DLD XI /3

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 21. Januar 2015 um 09 Uhr 10 Minuten

 

Oh, wie gut, dass dieser Tag nicht ganz pünktlich anfängt, sondern mit nur 10 Minuten Verspätung.

Es gibt wieder Streams von beiden Podien. Heute gibt es das Brand des Betreibers zu lesen: "techcast.com" - aber an diesem Tag werden keinen "Bauchbinden" eingespielt. Das war am Vortag wesentlich besser gelöst.


Nicholas Carlson wird gleich als das neue HighLight angekündigt - und wird gebeten, die Vortage zusammenzufassen. Diese Learnings... sind nur im reinen Textformat zusammenzufassen, wie:

Ben: die Unternehmer müssen die Probleme suchen, die wirklich die ihren sind und die anderen abschütteln: "You have no choice.

Aber es sind derer zu viele und daher wird dieser ganze Beitrag hier als zur Info als MP3- Sound-File eingestellt:

— Günther Oettinger (Solo)...

Europa ist weltweit der grösste Markt... für Weine und Autos, aber nicht für digitale Dienste. Hier sind wir erst am Anfang.
"We have 28 fragmented silos."
Im Mai soll diese Strategie vorgestellt werden. "One-Data-Protektion-Regulation" vor Ende des Jahres.

Das betrifft auch die Copyright-Regulations, die Regelen von 2001 haben ihre Bedeutung verloren. Und er fragt die Anwesenden nach Antworten.

Infrastrukturpolitik? "We have a chaotic competence"

Im Jahr 2020 soll die EU da sein, wo Länder wie Südkorea heute schon sind [sic! WS.]

... und im Interview mit Ulrich Reitz (Focus Magazin Verlag) sagt er u.a.:
 [1]

Die grosse internationalen Indstrien sind mit "Industrie 4.0" auf die neuen Märkte vorbereitet. Aber im IT-Sektor "haben wir das Spiel schon verloren".

"Brauchen wir noch Banken in den Hauptstrassen in München? Ich nicht. Ich benötige heute nur noch banking services. "

"We are in a revoution".

50% der alten Arbeitsplätze werden dahin sein, und 50% werden neu sein.

Die Deutschen habe die älteste Gesellschaft: 45 ist das Durchschnittsalter. Wir müssen die Leute qualifizieren. Und das sind Alle. Auch die Politiker.

Schon die Kinder haben zu lernen, wie man mit tausend Euro im Monat auskommen kann. "This is a must for everybody."

Und Google? "I have deep respect about the founders of Google - but they have to accept our European rules." Auch diese Leute sollen eingeladen werden, um zum Thema Copyright zu sprechen.

Fair search? Das Kompromissangebot von Google wurde nicht angenommen, es wird neue Verhandlungen geben.

Wer baut das nächste Auto? Die Deutschen und Europäer werden diesen Wettbewerb bestehen.

Frage: wie werden die Beziehungen zu den USA gestaltet werden: "It is not a battle. But we have to be pragmatic, Because we have a global competition.

Dienste die im öffentlichen Interesse sind, verdienen einen Vorrang.


Unternehmen in Europa gründen oder in den USA? fragt Jenniver Schenker vom Informilo Magazin

— Nicolas Brusson (BlaBlaCar)
Seit 2009 hat sich die Landschaft deutlich geändert. 2010 begonnen, 2011 gab es 10 Millionen - und die Frage, ob man in Europa bleiben kann. 2014 gab es 100 Millionen, aber für uns als europäische Gesellschaft.
Und das ist heute möglich, und das war es vor 5 Jahren noch nicht.
Ist in Silicon Valley gestartet, mit einer neuen Firma und viel Geld, die nach zwei Tagen pleite gegangen ist. Aber nach 7 Jahren ist er zurück nach Europa. Denn der Markt hier ist noch größer als der in der in den USA.
"When you start in France, everything looks simple".
Wir sind sehr früh gesartet, wir hatten ein Business ohne Business-Modell. Und wir haben die besten lokalen Teams an uns gebunden.

