SYMPOSIUM "TV OR NOT TV"

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 12. November 2015 um 10 Uhr 25 Minuten

 

Der Untertitel dieser zum 25. Jahrestag der Deutschen TV-Plattform in Berlin ausgerichteten Tagung lautet:

"Wie dramatisch verändert sich unsere Industrie?"

Und die Antwort wird in unmittelbarer Nachbarschaft dieses Titels sogleich durch dieses Agentur-Bild selbst gegeben [1] :


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Und nun soll darüber auch nochmals gesprochen werden.
HIer und heute, in Berlin:

11:00 BEGRÜSSUNG
- Andre Prahl
Mediengruppe RTL Deutschland
Stellvertretender Vorsitzender
Deutsche TV-Plattform

Prahl bezieht sich tatsächlich auf Shakespeare als einen guten Stichwortgeber. Auch wenn die Prognose des Dramas nichts mit der Prognose für das Fernsehen in Deutschland zu tun habe. Schliesslich gäbe es heute schon zu viele Smartphones, als dass dieser Dienst noch untergehen könnte. Er spricht für die vielen neuen individualisierte Angebote. Mit immer wenigeren "grossen Hits". Das aber sei aber kein Zeichen für den Niedergang, sondern für Veränderung.

11:10 KEYNOTE
- Dr. Marc Jan Eumann
Staatssekretär für Bundesangelegenheiten, Europa
und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen

Man müsse "die Dinge" aus dem 360° Winkel betrachten. Er bezieht sich auf ein aktuelles CES-Szenarium unter Verwendung von persönlichen Sensoren. Und stellt fest: "Für mich als Medienpolitiker ist das eine grossartige Zeit."
Es folgt ein Einblick in den Maschinenraum in die Politik:
Auch für die Digitalisierung braucht man Orientierung. Es gibt viele neue "Zurechtfindungs-Systeme". Aber von wem? Diese Frage sei "nicht ganz trivial für eine demokratisch verfasste Gesellschaft."
Aber was ist mit der "Fähigkeit zum Kompromiss"? In den USA gehe diese immer mehr gegen Null. Und das führe zu einer Spaltung der Gesellschaft.
Im Gegensatz dazu Deutschland. Endlich sei ein abgestimmtes Papier nach Bruxelles gegangen, in dem Bund und Länder gemeinsam Position beziehen: Für die Rahmenbedingungen einer neuen AVMD-Richtlinie.
Und das sei gut so, denn auch er habe in diesem Jahr (s)ein 25jähriges Jubiläum: Als Medienpolitiker.
Das nächste Mal, also vor dem Frühjahr 2016, sollte man wieder mit neuen Vorschlägen aus der Szene zusammenkommen.

11:25 IMPULS
- Django Asül
Kabarettist
 [2]

Sein Vor-Urteil: Zukunftstechnologien, das sei immer schlecht. Das sein Intro. Und dann berichtet er von dem Briefing, auf hohem Niveau, mit Andre Pohl. Bei der TV-Plattform seien "alle dabei", "Kraut und Rüben".
Es folgen Streifzüge durch die aktuellen Ereignisse in Politik (Flüchtlinge) und Sport (Schwarze Kassen).
"Sky steckt auch dahinter, dass ich heute hier sein muss."
"Consultant wird man gerne mal, wenn man an der Auffindung von Lebensinhalten gescheitert ist."
"OTT: Over The Top heisst für ihn: "Über das Ziel hinausgeschossen" zu sein.
Seine Erkenntnis: "Die Zukunft des Fernsehens heisst: Irritation statt Faszination."

