Digital Innovators’ Summit (II)

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 19. Januar 2015 um 15 Uhr 23 Minuten

 


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Dieser zweite Tag beginnt bereits um 8:30 Uhr mit einer gut besuchten Pressekonferenz, an der mit aktiven Beiträgen teilnehmen:
— Christoph Schuh, Vorstand Tomorrow Focus AG
— Dr. Christoph Fiedler, GF Europa- und Medienpolitik im VDZ.
Ebenfalls anwesend: Alexander von Rebnitz, GF "Print Advertising and Digital Media" im VDZ.

Um einen ebenso komplexen wie interessanten Zusammenhang in einer kurzen Formel zusammenzufassen: die in den letzten Jahren auf dieser Tagung thematisierten Fragestellungen sind das Ergebnis einer insgesamt erfolgreichen Migration des klassischen Verlagsgeschäftes in die digitale Welt.

Die Frage, ob sich ein Verlag in Richtung der digitalen Medien zu bewegen habe, ist längst durch die Frage nach dem "Wie" ersetzt worden.

Mehr noch, selbst dieses "Wie" ist nicht mehr nur das Suchen nach neuen Wegen und Möglichkeiten im Sinne eines "Wie bitte...", sondern das Versprechen von Lösungen, "wie" man diesen neuen Herausforderungen Herr werden kann.

Wobei auch klar geworden ist: diese Lösungen lassen sich nicht mehr allein aus dem Blickwinkel eines genialen Herrn und Meisters der Verlagsgeschäfte definieren.

Aus Axel Springer ist heute ein Konzern geworden - und Hubert Burda bereitet seinen Konzern auf eine damit vergleichbare Entwicklung vor.

Die bereits am Vortag von Springer genannten Zahlen werden an diesem Morgen nochmals im wesentlichen bestätigt: das Geschäft mit digitalen Gütern hat bereits heute das Geschäft mit den realen Gütern überflügelt, oder wird dieses demnächst tun.

Auch bei Burda betrug der Anteil an der digitalen Vermarktung - in Bezug auf den Gesamtumsatz im Jahr 2011 von 940 Millionen Euro - bereits im Jahr 2011 44%.

Diese Zahlen sprechen eine klare Sprache - einerseits. Lassen aber - andererseits - ausser Acht, dass es bei diesen neuen Geschäften nicht mehr länger "nur" darum geht, die klassischen Verlagsinhalte auf neuen Medien und in neuem digitalen Gewand in den Vertrieb zu bringen. Übersehen wird dabei gerne, dass viele der neuen Umsatzfelder aus Genres abgeleitet werden, die mit der klassischen Aufgabe eines Verlegers / eines Verlages nicht mehr viel gemein haben.

Ebenfalls noch nicht geklärt ist der Umstand, dass die Hinwendung der Verlage in Richtung sozialer Netzwerke noch lange nicht bedeutet, dass man damit wirklich eine Lösung für die zukünftig anstehenden Herausforderungen gefunden hat.

Vielmehr läuft man hier - durchaus erfolgreich - einem Trend hinterher und merkt offensichtlich gar nicht / oder noch nicht, dass man sich damit einer Reihe der ureigenen Tugenden und Qualitäten entledigt, ohne sie durch neue wertstiftende Entwicklungen ersetzt zu haben.

Nicht nur, dass die grossen Verlage ihre klassischen Kompetenzen kannibalisieren, sondern dass sie Gefahr laufen, auch in der Folge dieses Prozesses selber gefressen zu werden - von ihren eigenen Nutzern und dann letztendlich auch von ihren Kapitalgebern.

Ein weites Feld an Fragen, das nicht allein im Rahmen einer solchen PK noch in dem sich anschliessenden zweiten Tag dieser Veranstaltung erschöpfend wird behandelt werden können. Und das dennoch in seiner Ausstrahlung nicht nachlassen wird, Einfluss zu nehmen auf die weiteren Entwicklungen.

Hiernach zunächst ein Überblick über das - in kursiv gesetzte - Programm dieses Tages, gespickt mit einer Anzahl von on the fly entstandenen Anmerkungen und Kommentaren:

Moderator:
- Mike Hewitt, Master of Ceremonies
MD, Adaugeo Media, UK

09:00 - 10:10
Interactive Advertising and Marketing

Selling online advertising inventory at a decent rate is still a challenge. Publishers need to create attractive offerings and be pro-active in selling these. Hear different industry perspectives on ways publishers can increase revenue by providing advertising and marketing products and services that advertisers want.

