Zeitungen sterben. Der Journalismus (über)lebt?!

VON Dr. Wolf SiegertZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 11. Dezember 2015 um 19 Uhr 07 Minuten

 

Prolog

Die heute durchgeführte Vortrags- und Diskussions-Veranstaltung ist nicht öffentlich. Aber für ihre Vorbereitung und Durchführung werden Quellen Verwendung finden, die auch "im Netz" zu finden sind und daher hier an dieser Stelle auch zur Darstellung kommen können.


Zeitungen sterben
die Gedruckten - aber auch die Digitalen

Wir beginnen als Intro mit einem Video von David Carson vom 11. September 2006 (mit dem zumindest geprüft werden kann, ob der Rechner, der Beamer, die Lautsprecher und die Internetverbindung funktionieren. [1]

Sein Titel: The End of Print

Hier zwei konkrete Beispiele als pars pro toto aus Deutschland und aus den USA:

Das Ende der Financial Times Deutschland, Ein Dokumentarfilm des Norddeutschen Rundfunks, NDR, vom 13. Dezember 2012

Das Ende der Rocky Mountain News in 2009 in den USA:

Geht es - dennoch - weiter? Wie geht es weiter? In der nachfolgend zitierten Doku:

Rocky Mountain News for Sale.... How the digital revolution is killing print media by Journeyman Pictures, Published on Nov 7, 2013 [2]

hören wir zu Beginn Laura Frank, die eben noch als Investigative Reporter bei der Rocky Mountain News gearbeitet hatte, der ältesten Zeitung der Vereinigten Staaten:

Ihrem Optimismus stehen aber auch solche Projekte entgegen, die sich bereits sehr früh-zeitig ganz und gar auf die digitale Distribution verlegt haben, und die ebenfalls gescheitert sind:

The End of the Daily

Kristie Lu Stout examines why News Corps first tablet-only daily newspaper is folding. CNN, Published on Dec 4, 2012

Das Ende der Netzeitung

Hier analysiert in einem Gespräch zwischen Marko Schlichting und Don Dahlmann vom 6. Dezember 2009:


Über das Nutzerverhalten
Print oder Online?

Zu diesem Wechsel- und Spannungsverhältnis wurde eine Reihe von Beispielen und Dokumenten zusammengestellt, hier zum Beispiel machen "Krissy" und "Sheena Strasseninterviews für die Magazine Association of British Columbia. [3]

Andere Interviewreihen, die ebenfalls auf YouTube veröffentlicht sind, können in Deutschland nicht gezeigt werden, wie zum Beispiel diese hier vom 17. Juli 2014 auf GoldMyne TV:

Aber wir haben diese Probleme auch im eigenen Land.

Hier zum Beispiel hätte gut dieser Bericht von Günter Herkel im MedienMagazin von B5 aktuell des Bayerischen Rundfunks vom 2.11.2014 hingepasst. Aber er ist unter dem dort ursprünglich eingestellten Link
Nutzer besser verstehen: Partizipativer Journalismus
nicht mehr aufzufinden.


Was uns sogleich zum nächsten grossen Thema führt:

Urheberrecht in der Online-Welt

Dazu fand am 1. und 2. Dezember 2015 eine grosse Konferenz in Berlin statt, Titel:
Die Zukunft des Urheberrechts . Hier das Programm dessen Verlauf HIER dokumentiert ist. [4]

Wir werden auf dieses Thema aber - trotz seiner immensen Wichtigkeit - nicht in Form dieses Vortrages eingehen, sondern dazu durch die Beantwortung von Fragen Stellung nehmen.


Journalismus und die "Sozialen Medien"

Journalismus und Social Media 2012

Im PRREPORT vom 18. Dezember 2012 ist die Rede von "einer Studie, die das ECCO-PR-Agenturnetz in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführt hat" und stellen fest: "Der Großteil der Journalisten - zwischen 85 Prozent (Schweiz) und 94,5 Prozent (Österreich) - betrachtet Social Media als eine Ergänzung der eigenen Arbeit. Mehr als 80 Prozent der Journalisten in allen drei Ländern sehen aber die Qualität journalistischer Arbeit durch die sozialen Netzwerke gefährdet."

