MedienTage: Tel Aviv und/oder München

VON Dr. Wolf SiegertZUM Mittwoch Letzte Bearbeitung: 19. Januar 2015 um 17 Uhr 48 Minuten

 

"If you don’t join them..." am 18. Oktober wird von der Hubert Burda Media Pressestelle der folgende Text per Mail versandt:

Hubert Burda Media bringt digitale Vordenker in Israel zusammen

Das globale Netzwerk der Innovationskonferenz DLD trifft sich nach 2011 zum zweiten Mal in Israel zum Austausch über Innovationen, digitale Medien, Märkte, Wissenschaft und Kultur. Die Konferenz findet am 23. und 24. Oktober als Teil des DLD Festivals in Tel Aviv statt.

Mit der Konferenz in Israel kehrt das Netzwerk zu den Ursprüngen von DLD zurück. 2004 wurde die Idee zur internationalen Innovationsplattform beim Treffen ‚Cool People in the Hot Desert‘ geboren. DLD-Gründerin und Geschäftsführerin Steffi Czerny: „Mit DLD Tel Aviv initiieren wir eine Rückkehr zum Ursprung von DLD und schaffen gleichzeitig einen Blick in die Zukunft. Die Innovationskultur der Start-Up Nation Israel und die inspirierende Atmosphäre der globalen Stadt Tel Aviv sind der ideale Nährboden für eine Vernetzung des DLD Netzwerks. Wir können viel von Israel lernen wenn es um eine effektive Nutzung begrenzter Ressourcen und eine intelligente Improvisation geht.“

Immer mehr internationale Unternehmen machen sich das intellektuelle und unternehmerische Kapital Israels zunutze, indem sie dort Zentren für Forschung und Entwicklung betreiben. Mit mehr als 300 Unternehmen weist Israel eine Dichte von High-Tech-Unternehmen auf, die nur noch von der des Sillicon Valleys in Kalifornien übertroffen wird. Israel kann mit der nach den USA und Kanada größten Zahl von NASDAQ-registrierten Unternehmen reüssieren. Als eine der weltführenden „Digital Nations“ wird der Standort Israel auch für deutsche Unternehmen immer spannender. Unter den rund 1.500 internationalen Teilnehmern des Festivals befinden sich daher über 200 Vordenker, Unternehmer, Investoren und Wissenschaftler aus Deutschland.

Co-Schirmherr Yossi Vardi: „Das DLD Festival in Tel Aviv stellt die spannendsten Ideen der blühenden Start-Up Szene in Israel vor und bringt DLD mit diesem Ökosystem in Verbindung.“ Die Panels und Themen von DLD Tel Aviv drehen sich um Digitale Märkte und Technologien, E-Commerce, Start-up-Kultur, Robotics, Gesundheit, Bildung und Wissenschaft. Unter den rund 50 Referenten sind Amazon-Vize und CTO Werner Vogels, Skype-Unternehmensentwickler Tony Saigh, Super Business-Angel Alex Hoye, und Tel Avivs Bürgermeister Ron Huldai. Im Rahmen des DLD Tel Aviv Festivals finden zusätzliche Veranstaltungen u.a. von Google, Amazon und Twitter statt. Facebook veranstaltet das erste Facebook Game Developer Summit, welches sich um erfolgreiche Spiele-Innovationen, Kundenbindung und Spiel-Optimierung dreht.

Es mag dahingestellt bleiben, warum sich damit die digitalen Vordenker aus der Burda Gruppe gerade in jenen Tagen aus München absetzen, in denen es dort um die Zukunft der Medien angesichts der Herausforderungen in einer zunehmend digitalen Wirtschaft geht: Zumal es in Tel Aviv expressis verbis um eine "Internationale Innovationskonferenz mit den Schwerpunkten Start-up und Venture Capital" gehen wird.

Also werden wir Münchner Gäste uns mit den Rechnern auf den Knien oder dem Tablett in der Hand dort gelegentlich online einloggen unter: http://dldtelaviv.com/?