- Andy Seibert
President, Dow Jones Content Lab & SmartMoney, USA

- Floris Cobelens
Head of Digital Team, Heineken, Netherlands

- Florian Haller
CEO, Serviceplan, Germany

10:10 - 10:55
Determining and Monetizing Your Audiences

Your audience is your most valuable asset – and you want to monetize this audience yourself, rather than let others reap the benefits. Software services and private ad exchanges can help you manage and safeguard your precious data and optimize the monetization of your audience.

- Ben Barokas
President & Co-Founder, AdMeld, USA

Die wichtigste seiner Aussagen: Die Monetarisierung der aktuell zur Verfügung stehenden digitalen Medieninhalte ist immer noch nicht ausreichend, weder in der Tiefe noch in der Breite.
Er schlägt neue Verfahren und Methoden vor, hier einiges zu tun, zumal abzusehen ist, dass nach und nach alle Medien als digitale Vorlagen bereitstehen werden.
Der besondere Kick seines Statements: (auch) seine Gesellschaft sei inzwischen von Google gekauft worden. Und die sich jährlich verdoppelnden Umsatzzahlen sprächen ihre eigene Sprache.

- Gordon McLeod
President, Krux, USA

Er stellt zunächst seine neue Gesellschaft vor. Es geht auch bei ihm um neue Monetarisierungsstrategien der Datenströme, aus dem privaten wie aus dem geschäftlichen Umfeld.

Und bei der Bewältigung dieser Aufgaben gehe es, einmal mehr, um die Vertrauensbeziehungen im Netz: Um den Aufbau und die Vermittlung von Plattformen, die sich auch langfristig als vertrauenswürdig erweisen müssen.

10:55 - 11:00
100 Second Sponsor Pitches

Chances and challenges in mobile advertising and the role of the smartphone as a digital pocket knife
- Jascha Samadi, Managing Director & Founder, apprupt

Live-Analytics – From Realtime Tracking to Realtime Optimisation
- Christian Sauer, CEO, Webtrekk

11:05 - 11:40
Speakers’ Forum - at Lunch / Break room

11:05 - 11:20
Atex

11:20 - 11:35
Welcome a new Channel in your marketing mix - The Real World
- Olga Getsko, European Sales Executive, Aurasma

11:40 - 12:00
Digital Trends for Publishers – Perspectives from Israel
- Danny Cohen
Partner, Gemini Fund, Israel

In his presentation Daniel Cohen will be briefly covering the Israel startup environment and some of the current trends he is seeing as it relates to new startups and innovation. After that short introduction he will talk about the key innovation clusters that are relevant to the digital publishing world and finalize with 3-4 examples of great Israeli companies that represent relevant key innovations.

12:00 - 12:25
Mobile Strategy and Best Practices

Yes, your users need to be able to access your content and offerings anywhere – but how do you balance the high investments this area can demand and the fact that it is still hard to monetize? Do you really need to offer a native app for every device out there; do you have to offer tablet apps loaded with features? How high should mobile even be on your list of strategic priorities? Hear how a publisher pursues mobile in a practical and ROI-minded, yet highly innovative way.

- Ulla McGee
Vice President Mobile Products, IDG Consumer & SMB, USA

Ihre beiden Kernthesen:

— Man muss über die bevorstehenden Veränderungen reden.
— Man muss das ganze Thema in seiner Umsetzung sehr einfach erscheinen lassen. [1]

1998 war das erste Ziel, das ganze Magazin mit dem gleich Look auf möglichst einer Online-Seite zusammenzuführen. Heute ist die Ansicht "online-compatibel" und mit facebook und twitter vernetzt.

Die Frage, die bleibt, lautet: "How do we stay relevant"?

