Internationaler Tag der Pressefreiheit

VON Dr. Wolf SiegertZUM Sonnabend Letzte Bearbeitung: 31. Dezember 2014 um 02 Uhr 46 Minuten

 

0.

Da die in Wikipedia unter dem Stichwort "Internationaler Tag der Pressefreiheit" benannten Links nicht mehr aktuell und bislang auch (noch) nicht aktualisiert wurden (wäre das nicht jetzt die Aufgabe des hier berichtenden Lesers?), soll zumindest auf zwei von diesen an dieser Stelle nochmals neu verwiesen werden:

- zur UNESCO: http://www.unesco.org/new/en/media-services/single-view/news/shared_passions_for_world_press_freedom_day_at_unesco_bangkok_event#.U2QP-SwU8ew

- zu Reporter ohne Grenzen: https://www.reporter-ohne-grenzen.de/pressemitteilungen/meldung/zum-3-mai-rog-veroeffentlicht-helden-der-pressefreiheit/

1.

Wie wichtig es ist, gerade in Deutschland diesen Termin hoch zu halten, zeigen die - nicht nur vordergründig - privilegierten Verhältnisse zu arbeiten: Was noch lange nicht bedeutet, damit auch sein Geld verdienen zu können.

Nicht nur, dass wir den Job ausüben können, ohne deshalb unmittelbar um Leib und Leben fürchten zu müssen, die Begleitung, Kommentierung und Untersuchung der Verhältnisse, in denen wir leben und die uns prägen, sind im Grunde anerkannte Pflichten und Verpflichtungen.

Auch wenn - die Diskussion um die Rolle von Recherche und Whistleblowing hat es diese Woche wieder exemplarisch vorgeführt [1] - das Verständnis eines Journalisten und eines Präsidenten des Bundesamts für Verfassungsschutz an diesem Punkte deutlich voneinander abweichen.
Aber: Beide "Seiten" haben sich dem Gespräch und der öffentlichen Auseinandersetzung über diese Positionen gestellt.

Immerhin? Immerhin!

2.

Ganz abgesehen, unter welch privilegierten Arbeitsbedingungen es heute möglich ist, einen solchen Beitrag wie diesen zu schreiben.

Die gesuchten Referenzen, wie zum Beispiel die in der Anmerkung zitierte Veranstaltung, bzw. den Bericht darüber, können online gesucht und gefunden werden.

All das ist mit einem mobilen Rechner möglich, der heute ausreichend lange Stromversorgung besitzt, um wirklich unabhängig von der Netzsteckdose arbeiten zu können. Das Ding könnte heute in aller Früh aus grosser Höhe auf den Boden fallen und dank neuer Technikkomponenten (Stichwort SSD) anschliessend im Zug weiter verwendet werden.

Im Zug werden nun - endlich - auf vielen weiteren Strecken W-LAN-Verbindungen bereitgehalten. [2].

3.

Aber dann sind da auch die "Mühen der Ebenen": vom innerverbandlichen innerhalb des Deutschen Journalistenverbandes bis hin zu immer deutlicheren Bemühungen, selbst auf grossen öffentlichen Veranstaltungen - in denen es um die Themen der Journalisten geht, diese nicht mehr zur Berichterstattung zuzulassen, sondern als zahlenden Kunden einzufangen. Doch eins nach dem anderen.

Zur Verbandsarbeit: in Berlin ko-existieren seit mehr als einem Jahrzehnt zwei Journalistenverbände, die beide Mitglied im DJV-Bundesvorstand sind.
Jetzt, nach so langer Zeit der Tränen und des Zähneklapperns darf soviel aus einem aktuellen vertraulichen Schreiben "geleakt" werden, als darin gesagt wird: "In Bezug auf die Fusion sind alle Fragen einvernehmlich geklärt ".
Und eben jetzt und deshalb hier die Prognosen, dass es dennoch und immer noch eine Reihe von Anlässen geben könnte, dass dieses Ziel der Zusammenführung dieser beiden Verbände immer noch nicht erreicht wird: Und das sind die der Persönlichkeiten und ihrer persönlichen Befindlichkeiten.
Nein, es ist diese sicherlich nicht der richtige Ort, auf dieses Thema inhaltlich weiter einzugehen und konkret irgendwelche "Rösser" und "Reiter" ins Feld zu schicken.
Aber es ist durchaus der Ort, darüber nachzudenken, was so viele Kollegen - aber auch Kolleginnen - dazu veranlasst, so viel Energie, Zeit und Nerven zu investieren, um innerhalb eines solchen Verbandes eine herausgehobene Funktion zu bekleiden und sich in und mit dieser zu re-präsentieren.
Eine Frage, die nicht nur und ausschliesslich für Journalist_innen gilt, denn immer wieder ist zu beobachten, dass "die grosse Masse" sich nur sehr selten mit grosser Energie und Empathie für die Verteidigung ihrer Rechte und ihres Berufsstandes engagiert, während es auf der anderen Seite eine oft eher kleine Schaar von "Minderheiten" gibt, die sich am liebsten gegenseitig die Butter vom Brot nehmen würden.
Eine Frage, eine Problemlage, die auch nicht weiter von öffentlichem Belang sein müsste, würde sie nicht dazu führen, dass die an dieser Stelle verpulverte Energie und Empathie an anderer Stelle abgezogen werden würde: Eben dort, wo Menschen in anderen Regionen dieser Welt unserer Unterstützung dringend bedürften.