Ob und wie das gelingen wird, ist aber noch nicht heraus. Das Online bereitgestellte Angebot, sich über sein LinkedIn-Konto einzulogen:


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wird (bislang) vom System nicht angenommen:


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Wir setzen uns stattdessen in die Lounge und verfolgen über den Fernseher, was uns der Bayerische Rundfunk live zu berichten hat.

Als Vorspann für die Direktübertragung des BR gibt es ein Interview mit dem Intendanten Ulrich Wilhelm.

Es spricht von der Bedeutung, die das Programm auch für die jungen Leute habe. Ein solches Programm müsse „den Machern Spaß machen“, denn „Kreativität kann nur in Freiheit gelebt werden“.

Weiterhin würde der Weg wegführen von der traditionellen Trennung der Themen und der Branchen“

Auch das Thema des Austauschs mit der Konkurrenz ist von Bedeutung: Die Zeitungen und die Öffentlich–Rechtlichen, sie brauchen einander“. Print, das bedeute das Ausleuchten der Hintergründe. Und TV bedeute "Agenda Setting".

Schliesslich sei der öffentlich–rechtliche Rundfunk sicherlich der am meisten regulierte Bereich in diesem Gebiet. Es sei und bleibe seine Aufgabe, Orientierung zu bieten und Leuchtturm zu sein, aber auch Unterhaltung und Sport. Und so viel zum Thema des Medienstandortes, der BR sei in Bayern nach wie vor eines der führenden Medien-Unternehmen. "Wir sind der Akteur für die Aufarbeitung dessen, was alles passiert. Der BR ist nicht der Münchner Rundunk - Regionalität ist auch weiterhin eine vordringliche Aufgabe".

Und dann geht das Programm direkt in den grossen Saal und setzt von dort aus die Berichterstattung fort. Und der Chronist macht es sich zur Aufgabe, live (und sicherlich nicht fehlerfrei) darüber zu berichten.


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Siegfried (Sigi) Schneider, Chef der BLM:
Auch 2012 sei der Wandel das Thema. Es gehe um grundsätzliche Änderungen des Kommunikations- und Konsumverhaltens. Heute könne jeder Medienanbieter werden. Das stelle auch neue Anforderungen an die Schule. Auch die Medienregulierung sei von diesem Wandel betroffen. Heute gäbe es neue branchenfremde Player. Die Medienindustrie ringt aber noch heute darum, wie sie ihre Investitionen rechtfertigen kann. Transparenz und Relevanz für die Nutzer seien dabei die Leitlinien.

Heute bedürfe es medienübergreifender Perspektiven. Dafür sei von der BLM ein Medienvielfaltsmonitor entwickelt worden. Das Ziel: Medienpluralismus in einer digitalisierten Welt transparent zu machen. 22% ARD und 14% Bertelsmann, das seien die gegenwärtigen Meinungsführer in diesem Markt.

Und: die einordnende Funktion der Journalisten werde angesichts der aktuellen Entwicklungen immer wichtiger. Darum soll(t)en sie auch medienethischen Grundsätzen folgen.

Horst Seehofer, Chef der Landesregierung:
"München ist die Weltmetropole". Dieser Kongress sei einer der Leuchttürme der deutschen Medienkongresse. Er wolle nach vier Jahren Bilanz ziehen und den Wandel weiter vorantreiben: Wir wollen in Bayern diesen Zug nicht aufhalten, aber die Richtung mitbestimmen wollen. Selbst wenn es Kompromisse gäbe, die man ein oder zwei Jahre nach der Verabschiedung fast gar nicht mehr erklären könne.

Die Themen: Freiheit
-  Wir sind das Land der sozialen Marktwirtschaft: Keine Planwirtschaft, aber auch kein Spekulationskapitalismus, der sei 2008- 2009 gescheitert. "So viel Freiheit wie möglich, und so wenig politische und rechtliche Hürden wie nötig." Die Schranke der Freiheit sei die Verantwortung, damit könne man aber die Freiheit auch wieder erschlagen. Diese Diskussion solle diese Regel der „dienenden Freiheit“ beflügeln. Man solle sich in der Politik als Partner verstehen.
-  Wenn die ihm aufgeschriebene Rede jetzt verlautbart werden würde, dann müsste die Politik darüber eine Aussage machen, was die Diskussion über den neuen Jugendkanal betrifft, aber: „Diesen Teil der Rede lass’ ich jetzt wegfallen.“
-  Ich beurteile unser Tun immer danach: wie wirkt es auf die Praxis. Hier könnte die EU wirklich mal Signale geben und Zeichen setzen. Es geht nicht um die Behinderung, sondern um die Förderung der Medienindustrie. Das gelte auch für die Förderung für die lokalen Rundfunksender, selbst wenn man das später im Rechnungshof ankreiden solle.

