Wider das Vor-Urteil

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 20. Dezember 2016 um 23 Uhr 53 Minutenzum Post-Scriptum

 

In der Nacht vom Montag auf Dienstag wurde auf dem neu enstandenen persönlichen twitter-Account ein Text und zwei Fotos publiziert, die sich direkt auf den Tod und die Verwundung vieler Menschen auf dem Breitscheidplatz in Berlin bezog.

Ursprünglich stand ein ganz anderer Anlass zur Diskussion: die per Mail zugestellte Media-Markt-Anzeige:Einfach mal zocken!.

Darin wird - oder wurde - der Erwerb der Standard Edition des Call of Duty(R): Infinite Warfer Games für die Sony PS4- und die XBOX ONE-Konsolen beworben zu deutlich herabgesetzten Preisen beworben. Sowie - auf 19 Euro herabgesetzt - die Modern Warfare Fanbox.

In die Betrachtung dieses Angebots platzte dann die Meldung von den Toten und Verletzten auf dem Breitscheidplatz in Berlin.

Alsbald danach entspann sich aus Anlass dieses Ereignisses ein Dialog mit Freunden und Bekannten in den USA.

Das führte wieder dazu, erstmals den "Dialog"-Verlauf einer solchen tweet-Lawine online live mit- und nachzuverfolgen.

Da dieser (fast) ausschliesslich auf Deutsch geführt wurde, war die Veranlassung gegeben, für meine "Pals" in den USA einen Text in deren Sprache aufzusetzen, freizuschalten und ihnen zur Kenntnis zu geben.

So entstand dann dieser twitter Eintrag, wohlwissend um die Auflagen einer journalistischen Sorgfaltspflicht und der Aufforderung der Polizei "verbreiten Sie keine Gerüchte".

https://twitter.com/WolfSiegert/status/810956091618107394

Mit diesem zum Ende des Tages geposteten tweet wurde - streng genommen - gegen diese Auflagen verstossen.

Zwar war bereits zu diesem Zeitpunkt die Nähe der Bilder zu den Ereignissen in Nizza nicht mehr zu verleugnen und der terroristische Hintergrund der Tat ist inzwischen zu einer Gewissheit geworden [1]. Und dennoch: Es ist vor allem alles andere als ausgemacht, dass der zweite Fahrer in diesem Sattelschlepper ein Komplize dieses Komplotts war. Sondern vielmehr auch er dessen Opfer.

Nun wäre es ja möglich, in der Einsicht dieses Fehlers diesen Beitrag "einfach" wieder zu löschen. Ein solches Vorgehen wird ja vielfach als Vorteil gegenüber der klassischen Welt des Prints gepriesen und gerade in der aktuellen Diskussion um sogenannte fakenews auch gefordert [2].

Hier wird ein anderer Weg gewählt: Auf SPIEGEL ONLINE mit seinem Beitrag zum Angriff in Berlin: Der Morgen nach der Katastrophe verlinkt und auf die Pressekonferenz verwiesen, die heute auch HIER an dieser Stelle ab 14:30 Uhr übertragen werden wird.


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Die Beteiligten (v.l.n.r.)...
— Klaus Kandt, Polizeipräsident, Polizei Berlin
— Ralf Rother, Generalstaatsanwalt Berlin
— Holger Münch, Präsident, Bundeskriminalamt
— Dr. Peter Frank, Generalbundesanwalt, Bundesgerichtshof
... sind hier noch einmal im vollen Wortlaut - auch mit Ihren Antworten auf alle Fragen - und in gesamter Länge zu hören.

Dieser Mitschnitt beginnt mit einer persönlichen Bemerkung des Generalbundesanwalts:

Und dieser Beitrag endet mit einer persönlichen Entschuldigung:

WS.


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P.S.

Was hier im Kleinen selbstkritisch auskommentiert wird, gilt auch im Grossen. Hier ein Beisipiel von der ARD-BR-Website mit einem "Vorher" (vor 14 Uhr) und "Nachher" (nach 14 Uhr), bevor der Innenminister die Freilassung des Verdächtigen noch vor der Verstreichen der Haftzeit im ZDF-Spezial gegen 19:45 Uhr bestätigt:


Dort zu sehen, der - voreilig? - als Täter Beschuldigte, der selber jegliche Verantwortung für das Geschehen veneinte. JPEG

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Anmerkungen

[1Bundeskanzlerin Dr. Merkel am Vormittag des 20. Dezember 2016:

Wir müssen nach jetzigem Stand von einem terroristischen Anschlag ausgehen. Ich danke den Ermittlern, die dabei sind, diese unselige Tat aufzuklären. Die Tat wird aufgeklärt in jedem Detail, und sie wird bestraft werden, so hart es unsere Gesetze verlangen. Ich weiß, dass es für uns alle besonders schwer zu ertragen wäre, wenn sich bestätigen würde, dass ein Mensch diese Tat begangen hat, der in Deutschland um Schutz und Asyl gebeten hat. [...]

[2Weitere Stimmen dazu im Beitrag von Tobias Krone vom 16. Dezember 2016 im Medienmagazin von B5 aktuell.


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