11:50 VERÄNDERUNG DER BEWEGTBILDNUTZUNG
- Gerald Neumüller
Director Research
SevenOne Media

immer noch ist das TV-Gerät das in deutschen Haushalten am meisten genutzt Gerät. 94% der Bewegtbildnutzung findet auf dem TV-Gerät statt. Das sind 240 Minuten am Tag. Die VOD-Nutzung pro Tag liegt bei 11 Minuten pro Tag. Also: 94% dieser Angebote werden immer noch linear wahrgenommen. Bei den Jugendlichen sind es immer noch über 60%, die Fernsehen.
Die höchsten Wachstumsraten hat... das Smartphone, vor allem für online-Video-Angebote und als "second screen".
Und er klärt das Fernsehen als das "klassische Mood-Managent" und als "Zentrum des Wohlfühlens" [3]

12:05 VERÄNDERUNG DER INHALTE
- Wolfgang Apel
Programmdirektion
ZDFneo

Er macht auf mit einem Rückblick auf die grossen Shows und sagt, das heute vor allem factual entertainment funktioniert.
"Der TED ist beerdigt." "Die SMS ist out". "AOL ist out". Neue Rückkanäle müssen gesucht werden.
Das ZDF setzt auf die Mediathek, auf eine Trailer-Erstellung aus Social Media Platforms, auf Zusatzinfos, auf Second Screen Anwendungen.
Was den Ausblick betrifft, kommen einmal mehr die bekannten Hinweise auf die Sozialen Medien, die Chancen eines Technologiemix’ bis hin zur Wirkmächtigkeit der neuen Global Players.
Und dann gibt es doch noch eine Erweiterung mit Hinweisen auf: HbbTV, UHD, VR, 3D-Ton, sowie personalisierten Angeboten.

12:20 VERÄNDERUNG IN DER PRODUKTION
- Ernst Feiler
Head of Technology
UFA Serial Drama

4 K ist für uns schon gesetzt - und zwar als Produktionsmittel.
Das Digitalarchiv ist vor 7 Jahren eingeführt, aber wir machen zu wenig draus.
"Distributionstechnologie war bisher nicht unser Fach, das ist IHR Fach".
Mobile-Video ist Bestandteil des Video_Labs. Wir machen heute 3 Milliarden Klicks pro Monat
Das Google- Video-Lab ist noch ganz klassische Video-Mach-Programm "Und damit wollen die Jungs uns überholen"?)
Virtual Reality. Als TV-Produzent sind die klassischen Wachstumsraten eher begrenzt. Aber wir stehen international gut da. Und haben Perspektiven für neue Wachstumsfelder. Nach Diana Foxx gibt es neue Projekte: Jetzt soll die Filmsprache im VR-Raum neu ausgelotet werden. Zur Zeit 6 Milliarden Umsatz, in wenigen Jahren über 100 Milliarden in der Perspektive. In Berlin-Brandenburg soll ein eigener VR-Hub aufgesetzt werden.
Wie gehen wir mit dem Thema der wachsenden Komplexität um? Die Silos optimieren? "Ich glaube dieser Weg ist endlich. Wir müssen heraus aus der Brockhaus-Denke."
Ja, CONTENT bleibt KING. Aber: RELATIONSHIP ist KING KONG

12:35 VERÄNDERUNG DER GERÄTELANDSCHAFT
- Thomas Nedder
Country Head
Sony Deutschland

Der Deutsche kauft alle 6-7 Jahre ein neues TV - Gerät. Grösseres Format und smarte Nutzung. Für TV-Angebote und viele weitere Dinge. Aber wie findet man all diese vielen weiteren Dinge? Sony hat sich für Android als Smart-Plattfom entschieden. Heute sind 15% aller TV-Geräte 4-K-Geräte. Die Herausforderungen sind eher die Vielfalt der Codecs und die Geschwindigkeiten der Festplatten. "Wir kriegen wir all diese Format auf einen Nenner?" Mit einem eigenen X1 - Prozessor, der auch upscaling leisten kann.
Das Ziel: Mit HDR (High Dynamic Range) Bilder zu produzieren, die wie 3D aussehen, ohne dass man eine Brille braucht.

FRAGEN - UND ANTWORTEN
:
— Junges Publikum ansprechen? Mit jungen Protagonisten, mit adäquatem Content.
Die 14- 29-jährigen haben immer schon weniger ferngesehen, je älter auch diese werden, werden sie auch wieder mehr fernsehen.
Über die Mediatheken wollen wir eine Community ansprechen - und halten.
Es ist wichtig, die Inhalte auch - nach wie vor - an Marken zu binden.
Die "Lagerfeuer"-Funktion vor dem grossen Endgerät wird ihre Bedeutung behalten.
Serien aus Europa? Ja. Mit einem eigenen Format und regionalen Inhalten.
Ein Google-Account bleibt die Voraussetzung zur Nutzung eines SONY-Smart-TV-Gerätes

FILM: Von Jugendlichen mit Jugendlichen über ihre Komsumgewohnheiten
Ein Zitat - für Alle: "Fernsehen? Wenn der Handy-Akku alle ist"

14:15 VERÄNDERUNG DER INFRASTRUKTUREN
- Florian Landgraf
SVP Product Development
Vodafone Kabel Deutschland

Was ändert sich? "Alles" und "Nichts". Das B to C Kundensegment.