4.

Zur Akkreditierungspraxis: Nicht nur, dass die in den letzten Jahren ausgestellten "offiziellen" Presseausweise nicht mehr von der Konferenz der Innenminister homologisiert wurden. Sondern, dass die Untugend der allzu vielen "Beutelratten" und "Prozentejäger" in dieser Branche dazu führte, dass der Ausweis als eine Art "Einkaufsprivileg" angesehen und als solcher allzu oft missbraucht wurde.
Diesen Auswüchsen ist an vieler Stelle und von vielen Seiten Einhalt geboten worden, und es waren nur in den seltensten Fällen die Journalisten und ihre Gruppierungen selber, die daran aktiv mitgewirkt haben [3].

Jetzt aber schlägt das Pendel allzu sehr in die andere Richtung aus: die aktuelle Akkreditierungspraxis geht immer mehr dazu über, den Journalisten "als solchen" nicht mehr aufgrund seiner formalen Legitimation zu akkreditieren, sondern aufgrund anderer, weiterer Bedingungen. So wird zum Beispiel oft nach Belegexemplaren gefragt und geprüft, ob man schon einmal über eine Veranstaltung, einen Veranstalter geschrieben hat, und was.

In der letzten Zeit kommt es aber immer öfter dazu, dass selbst eine frühere Beteiligung an einer solchen Veranstaltung und die Vorlage eines darüber veröffentlichten Berichtes samt der aktualisierten formalen Legitimation nicht mehr ausreichen, um noch den Anspruch auf eine Akkreditierung ableiten zu können.

5.

Auch in diesem Jahr gibt es davon schon wieder aktuelle Beispiele zu berichten: die Ablehnung der Akkreditierung zur Berichterstattung über den Mobile World Congress in Barcelona konnte erst nach einer mehr als halbjährlichen Korrespondenz schliesslich vor Ort aufgehoben und als "Fall" beiseite gelegt werden.

Und jetzt, ganz aktuell, ist die Akkreditierung zur Berichterstattung von der Nachfolgeveranstaltung des Berliner Medien-Forums, der Media Convention, abgelehnt worden. Und das jetzt nach nochmaliger Nachfrage auch mit der offiziellen Zustimmung der Geschäftsführung. [4].

Also werden wir heute, am Samstag, uns - und das nicht nur symbolisch - um die Verteidigung der Rechte der Entrechteten bemühen. Und am Montag der Folgewoche das Akkreditierungs-Thema auch auf der Vorstandssitzung mit zur Sprache bringen. Und die ist - und bleibt auch weiterhin - nicht öffentlich.

PS.

Kaum war dieser Text im Netz eingestellt, taucht in der taz vom 5. Mai 2014 ein Artikel des JVBB-Mitglieds Daniel Bouhs unter der Überschrift: "Hauptstadt weiterhin geteilt" auf - der genau an diesem Punkt anschliesst, an dem hier des Sängers Höflichkeit geschwiegen hätte.

Anmerkungen

[2Und so kann auch dieser Text in einem noch fast leeren Wagon morgens um sechs Uhr verfasst und online gestellt werden. Und das auch noch in einem Abteil der ersten Klasse, obwohl nur für die zweite gezahlt wurde. Aber das ist wieder eine andere, eigene Geschichte...

[3...vielleicht mit dem "Netzwerk-Recherche" als rühmliche Ausnahme, die sich dann aber auch längere Zeit Sorgen um ihre eigene "saubere Weste" machen musste.

[4Die Leiterin der Abteilung Kommunikation und Presse schlägt daraufhin zur "Lösung" des "Falls" vor: "Sehr geehrter Herr Siegert, nach Rücksprache mit Herrn Giglinger können wir Ihnen gerne 20% Nachlass auf die Ticketpreise anbieten. [...]" - Was für ein Deal (sic!)


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