Digitalisierungsbericht 2015

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 10. September 2015 um 12 Uhr 56 Minutenzum Post-Scriptum

 

Nachfolgend einige vor Ort gefertigte Notizen, die entstanden sind im Zusammenhang mit der Präsentation des Digitalisierungsberichts 2015:

10:30 Uhr - Begrüßung

Thomas Fuchs (Koordinator Fachausschuss Netze, Technik, Konvergenz der Medienanstalten)

Wächter zu sein des chancengleichen Zugangs zu Plattformen - diese Aufgabe der Medienanstalten soll auch in Zukunft gewahrt bleiben.

Mit dem Bundeskartellamt sollte demnächst geklärt werden, ob sogar "Re-analogisierung" sogar untersagt werden kann. Und weitere Fragen dieser Art.

Was gilt für die Bürgermedien und was für die, die einen Must-Carry-Anspruch haben?

Wir müssen zunächst versuchen, diesen Weg "aus eigener Kraft" zu gehen, bevor dafür die rechtlichen Möglichkeiten des Bundes in Angriff genommen werden.

10:40 Uhr - Digitalisierungsbericht 2015 - Die Zahlen

Regina Deck (Director Media Research, TNS Infratest)

Heute wird nur eine Auswahl der Ergebnisse vorgestellt. Auf der Webseite der Medienanstalten werden Zug um Zug die Kapitel veröffentlicht und kommentiert werden.

"Jeder Sechste hat keine Glotze mehr" so hat Werben und Verkaufen getitelt. Diese Aussage wird in der Studie nicht bestätigt.

Befragt wurden ein Schnitt aus 40 Millionen Haushalten, alle Personen ab 40 Jahren. Mit insgesamt 6.500 Interviews.

- die Dominanz der TV-Gerätes, derzeit noch 62% als die Nummer 1 genannt, beginnt zu bröckeln. Bei den Jugendlichen hat der Fernseher keine vergleichbar bedeutende Rolle mehr.

- Der Empfang von linearem TV: 46% über Kabel, etwas mehr über Satellit, 10% Empfang über DVBT (die insgesamt eher abnimmt, während die anderen Zahlen in etwas stabil sind).

- 88% der Empfangswege sind heute schon digital.

- ca. 20% der privaten TV-Programme werden heute schon als HD-Angebote empfangen.

- in jedem 5ten Haushalt steht w i s s e n t l i c h ein Smart-TV-Gerät (diese Zahl ist eine ganz andere als das, was heute schon verkauft wird)

- Internet-Inhalte auf dem Bildschirm? Heute schon bei gut 40% aller Nutzer.

- VOD und Lifestream geschieht direkt am PC oder am TV-Gerät. Aber die Nutzung an den mobilen Geräten und via Sticks... wächst.

- Die regelmässigen Nutzer werden immer mehr, heute schon 34%. Vor allem haben die Online-Videotheken "enorm zugelegt". Es gibt inzwischen ein neues Angebot von Netflix, das auch vor allem in den sozialen Medien reflektiert und kommentiert wird.

- 46% empfangen die linearen Programme über Kabel, ca 72,5% davon sind schon digital. Der HEB, der Haupteinkommensbezieher ist im Schnitt 58 Jahre alt, Die Anzahl derjenigen, die noch nur über analoge Signale empfangen, liegt noch bei gut 4 Millionen. 2/3 von diesen sind Single-Haushalte.

- 3/4 der Kabel-Analog-Nutzer zieht einen Wechsel derzeit nicht in Betracht. 40% der Nutzer zahlt direkt, die Anderen zahlen über die Nebenkosten.


11:00 Uhr - Podiumsdiskussion: Das Ende der analogen Kabelübertragung - welcher Weg führt zum Switch off?

Martin Heine (Mitglied im Fachausschuss Netze, Technik, Konvergenz der Medienanstalten und Direktor der Medienanstalten Sachsen-Anhalt)
Wir reden in einer Sechsherrenrunde über die Empfangsgewohnheiten älterer Frauen :-) . Wir müssen diesen Wechsel verbrauchergerecht begleiten und moderieren.
Die Hoheit über die Kanalfreigabe ist und bleibt bei den Landesmedienanstalten. Abschmelzung ist dabei nicht vorteilhaft.
Wir brauchen eine klaren Kompromiss. Und können dann auch Handeln.

Dr. Peter Charissé (Geschäftsführer, ANGA Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber e.V.)
Es gibt keine Argumente mehr, noch analog weiterzumachen.
Der Wechsel zum digitalen Kabelempfang wird leichter sein, zumal viele Haushalte heute schon für die digitale Einspeisung vorbereitet sind.
Umso wichtig ist die Frage der Kommunikation...
ANGA hat bei dem Thema Zweitgeräte mehr Flexibilität. Die Zielmarke ist derzeit Ende 2018. Zu diesem Zeitpunkt wird es wohl keine signifikante Gruppe von Mietern mehr geben, die sich dagegen wehren werden.
Eine Koordinierung wäre sehr wünschenswert, auch wenn das technisch nicht eine notwendige Voraussetzung wäre.
Dafür bedarf es eines Kommunikationsprozesses, um auch die entsprechenden Signale und Informationen in die Kopfstationen einspeisen zu können.
Das Thema Verschlüsselung ist kein Thema der Netzbetreiber, sondern der Programm-Veranstalter. Das gilt auch für eine mögliche Abschaltung des SD-Signals.
- Gerade die "alten Analognutzer" sind auch heftige Breitbandnutzer. Das ist erstaunlich und interessant. Multiscreen, TV-everywhere, zeitversetzte Anwendungen... da ist noch viel drin.
2019 wird alles einfacher sein, als gedacht!