Die Themen: Qualität
Der Auftrag, die Welt von den Bedürfnissen der Menschen her zu sehen, sollte noch besser umgesetzt werden. Der Bürger wolle Qualität und nicht unterfordert werden. Es gäbe eine kollektive Intelligenz in der Bevölkerung. Sie akzeptiere, dass Kultur und Commerz kein Gegensatz seien. Kultur ist nicht Caritas ohne ein entsprechendes gesellschaftliches Umfeld. Die Idee der Gratismentalität, da bin ich ein entschiedener Gegner.
Sperren oder Löschen im Internet? Alle seien für die Bekämpfung der Kinderpornographie. Aber diese Sperren könnten ohne grossen Aufwand wieder aufgehoben werden. Das neue Gesetz sei verabschiedet, dann nie angewandt und schliesslich wieder aufgehoben worden.

Thema: Aufbruchstimmung in die Zukunft
Die Lage der Bayern ist gut. Anstatt wehklagen: Anpacken. Es bedürfe der Lebhaftigkeit und Dynamik.
Nie zuvor in der Menschheitsgeschichte habe es ein so grosses Angebot für die Information und Kommunikation gegeben. „Was habt ihr heute für Möglichkeiten für die Medien- und Kommunikationswelt.“ Und ich möchte, dass mich niemand daran hindert, diese auch zu nutzen. Ich schaue nicht in den Pressespiegel, sondern klicke mich kreuz und quer durchs Internet. Und bekomme dann einen ganz anderen Eindruck von den Lebensgrundlagen und –perspektiven dieses Landes. Was sie hier leisten, ist auch international hervorragend.
Bayern wird in der Medienpolitik Kurs halten. Ein verlässlicher Partner für die Ideen zu sein. Ohne Ideologie. „Wir sind verliebt ins Gelingen“. Es soll ein Dienst ausgeübt werden und nicht Herrschaft, wie in den vergangenen Jahrhunderten.

Gerhard Zeiler. Präsident von Turner Broadcasting Systems
Ich wage es zu prophezeien Die Auswirkungen für unsere Branche sind noch nicht radikal genug beschrieben. Es geht um einen "Digitalisierungstsunami"!
Buch, Zeitung, Kino, TV … sie alle brauchen nicht mehr die traditionell ihnen zugedachten Geräte. Die eine Gruppe sieht diese Medien am Abgrund. Die andere Gruppe der Experten sei dennoch optimistisch. Denn die Wesensmerkmale dieser Industrie würden erhalten bleiben. „Ich glaube an die Zukunft der Medienindustrie – und des Fernsehens.“ Wir werden vieles ändern müssen, an Einstellungen, an Themen. Aber es wird viele neue ermutigende Entwicklungen geben"
Die eigene Sichtweise sei eher eine optimistische.
Der Schwerpunkt zum Fernsehen bestimme seine Sichtweise. Es gehe um drei Entwicklungen
-  die zunehmende Mobilität, auch für langzeit gültige Programme
-  den Ersatz der traditionellen Geräte durch solche, die ans Internet angebunden sind
-  die Übergang von den Medien via Apps zum Fernsehen.
Zwei Prophezeiungen:
-  Die Eintrittsschwelle als neuer Player wird immer geringer sein
-  Die Konkurrenz um die besten Programme wird immer härter.