Zu Beginn des Jahres 2014 ist in einer Nachfolgestudie des Agenturnetzes zu lesen:

Journalisten-Studie: Social-Media-Begeisterung flaut ab 2014

"Gleichzeitig scheint die Social-Media-Begeisterung deutlich abgeflaut zu sein. Die Pressemitteilung als Informationsquelle liegt mit 55,6% deutlich auf Platz eins der häufig genutzten Quellen. Social Media wird nur noch von 10,8% der Journalisten häufig genutzt. Noch im Jahr 2012 hatte eine ECCO-Studie ein deutlich anderes Bild ergeben."

Social Media und Journalismus 2014

Lautet die von der Landesanstalt für Medien in NRW beauftragte Studie von Christoph Neuberger, Susanne Langenohl und Christian Nuernbergk,
deren Zusammenfassung der LfM-Dokumentation, Band 50,ISBN 978-3-940929-33-4, hier als PDF-File seit dem Oktober 2014 eingesehen werden kann. [5]

"Partizipativer Journalismus - Nutzerdialog neu denken"

Das war nicht nur der Titel einer LfM-Fachtagung am 16. Oktober 2014 in Berlin [6], sondern ist die Referenz auf eine Studie von Volker Lilienthal, Stephan Weichert, Dennis Reineck, Annika Sehl und Silvia Worm zum Thema:

Digitaler Journalismus. Dynamik – Teilhabe – Technik

Erschienen als Band 74 der Lfm-Schriftenreihe Medienforschung und HIER als Zusammenfassung als PDF einsehbar.

Zwei der Autoren stellen die Ergebnisse in zwei Interviews vor:

— Volker Lilienthal

— Stephan Weichert

Auf den Medientagen in München wurde auf dem abschliessenden sogenannten Content-Gipfel [7] Volker Lilienthal um die Präsentation der Ergebnisse dieser Studie gebeten.


Die Zukunft
für die Journalisten

Ulrike Langer, Fachjournalistin für digitale Innovationen aus Seattle, berichtet, "dass viele Innovationen noch gar nicht in Deutschland angekommen seien. So setzten amerikanische Zeitungen für schnelle Berichterstattung und „Echtzeitjournalismus“ auch das Publikum ein. Der Einsatz von Algorithmen (Stichwort: Roboterjournalismus) entlaste den Arbeitsalltag von Routinearbeiten, weshalb mehr Zeit für die Recherche bleibe. Und in der Ausbildung werde bereits Unternehmerjournalismus gelehrt."

Hierzu eine Referenz auf ein Seminar an der RTL Journalistenschule, das Ulrike Langer - medial digital.de - am 22. Februar 2010 gegeben hat zum Thema:

Trends im Onlinejournalismus

]] [8].

Über die Situation in Deutschland gibt eine umfangreiche Dokumentation des Vereins Netzwerk Recherche Auskunft, die zeigt, dass für die JournalistInnen die Beschäftigung mit dem Thema Online ohne Alternative ist.

Online-Journalismus: Zukunftspfade und Sackgassen
/ hrsg. v. netzwerk recherche e.V.
Konzeption: Prof. Dr. Thomas Leif (verantw.) ; Thomas Mrazek ; Albrecht Ude. Redaktion: Thomas Mrazek. Redaktionelle Mitarbeit: Günter Bartsch (Korrekturen). Mitarbeit: Albrecht Ude. Gestaltungskonzept & Artwork: Nina Faber de.sign, Wiesbaden. -
Wiesbaden : netzwerk recherche, 2011, 196 S. ISBN: 978-3-942891-00-4


Neue Formate

Eine Untersuchung vom Alexander Godulla und Cornelia Wolf im Helft 11/2015 der Media-Perspektiven zum Thema:
Journalistische Langformen im Web: Produktionsbedingungen und Markteinschätzung

Eine Art Readers Digest, von Experten und Journalisten für Leute wie "Dich und mich"
https://www.piqd.de/start

Ein über reines Crowdfunding finanziertes Projekt, Krautreporter.de, das sich nach einem Jahr Praxis neu definieren muss. Hier der Bericht von Tobias Betz im Medienmagazin von B5 aktuell vom 27. November 2015: Wie geht’s weiter?

