IBC à la cantonade

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 26. September 2016 um 23 Uhr 58 Minutenzum Post-Scriptum

 

O.

Nein, das war nicht die IBC, wie sie sich über vielen Jahr als Schaufenster zu Welt der Medien-Produktion im Positiven in der eigenen Wahrnehmung etabliert hat.


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1.

Um diesen Eindruck nur als pars pro toto an einem einzigen Punkt festzumachen, hier dieses nachfolgende Beispiel:

Es gab - anders als in den vielen Jahren zuvor - an diesem letzten Tag der Veranstaltung keine Pressekonferenz der Veranstalter.

Wenn man dennoch ein persönliches Statement für das Mikro / die Kamera haben wolle, dann möge man sich doch bitte an die Verantwortliche der dafür eingestellten Presse-Agentur wenden.

Gesagt, getan und einen Termin ausgemacht. Doch der wird, trotz vorzeitigem Erscheinens, gekippt.

Ja, es sei etwas dazwischen gekommen, sagt die Ansprechpartnerin und ist für keine weiteren mündlichen Auskünfte mehr zu haben. Aber, so die Aussage, zum Ende des Tages würde eine Presse-Erklärung verschickt werden, auf die man sich dann ja gerne beziehen könne. [1]

2.

Das ist nur der Endpunkt und negative Höhepunkt einer Entwicklung, die sich von vor vielen Monaten angebahnt hat. Die Anfrage für ein Hintergrundgespräch mit Ang Lee etwa wurde viele Monate im voraus gestellt und erst - nach vielfachem Nachfragen - vor Ort negativ beschieden.

Aber es wurden die Spiel-Regeln beachtet und die dann doch stattgefundenen Begegnung mit Ang Lee oder mit Lord David Puttnam werden hier nicht weiter in der Öffentlichkeit dokumentiert.

Letztendlich gibt es ja genug Quellen, die sich auf solche Persönlichkeit stürzen und diese - auch zu ihrem eigenen Vorteil - für sich in Anspruch zu nehmen versuchen.

Es war und wird auch weiterhin nicht die Aufgabe dieser Publikation sein, sich an diesem Trend anzuhängen.

Aber es gibt Fragen ganz anderer Art, die zu einem echten Dialog auf Augenhöhe führen, auch wenn die Antworten dazu hier nicht eingebracht werden können.

Wie zum Beispiel diese an Ang Lee, wie er sich aus seiner eigenen Wahrnehmung aus der Sicht des chinesischen Theaters befreit habe. Ein Theater, das sehr viel in gestisch klar auszirkulierter Gestalt vor-spielt. Und so ziemlich das Gegenteil ist von dem, was er sich für sein Kino der Zukunft vorstellt.

3.

Vielleicht sind Eindrücke wie diese auch von dem Umstand überschattet, dass ein sehr viel drakonischeres Sicherheitskonzept dazu geführt hat die Atmosphäre zu belasten, ggf. sogar zu vergiften.

Dabei habe all diese Leute jeweils "nur ihr Pflicht" getan und waren nicht auf Krawall gebürstet. Und dennoch, der ehemals vorherrschende Eindruck eines "Familientreffens" wurde mehr und mehr überdeckt dem eines "Showcase", in dem es vor allem darum ging, einen guten Eindruck zu machen und dafür Sorge zu tragen, dass dieser auch gut ankommt.

Mit der Folge, dass auch die Begegnungen mit dem Pressevertreter*innen immer stärker von dem Impetus geprägt waren, diese möglichst als den verlängerten Arm der ach so tollen Nachrichten nutzen zu wollen.

Das man nur noch bereit ist, Personen zu akkreditieren, die auch nachweisen können, in der Vergangenheit über diese Show zu schreiben, mag ja noch angehen. Viel wichtiger aber wäre es gewesen, das eine oder andere Wort mit jenen Personen reden zu können, die am Abend der Preisverleihung als stumme Boten ihres Tuns die Trophäen auszuhändigen hatten.

4.

Daher der Ausdruck à la cantonade. In den vergangenen Jahren habe es immer noch dieses Vexierspiel zwischen dem Anspruch der Veranstalter und der von ihnen ausgestalteten Wirklichkeit. Heute ist diese Ebene fast vollständig aus dem Fokus geraten.

Und die Entscheidung, sich nun auch auf der IBC dem Thema der Virtuellen Welten zuzuwenden, ist dafür keine Kompensation - aber auch gar keine.

5.

