re:publica TEN & media convention III

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 3. Mai 2016 um 11 Uhr 50 Minuten

 

Bevor wir die Auswahl des ersten Tage präsentieren: Ein grosses Lob für die Webseite, die es selbst auf der Übersichtsseite schedule erlaubt, das ganze grosse Programm zu erfassen - und zu verstehen.

Umso bitterer, dass wir auch hier das gleiche Phänomen finden, das sich inzwischen schon auf den grossen US-amerikanischen Events durchgesetzt zu haben scheint. Die Programm-Apps gibt es nur noch für Apple- und Android-Freaks. MS-Windows ist out :-( Und das, obwohl Microsoft einer der vier Haupt-Sponsoren ist, die auf der schwarzen Stofftasche genannt werden, die an alle Teilnehmer ausreicht wird. Und das nicht erst seit diesem Jahr. Selbst eine eigene App-Enwicklung schon vor mehreren Jahren hätte sich bis heute marketingtechnisch allemal "bezahlt" gemacht [1].
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Hier ein Selbst-Portrait des Autors mit seinem Lumia Smartphone in unmittelbarer Nachbarschaft des Microsoft-Standes.

Und hier einige Auszüge und Programm-Empfehlungen vom heutigen Tag.

10:00 - 11:00 STAGE 1 Welcome Everybody!

12:15 - 12: 45 STAGE 1: Opening Musicday // Jenseits von Spielen: Was man alles mit Virtual Reality machen kann (zum Beispiel Pornos)


12:15 - 13:15: Berlin oder Tel Aviv - Wo steppt der digitale Bär? Eröffnung der Media Convention
Im englischen lautete der wesentlich passendere Titel:
Berlin and Tel Aviv – A Tale of Two Digital Cities [2]

Der Berliner Bürgermeister Müller zur Eröffnung: Wichtige Herausforderungen sind zu leisten: Der Vielfalt soll zum Durchbruch geholfen werden, nicht dem Monopol. Der allgemeine Zugang zum Internet muss für alle offen bleiben. Es geht um die Förderung von Geschäftsmodellen, die dem Qualitätsjournalismus dienen. Eine demokratische Perspektive der Digitalisierung soll betont werden. Nach Kultur und Wissenschaft ist nun als Dritter Standort, HighTec, angesagt. Dazu wird ein "City Lab" eingerichtet werden. Wichtig ist dafür, dass Berlin ein Ort der Offenheit und der Freiheit und der Toleranz und Vielfalt bleibt.

— Carolin Neumann, Journalistin & Innovationsschürferin: "Bin ich an...?" fragt danach brav nach. Als ersten
— Gilad Uziely, Director of Economic Development, Tel Aviv Global
nach den Standortvorteilen von Tel Aviv. Und Gilad macht mit beeindruckenden Zahlen Werbung für seinen Standort. Das Wichtigste aber ist es seiner Meinung nach, eine offene Stadt zu sein. Mit einer guten Infrastruktur. Das sei noch wichtiger als das Geld. Davon könne sein Bürgermeister nicht viel ausgeben. Aber es gibt freien Co-Working-Space für junge Unternehmer aus Berlin.
Seine Antwort auf die Frage nach der politischen Instabilität des Landes - die aus dem Publikum kam: ja, das sei ein Problem. "Aber wir haben keine Wahl..."
— Felix Swoboda, Gründer von Homebell.com
Das wichtigste sei es, das Unternehmertum zu fördern, und diese miteinander zu vernetzen. Um sich auch über Fehler und Herausforderungen austauschen zu können. Und um gute Mitarbeiter zu finden, und gute Büroflächen. Wichtiger als weitere Zuschüsse aber sind effizientere Verwaltungen, auch hier in Berlin.
— Björn Böhning, Staatssekretär und Chef der Senatskanzlei des Landes Berlin
Er verweist auf die Fachkräfte, die hier in Berlin so zahlreich zur Verfügung stehen. Und die vielen Investitionsmöglichkeiten. Aber Berlin "hat auch noch Luft nach oben", denn die Zahlen aus Tel Aviv sind eindrucksvoll "da sind wir noch nicht ganz..." gibt er unumwunden zu. Aber es gibt eine Kooperation zwischen beiden Städten. Und es werden Co-Working-Spaces in der jeweils anderen Stadt angeboten, für jeweils 3 Monate. und: Die berliner Digitalwirtschaft muss noch stärker technologieorientiert werden. Auch da kann man von den Unternehmen in Tel Aviv noch lernen.
Es bleiben zwei Herausforderungen: günstigen Wohnraum und Gewerberaum auch weiterhin zu gewährleisten. Und das Wagniskapital für Investitionen sollte noch bessere Rahmenbedingungen bekommen. "Da haben wir noch Nachholbedarf". Und: Die Verwaltung muss noch stärker zweisprachig werden, vor allem bei der Wirtschaftsförderung.
_"Noch hat Berlin das Newcommer Image, aber wir müssen erwachsener werden."
Und: "Wir haben noch Nachholbedarf, wenn es darum geht, aus den kleinen Unternehmen größere zu machen. "