Und hier ein Projekt, das nicht mit einer Million, sondern wenigen tausend Euro an Crowdfunding-Geld gestartet ist:
Deine Korrespondentin

Anmerkungen

[1Was sich im Verlauf der Veranstaltung als sehr sinnvoll herausgestellt hat, da noch nach dem Beginn Internet, Projektion und der Sound "nachgerüstetet" werden mussten.

[2What will the future of journalism look like? The dramatic fall of some of the biggest print publications has coincided with the the rise of internet giants; but where is the money in this world of free content? Is the biggest reach all that matters and how does investigative journalism compete with cats in hats? From paper boys to social networking, from the US to Europe, this sharp doc delves into the brave new world of journalism.

[3They find out about reader’s feelings on print and online platforms for magazines.

[4Eine Dokumentation der angeblich erfreulichen Presseresonanz lag bis zum 9. Dezember 2015 noch nicht vor.

[5Die wichtigsten "Schlussfolgerungen für die journalistische Praxis" lauten:

— Facebook
hat das weiteste mögliche Anwendungsspektrum. Vor allem bei der Publikumsbeteiligung übertrifft das soziale Netzwerk die anderen Angebote in fast jeder Hinsicht. Bei der Recherche eignet sich Facebook nur für „weiche“ Ziele (Finden von Themenideen, Meinungsverteilung zu einer Streitfrage) und für die Beobachtung der Resonanz auf die eigene Berichterstattung.

— Twitter
ist, soweit es um das Publizieren geht, lediglich für die Echtzeit-Interaktion mit dem Publikum geeignet, dagegen kaum für längerfristige Diskussionen. Die herausragenden Stärken von Twitter liegen im Bereich der Recherche, und zwar besonders im Hinblick auf Kontakte zu Experten und Prominenz (kontinuierliche Beobachtung prominenter Quellen, Suche nach Experten, Pflege von Expertennetzwerken).
Die Analyse der Twitter-Aktivitäten von Politikjournalisten demonstriert eindrucksvoll, wie Journalisten in diesem öffentlichen Raum untereinander und mit Politikern „netzwerken“. Twitter wird auch im Hinblick auf das Sammeln von Fakten über aktuelle Ereignisse bevorzugt. Beim Publizieren eignet sich Twitter für die Live-Berichterstattung und kurze Eilmeldungen.

— Blogs
haben besondere Stärken bei der Publikumsinteraktion, wenn Themen längerfristig diskutiert werden, Nutzer eigene Beiträge schreiben und die Redaktion Einblick in ihre Arbeit geben will. Außerdem sind Blogs für Kolumnen geeignet, in denen ein Autor seine Sicht der Dinge schildert.

— Der Vorzug von YouTube
liegt selbstredend in der günstigen Möglichkeit, Videos zu publizieren
.

[6Hier in der Zusammenfassung als PDF einsehbar.
Was in diesem "Protokoll" nicht vermerkt wurde war die freimütige Erklärung des stellvertretenden Chefredakteurs der Welt-Gruppe, Oliver Michalsky, dass sie heute schon ihre Leser-Reaktionen mit EDV-gestützten Verfahren auswerten würden - und müssten.

[7Phrasenbingo auf dem Content-Gipfelder Medientage: Ines Pohl fragt, welches Un-Wort jeder Panelist hat. Ulrike Langer: "Qualitätsjournalismus", Heribert Prantl: "Krise", Müller von Blumencron: "Content", Claus Kleber: "Vor-Ort", Volker Lilienthal: "Geschäftsmodelle".
Aus: https://www.facebook.com/medientage.muenchen.

[8Siehe auch: P313 Content-Gipfel


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