20 Million Abos bei Netflix– und dennoch keine geringere Zahl der Abos bei den Kabelbetreibern. Diese Zahlen aus den USA machten klar, wohin die Reise geht.
Nur der Konsument bestimmt darüber, wann und wo „Content King“ sei.
Das zeitversetzte TV-Schauen bestimme in den USA 9% der Nutzer. Es gäbe keinen Trend für ein Mehr an zeitversetztem TV. „Revolutionen sehen anders aus“

Jugendliche, zumal männliche Jugendliche, schauen immer noch weniger TV als bisher, aber wenn sie ab Mitte zwanzig sesshaft werden, steigen diese Zahlen wieder. Auch die Zahl der regelmässig gesehenen Sender ist in 10 Jahren von 8 auf 12 Programme gestiegen.
Und knapp 60% der TV-Programme wird in Gemeinschaft gesehen.
All das ist eine Evolution, aber keine Revolution.
Vieles ist anders als noch vor 10 Jahren. Aber nicht alles ist deshalb neu. Warum?
-  Fernsehen hat ein unglaublich günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis (30 Cent pro Stunde)
-  Die Industrie hat sich fortwährend um die Verbesserung des Komfort bemüht
Also: "Price and Convenience" stehen im Vordergrund.
Zur Gratiskultur:
Der Wunsch, hier alles gratis zu machen, sei nachvollziebar, aber nicht allein deshalb schon ein Grund, um ihn zu erfüllen. Die inzwischen 25 Milliarden Apps für die Apple-Geräte seien in vielen Fällen alles andere als gratis gewesen.
Bei den Print-Verlagen muss die Zeitung nicht nur am Kiosk, sondern auch online kostenpflichtig sein. Ein notwendiger Strategiewechsel.
Das Problem der Piraterie sei nicht neu, hat sich aber jetzt vervielfacht und ist heute fast selbstverständlich geworden. „Piraterie ist Diebstahl, der durch Nichts zu rechtfertigen ist.“
Was folgt daraus:
-  Die Lieblingsprogramme sollten möglichst leicht auf allen Kanälen angeboten werden. Die Amerikaner nennen das „TV everywhere“ und haben dafür einen einheitlichen Standard geschaffen.
-  Man müsse die Angebote lokalisieren und/oder lokale Inhalte anbieten: „You have to be local“.
-  Fragmentiere Dich selbst, bevor es andere gegen Dich tun.
-  Keine Angst vor Facebook, YouTube und Twitter. All diese sind heute Massenphänomenen geworden. Auch wenn sie Konkurrenz sind, sind sie auch Partner. Denn das ist Mundpropaganda per Knopfdruck in Echtzeit
-  Die Brand muss nicht nur geschützt werden, sondern ihr Wert muss herausgestellt werden.
-  Die PayTV-Industrie ist heute ein essentieller Teil der Fernsehlandschaft, auch in Deutschland
-  „Fail Fast, Fail Cheaply“. Es bedarf des Mutes zum Scheitern. Risikobereitschaft und Innovationsgeist müssen Bestandteil dieser Industrie sein
-  „It’s a Talents Business“ – und in die Wahrung dieses kreativen Prozesses muss viel investiert werden.
Niemand könne die Zukunft vorhersagen, aber die gesellschaftliche Glaubwürdigkeit von gutem Journalismus – bis hin zur Magie des Mediums Fernsehen – all das werde sich nicht ändern.


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Gerade als Miriam uns begrüsst und darauf hinweist, dass uns nun der MP persönlich „eingegrooved“ habe in die schöne neue Medienwelt --- bricht die Liveübertragung des im BR-Programm ausgestrahlten Sendesignals ab. Aufgrund eines Stromausfalls, wie später im Kommentar zu vernehmen ist. Zunächst aber gibt es eine Reihe von Luftaufnahmen aus der Bayerischen Medienlandschaft - ein grosses Vergnügen für Privatflieger wie den Autor – und zugleich ein exemplarisches Zeichen für die Aussage, dass angesichts solcher Bilder es fast wurscht sein könnte, was sich die Experten zu sagen haben.