Um diese Frage zu beantworten, sind vom Hause die folgenden Thesen aufgestellt worden:
— die Inhalte werden auf vielen unterschiedlichen Wegen wahrgenommen werden
— die Inhalte werden mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten verteilt werden
— die gedruckten Ausgaben werden nicht verschwinden
— der Nutzer der Inhalte wird sich in seinem Verhalten deutlich verändern

Schon in den nächsten Jahren werden über 50% und mehr über "mobile devices" distribuiert werden. Und für diese Zeit ist es wichtig,
— möglichst mit den standard web development tools zu arbeiten
— so einfach als möglich zu sein und zu bleiben: "keep it simple"
— Apps müssen auch gefunden und am Leben gehalten werden
— diese Dienste haben einen hohen "Pflegebedarf"
— die Websites für mobile Anwendungen bedürfen eines eigenen Designs
— Outsourcing ist gut, um Neues erproben und ggf auch schnell scheitern zu können
— core competencies sollten nicht outgesourced werden.

12:35 - 12:50
Speakers’ Forum - at Lunch / Break room

Changes and challenges in mobile advertising and the role of the smartphone as a digital pocket knife
- Jascha Samadi, Managing Director & Founder, apprupt

13:40 - 14:00
Storytelling for tablet devices (engagement and usability)

Tablets are becoming the device of choice for media consumption and digital
entertainment. The tablet market also provides publishers with new ways to
engage consumers with multimedia narratives, visuals and previously stagnate content. In this session, Josh Koppel, Chief Creative Officer of ScrollMotion will discuss the best way to engage the tablet audience with interactive storytelling; along with the key elements and guidelines, effective processes, necessary skill sets and illustrative examples from past work.

- Josh Koppel
Founder, Scroll Motion, USA

Nur 1 % des Umsatzes wird derzeit auf Tablet-Computern generiert. Und dennoch wird diesem Thema ein ganzer Nachmittag gewidmet. _ Warum: die Zukunft liege in rich interactive multimedia content, so die These des Referenten.

In seiner Präsentation - direkt aus dem tablet heraus - zeigt er eine Reihe von Beispielen, in denen Inhalte von hoher Dynamik und Dichte vorgeführt werden.

Engaging or confusing? Am Beispiel des GE-Reports wird gezeigt, mit welchen neuen Mitteln diese Geschichte eines neuen Mediums erzählt werden kann.

14:00 - 14:20
Tablet usage, measurement and analytics

Mobile is becoming quickly the main point of access to the Internet, and apps, web sites and widgets all provide possibilities to gain attention from the mobile audience. Mobile has also created a powerful channel for highly targeted advertising. Dr. Hannu Verkasalo, head of Arbitron Mobile, will showcase how the mobile audience of today use apps, access various contents and react to advertising by using the data from its global mobile passive metering panels.

- Hannu Verkasalo
Senior Vice President, Arbitron Mobile, Finland

Sein Thema lautet: "Metering Mobile Usage".
We operate the biggest mobile metering panels.

Der weitere Verlauf dieser Präsentation ist nichts anderes als ein qualified sales pitch. [2]

Add-on apps: 86% on smartphones, 78% on tablets. Der Rest ist Browsing. Smartphones werden mit "utility-driven" qualifiziert, tablets mit "content driven applications".

Interessant sind dann aber doch die Daten, die zumindest in Kurzform dem Publikum vorgestellt werden. [3]

14:20 - 15:20
Tablet and Web Apps – Development, Distribution, and Monetization

Now that we have had the iPad for two years, what are publishers’ experiences with putting content on tablets? How do people want to consume and experience content on a tablet, and what and how do publishers offer this? Is it necessary to build elaborate, work intensive native apps or can you go with a more template based approach or web apps? Can HTML5 alone be the answer? And how do publishers sell or distribute their tablet content – do publishers need to use external newsstands or app stores, or can they “go it alone”? Our panel of publishers and other experts promises a lively discussion of the different aspects of the hot topic of tablet publishing.

Moderator:
- Joachim Stephan
Partner & MD BCG, Germany

Sein Ziel ist es, mit verschiedenen Mythen rund um das Thema der Tablet-Nutzung aufzuräumen.

— Die Rolle der Tablets sei überbewertet. Sie werden keinen Massenmarkt bespielen.
— 
—  [4]

- Georg Konjovic
Director Premium Content, Axel Springer, Germany

- Peo Strindlund
VP of Sales Europe + Asia, Bonnier/Mag+, Sweden

- Andreas Hollstroem
Business Development Manager - EMEA, Digital Publishing Adobe Systems Incorporated

Wie in der Anmerkung ausgeführt, war es eine Zeitlang nicht möglich, den Rechner für die Schreibarbeit zu nutzen, aber ein Satz sei hier zumindest aus dem Gedächtnis zitiert, den Andreas in etwa wie folgt gesagt hat:
Auch das PDF - Format werde irgendwann sein end-of-life-circle erreicht haben. Aber wann, dass könne er natürlich auch nicht sagen.

