Ein kulturelles Schaufenster der Nation

VON Dr. Wolf SiegertZUM Freitag Letzte Bearbeitung: 12. Juni 2015 um 10 Uhr 41 Minuten

 

Nachdem wir bereits gestern auf das Gespräch mit Claus Peymann im Deutschlandradio Kultur rekurriert haben, bezieht sich dieser Text heute auf das Gespräch von Katrin Heise mit Hermann Parzinger, dem Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Ein zweiter Schwerpunkt dieser Seite ist der Rekurs auf ein Pressegespräch von Präsident Klaus-Dieter Lehmann und Generalsekretär des Goethe Instituts Johannes Ebert in der Neue Schönhauser Straße 20 in 10178 Berlin am Mittwoch, den 10. Juni 2015, um 10.30 Uhr [1].

Und der dritte Gesichtspunkt bezieht sich auf ein hier in der Überschrift präsentiertes Credo der Kulturstaatsministerin Monika Grütters, die am 4. Juni 2015 im Gespräch mit Axel Rahmlow und Vladimir Balzer zu hören war, ebenfalls im Deutschlandradio Kultur. [2].

[Wird fortgesetzt mit der Ausarbeitung der Idee, des Vorschlages, eines Konzeptes, dem Goethe-Institut im Forum-Bereich dieses Museums eine Möglichkeit einzurichten, tagtäglich davon Kunde zu geben, was im Rahmen der Arbeit dieses Hauses und all seiner MitarbeiterInnen rund um die Welt geschieht, wie "Völkerverständigung" dort überall und tagtäglich gelebt wird. Und wie wichtig es ist, dass dieses Deutschlandbild, dass immer wieder aufs Neue durch das konkrete Handeln vor Ort geschaffen und nachhaltig verankert wird, in die eigene Nation zurückwirken kann und soll. Beispielhaft: Als sich eine immer wieder erneuernde Ansicht von Beispielen aus allen Teilen der Welt.]

Anmerkungen

[1Goethe-Institut stärkt Plattformen in Osteuropa, Afrika und Südamerika

Das Goethe-Institut befasst sich in den kommenden Jahren verstärkt mit dem Süd-Süd-Dialog. Dabei geht es um Diaspora, Dekolonialisierung und indigene Geschichte. Nachdem für das Haushaltsjahr 2015 die Kürzungen in der institutionellen Förderung des Goethe-Instituts zurückgenommen wurden, baut die größte deutsche Mittlerorganisation ihr Engagement aus: Neben der Eröffnung des Goethe-Instituts in Windhoek werden 2015 die Übersetzungsförderung, die Residenzprogramme und die Arbeit mit Flüchtlingen gestärkt. Mit Programmen für die osteuropäische Zivilgesellschaft bleibt die Ukraine-Krise weiter im Fokus. Dies teilten der Präsident des Goethe-Instituts Klaus-Dieter Lehmann und der Generalsekretär Johannes Ebert bei einem Pressegespräch in Berlin mit.

Das Goethe-Institut nutze seine internationalen Netzwerke, um ausländische Impulse auch nach Deutschland zu spielen, sagte der Präsident des Goethe-Instituts Klaus-Dieter Lehmann. So etwa im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse, die in diesem Jahr mit Indonesien eines der wichtigsten Länder Südostasiens zu Gast habe. Gemeinsam mit der KfW-Stiftung hat das Goethe-Institut das Projekt „Ruang Suara“ initiiert: Indonesische Musiker und Komponisten tauschen sich mit dem Ensemble Modern über Traditionen und zeitgenössische Klänge aus und erproben neue Kompositionen. Die Arbeiten werden am 7. und 8. Oktober in Frankfurt am Main auf dem Festival „Indonesia LAB“ präsentiert. Klaus-Dieter Lehmann führte aus: „Eine gemeinsame Produktion zwischen Künstlern aus verschiedenen Ländern ist vielleicht die nachhaltigste Form der kulturellen Zusammenarbeit. Als Goethe-Institut agieren wir auf zwei Ebenen: Einerseits arbeiten wir eng mit den lokalen Kunstszenen unserer Gastländer zusammen und fördern einen bilateralen Kulturaustausch mit Deutschland. Gleichzeitig stellen wir immer öfter Plattformen zur Verfügung, in denen wir etwa Künstlern des afrikanischen Kontinents die Gelegenheit geben, untereinander in Kontakt zu treten.“ Ein gutes Beispiel hierfür sei die Internetplattform „Music in Africa“, die das Goethe-Institut zusammen mit der Siemens-Stiftung initiiert hat. Sie macht erstmals die zeitgenössische musikalische Produktion des afrikanischen Kontinents online verfügbar. „Was gerade für Musik etabliert wurde, existiert bereits erfolgreich für den afrikanischen Film mit der Seite ,Mokolo’. Ab 2015 nehmen wir nun die Fotografie in Afrika in den Blick“, so Lehmann weiter.

