Bauer sucht Fortune

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 19. Januar 2015 um 17 Uhr 17 Minuten

 

Heute wird - aus gutem Grund - nur zitiert:
Die Pressemeldung der UFA Film & TV Produktion vom 31. Juli 2012:

UFA strukturiert ihr fiktionales Produktionsgeschäft neu

Wie bereits vermeldet [1], stärkt die UFA, marktführender Anbieter von audiovisuellen Programmen, mit neuen Strukturen und Prozessen ihre Zukunftsfähigkeit vor dem Hintergrund eines sich rasant verändernden Medienmarkts. In der Neuorganisation der UFA hin zu einer an den Genrebereichen "Entertainment", "Daily Drama" und "Fiction" orientierten Struktur, steht für den Bereich der fiktionalen Produktion nun die neue Führungsstruktur fest.

Der Bereich „teamWorx UFA“ wird die Aktivitäten der Label UFA Fernsehproduktion, teamWorx und UFA Cinema umfassen. Die bekannten Label bleiben aber erhalten. Phoenix Film, an der die UFA eine Mehrheitsbeteiligung hält, ist derzeit nicht Teil der neuen Einheit.

Die Leitung des neuen Bereichs übernehmen Nico Hofmann, Joachim Kosack und Dr. Jürgen Schuster.

Joachim Kosack, der bereits von 1996 bis 2001 als Autor, Regisseur und Producer für Grundy UFA tätig war, sowie von 2001 bis 2006 für teamWorx als Produzent Film- und Serienprojekte realisierte, kommt vom Sender Sat.1, dessen Geschäfte er seit Oktober 2011 führte. In seiner Zeit bei ProSiebenSat1 zeichnete Kosack für Programmerfolge wie "Der letzte Bulle", "Danni Lowinski", "Die Wanderhure" und „Die Säulen der Erde“ verantwortlich. Kosack nimmt zum Oktober 2012 seine Tätigkeit bei der UFA auf.

„Nach spannenden Jahren bei ProSiebenSat.1 freue ich mich, dahin zurückzukehren, wo meine Fernsehlaufbahn begann – zur UFA. Mit Nico Hofmann hat mich über all die Jahre immer die gleiche Leidenschaft für besonderes Fernsehen verbunden. Schon länger warten wir darauf erneut zusammenzuarbeiten“, kommentiert Joachim Kosack seinen Wechsel.

"Ich bin fest davon überzeugt, dass wir die fiktionalen Produktionsaktivitäten der UFA mit dieser integrierten Struktur und Führung zukunftsfähig aufstellen. Wir setzen auf eine noch engere Verzahnung unserer kreativen Produzenten miteinander, reduzieren parallele Strukturen und verstärken unsere Innovationsfähigkeit. Mit Nico Hofmann und Joachim Kosack haben wir ein hervorragendes kreatives Führungsteam“, so Wolf Bauer.

Nico Hofmann ergänzt: "Mit Joachim Kosack verbindet mich seit über zehn Jahren eine tiefe Freundschaft. Wir hatten immer den Wunsch, unsere Berufserfahrungen im Kreativen wieder in eine neue, gemeinsame Aufgabe fließen zu lassen. Mit teamWorx UFA bietet sich jetzt eine einmalige Gelegenheit dafür".

Nach über 30 Jahren bei der UFA wird Norbert Sauer Ende August als Geschäftsführer abberufen. Er war seit 1979 zunächst als Producer, seit 1991 auch als Produzent und Geschäftsführer für die UFA tätig. Unter seiner produzentischen Verantwortung sind bis zum heutigen Tag über 300 vielfach ausgezeichnete Kino- und Fernsehfilme sowie zahlreiche Serien und Reihen entstanden.

"Norbert Sauer ist einer der herausragenden Produzenten im deutschen Programmmarkt und hat entscheidend dazu beigetragen, die UFA Fernsehproduktion zu einem starken Programmkreateur in Deutschland auszubauen. Ich danke ihm von Herzen für seine großartigen produzentischen und unternehmerischen Leistungen", so Wolf Bauer.