Der Kommentar: Das Ergebnis dieses "talks" war vorhersehbar. Die Antworten waren so erwartbar. Die Stimmung ist freundlich, aber nicht gerade euphorisch. Was allerdings das Ganze als opener für diese Convention zu bedeuten hat, wird aus diesem Setting nicht wirklich ersichtlich [3]

Schon die nachfolgend genannten drei sich überschneidenden Programme zeigen, wie schwer auch in diesem Jahr wieder die "Qual der Wahl" werden wird [4]

13:30 - 14:00 SAGE 1: Things to remember – Erinnerungsdinge an der Schwelle zum Digitalen

13:30 - 14:30: MEDIA CUBE. The Making Of A Journalism Startup

13.30 – 14.30 BÜHNE 5: Die vierte Revolution
The Fourth Revolution
— Prof. Luciano Floridi, Professor für Philosophie und Informationsethik, University of Oxford
... erweist sich als humorvoll. Und will sich kurz fassen. Er verweist auf die vielen Gadgets und auf das "internet of things" und auf all diese Gadgets, die miteinander reden werden. Und diese werden sich, so Floridi, sehr viel mehr zu erzählen haben, als die Menschen.
Die Menge von Daten, die "wir" realisiert haben, werden veralten. Es geht um Space, History, Identity... All diese Begriffe werden neu definiert werden müssen. Die hohe Abhängigkeit von der digitalen Infrastruktur bedeutet eine immense Abhängigkeit von der Infosphere. Wir werden wieder in der Welt der Computer leben.
Wir müssen uns wieder in die Peripherie begeben. Wir müssen und nicht mehr kümmern, das können die Rechner bald besser als wir selber, ob wohl sie immer noch viel dümmer sind als wir...

— Jo Schück, Autor und Moderator ZDF (Moderation)
Jo ist es zumindest gewohnt, mit dem Publikum zu reden und dieses auch wirklich anzusprechen. Auch wenn er bei der Ansage genau wie seine Vorgängerin auf die Karte gucken muss.

Und dann... wird die Video-intervention von
— Edward Snowden, Board Member, Freedom of Press Foundation
nicht abgewartet, sondern ein Sprung gemacht:

13:30 - 14:30 STAGE 2: The Role of Data in Institutional Innovation – Speech by JP Rangaswami, Chief Data Officer, Deutsche Bank

Dem Mann zuzuhören ist ein wahres Vergnügen. In Kalkutta geboren, beherrscht er perfekt die Möglichkeiten und Methoden des dort üblichen auf der Strasse gespielten Erzähl-Theaters.

Er ist in der Lage, sich selbst zu inszenieren. Und zu erklären, warum wir in einer ganz neuen Welt leben werden mit ganz neuen Herausforderungen und neuen Wert-Massstäben.

Soweit, so gut. Aber es sei an dieser Stelle empfohlen, sich lieber nochmals die Aufzeichnung anzusehen, als hier auf die Wiederholung einiger seiner "geflügelten Worte" zu warten.

Sein Auftritt ist das typische Beispiel einer Präsentation, die man sich genauso als Stream oder als Aufzeichnung hätte ansehen können.

Denn das eigentlich Interessante, ein persönlicher Dialog mit ihm selber, bleibt aus. Es gelingt gerade mal mit wenigen Worten die Mai-Adresse zu tauschen (Visitenkarte? Fehlanzeige). Und dann muss er auch schon wieder von dannen... zu seinem Flugzeug, das ihn nach New York bringen würde.


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Keine Zeit, keine Zeit... auch für den EU-Kommissar ist gerade mal eine halbe Stunde vorgesehen. Und dabei wäre es von der Dramaturgie sehr viel spannender gewesen, man hätte die nachfolgend programmierte Rednerin mit ihren kritischen Ansätzen vor ihn reden und ihn darauf antworten lassen. In der jetzt durchgezogenen Reihenfolge war das Ganze ein wahrlich vertane Chance.

15.15 – 15.45 STAGE 7 Netzneutralität bis Recht auf Vergessen. Wo steht die EU?

Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft

Er sagt, unter anderem:
"Sind Gewerkschaften Wirtschaft oder Gesellschaft?"
"Wir haben ja zunehmend Welthandel. Und zunehmend chinesische Konkurrenz." In diesem Wettbewerb sollte man das Kopieren erschweren.
"Sie werden auch nie beim Pokerspielen die Karten auf den Tisch legen".
"Es soll keine Diskriminierung im Netz stattfinden."
"Das aktuelle [Telko-] Gesetz ist ein guter Kompromiss."
"Die Deutsche Telekom gehört immer noch zu 33,1/3 Prozent dem Staat - und damit dem Deutschen Bürger."
"Ich erwarte schon, dass Sie mir zutrauen, mein Amt auch durchzuführen."
"5G wird mit Süd-Koera und vor den USA in Europa kommen: technisch am Ende des Jahrzehnts".
"Es ist unerträglich, dass der Bundesfinanzminister entscheidet, wann das Spektrum in Deutschland ausgeschrieben wird."
"Plattformen? Wie sichert man geistiges Eigentum, die kreative Industrie? Hat YouTube die gleichen Auflagen wie die Verlage oder das ZDF? Haben die FinTechs die gleichen Auflagen wie die klassischen Banken? Im September 2016 soll entschieden werden."
"Die kreative Arbeit soll geschützt werden, aber auch ein Start-up, bevor es gross wird."
"Vor den Amerikanern habe ich grossen Respekt. Die Plattformen der nächsten Generation sollten auch Europäer sein."
"Die Diskriminierung auf der Google-Plattfom wird geprüft, wenn dem so ist, wird es abgeschafft."
"Zero-Rating? Lassen Sie uns jetzt den Test machen und geben Sie uns Zeit für Ende 2016."
"So viele besorgte Briefe von den kleinen Buchverlagen und Wissenschaftsverlagen. Aufgrund der neuen Urteile müssen wir die Rechte. "

Ingrid Scheithauer, Journalistin, Moderatorin und Beraterin (Moderation) , lässt alle Leute aufstehen nach Luft schnappen und holt bei dieser Gelegenheit Herrn Oettinger auf die Bühne. Sie befragt ihn zunächst zu den veröffentlichten TTIP-Protokollen. Und dann zum dem Thema, so wie es im Programm steht. Sie ist Stichwortgeberin, aber sie landet keinen einzigen Stich mit ihren Fragen.

Der Kommentar? So viele Leute, die gekommen sind, um so wenig zu hören, was wirklich Aufklärung gebracht hätte.

16.00 – 17.00 Bühne 7 Ist die Netzneutralität in Europa noch zu retten?

Prof. Dr. Barbara van Schewick, Stanford Law School

Es gibt nur wenige Prozesse, die noch weniger transparent sind, als wenn all die europäischen Regulierer dabei sind, hinter verschlossenen Türen zu sitzen und ihre Regelungen auszuhandeln.

Aber hier gibt es noch wesentliche Herausforderungen zu meistern:

Spezialdienste?
_ Ja grundsätzlich gibt es Gründe für solche Dienste, und die sollen nicht von vornherein ausgeschlossen werden. Wer aber sind diese "guten" Spezialdienste? Wie kann man diese Dienste nutzen?
In der guten alten Internet-Zeit war "das Internet" noch für alle da. Damals konnten Studenten noch aus ihrer Bude heraus mit geringen Kosten an den Start gehen - und erfolgreich werden.
Was aber, wenn diese Leute heute für die Überholspur bezahlen müssten?
Die Entscheidung für die Überholspur ist eine Entscheidung gegen der Erfolg der Kreativen. Damit wird die Marktmacht der US-amerikanischen Unternehmen gefestigt.
98% aller Start-ups gehen den Bach runter. Die Wagniskapitalgeber nutzen die jungen Märkte als screening device .
"Wir brauchen eine Klarstellung in den Leitlinien." Inzwischen ist fast jede Firma eine Internetfirma. Die grossen wie die Kleinen. Das Terminierungsmonopol ist unabhängig davon, wie viel Transparenz im Markt ist. Das ist ein Problem für die gesamte Wirtschaft.
Im Internet kann man mit ganz geringen Kosten zu den Nutzern kommen. Heute gibt es neue Chancen für die Latinos: Im Gegensatz zu den klassischen TV-Programmen sind deren Shows im Internet zu 17% repräsentiert. Ähnliches gilt für Blogger, Glaubensgemeinschaften, Künstler, ...

