Radio-"hacks"(D) -Prognosen (US) & Perspektiven (F)

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 22. Februar 2015 um 19 Uhr 43 Minuten

 

(Achtung: Beim Öffnen dieser Seite wird ihnen zunächst einiges spanisch vorkommen - man kann aber den französischen Clip zur Ankündigung des "Salon de Radio" in Paris auch gleich am Ende der Seite abstellen ;-)

Schon seit Freitagabend fand auf Einladung der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), dem Institut für Rundfunktechnik (IRT) und dem Forschungsprojekt HbbRadio in München ein hands-on-Workshop zur Zukunft des Radios statt.

" Der radio.hack startet am Freitag, 30. Januar um 19 Uhr mit einem Warm-up in der "Niederlassung" in der Buttermelcherstraße 6 in München und geht dann am Samstag in der BLM weiter bis Sonntag, 1. Februar 2015 um 17 Uhr - zwei Tage, um die Zukunft des Radios anzupacken! "

Mehr dazu HIER.

Da die Anmeldung "wegen Überfüllung geschlossen" nicht mehr möglich war, hier ein kurzer Bericht von der abschliessenden Präsentation der Projekte und den Ergebnissen ihrer Bewertung durch die Jury.


Während hier in Deutschland also fleissig an den technologischen Perspektiven eines Radios der Zukunft geschraubt wird, macht sich Reed Bunzel seine eigenen Gedanken über die Zukunft des Radios in den USA (im Anschluss an die NAB/RAB Radio Show, die im September 2014 in Indianapolis stattgefunden hat [1].

In der Zusendung eines Newsletters - vom Fr 23.01.2015 17:19 - hat er diese findings in den folgenden 10 Punkten zusammengestellt [2]:

1. Radio broadcasters very likely are the most passionate people about their chosen careers than anyone else on the planet. They may be cynical, sarcastic, and dubious about the health of this business, but they also care very deeply about what they do - and, in some cases, what they used to do. I have yet to find another industry whose professionals come close.

2. Radio is not growing...but it also is not dying. While radio has experienced a considerable revenue shift to digital media over the last five years, its flat-to-slightly down revenue curve actually appears healthy compared to the disruptive revenue plunge that has slammed the print business.

3. Despite the above-mentioned shift of dollars to digital media, a Nielsen-Catalina study conducted last year suggests radio’s return on investment (ROI) is higher than any other medium. That’s powerful information, and something that should be part of every radio sales rep’s client presentations.

4. Radio could be making a mistake in trying to distance itself from pure-play digital streaming services. While Pandora may be stealing some ad dollars from AM/FM oprators, when you add these digital dollars into the RAB’s overall quarterly revenue tally, the radio industry shifts from negative to positive growth. Advertisers and agencies like a growth story, and this is something that could get them excited about radio again.

5. Programmatic buying is coming, but it’s not something to lose sleep over. While some of radio’s "remnant" advertising likely will be bought and sold through programmatic channels, computers can neither create relationships with clients nor explain how and why a certain kind of media budget makes sense. Companies that are considering "reductions in sales force" are missing the complex dynamics their salespeople bring to both Madison Avenue and Main Street.

6. The U.S. economy is strong, and could be stronger. While many Americans are still looking for increases in their paychecks, employment is surging. The automobile industry is robust, GDP is strengthening, consumers are confident, and the plunge in gas prices is causing people to spend more money on other goods and services. This bodes well for the retail economy and advertising in the months to come.

7. Station valuations have stabilized and cash flow multiples have inched up from just 24 months ago. The mergers/acquisition marketplace is dictated more by supply than by demand, as many media brokers say they have buyers waiting in the wings if/when properties come on the market. Prices are good, interest rates are low, and prospective buyers understand that, while revenue growth might be minimal at best, margins can be significant.

8. Radio generates less than 6% of its overall revenue from the digital sector. Savvy operators are doing much better than this, but not all digital business is created equal. There are a lot of flashy digital objects out there, and each operator needs to identify his/her needs - and then pursue digital business accordingly.

9. Radio has a youth problem. Teens and Millennials live and die by their mobile devices, and radio should be taking all possible steps to attract and keep these tech-savvy consumers. They are the listeners of the future, but that future will be dark if those listeners go elsewhere. Attracting a new 12-34 audience is critical to radio’s long-term health, and that begins at home - in each and every local market.

10. Platform diversity is tantamount to revenue growth. The radio companies that are enjoying the strongest revenue increases are those that augment their broadcast properties with strong digital platforms and other local opportunities. These can include live events and festivals, exclusive theaters, demographically targeted publications, online community portals, eCommerce, and other elements that expand the stations’ brand in the market.