Produktsäule Kunden Umsatz
Bereitband  5 Mio  1,7 Mrd.
Video  8 Mio  1,1 Mrd.

Was ist das Kundennutzungsverhalten? Alles wunderbar. Auch die 14 - 29 jährigen schauen immer noch 2 Stunden TV. Die Trends, Zeitunabhängigkeit und Ortsunabhängigkeit werden sich durchsetzen: Dafür ist es zweierlei wichtig: Convergence Player zu sein und Subscriber Connction .
Der Kunde hat für das Zerhacken der Rechteketten überhaupt kein Verständnis. Und verhält sich dann entsprechend.
Der Kunde hat mit der zunehmenden Komplexität das Bedürfnis, sich in der digitalen Welt zurechtzufinden.
Die durchschnittlichen Entwicklungszyklen von ca. 18 Monaten widersprechen den 4 Software-Updates von Facebook pro Tag.

Mit Cicso wird im agilen Entwicklungsmodus eine neue Plattform aufgebaut, die sich alle 2 Wochen weiterentwickeln lässt / lassen muss. "Und selbst dann sind wir immer noch 100fach langsamer als Facebook." In der Werbung wird daraus ein konvergentes Projekt gestartet, das RED ONE heisst.

14:35 DIE NEUE AUFFINDBARKEIT
- Andreas Mauch
Managing Director TV Spielfilm
BurdaNews

Auch TV-Spielfilm hat 25 Jahre Jubiläum. Immer noch kommt die Frage, "was schauen wir denn heute am Abend" - auch wenn es nicht gerade einfacher geworden ist, darauf eine adäquate Antwort zu geben.

"Zeit ist die Währung der Zukunft... " [4]

14:55 TV UND SOCIAL MEDIA
- Marcel Düe
Founder & Managing Director
tweek

Zusammen mit Sven Koerbitz 2010 gegründet. Das Ziel: Das Fernsehen soll so einfach bleiben, wie es mal war. Und heute: "Ich mache es an - und es ist gleil."
Die Parameter: Context, Social und Personalize. Haben funktioniert aber das Ganze war nicht wirklich wirtschaftlich erfolgreich. Also ein Shift - und eine API gebaut, die die Social-Profiles analysieren und diese mit dem Programm-Angebot verbinden.

Es gibt viele neue Angebote und Möglichkeiten über die neuen Möglichkeiten wie:
— Dubsmash (erfolgreiches Start-up aus Berlin)
— Snapchat (hat funktioniert)
— ZEEBOX / BEAMLY (hat nicht funktioniert)
— FACEBOOK (the best place to view and share videos)

Lerne:
Es macht keinen Sinn, einen neues Network nochmals zu erfinden
Engagement is the future digital currency (noch wichtiger als eyeballs)
Mehr als die Summe der Anforderungen erfüllen, sondern das BEST machen, was es gibt

15:15 VERÄNDERUNG DER GESCHÄFTSMODELLE
- Dr. Malte Probst
Vice President PPV & VoD Business
Sky Deutschland

Das klassische TV wächst nicht, "it is a flat business".

In Deutschland gibt es nach wie vor einen interessanten Markt mit grossem Potenzial.

Was bedeutet Exklusivität und wie können wir diese monetarisieren?

Die Kontrolle über den markenbildenden Kontent ist ebenso wichtig - wie teuer.

Wer hätte gedacht, das der Bond-Kanal mit all den "alten Kamellen" heute alle Rekorde schlägt?