Aber vielleicht sollte es nicht nur um eine vermeintliches "Veranstalter-Bashing" gehen, sondern um dem den Umstand, dass auch "das Publikum" insgesamt in immer mehr Sektoren aufzulösen beginnt.

Der Umstand, dass selbst die Key-Note von Ang Lee vor einem alles andere als überfülltem Saal stattfand, hat wahrlich Erstaunen ausgelöst. Was an diesem Montag-Morgen hingestellt und in Bewegung gesetzt worden war, um diese bis dahin wohl einmalige Qualität einer Kino-Projektion zu ermöglichen, war echtes history in the making. Und für diejenigen, die anwesend waren, war das auch ohne jeden Zweifel klar.

P.S.

Angesichts dieser Entwicklungen ist der Blick für die Folgejahre über dieses Ereignis hinaus und auf die Nachbarschaft gerichtet.

So auf und in dieses fussläufig von der RAI erreichbare Gebäude,
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in dem eine 360°-Präsentation in Planung ist
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und in diesen Vorraum der ORACLE University in Utrecht
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Anmerkungen

[1Hier ist der Wortlaut dieser Erklärung, die nicht von den Verantwortlichen der Show unterschrieben wurde, sondern von der Senior Account Executiv der Agentur Bubble & Squeak, Ema Murphy:

IBC2016 Triumphs in Transformation

From a record attendance to the first standing ovation for an award winner, IBC2016 was a great success by any measure. In the opening keynote session Dominique Delport of Havas Media warned the audience that “the 50 year party is over”, but underlying IBC’s global theme of transformation, he – and every delegate and visitor – found much to be optimistic about.
The headline attendance figure for IBC2016 was 55,796 over the six days of the conference and exhibition. This is the number of attendees not registrations – the people who were actually on site, who came from more than 160 countries.
“IBC really is the only forum that attracts a global audience, the most comprehensive exhibition, and the best thought-leaders to spark the debate,” said Michael Crimp, CEO of IBC. “This year they included Sir Martin Sorrell on the global future for advertising, Erik Huggers on online broadcasting, and Mr Ang Lee on the new realism that the latest technology brings movie-makers.”
“But IBC, above all else, is about bringing people together to share knowledge and to do business,” Crimp added. “It is clear, from the buzz around the whole show, that this has been a great year.”
The exhibition featured over 1,800 exhibitors, including 249 companies at their first IBC. One important addition to the feature areas in the exhibition was the IBC IP Interoperability Zone, an initiative to push forward open standards in new connectivity. Supported by AIMS and the IABM and working with AES, AMWA, the EBU, SMPTE and VSF, IBC created a dedicated exhibit which demonstrated verified technical progress in IP interoperability and featured the award-winning VRT-EBU LiveIP studio which was used for IBCTV’s production at this year’s show.
Reflecting the state of the industry, the conference took transformation as its theme. That was also reflected in the IBC Leaders’ Summit, the behind-closed-doors programme for 150 C-level Executives. The conference programme was reorganised this year to provide a clearer, more readily navigated structure and a focus on the content value chain. Across the five days, 435 speakers took part in more than 100 sessions.
One of the most popular sessions featured Ang Lee talking about – and demonstrating – how he has employed remarkable technology to create a strong sense of engagement in his new movie, Billy Lynn’s Long Halftime Walk. Specially created for IBC, the clip from the forthcoming movie was projected at 120 frames per second in 4K 3D, using Christie’s 6P laser projection and Dolby Atmos. He was also the recipient this year of IBC’s highest award, the International Honour for Excellence, and his charming, funny, self-deprecating acceptance speech earned him a standing ovation from the packed Auditorium.
The audience also saw the most unusual acceptance speech yet at an IBC Awards Ceremony. NASA received the Judges’ Prize, and IBC was thanked in a special message from astronaut Kate Rubins in the International Space Station.
The Auditorium was once again converted into the IBC Big Screen, and as well as the awards and Ang Lee’s keynote presentation, it was also the venue for two hugely popular movie screenings, both using Dolby Vision HDR and Dolby Atmos. The Jungle Book in 3D courtesy of our friends at the Walt Disney Company and the harrowing 19th century saga The Revenant kindly provided by 20th Century Fox.
“The continuing success of IBC is down to the hard work of a lot of people, staging an event that is relevant and engaging across the whole of our transforming industry,” concluded Michael Crimp. “We continue to evolve, and I am confident that next year’s IBC – our 50th anniversary edition – will be even better. I look forward to welcoming you back to Amsterdam, 14 to 19 September 2017.”


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