Und dann geht es weiter. In der klaren und präzisen Moderation von Prof. Dr. Miriam Meckel, Universität St. Gallen, kommen die folgenden Personen und Stimmen zu Wort:

Tobias Schmid von RTL:
-  er stellt die Tagesschau und RTL auf eine Stufe.
-  Konvergenz sei das Gebot der Stunde. Es geht nicht mehr nur um die Darreichungsform, sondern es geht darum, dass die Regulierung noch vollkommen divergent aufgebaut ist. Und diese Welten kommunizieren nach wie vor nicht miteinander. Wir haben ein unglaubliches Potenzial. Aber die Politik hindert uns daran, dieses wirklich zur Entfaltung zu bringen. Wir müssen zusammenführen, was der Entfaltung dieser Kapazitäten nützt. Das Bundeskartellamt, die Bundesnetzagentur und die Medienanstalten sollten sich auch mal untereinader ansprechen.
-  Mir ist wurst, wie viele Medienanstalten es gibt, aber sie sollten miteinander kommunizieren.
-  Die Problematik ist, dass Google in einem meinungsrelevanten Umfeld re-agiert. Das Vielfaltssicherungsrecht gehe davon aus, dass man Meinungsmacht erzeugen könnte. Und Google wird nicht unter diesem Gesichtspunkt gewichtet. Aber hier muss man sich aufeinander zubewegen.
-  Das Problem ist der Regulierungsrahmen: Für die harten Rahmenbedingungen bekommt man ein Goodie: der privilegierte Zugang zu den Inhalten.
-  Es kommt nicht mehr darauf an, ob die Darbietung linear oder nicht-linear ist. Die Fragestellungen sind andere.

Conrad Albert, ProSieben-SAT 1:
-  die Nachrichten sind für die jungen Leute ganz anders aufzubereiten, hier müssen – und werden – neue Formate entwickelt werden
-  Die Vertreter von Google tun so, als ob sie für nichts zuständig seien. Aber sie müssen sich dann doch dem Wettbewerb – und der Regulierung – stellen. Auch wenn sie heute nicht einmal mehr an einen Standort gebunden sind. „Und den Nutzer interessiert das heute auch nicht mehr, wo man angesiedelt sei.“
-  Es bedürfe einer „höheren Flughöhe in der Betrachtung“ Der Mittelstand könne sich heute noch nicht werblich im internationalen Markt bekanntmachen.
-  Wir sind hier stark aufgestellt. Aber jeder Euro, denn wir hier nicht in Europa verdienen, wird in den USA verdient
-  Wenn wir mit der EU oder mit der FCC verhandeln, wer aus den Medienanstalten sollte dann dafür ausgeguckt werden? Wie ist mit denen umzugehen, solange die sich gegenseitig verklagen, solange sie immer kleinteiliger werden. Wir müssen uns freimachen von den Partikularinteressen.
-  „Kommen Sie bitte auch an den runden Tisch – denn auch Google ist Inhalteanbieter“
-  Die These: „Wir lassen den Zuschauer den Regulierer sein“ entlässt die staatlichen Organe nicht ihrer Verantwortung.
-  Wir sehen das Web als ein tolles Ergänzungsmedium. Wir finden das Internet nicht doof. Und wenn sich Google der Verantwortung stellt, dann machen wir auch was gemeinsam zusammen.

Dr. Stefan Tweraser, Google
-  Marktanteile sind nicht die einzige Währung zur Bewertung der Angebote
-  „Wir machen niemals Kompromisse beim User“ er soll das für ihn relevanteste Ergebnis finden können.
-  Sie können auch alles finden, wenn sie nicht eingelogged sind.
-  Wir sind gerade mal 14 Jahre alt. Heute haben wir 85 Produkte, Suche ist eines davon. Wir machen allein an der Suche zwei Änderungen pro Tag. „Wir waren nicht die ersten und werden nicht die letzten sein“ Wir sind geradezu dazu gezwungen, uns täglich neu zu erfinden. Und arbeiten daran, mit Freude und mit Ingenieuren.
-  Die Content-Strategie ist viel breiter. Pro Sekunde gibt es eine Stunde neues Programm.
-  Wir sind immer noch eine Suchmaschine und kein Inhalte-Anbieter (auch wenn das Herr Albert ganz anders sieht).
-  Unser Thema ist nicht die Information, sondern der Zugang zur Information. Das ist das neue Element der Medienkompetenz.
-  Neutralität? Wir sind wie ein „suggest-„Service. Es gibt eine Personalisierungsleistung, wenn sie eingelogged sind. Im Google-Webmaster-Blog wird dokumentiert, wie die Arbeit funktioniert. Nicht veröffentlicht wird der Algorithmus.
-  Das Internet ist die Dampfmaschine dieses neuen Jahrhunderts. Und die Google-Suche ist nicht kaufbar. Es sei denn, die Begriffe seien farblich (gelb) unterlegt. Diese Suche ist organisch. Und wir versprechen hoch und heilig, dass sich da keiner einkaufen kann. Die Regulatoren sind die Kunden. Ihr Votum gegen Google wäre tödlich.
-  Mit Google-News kommt Traffic zu den Verlagen. Es gibt in Deutschland für ganz viele Dinge ganz viele Fachleute… aber das Internet funktioniert anders. Es gibt dem Konsumenten eine bis dahin nie dagewesene Meinungsvielfalt.
-  Der deutsche Konsument ist im Vergleich zu seinen europäischen Nachbarn eher zurückhaltend, von der Internet- bis zur Smartphone-Nutzung.
-  Deutschland ist in so vielen Dingen Innovationsweltmeister - im Internet nicht.