Dr. Wolf Osthaus (Senior Vice President Regulatory & Public Policy, Unitymedia)
Nicht mehr "Kabel BW"...die Digitalisierung bedeutet heute schon Mehrwert ohne Mehrpreis. Analog ist inzwischen ineffizient. 1/3 der Kapazität ist noch für die analoge Verbreitung blockiert.
Wir haben bisher bei den Umstellungen so gut wie keine Problem gehabt. Ein neuer Sendesuchlauf kann schon ausreichen, um von analog zu digital umzusteigen.
Wir können mit dem Thema auch heute schon anfangen. Das ist keine Abschmelzen der Analogdistribution.
Die Terrestrik ist und bleibt eine Notlösung dort, wo es kein Kabel gibt.
2016 wird es schon um neue Themata gehen. Wir sind uns doch im Grunde hier schon einig. Digitale Technik ist einfach und effizient.

Rainer Nowak (Referent Technik, Verband Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft e.V.)
Diese Aufgabe der Digitalisierung wird im Konsens zu bewältigen sein. Dafür bedarf es auch einer grossen Partizipation.
Ab 2013 wurde das Thema der Endverschlüsselung aufgehoben. Und das gilt bis 2022.
Die Umstellung von analog nach digital darf nicht mit Mehrkosten belastet werden.
Für Ende 2018 gibt es heute öffentlich noch keine Zusage. Aber ein Einverständnis darüber, dass das auf jeden Fall ein "hartes Datum" sein sollte.
2016 sollte dieser schwierige Prozess schon in einer Verbändervereinbarung gefixt worden sein. Mit eine klaren Botschaft: Welcher? Mit einem Service: Welchem? Das ganze sollte als nationale Aufgabe gesehen werden, damit so ein Mehrwert herauskommt.

Klaus Steffens (Leiter Distribution Technik, ProSiebenSat.1)
Alles spricht für den digitalen Empfang. "Das Neue muss dem Alten weichen."
Nach 10 Jahren Simulcast wird’s Zeit.
Ja, bis 2023 dürfen wir nicht verschlüssen. Ob wir es danach tun werden... steht derzeit noch nicht auf der Agenda. Und solange Werbung funktioniert, brauchen wir die Reichweite. Alles weitere leitet sich daraus ab.
Wenn der Hebel wirklich umgestellt werden sollte, dann betrifft das alle Verteilwege. Das gilt auch für die Abschaltung von SD.
Eins gesamter Umschaltzeitpunkt wäre national von Vorteil.
2016 sollten die Kommunikationsmassnahmen schon gegriffen haben.

Stefan Liebig (Vorsitzender des Arbeitskreises Sparten- und Zielgruppensender, VPRT)
Je schneller das analoge Kabel weg ist, desto besser.
Wozu muss man überhaupt ein Verbreitungsentgelt bezahlen?
Es gibt doch eine grosse Kundengruppe, die sich gegen die Abschmelzung ausspricht, Das sind vor allem die kleinen Sender, die dabei rausfliegen. Und die dann den Kunden fehlen. Das bezieht sich nicht nur auf die Unitymedia, das gilt genauso für die Primacom und andere.
2016 sollte es ein Projektbüro geben.

Moderation: Andreas Hamann (Geschäftsstellenleiter, die medienanstalten)

Fragen der Moderators, was ist die "digitale Dividende" des Umsteigs? Was muss jetzt praktisch geschehen? Wie soll das kommuniziert werden? Ende 2018 ist für alle gesetzt? Was wird der Stand 2016 sein?

Fragen aus dem Publikum: Warum sind keine VertreterInnen aus der Nutzerperspektive vertreten? Warum redet keiner über die Radio-Leistungen im Kabel? Wird die Einführung von DVBT-2 Folgen haben?

12:30 Uhr - Mittagessen

Am Ende der Veranstaltung stecken alle Beteiligte auf dem Podium noch eine ganze Weile ihre Köpfe zusammen. Und als sie mit ihrem ebenso informellen wie produktiven Gesprächen fertig sind, stellen sie sich gerne dem Wunsch nach einem Gruppenfoto, das bislang so noch nicht gemacht worden war, nochmals gemeinsam (auf):


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P.S.

In Ergänzung dazu ist am Folgetag auch eine erste Einsicht in die 50 Jahre ARD/ZDF-Langzeit-Studie Massenkommunikation möglich, die seit 1964/65 ca. alle 5 Jahre durchgeführt wird und ab jetzt in der Ausgabe 7-8/2015 von Media Perspektiven eingesehen werden kann.


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