Ebenfalls verlässt Thomas Peter Friedl zum Jahresende im besten gegenseitigen Einvernehmen auf eigenen Wunsch die UFA, zu der er Anfang 2008 kam. Als Mit-Geschäftsführer der UFA Cinema war er am Aufbau der Kinofilmproduktionsaktivitäten maßgeblich beteiligt. In seiner Zeit bei der UFA Cinema entstanden Filme wie "Teufelskicker", „Hanni und Nanni“ Teile 1 und 2, "Das Dschungelkind", „Relativitätstheorie der Liebe“, "Die kommenden Tage" „Das Wochenende“, "Die vierte Macht", „Wir wollten aufs Meer“, „Jesus liebt mich“ oder „Der perfekte Mann“.

Wolf Bauer: „Thomas Friedl ist eine inspirierende und kreative unternehmerische Kraft beim Aufbau unser Kinofilmaktivitäten und bei der Umsetzung unserer Filmprojekte gewesen. Ich kann mich für die ausgezeichnete Zusammenarbeit nur herzlich bedanken“.

Die Kinofilmaktivitäten der UFA haben in der neuen Fiction Struktur weiterhin ihren Platz: zur Zeit entsteht die Großproduktion "Der Medicus" mit internationaler Starbesetzung unter der Regie von Philipp Stölzl sowie der dritte Teil der Verfilmungen des Jugendbuchbestsellers "Hanni und Nanni". [2]

Nachtrag vom 6. August 2012:

Christian Meier schreibt in der Meedia-Ausgabe dieses Tages - mit Bezug auf das hier zitierte Interview sowie die Äusserungen der ab Oktober neuen Teamworx UFA Chefs Nico Hofmann und Joachim Kosack eine kritische Zusammenfassung unter dem Titel:

UFA: Der Radikalumbau ist die Botschaft

Anmerkungen

[1Da in diesem Text keine Verweis auf diese Meldung gegeben wird, ist an dieser Stelle vor allem auf das Gespräch von Wolf Bauer mit Michael Hanfeld in der FAZ vom 05. Juli 2012 hinzuweisen, das unter der Überschrift: "Die digitale Revolution reißt alle Mediengeschäfte mit" veröffentlicht wurde:

Die Ufa ist mit ihren Tochterunternehmen hierzulande in Film und Fernsehen die größte private Produktionsschmiede. Wie zu hören ist, wollen Sie nun radikal umbauen. Warum?

Wir sind nicht immer die große Ufa gewesen, auch wir haben einmal klein angefangen. Vor zwanzig Jahren verfügten wir über ein Produktionsvolumen von ungefähr zehn Millionen Euro pro Jahr. Damals haben wir die sogenannte Label-Struktur eingeführt und die besten Talente an Bord geholt: Unser Unternehmen ist aufgeteilt in verschiedene Marken, die jeweils für ein Programmgenre stehen: Grundy Light Entertainment für Unterhaltung, Grundy Ufa für tägliche Dramaformate, Teamworx für große fiktionale Eventprogramme und TV-Movies, Phoenix und Ufa-Fernsehproduktion für Hauptabendserien und Krimireihen. Diese Struktur, viele kleine Unternehmen in einem Großen zu vereinen, hat uns sehr geholfen, in einem guten Marktumfeld zu wachsen. Heute erarbeiten wir mehr als das Dreißigfache des einstigen Umsatzvolumens.

Warum also wollen Sie etwas ändern?

Wir befinden uns in einer völlig neuen Situation. Die digitale Transformation reißt alle Mediengeschäfte mit. Dem stellen wir uns und strukturieren deshalb die Ufa um. Wir wollen die Ufa zukunftsfähig machen und unsere Innovationsfähigkeit weiter ausbauen. Wir wollen die kreativen Fähigkeiten unserer Labelchefs und ihrer Kreativteams noch stärker für die gesamte Ufa nutzen. Wir wollen ihre Energien für eine genreübergreifende Entwicklung von neuen Ideen, Formaten und Programmen entfesseln und uns neben dem klassischen Development auf die neuen inhaltlichen Anforderungen des digitalen Marktes einstellen. Sie wissen, dass unsere Geschäftsführer keine Manager sind, die Manager managen, vielmehr entwickeln sie fortwährend selbst Programmideen, verkaufen und produzieren ihre Visionen. Nehmen wir die zweite Kreativebene dazu, haben wir einen relativ großen Kreis von vierzig bis fünfzig herausragenden Programmmachern, die wir nun genre- und medienplattformübergreifend in einen neuen Ideenentwicklungsprozess einbinden. Tatsächlich werden an uns immer komplexere Aufgaben herangetragen, von unseren bestehenden Kunden, den Fernsehsendern, aber auch von neuen Spielern im Markt wie Hulu, Netflix oder auch Apple und Youtube, die Interesse an Inhalten haben. Diese komplexen Anforderungen müssen mit komplexen Lösungen beantwortet werden.