Monika Piel, ARD:
-  Die Vielzahl der Sender verhindert die Dominanz der Marktanteile. Dennoch, man wolle wieder Marktführer werden. Auch 5% für die Hochkultur sind ein wichtiges Thema. Sie sei auch mit Thomas G. weiter im Gespräch. Und die Idee des Vorabendprogramms mit ihm fände sie ganz gut.
-  Es bedarf eines runden Tisches, zu dem der Ministerpräsident ja heute vielleicht den Startschuss gegeben habe.
-  Sie berichtet von ihrem Nutzerverhalten als iPad-Nutzerin und ihren Problemen, das Telekom-Signal optimal zuhause zu empfangen (und Herr Obermann gibt bekannt, dass sie zumindest eine Möglichkeit anbieten würden zu messen, woran der Fehler liegt ;-)
-  Das Internet ist nicht nur eine kommerzielle Plattform, sondern auch ein öffentlicher Raum. Und für die Zukunft sei das ganz wichtig. Die Freiheit des Zugangs sei zu gewährleisten
.
Brian Sullivan, SKY (spricht in Englisch)
-  Als Abo-Sender können wir anders entscheiden. Und das gilt auch für Harald S. und seine Show. Und er hat bei Sky jetzt doppelt so viele Zuschauer wie zuvor in der ARD.
-  Die Zuschauermessung wird nicht mehr richtig vorgenommen, das gelte auch für das HD-Fernsehen. Die Welt hat sich schneller entwickelt als die Messmethoden.
-  „Wir möchten, dass die Leute zuhause lächeln“
-  Wo die Kunden aktiv auswählen, kann man dem Künstler auch mehr Freiheit einräumen. Wir können hier grössere Risiken eingehen
-  Wir aggregieren Inhalte, wir sind kein Fernsehsender, wir sind keine Plattform. Wir gründen Partnerschaften mit allen, die unsere Inhalte vertreiben wollen.
-  „Im richtigen Umfeld werden wir auch mit der Telekom gerne zusammenarbeiten.“ Aber nicht nur mit der Telekom, sondern mit allen Anbietern, die an einer solchen Zusammenarbeit Interesse zeigen könnten.
-  Die Bundesliga als Killer-App? Nein, damit allein kann Pay-TV nicht funktionieren. Und wir sind da noch nicht am Ziel. Damit allein kann man seine Kunden nicht binden. Wir dürfen nicht nur attraktiv sein für einen Abonnenten im Haushalt. Wir haben heute schon mehr Film-Abos verkauft als Sport-Abos.
René Obermann, Deutsche Telekom:
-  Wir bieten mehr als nur den reinen Anschluss und sind heute sehr wettbewerbsfähig.
-  „Wir werden bald auch mit Brian kooperieren, wenn er so weitermacht“
-  Wir sind an die Grenzen gegangen, was wir uns haben vorstellen können.
-  Die Grundlage für eine florierende Wirtschaft ist ein Anreiz für Investitionen. Und da muss was passieren.
-  Die Regulierung spielt noch nach den alten Regeln. Wir denken immer noch kleinteilig. Während die Märkte inzwischen in den Märkten an der Westküste in den USA und in Asien zuhause sein werden. Heute ist ein Ungleichgewicht entstanden. Und hier habe Google fair-play zu machen. Und müsse sich in Zukunft auch an den Kosten beteiligen (Applaus).
-  Kapital ist nicht das Problem, aber das Problem sind die Unternehmer, die jetzt erst nach und nach am Kommen sind.
-  Er habe versucht, zwischen 50 Unternehmen einen Konsens zu finden, und dann gab es zunächst keine Reaktion von Seiten der EU. Und jetzt habe sich da ein neuer Rahmen – seit Juli 2012 – eröffnet. Und der müsse dringend gefüllt werden. Wir brauchen ein neues Regelwerk und das muss jetzt kommen.
-  Wir müssen im Netz bestimmte Dienste priorisieren. Und das darf nicht regulatorisch, nicht reglementiert werden. Und das muss natürlich transparent bleiben.

