vor den Nazis aus seinem Heimatland Österreich in die Tschechoslowakei und von dort nach Frankreich, wo er ein Visum für die USA erhielt. Als US-Soldat zog er dann 1943 in den Krieg und war unter anderem an der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau beteiligt. Auch nach dem Krieg pendelte Georg Stefan Troller noch zwischen den Kontinenten. Er studierte zunächst in Kalifornien. Für ein Stipendium an der Pariser Sorbonne-Universität ging er zurück nach Frankreich, nur um kurz darauf nach Berlin umzusiedeln: für eine Anstellung beim RIAS, dem „Rundfunk im amerikanischen Sektor“, die ihm endgültig die Türen für den Beruf als Reporter öffnen sollte. In seinem autobiografischen Text „Unterwegs auf vielen Straßen. Erlebtes und Erinnertes“ gewährt der inzwischen 95-jährige Einblick in eine unvergleichbare Fülle an Erlebnissen. Er erzählt von Kriegserlebnissen, Trampfahrten, von seiner Liebe zur französischen Hauptstadt – er lebt übrigens heute wieder in Paris – und von seinen zahllosen Erfahrungen als Reporter und Regisseur.

Neben dem hier angekündigten neuen Buch liest G.S. Troller an diesem Abend auch aus dem zuvor erschienenen Buch: "Mit meiner Schreibmaschine" [1] [2], das von ihm nach der Lesung wie folgt signiert wurde:
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Auf ein eigenes Interview wird bewusst verzichtet [3] [4]
Aber er nimmt das dafür zunächst bereitgehaltene Mikrophon in die Hand, wiegt es von der einen in die andere und sagt: "daraus kann eine Waffe werden".

Stattdessen an dieser Stelle ein Gespräch mit Michael Serrer, dem Interviewpartner und Leiter des Literaturbüros NRW:

Anmerkungen

[1Auch wenn der Verlag davon offensichtlich nichts wusste: auf der Webseite wird von "keine[n] anstehenden Termine[n]" berichtet

[2Hier eine Ablichtung vom Büchertische mit einem ausdrücklichen Dank an den Spender dieses Fotos
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[3Denn im Verlauf dieses Abends wird - zu Recht - mehrfach auf das Gespräch von Gero von Boehm mit Stefan Troller verwiesen, das im ZDF in der Reihe "Zeugen des Jahrhunderts" am 5. Juni 2016 ausgestrahlt wurde - und bis zum 6. Juni 2017 in der Langfassung von 172 (statt 45 Sende-) Minuten online abgerufen werden kann.

[4Der entscheidende Satz ist bereits gesagt: In einem Interview von Daniel S. Szpilman und Michael Bahnerth in der "Basler Zeitung" (vom ???), das in dem Buch Unterwegs auf vielen Strassen. Erlebtes und Erinnertes. auf Seite 200 ("in veränderter Form", wie es auf Seite 223 heisst) abgedruckt wurde:

Ich suchte immer Menschen, die eine bessere Projektion meiner selbst waren. Und ich nahm immer ein Stückchen von ihnen mit. Durch sie kam ich mehr und mehr zu mir selbst. Ich glaube heute, es war eine Art der Psychoanalyse. Gesundung über andere.

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