Und wie sieht das dann genau aus?

Das Führungsteam der Ufa hat eine tiefgreifende Neuorganisation für das Unternehmen entwickelt. Wir werden die neue Ufa in drei Produktionseinheiten gliedern: einmal in den Bereich "Entertainment", zum Zweiten in den Bereich "Daily Drama", und zum Dritten bündeln wir die Fiktionlabels für Kinofilm, Serien, Fernsehfilme und Event-Produktionen in einer "Fiction Unit". Wir werden unsere sehr gut eingeführten Einzelmarken weiter nutzen, gleichzeitig aber die entstandenen Parallelstrukturen, die es bei einzelnen Ufa-Labels gab, besser zusammenführen. Phoenix Film ist von dieser Maßnahme noch ausgenommen, weil es sich um eine Beteiligung der Ufa handelt. Wir haben vor unserer Umorganisation eine Studie über die Zufriedenheit unserer Kunden durchgeführt, die darlegt, dass Fernsehsender von Produzenten zunehmend multimediale Lösungsangebote für Programme erwarten. Bei insgesamt sehr positiver Bewertung unserer Leistungen ergab sich, dass die Sender durchaus den Wettbewerb der Ideen aus unserem Haus schätzen. Den ihnen gegenüber ausgetragenen Wettbewerb unserer einzelnen Labels untereinander dagegen weniger. Das haben wir begriffen.

Welche Konsequenzen hat das?

Die Erneuerungsprozesse werden sich auf zwei Ebenen vollziehen. Einmal auf der Ebene der drei bereits genannten produktionsspezifischen Einheiten und zum anderen auf der Ebene von neu zusammengesetzten Kreativteams, die unter Anleitung der Geschäftsführer jeweils bestimmte Zukunftsthemen bearbeiten. Wir vernetzen also unsere kreativen Köpfe in einem Entwicklungsprozess, der auch ganz andere Ideen als bislang hervorbringen kann. Schon im heutigen Fernsehprogramm sehen Sie ja, dass Mischformen Konjunktur haben. In den erfolgreichen Castingshows finden wir zunehmend dramaturgisch komponierte Backstories der einzelnen Kandidaten. Bei Realityformaten oder Doku Soaps finden Sie die Variante der Scripted Reality, und Sie finden vor allem Zusatzangebote zu Programmen auf den sogenannten Second Screens. Nutzer, die sich etwa "GZSZ" anschauen, kommunizieren parallel auf einer Social Community Website und nutzen Zusatzinformationen über ihre Lieblingscharaktere. Und wenn sich nun zudem neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Programmaggregatoren im Online-Bereich ergeben, sehen Sie die Anforderungen, die wir zukünftig bewältigen wollen. So haben wir gerade in einem europaweiten Pitch zwei Themenkanäle bei Youtube gewonnen, die wir zukünftig als Produzenten ausgestalten wollen. Oder denken Sie an unser Transmediaprojekt "Wer rettet Dina Foxx?" - eine Kriminalgeschichte, die im ZDF beginnt und im Internet unter Beteiligung der Nutzer fortgeführt wird.

Gibt es die Ufa Cinema, die Ufa-Fernsehproduktion, die Unterhaltungstochter Grundy Ufa, die Serien- und Spielfilmschmieden Phoenix Film oder Teamworx dann nicht mehr?