"Content wird zur Commodity" - wie kann man sich noch durch einen besonderen Inhalt abheben von den Anderen?
Was ist mit dem Preis?
Was ist mit der Usability?
Was ist mit den technischen Features?
"Confusion is the enemy of Pay TV"
"Live-Consumption" ist immer noch der entscheidende Faktor für den Erfolg.

15:35 Q&A SESSION II
Das Netlix-Angebots-Szenarium hat auch SKY geholfen. Das Bezahl-Fernsehen ist nicht mehr nur das Angebot von Einem.
Wie hoch ist die Bereitschaft, seine Daten zur Verfügung zu stellen? Von zunächst 8% nach und nach bis auf 45% gewachsen. Aber bei Globo-TV in Brasilien gibt es 98% Beteiligung.

16:05 DISKUSSION
TV OR NOT TV – WIE DRAMATISCH
VERÄNDERT SICH UNSERE INDUSTRIE?
- Dr. Andreas Bereczky | Produktionsdirektor ZDF

Acht Jahre für einen Jugendkanal? Das ist ein neuer Internet-Dienst, und das wird ein Portal sein, kein TV-Kanal.
Ist das ZDF ein "konservatives Dickschiff"? Vor 15 Jahren aufgehört, analog zu produzieren. Kooperation mit Microsoft und t-online noch vor den 2000er Jahren. Sogar eine 3D-Produktion gemacht... aber nicht nur für 0.5% des Publikums.
In Zukunft geht es um eine intelligente Verknüpfung der alten und neuen Dienste.
Die neue Mediathek wird sich an den Vorgaben der IP-Daten ausrichten. Aber Daten sammeln, das wird das ZDF auch weiterhin nicht tun.
- Norbert Loskill | Expert
Die Hardware-Industrie muss das auch alles mitmachen. Viele der Haushalte sind dafür noch gar nicht vorbereitet. Das TV-Gerät bleibt der zentrale Mittelpunkt im Wohnzimmer. Wenn auch nicht mehr im Sideboard sondern an der Wand.
- Verena Pohl | CBC
Schnell müssen die Dienste sein, und zuverlässig und ortsunabhängig. Egal mit welcher Technik.
Gibt es eine Zukunftsversion? Mehr ausprobieren. Mehr Provokation. Mehr Meinung.
- Ulrich Refuss | Nokia Networks
Verweist auf das Pilot-Projekt in Bayern: TV über LTE als Ergänzung zu DVB-T 2.
- Wolfgang Tunze | Journalist
ist überrascht von den neuen Angeboten und Möglichkeiten, die heute dann doch noch genutzt werden.
Die grossen Medienhäuser müssen sich Gedanken machen, wie sie noch in Zukunft wahrgenommen werden.

16:45 ABSCHLIESSENDES STATEMENT
- Andre Prahl | Deutsche TV-Plattform

entfällt, die letzten Worte spricht der Moderator.
Und da er seine Sache gut gemacht hat, darf er das dann auch.

MODERATION: FELIX SEIBERT-DAIKER
"Die jungen Menschen, die ticken völlig anders."

Und das eigene Schlusswort? Gerne. Aber nur auf Anfrage.
Schliesslich gibt es ja eine offizielle und mit allen Beteiligten abgestimmte Fassung, die hier als PDF zur Verfügung gestellt wird. Wir belassen es - lieber - dabei.

PDF - 198.8 kB
Symposiumsbericht

Anmerkungen

[1Allerdings mit diesem kleinen Schönheitsfehler: die beiden hier abgebildeten Modell-Nutzer halten das Smartphone bzw. Tablett hochkant... warum eigentlich?

Hier das Beispiel von einer Gewinnspiel-/Verkaufs-Aktion der Firma office-discount, die bis zum 14. Oktober 2015 mit dieser Aktion geworben hat:

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[2Dieser Mann hält der versammelten Garde wahrlich den Spiegel vor. Und keiner will’s wahr haben - und lacht sich lieber kaputt anstatt verstehen zu wollen, wie kaputt der Vortragende einige dieser Leute - und das, was sie zu sagen haben - hält.

[3Und das Ganze mit einem Screen-Picture hinterlegt, in der eine Frau wie ein Engel schwebend auf den Bildschirm fliegt, der ihr entegegenstrahlt, wie früher die ultra-weisse-Persil-Wäsche.


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