Zum Thema "Zero-Rating":
Ein weiteres Verfahren, um sich im Netz einen Wettbewerbsvorteil "zu erschleichen". Das Slate-Experiment zeigt: Angebote mit Zero-Rating haben einen Vorteil von mehr als 50% bei den Nutzern. "Zero-Rating" wird inzwischen von AT&T und Horizon als "Dienst-"Leistung verkauft. Der "Digital Fuel Monitor" zeigt die Auswirkungen dieser Art von Wettbewerbsverzerrungen.
Da sind die Anwendungen einer Klasse. Wie zum Beispiel das Binge On "Music Freedom" von T-Mobile: http://www.t-mobile.com/offer/free-music-streaming.html.
Aber: Das sind 44 Anbieter von rund zweitausend.

Daher der Aufruf zur Teilnahme an der öffentlichen Konsultation im Sommer diesen Jahres.

Zum Thema: "Verkehrsmanagement" gibt es folgendes Problem: Es ist eine Unterscheidung nach technischen Merkmalen möglich, doch auch damit wird die Nutzungsmöglichkeit in diesen Netzen eingeschränkt.

Wie sind die Rollen verteilt: Das Europa-Parlament, "die Guten", der Rat ist kaum für dieses Thema aufgeschlossen und hat das Parlament wurde dann weitgehend untergebuttert.
Die Bundesregierung hatte auch eine sehr hoffnungsvolle Position, die sie im Rat aber nicht mit der gleichen Verve vertreten hat. Heute wird diese Position nur noch von den Grünen und der Linken vertreten "und zum Teil von der AfD".
Die Start-up-Verbände sind heute die Einzigen, die das noch durchkämpfen wollen.

Wir brechen an diesem Punkt die Darstellung ab. Und zeigen nur noch die hernach besuchten Veranstaltungen auf: der Rechner hatte keinen Strom mehr und es gab in keinem der Veranstaltungsräume irgendwelche Punkte, an denen man den Rechner hätte mit einen Kaltstromstecker hätte weiterbetreiben können.


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Daher an dieser Stelle der Hinweis, das das Thema der Netzneutalität nachfolgend nochmals diskutiert wurde:

18:30 - 19:30 STAGE 2 #SaveTheInternet – a new hope for net neutrality in Europe

nachdem zuvor im gleichen Raum dieses Thema gespielt wurde:


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17:15 - 18:15 STAGE 2 How is Technology Innovation Driving Changes in China?


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Über diese Veranstaltungen noch zu berichten fehlt... der Saft - und vielleicht auch die Kraft. Dabei würde jede von diesen nochmals eine ausführliche Kommentierung wahrlich verdienen: Über den Kampf der aufrechten KämpferInnen für die Netzneutralität. Über die Roadshow der chinesischen Start-ups die als Promo-Kampagne quer durch Deutschland geschickt werden. Über die Rede von Sascha Lobo "an sein Volk" [5] Und über die gut reflektierten Aussagen zu einer andere Form von "Pornographie", die das Leben und das Spiel in und mit der Liebe wieder lebens- und erzählenswert macht.


19:45 - 20:45: STAGE 1 The Age of Trotzdem


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20:15 -20:45 STAGE T Plot, what plot? How fanfictions changed the consumption of porn.


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Am Ende dieses Tages trifft sich - wer will - im Vorhof.

Die einbrechende Dunkelheit zeigt unübersehbare neue Möglichkeiten, sich zu kleiden.


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Als dieses Foto gemacht wird, klingelt das fotografierende Telefon.

Die Nachricht von einem Todesfall beendet den Aufenthalt abrupt.

Die Entfaltung des Digitalen stösst jäh an die Grenzen unserer Existenz.

Die Prioritäten der nächsten Tage werden sich verändern.

Anmerkungen

[1Zur eigenen Ausstattung gehören derzeit ein immer noch - in den USA wie in Europa - als Telefon und SMS-Empfänger voll funktionsfähiges htc-google_nexus_one, dessen Android-Betriebssystem sich aber nicht mehr updaten und damit für die aktuellen Apps auch nicht mehr nutzen lässt
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und ein aktuelles Microsoft Lumia LTE 550, mit der aktuellsten Software Version 1511, Build:10.0.10586.218,
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das aber ebenfalls für den Betrieb der derzeit zur Verfügung gestellten Apps nicht genutzt werden kann.

[2... leider hält sich die Moderation an dem Gegenüberstellen der Vorteile der beiden Städte fest...

[3In dem Einspieler wird deutlich, wie wichtig die Rolle des Engagement in der israelischen Armee ist, um zu lernen, unter Zeitdruck und schwierigen Voraussetzungen "top technologies" zu managen. "They know, how to get things done" Die Gegenposition von Felix lautet: Was in Israel die Armee ist, ist in Deutschland die Uni.

[4(Das ist keine Beschwerde, sondern ein Kompliment :-) WS.

[5Ja, das ist wirklich so gemeint, wie es hier steht und kann gerne auf Wunsch nochmals ausführlicher begründet werden.


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