Paul-Bernhard Kallen, Burda:
-  Das Internet spielt für die „Freundin“ eher eine nachgelagerte Rolle. Wir haben die digitalen Geschäftsfelder gut ausgebaut und heute 50% im Digitalen. Aber wir haben nicht versucht, jede Marke auf Teufel komm raus auf das Internet zu trimmen.
-  Das Print-Ende von Newsweek? Ja, das kann passieren, „wenn man ein Produkt verwahrlosen lässt“. Zeitungen seien schwerer digitalisierbar als Zeitschriften. Und die brauchen andere Rezepte, um gerettet zu werden.
-  Wir haben die Chance, aus wöchentlichen Produkten tägliche zu machen. Das funktioniert bei Focus und bei Chip.
-  Die neuen IVW-Zahlen seien nicht Anlass für Besorgnis. „Ich bin an diesem Punkt sorgenfrei“.
Man muss sich täglich neu erfinden
-  Sie müssen den Blick über die Grenzen dieser Stadt und dieses Landes richten. Dann müssen Sie nach Irland gehen, oder nach Holland. Oder nach Luxemburg, wenn Sie mit elektronischen Waren handeln wollen (3% anstatt 19% in Augsburg bei Weltbild).
-  Ist überzeugt, bei der Tagesschau-App eine Lösung zu finden, da man inhaltlich da nicht mehr weit auseinander sei.
-  Bei Google liegt was Interessantes herum. In Frankreich wird über das Thema Selektion und Themenauswahl diskutiert. Und über die Verantwortung, die Google damit übernimmt.

Thomas Kreuzer, Medienminister und Chef der Staatskanzlei:
-  Wir müssen Regularien abbauen. Im Medienkonzentrationsrecht. Und bei den Beschränkungen der wirtschaftlichen Bemühungen der Unternehmen.
-  Wir sind gerne bereit, diesen Dialog am runden Tisch anzubieten. Und das noch in diesem Jahr.
-  Wir haben ungleiche Steuersysteme in Europa. Das wissen wir. Eine Harmonisierung ist anzustreben.


Zum Abschluss
die Frage nach den wesentlichen Zielen und das möglichst nicht länger als in 140 Zeichen Twitterlänge, da es ja noch keine Twitter-Wall gäbe, auf der man Fragen hätte platzieren können [1]:
— Google: Das Leistungsschutzrecht sei innovationsfeindlich.
— SKY: „I love Google. Wir nutzen alle diesen Dienst“
— Burda: Es geht um fairen Wettbewerb. Keine Startvorteile für die neue Wettbewerber.
— Der Medienminster: Gebraucht wird ein funktionierendes Leistungsschutzrecht.
— ARD: Gleiche Bedingungen für alle.
— Telekom: „Die Deutsche Telekom liebt die Medienwirtschaft und die Verantwortung“
— SAT 1. Die Deregulierung sichert Deutschland die Innovationsführerschaft.
— RTL: Nach der Medienkonvergenz die konvergente Medienregulierung [2]

Das Fazit zu dieser Veranstaltung wird sicherlich in den nächsten Stunden, vielleicht sogar Tagen, von vielen Quellen vorgetragen werden und hoffentlich noch profunder sein, als das hier jetzt spontan nach der Veranstaltung Dargestellte.