— Zoko (index venturs)[???] ... haben in diese beiden Firmen investiert
Europe is much more furtile than it has been.
Ja, wenn es gelingt, sich nicht von einem US-Player schlucken zu lassen, kann man heute in Europa sein Unternehmen aufbauen.

— Mikkel Svane (Zendesk)
In Dänemark gegründet und dann nach San Francisco gezogen... auf dem Weg erwachsen zu werden und auch grosse Firmen zu bedienen.
2008 versucht, in Europa Geld zu bekommen, und das war zwar nicht möglich. Das war in den USA ganz anders, dort wurden wir willkommen geheissen.
Ja, es gibt viele Jobhopper im Silicon Valley. Aber das ist, weil es so viele Möglichkeiten gibt. Die Leute dort helfen Dir, Deine Träume umzusetzen.
Heute sind 30% der Kunden: Europäer. Und wir helfen wir ihnen ... von Irland aus.


— Anand Chandrasekaran (Bharti Airtel)
Indien wandelt sich von einem Voice- zu einem Data-Network. Und der Markt bietet ganz neue Möglichkeiten. Nicht mehr gegeneinander, sondern miteinander.
Das Angebot, online zu sein, ist oft nur über die mobile Anwendung möglich. Und dafür bedarf es solcher Programme und Dienste. Und WYNK-Musik ist heute hunderttausende von Nutzern. Oder es gibt Airtel-Money-Tranfer-Dienste.
Best Network, Best Care, Best Prise.. das sind die Top-Claims der Anbieter.
Nach den Banken haben die mobile operators das meiste Vertrauen bei den Nutzern. Das gilt es zu nutzen.

Mobile Payment: Für solche Leute, die bisher keine Bankkonto hatten. Und mit Erfahrungen, die so bislang nicht in Europa gemacht wurden.
Transporting Bits is more efficient than transporting some real stuff (und die 10% Gebühren, die damit verbunden sind).
Silicon Valley hat viele Dienste entwickelt die auch in diesen Entwicklungsländern genutzt werden können.
Aber man kann nicht einfach einen Dienst für alle Länder entwickeln.

— Tayo Oviosu (Paga) hat einen Bezahldienst in Nigeria. Darin kann man selber einzahlen, oder der Arbeitgeber zahlt darin ein. Und in fünf Minuten ist das Geld von der einen Seite zur anderen gewandert, das ist selbst in Europa noch nicht möglich. Und wenn man seine Gebühr für den SAT-TV-Kanal bezahlt, wird dieser sofort angeschaltet.

— Harry Nelis (Accel Partners) zeigt, wie viele der Bezahldienste genutzt werden, um Geld zurückzusenden in die Entwicklungsländer. Und das kann heute direkt über die mobilen Telefone erfolgen.


— Beau Lotto (Ripple Inc.) Seeing Differently: Filling the space between the real and the digital.

Mein Ziel ist es, dass Sie am Ende weniger verstehen als zuvor.
Das wichtigste im Leben der Welt ist der Zweifel.
Sehen Sie die Realität? Was ist die Realität?
die Augen geben nur 10% der Informationen weiter
context is everything ... nur die Bewegung der Augen gibt einen Eindruck von der Welt. Würden sie sich nicht bewegen, wäre die "Welt" tot.
"information is meanignless"
Wie entsteht dann Bedeutng: durch "memory" und "experience"
je komplexer die Umgebung, desto komplexer die Gehirntätigkeit
Das Gehirn sieht Bedeutungen, die in der Vergangenheit eine Funktion hatten.
Leben ist einfach. Man macht immer nur eine Entscheidung. Entweder zu etwas hin oder von etwas weg.
Keine Fragebögen. Die werden nicht funktionieren. Um die Gründe zu finden, was wir tun.
Gemeinsame Erfahrung ist die Basis für die Wahrnehmung.


