Wetten dass...

VON Dr. Wolf SiegertZUM Sonnabend Letzte Bearbeitung: vor 4 Sekunden

 

Zwei Abschiede hat es schon gegeben: den von Frank Elstner...

... und den von Thomas Gottschalk

Und heute...


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... wird es den dritten Abschied geben: nicht nur den eines Moderators, sondern den von "Europas größte(r) TV-Show" - wie es das ZDF immer wieder voller Stolz behauptet hatte.

Europa ist seit 1981 ein Anderes geworden, wir sind Andere geworden. Allein, die Idee von Frank Elstner, den Zuschauer in den Mittelpunkt des Wettgeschehens zu stellen, hat Bestand gehabt.

Und das hat Thomas in dem hier zitierten Ausschnitt auch klar zum Ausdruck gebracht: kein Redakteur und kein Moderator hätte sich je so etwas ausdenken können. [1]

Der Beginn dieser Beteiligungsmöglichkeiten Dank digitaler Technik weist zurück bis auf das Jahr 1989. Damals fand im Sommergarten der Internationalen Funkausstellung in Berlin, der „IFA“, die vielleicht sogar weltweit erste interaktive Fernsehshow mit aktiver unmittelbarer Zuschauerbeteiligung aus allen Teilen der Republik statt. In der Sendung "1 ist Trumpf", mit Jürgen von der Lippe auf den Kanälen der ARD.

Es wird interessant sein zu sehen, inwieweit dieser Aspekt in den "Nachrufen" von Bedeutung sein wird. Selbst das für gewöhnlich weitsichtige Satire-Magazin Der Postillon vom Freitag, 12. Dezember 2014 kommt mit seinem Beitrag "Weitere 33 Jahre: ZDF plant zweite Staffel ’Wetten, dass..?’" nicht auf den Kern dieses Konzeptes zu sprechen - ausser, dass es dieses auch für die nächsten 30 Jahre zu weiterzuführen gedenkt...

So wie heute einige TV-Serien, hat diese Sendung in ihrer Serien-Folge Erinnerungen gebunden. Auch bei dem Autor dieser Zeilen, der nicht nur der Urheber des IFA-Konzeptes Ende der 80er Jahr war, sondern der dann später selber als "Wetten dass..." Zuschauer viele Abende mit seiner jungen Tochter vor dem Fernseher verbrachte, diese Sendung regelmässig schaute und ihr an diesen Sonnabenden auch ein längeres Wachsein gestattet hatte.

Doch damit ist Schluss jetzt: Diese Sendung und dieses Sendeformat werden an dieser Stelle nicht noch einmal auskommentiert werden... [2] ausser mit dem Hinweise, dass dieses nun Geschichte gewordene Konzept dieser Tage nicht in den Bestand jener imaterielen kulturellen Werte mit aufgenommen wurde, mit denen sich Deutschland 2016 in den UNESCO-Welt-Kultur-Erbe-Kanon mit einschreiben lassen möchte.

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Genannt wurden u.a. die folgenden Traditionen und Fertigkeiten: die Brotkultur, das Chorsingen, die Flösserei, die Genossenschaftsidee, die Morsetelegrafie, der Orgelbau, das Reetdachdecker-Handwerk, ja selbst die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft die weltweit ihres Gleichen sucht. Insgesamt wurden 27 solcher Traditionen benannt. [3] Eine spezifische audiovisuelle Besonderheit gehört nicht dazu: nicht "Das Halstuch" mit fast 90% Einschaltquote [4] , nicht "Raumpatrouille Orion" [5] und eben auch nicht "Wetten dass...?"

Hier - für Alle die es genau wissen wollen, die Liste der ersten 27 aufgenommenen Tätigkeiten und Traditionen - die im Frühjahr 2015 um eine weitere Rund erweitert werden soll: Chormusik in deutschen Amateurchören |
Sächsische Knabenchöre |
Singen der Lieder der deutschen Arbeiterbewegung |
Moderner Tanz – Stilformen und Vermittlungsformen der Rhythmus- und Ausdruckstanzbewegung |
Deutsche Theater- und Orchesterlandschaft |
Niederdeutsches Theater |
Passionsspiele Oberammergau |
Peter-und-Paul-Fest Bretten |
Malchower Volksfest |
Schwäbisch-Alemannische Fastnacht |
Rheinischer Karneval mit all seinen lokalen Varianten |
Falknerei |
Gesellschaftliche Bräuche und Feste der Lausitzer Sorben im Jahreslauf |
Biikebrennen |
Lindenkirchweih Limmersdorf |
Auseinandersetzung mit dem Rattenfänger von Hameln |
Salzwirker-Brüderschaft im Thale zu Halle |
Genossenschaftsidee |
Deutsche Brotkultur |
Finkenmanöver im Harz |
Flößerei |
Morsetelegrafie |
Orgelbau und Orgelmusik |
Köhlerhandwerk und Teerschwelerei |
Vogtländischer Musikinstrumentenbau in Markneukirchen und Umgebung |
Reetdachdecker-Handwerk |
Handwerksgesellenwanderschaft Walz
"

Anmerkungen

[1Diese haben es allenfalls dahin gebracht, dass sich die Zuschauer selber mit ihren Handy-Cam-Filmchen - wie bei busch@n-tv/Interaktivität selbst mit in die Sendung haben einbringen können - das war 2008 zusammen mit ViiF-Portal:
Der wöchentliche TV-Talk busch@n-tv der Fernsehjournalistin Leo Busch greift diese Entwicklung auf und führt sie konsequent weiter. Seit ihrer ersten Ausstrahlung im April 2006 waren die Zuschauer gehalten sich über E-Mail oder Textnachricht an der Sendung zu beteiligen. Die Interaktivität des Formats wird nun um eine Innovation aus dem Mobil-Bereich erweitert, die gerade für das Medium Fernsehen wie gemacht erscheint. Über die Kurzwahl 22557 kann der Zuschauer mit seinem Mobiltelefon einen Videoanruf tätigen (o2 kostenlos, eplus/vodafone 0,39 €/min, T-Mobile 0,58 €/min) und eine Frage oder Meinungsäußerung mit der Handykamera aufnehmen. Sein Videobeitrag wird an die Redaktion übertragen und mit etwas Glück in der Sendung gezeigt. Der Zuschauer erscheint auch visuell als ebenbürtiger Gesprächsteilnehmer im Fernsehen.

[2Hören Sie stattdessen im Deutschlandradio Kultur Gerd Hallenberger im Gespräch mit Julius Stucke über die letzte Ausgabe von "Wetten, dass...?" "Die Erinnerung zu Grabe tragen"

[3Das Konzept beruht auf einer längeren Tradition der Anerkennungsverfahren, aber auch auf aktuellen Umsetzungen wie das französische e-patrimoines: Konzept, auch wenn es an dem Tag der Publikation dieses Textes auf der Seite http://www.e-patrimoines.org/data/ wegen Wartungsarbeiten nicht eingesehen werden konnte.

[4... nachzulesen in der Wikipedia, in der auch zu Recht behauptet wird, dass in dieser Produktion zum ersten Mal eine MAZ von Ampex eingesetzt wurde, was zu einer Reihe von produktionstechnischen und aufnahmebedingten Veränderungen geführt hatte.

[5Hier nochmals der LINK zur ersten Folge mit DEM Bügeleisen als Teil der Kommandozentrale des Raumschiffs:
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