Wie wichtig Plattformen gerade in einer angespannten politischen Lage sind, machte der Generalsekretär des Goethe-Instituts Johannes Ebert an der Situation in der Ukraine deutlich: „Wir bringen in den Ländern der östlichen Partnerschaft Akteure aus Kultur und Bildung zusammen, damit sie sich über die Zukunft ihrer Gesellschaften austauschen können. In diesen Ländern, aber auch in Russland, bemühen wir uns vor allem darum, die Zivilgesellschaft zu stärken, die Zugänge nach Europa zu öffnen und den Austausch über Grenzen hinweg zu ermöglichen.“ Neben Programmen zur Stärkung der Zivilgesellschaft öffnen Kulturprojekte neue Perspektiven. Die Ausstellung „Geniale Dilletanten“ über die deutsche Subkultur der 1980er Jahre wurde soeben in Minsk gezeigt, dort habe man viele Anknüpfungspunkte in den lokalen Kunstszenen gefunden. Ende Juni wird sie auch im Münchner Haus der Kunst zu sehen sein. Der Club Transmediale reise im September mit einer eigenen Ausgabe nach Sibirien. „Die sibirische Elektromusikszene ist ein Beispiel dafür, wie Künstler und Gruppen in Russland neue Wege gehen und junge Menschen erreichen. Der Austausch mit deutschen Künstlerinnen und Künstlern soll auch zu gemeinsamen Produktionen anregen und langfristig ein besseres Verständnis für die andere Seite ermöglichen“, so Johannes Ebert.

„Berlin schaut derzeit auf das Humboldt-Forum“, so Lehmann weiter. „Überall wird diskutiert, wie sich ethnologische Sammlungen aus nicht-europäischen Ländern zeitgemäß kontextualisieren lassen.“ Seit 2009 arbeite das Goethe-Institut daher mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zusammen an Informationsreisen in nicht-europäische Regionen und organisiere dort Konferenzen deutscher und außereuropäischer Fachleute. Zudem starte das Goethe-Institut São Paulo einen neuen Schwerpunkt, der sich weit über die Grenzen Brasiliens hinweg mit Konferenzen, Festivals und einem neuen Residenzprogramm mit dem „Süden“ befasse. „Ich bin überzeugt: Wenn Künstler, Museumsexperten und Intellektuelle etwa aus Afrika und Südamerika noch stärker miteinander ins Gespräch kommen, bringt dies Erkenntnisse, die auch für Europa von größtem Wert sind“, betonte Lehmann.

Im Haushaltsjahr 2015 haben der Deutsche Bundestag und das Auswärtige Amt die in den Vorjahren erfolgten Kürzungen in der institutionellen Förderung des Goethe-Instituts vollständig zurückgenommen. Durch die zusätzlichen Mittel entsteht auch eine Verantwortung, sich neue Themengebiete zu erschließen und bestehende Arbeitsbereiche zu stärken. Neben der Eröffnung des Goethe-Instituts in Windhoek, die für Ende 2015 geplant ist, wird in diesem Jahr unter anderem die Übersetzungsförderung gestärkt. Seit vierzig Jahren unterstützt das Goethe-Institut ausländische Verlage bei der Übersetzung deutscher Bücher. Generalsekretär Johannes Ebert sagte: „Gute Übersetzungen sind immer auch Zugang zu einer anderen Kultur. Ihre Förderung ist ein wichtiges Instrument, auch einem nicht-deutschsprachigen Leserkreis die Gegenwartsliteratur oder Sachbücher aus Deutschland zugänglich zu machen.“ Bisher hat das Goethe-Institut die Veröffentlichung von rund 6.000 Büchern in 45 Sprachen finanziell unterstützt. Nun konnte das Budget für Übersetzungsförderung um knapp 50 Prozent auf 600.000 Euro erhöht werden. Daneben beschäftige man sich aktuell mit einem neuen Themenbereich: „Angesichts der humanitären Katastrophe der syrisch-irakischen Flüchtlingsströme fragt man sich unweigerlich, was die internationale Gemeinschaft tun kann“, so Ebert. „Es ist dem Goethe-Institut ein Anliegen, in seinen Kernbereichen Kultur und Bildung zumindest einen kleinen Beitrag zu leisten. Deshalb entwickeln wir im Nahen Osten und in der Türkei Angebote, die sich speziell an Flüchtlinge richten.“ 2015 werden in diesen Ländern unter anderem Sprachkurse für syrische und irakische Flüchtlinge angeboten sowie Workshops zur kulturellen Bildung für Kinder und Jugendliche und ein Produktionsfond für syrische Kulturschaffende in den Nachbarländern organisiert.

