The Ken Morse Show

VON Dr. Wolf SiegertZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 20. Oktober 2015 um 01 Uhr 28 Minuten

 

Ja, Ken [1], Kenneth P. Morse liebt es, im Mittelpunkt zu stehen. Aber er weiss warum. Und was er zu sagen hat. Schon vielmals erprobt. Und in aller Vielfalt immer wieder neu ausgeführt. Mit der auch von ihm vorgetragenen eindringlichen Forderung, doch endlich jegliches Telefon im Saal abzuschalten, verlangt er nicht nur potenzielle Störungen zu vermeiden, sondern fordert sein Publikum, jenen von uns, dazu auf, wirklich zuzuhören, mitzudenken und nachzuvollziehen, wenn er Sätze sagt wie diese:

— "Nein; gründet nach dem Studium (noch) kein Unternehmen, sondern geht erst einmal zu einer "richtigen" Firma, damit ihr lernt und versteht, wie es in einem solchen Panoptikum zugeht" - auch die heute erfolgreichen SAP-Leute hätte zunächst an anderer Stelle viel lernen müssen, bevor sie dort angekommen seien, wo sie jetzt sind. Seine Motto: „Start from the DARK SIDE“.
Oder:
— "Aus einer qualifizieren Marktnische heraus den Markt zu erobern - und das wird gut und gerne fünfzehn Jahre brauchen - und dabei müsst Ihr schon mit der Besetzung des Kernteams diejenigen Leute einbinden, die nachher für diese Company auf die einzelnen Kontinente ausschwärmen werden. Und unter diesen sollten auch solche Leute sein, die schon 20 Jahre älter sind als ihr es seid."
Oder:
— Sein grösster Misserfolg sei der Start jener Firma gewesen, in der die meisten MIT-Studenten - und Professoren - mitgearbeitet hätten. Sein Motto, was er heute dagegen setzten würde: "You have to be unusual and unconventional."

Sie wichtigstes Statement aber war dann auch sein kürzestes:
— "Integraty is the number One"

in dem nachfolgenden mehr als einstündigen YouTube-Video (was nur noch selten in dieser Länge angeboten wird) gibt es einen Einblick in eine seiner "Performances" aus dem Jahr 2012

Dies soll alsbald ergänzt werden durch einen Mitschnitt von dem Auftritt heute auf dem Growth Company Forum in der ESMT European School of Management and Technology - so wurde es versprochen [2].

Wer Augen hat und Ohren, möge selber hinhören und hinschauen. Nicht nur, dass dieser Mann eine Menge zu sagen hat - gerade auch denen, die sich aufmachen, um selber als UnternehmerInnen arbeiten zu wollen - ebenso interessant ist es zu hören und zu sehen, wie er es tut:

Er komprimiert wichtige Erfahrungen in Sätzen, die bis zu Aphorismen verkürzt sind - und macht dann wieder ("Kunst-") Pausen, um dem Publikum Zeit zu geben, um zu verstehen, ja verarbeiten zu können, was er gerade gesagt hat.

Die Show, die er macht, macht er nicht für sich selbst zuliebe, sondern für das, was er zu sagen hat.

Was ihn nicht daran hindert, den hier berichtenden Beobachter von zwei seiner Auftritten an einem Tag zu fragen, wie er denn gewesen wäre.

Also doch. Es gibt sie also doch. Auch diese Portion Eitelkeit, die es braucht, um immer wieder neu aus dem Vortrag einen Dialog zu machen, ein Frage- und Antwort-Spiel.

Ja, ein "Spiel", in dem der bitter Ernst der Herausforderungen vermittelt wird, die es sich zu stellen gilt.

Was nachhaltigen Eindruck gemacht hat:

- seine Aussage, dass er in den Tagen der Kulturrevolution sieben Jahre in der VR China verbracht habe. Und dass er auf Nachfrage - zu Recht ! - erklärt, dass die Leute endlich ihre rosa Brille absetzen sollen, wenn die davon Träumen, wie lukrativ das China-Geschäft für sie auf Dauern sein könne...

- der er von seinen Vorfahren und davon spricht, dass sein Vater in der Zeit von 1933-1935 in München studiert habe: Und dann: Ken? Auch die Wikipedia hält darauf keine Antwort bereit.

Auf die Anfrage, ihn in Boston aufzusuchen, antwortet er: "Komm lieber in Barcelona an der ESADE [3] vorbei, besuche meine Verkaufs-Trainings dort und dann gehen wir zusammen essen".

Also wird dieser Dialog - von ihm zunächst als Mittel der Didaktik (dominant) und zur Pflege der Eitelkeit (rezessiv) zum Einsatz gebracht - irgendwann in eine andere Qualität gewandelt werden müssen, wenn er denn über eine "klassische" Lehrer-Schüler-Beziehung hinausgehen sollte.

Viele, die seine Vita verfolgt haben, meinen, dass es nicht wirklich möglich sei, mit ihm "auf gleicher Augenhöhe" reden zu können, aber dann - und nur dann - wird er jemand sein, der auch bereit sein wird, mit sich reden zu lassen.

WS.

Anmerkungen

[1Ken hat zu diesem Zeitpunkt 101 Tweets geschrieben, der letzte stammt vom 22. Juli 2013. Er folgt 1.556 Mitgliedern dieser Community und hat 1.158 Follower... und eben diese Zahlen sage nun mal so gut wie gar nichts über ihn aus.

[2Und er wird hier ebenfalls eingestellt werden, sobald auch dieser vorliegt.

[3Die an dieser Stelle publizierte Vita ist wesentlich ausführlicher und weitreichender


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