New Beginnings in E-Commerce

— 10% der Einkäufe sind heute über mobile Dienste realisiert.
— E-Mail is out, Text is in.
— Mobile ist keine Untergruppe mehr von E-Commerce.


— Shoul Olmert spricht über seine Firma: PlayBuzz

Die Inhalte-Nutzung ist (nur noch) eine Nebensache zu anderen Aktivitäten.
Daher wird nicht mehr alles gelesen. Und kann auf den neuen Geräten nicht mehr gelesen werden. Und dann muss das Ganze zu einer emotionaler Erfahrung werden. Und dann muss respektiert werden, dass die Zahl der Lieblingsseiten abgenommen hat. Früher waren es noch ca. 25, heute sind es nur noch 5 Seiten. Und diese "are eating everyboddies lunch."
Und damit ist man heute noch vor der HuffPost die Nummer One in den viralen Medien.


Wir gehen wir mit unseren Daten um?

Peter Hirschberg (Re:imagine Group) moderiert:

— Tobias Engel (Sternraute) vom CCC spricht über das Thema: Mobile Phone Security

Signaling System (SS) 7 Protokolle habe keine Sicherheitsfunktionen, das hat sich auch seit den 80er Jahren nicht geändert.

Skylog oder infiltrator können heute die Personen suchen und ihren Standort identifizieren, von denen man nur die Telefonnummer hat.

Und kann die Telefongespräche aber auch SMS-Nachrichten umleiten und dann auf den Emfänger weiterleiten, auf den es gerichtet war (das nennt man "Interception")

Und kann man kann callforwarding-Dienste auf diesen Wege aktivieren.

Und man kann auf diesem Wege Denial of Service - Dienste aktivieren.

Die mobile operators sehen erst auf Anfrage, was das bedeutet.
Was kann man dagegen tun?

Was muss man tun?
Das Telefon abschalten, die Rufnummer nicht weitergeben, aber das wars...

— Dan Kaufmann (DARPA) (we are verry small and very large at the same time with 4 Billion $ - and we are very crazy. We are not operational. The Idea is to make the world a better place.). Er war zuvor bei Microsoft und Disney. [2]

Selbst neue Geräte müssen sogleich gepatched werden. Warum? Es gibt keine "siverbullets". Stattdessen:
— eine sicheres Operating System in Autos und Flugzeugen...

Jeder sitzt in einer weitgehend homogenen Umgebung. Und wir denken darüber nach, dass jeder Computer ein wenig anders sein sollte von dem anderen. "Binary Diversity"

DefCon hat einen CTF-contest (capture the flight) und einer der 10 besten ist Mike Walker
9 Millionen Dollar für den, der das System crashed.

Was tun?

I’m a big nerd. And I talk to my computer. When you talk to rational people? A government, a consumer company? - Aber Vorratsdatenspeicherung macht den Kohl nicht fett.

Ja, ich gebe meine Daten weiter, aber ich will wissen, an wen. Und dass sie von dort nicht weitergegeben werden.
Time: Die Daten sind nur für eine gewisse Zeit verfügbar.

Dataleakage ist heute schon Standard in den USA.

Human trafficing problems: Erfunden wird MEMEX... a new way to make search.


Jakob von Üxküll: wir haben nicht nur einen Paradigmenwechsel in der Technologie, sondern darüber hinaus gibt es die Gefahr die Erde zu ruinieren.

Ein Second-Live-Avatar kostet so viel Energie wie eine Einwohner in Costa Rika benötigt.

Was ist mit den Smartphones, die keine Verwendung mehr finden?

World Future Council, vor 7 Jahren gegründet, macht policy research, weil das für die Politik zu kompliziert ist.

Der Global Policy Action Plan ist zu finden auf der Webseite:

Die Globalisierung hat uns erlaubt, die Diskussion über die Grenzen des Wachstums zu verschieben.

Wir akkumulieren nicht nur finanzielle Schulden, sondern auch ökonomische Schulden. Auch diese müssen in einer neuen Art von Buchhaltung erfasst werden.