Es ist Sonntag, 16 Uhr. Im grossen Auditorium der BLM stellen sich die Kandidaten mit ihren Projekten vor, werden hier in der Reihenfolge ihres Auftritts kurz vorgestellt. Und mit den Punkten, die im Anschluss von der Jury vergeben wurden:

5 Punkte: moodio: mit Philips Hue - Birnen wird der Sound in optische Signale umgesetzt. Und diese illustrieren dann das Hörerlebnis. Das Ganze funktioniert im Ansatz so ähnlich, wie das "Ambilight"-System von Philips.

5 Punkte: JUHU Radio: Sprachsteuerung und Content Collector. Das betrifft die Funktionen wie "lauter" und "leiser" und den Programmwechsel. Alle diese Wechsel können durch eine Sprachsteuerung angesagt werden. Aber auch zeitversetztes Hören ist möglich. "Hände frei - Spaß dabei". Es ist ein personalisiertes Radio (möglich), so das Versprechen, ohne dass man die eigenen Daten dafür frei gibt.

12 Punkte: Spoti NEWS: Eine App für personalisierte Musik auf der Spotify-Ebene, gemischt mit den getaggten Audio-Content-Daten, die die Radio-Sender zusenden. So werden in eine bestehende Track-Liste von Spotify News eingefügt, die zuvor nach bestimmten Kategorien und Prioritäten klassifiziert werden können.
Herr Schneider von der BLM fragt nach: "wo bleibt denn das Radio dabei?"

2 Punkte: GeoRG Radio Explorer [3]: Augmented Reality aufs Ohr. Damit können neue Zielgruppen über neue Angebote erreicht werden. über: "tiny.cc.georg" [4] können schon die ersten Anwendungen gezeigt werden. Der Ort, an dem man sich gerade aufhällt, wird selber zum Interface. I-beacon wird gekoppelt mit geofancing via GPS. Das Ganze geht entweder über eine kuratierte Datenbank, aber man kann auch die RSS-Spezifikationen dafür nutzen. Ein idealer Fall ergibt sich auch bei den Autobahnfahrten, in deren Verlauf akustisch verlautbart wird, was sich so am Wegesrand alles befindet.

6 Punkte: Visual Radio: Die tonio.app-kann installiert werden. Die Bilder sollen immer das zeigen, was im Radio gerade gesagt wird. Die Technik ist hbb-radio. Und man kann damit auch Radio-Frage-Spiele inszenieren.

Nachdem alle ihre jeweils nur 4 - Minuten - Präsentation durchgezogen und die Fragen aus der Jury beantwortet hatten, gibt in der Zeit der Auswertung der vergebenen Punkte der Moderator Michael Praetorius seine Ansicht bekannt, dass hier alle was dazugewonnen hätten: zu lernen, wie man in solchen Entwicklungsumgebungen umgehen könne.

Dann wird nochmals eine Umfrage bei den Mitgliedern der Jury gestartet:

— Florian Fritsche, Leiter digitale Unternehmensentwicklung, Antenne Bayern, München: Hier werden neue Horizonte geöffnet. Der Traum wäre, wenn GeoRG die Autofahrt noch attraktiver gestalten könnte.

— Ulrich "JB" Köring, Inhaber und Chefredakteur, RADIOSZENE, Wien: Spotty-News ist sehr nah an der Realität. Das ist gut so.

— Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), München: GeoRG bietet Mehrwert und lässt den Sender noch leben.

— Michael Oschmann, Geschäftsführer, Müller Medien GmbH, Nürnberg: Nach so viel Arbeit in so kurzer Zeit so viel präsentieren: Bravo. Hier war keine neues Ökosystem zu finden. Aber es gab skalierungsfähige Anwendunden.

— Dr.-Ing. Klaus Illgner-Fehns, Direktor und Geschäftsführer des Instituts für Rundfunktechnik (IRT), München : Die Lampen-Idee war ansprechend, auch die Sprachsteuerung im Anwendungs-Szenarium hat gefallen.

Dann werden die Ergebnisse bekanntgegeben, die Gewinner nach und nach fotografiert, mit einer Urkunde und Preisen ausgestattet und zum guten Schluss zum obligaten Gruppenfoto aufgerufen:


© all rights reserved

Der BLM-Chef schliesst das Ganze ab mit den Worten: "Ich fand’s grossartig." Und weist darauf hin, dass schon in wenigen Wochen das Media-Lab eröffnet werden wird.


PS:

Vielleicht hätte man als Preis auch eine Reise nach Paris anbieten können, zum:

Salon de la Radio

Denis Florent vous invite à la conférence de clôture du Salon de la Radio

Ein Bericht über diesen Salon findet sich in der Sonntagsausgabe vom 22. Februar 2015 im Medienmagazin des Bayerischen Rundfunks in dem Beitrag "Dem Hörer Zeit stehlen" von Suzanne Krause:
- http://www.br.de/radio/b5-aktuell/sendungen/medienmagazin/medienmagazin-salon-de-la-radio-100.html