Die Markennamen bleiben erhalten. Sender kaufen ihre Programme nicht bei einer Firma, sondern bei begabten Produzenten. Es gibt im Wesentlichen zwei kritische Erfolgsfaktoren, die über Erfolg oder Misserfolg eines Produktionsunternehmens entscheiden. Zum einen die überlegene Fähigkeit, Ideen, Formate und Programmkonzepte für unterschiedliche Zielgruppen und Nutzungsarten zu kreieren. Zum anderen, das daraus entstehende Programm in bester Qualität zu niedrigstmöglichen Kosten zu realisieren. In beiden Bereichen wollen wir uns noch weiter verbessern.

Was bedeutet das denn für Ihre Geschäftsführer, die Freiräume und Verantwortung bekanntlich sehr schätzen? Ihr Umbau klingt nach einem Mammutprozess, bei dem am Ende einer im großen Kreis eine Idee hat und 39 oder 49 andere reden ihm oder ihr dann rein.

Das wäre eine Albtraumvorstellung. Nein, im Gegenteil. Kreative Freiräume und persönliche Verantwortung werden nicht nur erhalten, sondern sogar gestärkt. Wir wollen einerseits als Führungsteam die Innovationsprozesse für die Entstehung erfolgsträchtiger Programmkonzepte noch besser steuern, und wir wollen noch stärker als bisher gemeinsam programminhaltliche Debatten führen. So zum Beispiel ganz aktuell zu der Frage, mit welchen Stoffen unser Angebot an internationalen Drama-Serien vergrößert werden kann. Oder etwa welche Konsequenzen sich aus verändertem Nutzerverhalten für unsere bestehenden Programme ergeben. Im Markt sehen wir heute eine Vielzahl neuer Partner auf uns zukommen, die Programmbedarf anmelden. Die Anzahl der entwickelten Projekte wird sich deshalb in der nächsten Zeit deutlich steigern müssen. Zudem sehen wir heute mehr denn je die Notwendigkeit, Ideen nicht mehr nur auf Papier, sondern über vorproduzierte Projektpiloten anzubieten. Also 10 bis 15 Minuten auf eigenes Risiko produziertes Material, das die Vision des Konzepts emotional und sinnlich wahrnehmbar macht. Wir wollen zudem unsere kreativen Köpfe noch stärker in die unternehmerische Verantwortung nehmen. Das Anforderungsprofil für unsere Produzenten heißt in Zukunft "Creative Entrepreneur", es umfasst die komplette Bandbreite produzentischer Tätigkeiten, also von der Fähigkeit, Ideen und Formate zu entwickeln, über deren Verkauf bei den jeweiligen Partnern bis zur erfolgreichen Umsetzung der jeweiligen Produktion. Zudem erhalten unsere Creative Entrepreneurs eine klare Verantwortung für Etat und Deckungsbeitrag. Wir schaffen damit Anreize für viele Kreative, selbst Unternehmer in unseren Unternehmen zu werden.

Wenn Sie von solchen Parallelstrukturen sprechen, klingt es so, als würden Sie Leute entlassen.

Wenn man ein Unternehmen so durchschüttelt, wie wir das gerade tun, sind alle Möglichkeiten offen. Wir werden sicher Strukturen verschlanken oder zusammenführen. An anderer Stelle werden wir aber auch neue Talente in unser Unternehmen holen.
Und Ihren Unternehmenssitz in Potsdam bauen Sie auch um.
Wir werden alle Unternehmenseinheiten, die bislang in Berlin verteilt sind, nach Potsdam holen. Dies gilt nicht für die Phoenix Film. Die Grundy Light Entertainment bleibt selbstverständlich in Köln. An unserem Hauptsitz gestalten wir eine Architektur, die unsere neue Kommunikationsstruktur aufnimmt und unser optimiertes Innovationsmanagement unterstützt. Wir wollen unser Unternehmen also in inhaltlicher wie auch in baulicher Hinsicht für unsere digitale Zukunft ausgestalten
.

[2Im "Original" sind auch für alle Filmtitel Links eingestellt.


 An dieser Stelle wird der Text von 4749 Zeichen mit folgendem VG Wort Zählpixel erfasst:
e794180ffcac3baa798152de3154bb