15:20 - 15:50
Social Media 2020:
Challenges and Opportunities for Publishers

- Prof. Sree Sreenivasan
Dean of Student Affairs, Columbia Graduate School of Journalism, U.S

With so much hype and useless noise around social media, it’s easy to be confused about how to handle it. Sree Sreenivasan, who teaches this topic at Columbia Journalism School and has a brand-new blog on social media at CNET News, will attempt to clear the air and leave you with clear, simple, big-picture ideas and practical, hands-on tips.

My first time in Germany in 35 Years, so sree@sree.net. Und I’m a huge fan of the magazine-business.

Er bezieht sich auf eine Reihe von Erfahrungen, die er mit dem iPad und mit dem Samsung-Android-Tablet gemacht habe.

Er zeigt das erste US-Magazin, das einen hashtag auf dem Cover abgedruckt hat. Und er sagt, dass es das in Zukunft mehr und mehr geben werde. Gehe es doch darum, das Digitale und das Physische zu verschmelzen.

Sein Vortrag ist Erfahrungswissensvermittlung und die Arbeit eines Evangelisten zugleich. Das ist reizvoll, aber auch gefährlich. Es gelingt ihm, nicht nur die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen, sondern auch das Publikum im Saal zu motivieren mitzumachen.

Er spricht von dem Dirty Secreet of Social Media:

"Almost everyone will miss almost everything you do on social media".

Und: Das Wichtigste, um neue Abonnenten zu finden, besteht in der der Aufgabe, die schon bestehenden Kontakte glücklich zu machen!

Dazu sollten sich die Verleger mit aktuellen Produkten wie SocialFlow bekannt machen.

WIRD MIT EINEM ERWEITERTEN KOMMENTAR SPÄTER FORTGESETZT.

15:50 - 15:55
Closing Statement

- Stephan Scherzer
CEO, VDZ, Germany

" A brand is as promise cept "

15:55 - 16:00
Summary and Adjournment

Anmerkungen

[1Das Schöne an diesem Vortrag: dass er in der Gestaltung der Power-Point-Präsentation eben diesen zuvor angesagten Prinzipien folgt. WS.

[2Dieser Satz hätte schon an früherer Stelle stehen können. Auch wenn er allenfalls einen kritischen Wert hat für jene, die sich gegen gutes Geld für eine Teilnahme an dieser Veranstaltung eingekauft haben.
Das Positive ist sicherlich, dass an diese Stelle ein breiter und vielfältiger Überblick über aktuelle Lösungsansätze der Vermarktung digitaler Dienste und Inhalte angeboten wird. Und es mag auch als positiv gewertet werden, dass der Markt heute "reif" zu sein scheint für solche marketingbetonten Aussagen.
Wer aber über den Tellerrand des nitty gritty hinausschauen will, hat dazu am ehesten Gelegenheit, dies am Rande der Präsentationen in den Mittags- und Kaffee-Pausen zu tun.

[3Sobald diese Vorträge ins Netz gestellt sein werden, lohnt sich an dieser Stelle auch hier ein Einblick in diese Darstellung.

[4Der Fortgang der Berichterstattung ist an diesem Punkt nicht mehr möglich gewesen. Der Rechner, auf dem diese Zeilen eingetippt werden, benötigte Strom. Aber die Steckdosen auf der Galerie konnten aufgrund des Einspruchs eines Sponsors nicht genutzt werden.
Er macht auf ebenso freundliche wie unmissverständliche Art und Weise darauf aufmerksam, dass er auch den Strom für viel Geld eingekauft habe und es aus seiner Sicht daher angemessen sei, ihn vor der Nutzung zumindest um Erlaubnis zu bitten...
Wenn dem wirklich so ist, dann sei an dieser Stelle ein Dank an das Haus und den Dienst der Deutschen Telekom AG ausgesprochen, die für die zwei Tage ein einwandfrei funktionierendes W-Lan zur Verfügung gestellt hat.


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