In Japan hätten die Jungen keinen Grund mehr, über die Zukunft zu träumen, da diese schon in ausreichender Güte in virtuellen Welten zur Verfügung gestellt werden würde.

Für den menschlichen Fortschritt... gib es keine Garantie.


Steffi Czerny macht das Schlusswort, in roter Jacke, grauem Rock und blauen Strümpfen... und dankt den über 20 HiWi’s (Look at their young bright faces.....) [3]


© all rights reserved

Und der Betrachter dieser Sessions dankt dem Verleger, dies alles einst auf die Beine gestellt zu haben.

Die letzten Tage war immer wieder davon zu hören, dass daraus sich jetzt eine "Familie" entwickelt habe, die von Tel Aviv bis NewYork durch die Welt tourt um immer wieder neu zu entdecken, was in Zukunft die digitale Welt zusammenhalten wird.

Es ist ein Mixtum Compositum aus: "Wir sind die Guten" - "Wir sind die Besten" - "Wir sind die Globalsten" - und - "Wir sind die Nettesten".

Aus eigener Erfahrung ist man versucht zu sagen, das Ganze entwickelt sich zu einer Art internationaler Freimaurerloge mit einem open access code [4] und der Frage: Dieux: Tu deviens digital?

Im Verlauf der Teilnahme in den ersten Jahren war ein grosses Zeichen gesetzt worden, dass es notwendig sei, sich um Orientierung zu bemühen auf einem längst eingeschlagenen Weg, den man selber nicht zu erkennen sah. Geschweige denn seine Ziele. Damals erschien Digitalisierung als eine Herausforderung die machbar sei. Und damit alle Energie verschlingt. Heute sind wir umschlungen von all diesen Entwicklungen und suchen immer noch nach dem Weg, den die Technologien scheinbar schon vorgezeichnet haben. Scheinbar. Anscheinend.

Und so ist die Phänomenologie der Ereignisse oft gut genug, um sich verorten zu können, aber doch weit davon entfernt, uns im Rahmen unserer eigenen Lebensgeschichte unsern eigenen historischen Ort zuzuweisen -geschweige denn, der nachwachsenden Generationen, den Kindern und Enkeln zu erklären "wo’s lang gehen wird." Wir lernen von ihnen etwas über die Handhabbarkeit neuer Technologien, über ihren Nutzen und vielleicht noch über die Bedeutung, die sie für sie haben. Aber die Richtlinienkompetenz über diese Bedeutungshoheit ist "uns" in vielen Fällen schon längst genommen worden.

Also ist kuscheln und konferieren, oder konferieren und kuscheln eine gute Formel, mit der man über den nächsten Tag kommt. Ein Ticket für eine solche Veranstaltung zu bekommen, ist schon schwer genug - und den Zugang zu diesem Gedankenaustausch via Streaming zu demokratisieren ist eine gutes Sache - aber es wird auch den Anwesenden noch viel schwerer sein, gegebenenfalls zugeben zu müssen, dass all diese immer noch nicht ausgereicht hat, um damit eine ticket-to-ride für die Zukunft erworben zu haben.

Anmerkungen

[1Schon spannend zu hören, wie sich zwei Deutsche mit ihrem Englisch redlich bemühen, zu kommunizieren...

[2Der Typ gefällt, er ist extrem engagiert trotz der trockenen Matiere.

[3Sorry, aber was überhaupt nicht geht - und erstaunt bei dem hohen Grad der Professionalität der Veranstaltung - dass "am Tag danach" auf der DLD - Webseite die Veranstaltung immer noch angekündigt wird, als ob sie noch gar nicht stattgefunden habe,
© all rights reserved
während sich auf der Twitter-Wall nebenan einer der abgereisten Teilnehmer nochmals herzlich für dieses gelungene Event bedankt.

[4Will sagen: Ja: Es ist open access, aber man muss den code kennen und/oder zumindest coden können...


16494 Zeichen