Und dennoch: so viel sei gesagt

- Dass der Ministerpräsident nicht nur geredet, sondern auch zugehört hat, das ist ihm hoch anzurechnen. Damit macht er zumindest einen Teil seiner Patzer der vergangenen Jahre wett. Sei es durch Aussagen, die von keiner Kompetenz getrübt waren, sei es durch unentschuldigtes Fehlen.

- Dass die Diskutanten es offensichtlich leid waren, immer noch einmal und noch einmal die längst überfälligen Feindbilder aus der Schublade zu ziehen und sich dahinter zu verbarrikadieren, ist ein Pluspunkt.

- Das allerdings ist nicht allein der Tatsache geschuldet, dass die "Player" und ihre Repräsentanten dazugelernt hätten - was sicherlich auch der Fall sein mag - sondern dass sie allesamt vor Herausforderungen stehen, die keiner mehr allein so wird bewältigen können.

- Dass selbst die Telekom und SKY auf offener Bühne zu "flirten" beginnen, ist mehr als nur eine Randnotiz wert. Auch wenn dieser Umstand nur atmosphärischer Natur sein mag, so zeigt er doch, wie deutlich und nachhaltig die Verwertungszusammenhänge und die daraus erwachsenen Zwänge verändert haben.

- Es ist deutlich geworden, dass dies alles nicht mehr nur ein Techtelmechtel zwischen nationalen "Playern" ist, sondern dass all diese Ansätze und Perspektiven auf der nationalen Ebene in einem direkten internationalen Bezug stehen - egal, ob dieser nun bewusst mit zur Geltung gebracht wird, oder aber im Bewusstsein um den Zwang, die diese neuen Zwänge bis in die nationalen Märkte hinein ausüben.

- Und: es wird deutlich, dass im Grunde nach einer neuen Kompetenz der Politik und in der Politik gefragt wird - und dass die klare Aufforderung, unmittelbar nach den Medientagen damit anzufangen, eine ehrliche und wichtige und "not-wendige" Forderung ist.

- Und dennoch: die Aufforderung an die Politik, noch in diesem Jahr zwischen den wichtigen "Playern" einen "Runden Tisch" aufzustellen und zu Gesprächen an eben diesem einzuladen, wird ebenso gerne gehört wie auch letztendlich überhört werden. [3]

Anmerkungen

[1Die nachfolgenden Antworten werden nicht in allen Fällen der darin enthaltenen Aussage gerecht. Denn es war wahrlich interessant, wer von den Anwesenden in der Lage war, die Anwort in dieser Form und Kürze auf den Punkt zu bringen.

[2Und an dieser Stelle mal ein ausdrückliches Lob an Tobias Schmid. Gelegentlich hat seine Kapazität zur intelligenten und kurzweiligen Erfassung und Darstellung auch von schwierigen Sachverhalten dazu geführt, dass in seiner Fabulierlust die Pferde mit ihm durchgegangen sind. Heute aber war er echt auf den Punkt: Klar. Und dennoch unterhaltsam.

[3Es wird - das ist die (hoffentlich nicht abschliessende Meinung des Autors) diesen runden Tisch nicht geben und die Politik wird sich damit der ihr zugewiesenen Aufgabe in dieser neuen digitalisierten Gesellschaft nicht wirklich als würdig erweisen können. Ja: als "würdig" erweisen können.
Denn es wird eine Zeit kommen, wo auch angesichts all dieser neuen "Zweipunktnull"- und "Dreipunktnull"-Ansagen es nicht mehr reichen wird, sich mit Schlagworten aus der Affäre zu reden.
Nicht nur, dass die Regulatoren der Entwicklung hinterherhinken, auch die, die dafür die Verantwortung zu tragen hätten, laufen meilenweit einer Welt hinterher, die sich längst um 180 Grad gedreht hat. In einem solchen Moment reicht es nicht mehr, nur sein Mäntelchen in den Wind zu hängen. Sondern man muss sich selbst in der Lage sehen können, auch gut Wetter machen zu können.


 An dieser Stelle wird der Text von 28820 Zeichen mit folgender VG Wort Zählmarke erfasst:
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