Das weltweit tätige Kulturinstitut fördert die Kenntnis der deutschen Sprache im Ausland, pflegt die internationale kulturelle Zusammenarbeit und vermittelt ein umfassendes Deutschlandbild. In Zeiten neuer globaler Herausforderungen zielt die Arbeit des Goethe-Instituts auf ein vertieftes Verständnis der Kulturen untereinander und auf die Stärkung des Ansehens Deutschlands in der Welt. Derzeit verfügt das Goethe-Institut über 159 Institute in 98 Ländern, davon 12 Goethe-Institute in Deutschland.

[2 In der kommenden Woche feiert das Berliner Humboldt-Forum Richtfest. Der Bund ist finanziell am Bau beteiligt. Das sei nur folgerichtig, sagt Kulturstaatsministerin Monika Grütters: "Was hier kulturell gelingt, wird in den Augen der Welt der ganzen Nation gutgeschrieben."

Nächste Woche soll auf der Baustelle des Berliner Humboldt-Forums Richtfest sein. Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat die Baustelle natürlich vorab besichtigt und freut sich schon, wenn das Gebäude endlich seiner Bestimmung übergeben wird. Im Deutschlandradio Kultur sagte sie:

"Es ist großartig, es ist vor allen Dingen anders als der historische Schlossbau ein Gebäude, das der Bevölkerung offen steht, es wird eine ganz wunderbare Nord-Südpassage quer durch das Gebäude geben, und in den vier Etagen eine Ansammlung der Weltkunst, des Menschheitskulturerbes."

Fragen nach der kolonialen Geschichte stellen

Zwar ist noch nicht bis in den letzten Winkel geklärt, wie das Humboldt-Forum letztlich bespielt wird, aber die Sammlung der außereuropäischen Kunst sieht Grütters vor allen Dingen als Gelegenheit, die Herkunftsgeschichte zu durchleuchten:

"Ich sehe das Humboldt-Forum als Chance, transparent und pro-aktiv die Fragen nach der kolonialen Geschichte zu stellen. Die Objekte sind immer ein Grund, diesen Aspekt unsere Geschichte zu beleuchten.

Heute verstehen sich Museen weniger als Besitzer oder Eigentümer der Sammlungen, die in ihren Händen sind, sondern als Bewahrer eines Menschheitskulturerbes und das kann man dann nur im Einvernehmen mit den Herkunftsländern tun, so soll es auch hier sein."

Das Aufarbeiten der Kolonialzeit sei in Ländern wie Frankreich oder England bisher dringlicher gewesen als in Deutschland, meint Grütters, weil wir zunächst die Frage der Nazi-Raubkunst klären mussten. Das Humboldt-Forum "wird ein Anlass sein, da aktiver zu sein als bisher", hofft sie.

Fürsorge für ein Menschheitskulturerbe

Wenn es um die Frage der Herkunft eines Kunstwerkes gehe, sei ohnehin die Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern das Entscheidende:

"Ich glaube, in dieser Art des Bewahrens, der Fürsorge für ein Menschheitskulturerbe, ist die Frage des Standortes am Ende zweitrangig gegenüber dem Umgang miteinander und der ehrlichen Klärung der Provenienz. Ich bin aber zuversichtlich, dass das der Ehrgeiz und das heutige Ethos des Miteinander-Umgehens unter Museumsleuten ist."

Im privaten Kunsthandel sei die Frage der Herkunft jedoch mitunter zweitrangig, das müsse man durch entsprechende Rahmenbedingungen ändern:

"Wir werden das Kulturgutschutzgesetz erheblich verschärfen, natürlich wird der deutsche Kunst- und Antikenhandel einige Pflichten mehr zu erfüllen haben als bislang, aber es ist auch eine Frage des Ansehens des deutschen Kunsthandels und Kunstmarkts, hier nicht unter dem Verdacht zu liegen, in Deutschland kann man besser Hehlerware verticken, als in anderen Ländern."

Anerkennung der besonderen Rolle der Hauptstadt

Dass ein relativ großer Anteil ihres Etats in die Berliner Kultur fließt, findet sie durchaus nachvollziehbar, da die Kulturszene hier eine Art Schaufensterfunktion für das ganze Land übernehme:

"Der Bund engagiert sich deshalb hier, weil das eine Anerkennung der besonderen Rolle der Hauptstadt für die Nation ist, das ist in allen Ländern so, dass die Hauptstadt in besonderer Weise sowas wie die Visitenkarte der Nation ist und wir sind natürlich dankbar, stolz und froh, dass es über die Kultur passiert. Was hier kulturell gelingt, wird in den Augen der Welt der ganzen Nation gutgeschrieben.".