DLM-Symposium: Connected TV

VON Dr. Wolf SiegertZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 19. Januar 2015 um 15 Uhr 27 Minuten

 

"Connected TV
Medien und Regulierung in der vernetzten Fernsehwelt"

lautet das Thema des diesjährigen DLM-Symposiums, zu dem Thomas Fuchs, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), einlädt:

Online-Videodienste und andere Abrufangebote sind in zunehmendem Maße auf dem Fernsehbildschirm verfügbar. Analysten rechnen bis Mitte des Jahrzehnts weltweit bereits mit 500 Millionen internetfähigen Fernsehgeräten. Schätzungen für Deutschland gehen davon aus, dass bis zu diesem Zeitpunkt etwa die Hälfte der Haushalte direkt über ihren Fernseher oder indirekt über externe Geräte wie Spielkonsolen oder Blu-ray-Player an das Internet angeschlossen sind.

Der Fernseher könnte sich zu einer Art „Super-Medium“ entwickeln – vernetzt, sozial und interaktiv, multifunktional und individualisiert. Die neuen Möglichkeiten des Internets verheißen dabei dem klassischen Fernsehen Chancen für eine Erweiterung von Inhalten, Formaten und Diensten und Vorteile für die Verwertung.

Die Kernfragen des DLM-Symposiums 2012 lauten daher: Wie entwickelt sich die Vernetzung von TV und Internet – welche neuen Angebotsformen der Fernseh- und weiterer auf den Bildschirm drängender Anbieter zeichnen sich ab? Werden Zugang, Platzierung und Auffindbarkeit auf dem Bildschirm zunehmend durch Hersteller, Plattformbetreiber und andere Marktteilnehmer bestimmt? Wo stehen die klassischen TV-Programmanbieter, welche Chancen und Risiken eröffnen sich ihnen? Werden sie durch die Regulierungsdichte im Rundfunk benachteiligt? Wie muss die Medienpolitik auf Connected TV reagieren – welche Aspekte sind konkret betroffen? Ergibt sich besonderer Regulierungsbedarf in der hybriden Fernsehwelt im Hinblick auf Werbung? Diesen Fragen will das DLM-Symposium auf der Basis einer aktuellen Bestandsaufnahme nachgehen.

Das Symposium wendet sich an Vertreter und Vertreterinnen aus Medienwirtschaft und Medienpolitik, von privaten und öffentlich-rechtlichen Rundfunkanbietern, an Mitarbeiter und Gremienvertreter der Landesmedienanstalten, Wissenschaftler sowie die Redaktionen von Rundfunk und Presse.

Herzlich willkommen.


Nachfolgend findet sich das letztendlich gültige Programm mit dem Ablauf dieses Tages - in kursiver Schrift - sowie diejenigen Texte, mit denen das Symposium in der sich zeitnah anschliessenden Presseaussendung zusammengefasst wurde - und zu guter Letzt ein Kommentar des Autors und Herausgebers.


Tagesmoderation:
- Susanne Stichler
NDR-Moderatorin und Journalistin, Hamburg

10:30 Uhr
Auftakt
Begrüßung
- Thomas Fuchs
Vorsitzender, Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), Berlin

"Zum Auftakt des siebten DLM-Symposiums hat sich der Vorsitzende der Direktorenkonferenz
der Landesmedienanstalten (DLM), Thomas Fuchs, erfreut
über den Zuspruch gezeigt, den das Thema „Connected TV: Medien
und Regulierung in der vernetzten Fernsehwelt“ erhält. Die mehr als 350 Anmeldungen zeigten, wie sehr das Verschmelzen von Fernsehen und Internet alle Akteure umtreibt.

In seiner Eröffnungsrede sprach Fuchs sich für eine möglichst schnelle Reform
des deutschen Medienkonzentrationsrechts aus und bedauerte, dass
das Thema offenbar von der Medienpolitik wieder vertagt wurde. „Das geltende
Konzentrationsrecht ist sehr weitgehend auf das Fernsehen fokussiert,
die neuen Akteure wie Plattformanbieter und Internet-Dienstleister
berücksichtigt es nicht. Wir brauchen eine ausdrückliche Definition der
medienrelevanten Märkte im Rundfunkstaatsvertrag und ein transparentes
Verfahren zur Ermittlung ihrer Relevanz für die Meinungsbildung“, so
Fuchs. „Gerichtsurteile werden die Probleme einer konvergenten Medienlandschaft
nicht lösen können.“ Der föderale Gesetzgeber dürfe seinen Gestaltungsanspruch
in rundfunkpolitischen Fragen nicht aufgeben.

Thomas Fuchs begrüßte, dass die Länder die von der DLM beförderte Debatte
zur Anreizregulierung aufgegriffen haben: „Wir haben nach der Präsentation
eines Gutachtens beim letzten DLM-Symposium das Thema in
Gesprächen mit den Fernsehveranstaltern und der Politik vorangetrieben
und mit einem Gesetzgebungsvorschlag konkretisiert. Wenn nun die Rundfunkkommission
der Länder die Anreizregulierung bis zum Sommer weiter
verfolgen möchte, ist die DLM gerne bereit, daran mitzuarbeiten“, sagte
Fuchs.

Außerdem informierte der DLM-Vorsitzende darüber, dass die Medienanstalten
am 21. März einstimmig beschlossen haben, die Geschäftsstellen
der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK)
und der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) sowie die Aufgaben
der Stabsstelle der KJM in der Gemeinsamen Geschäftsstelle der Medienanstalten
in Berlin zusammen zu führen.

„Die neue Struktur ist das Ergebnis einer gelungenen Selbstorganisation
föderaler Zusammenarbeit, die die Gemeinschaft stärkt und gleichzeitig
die Zuständigkeiten in den Ländern wahrt“, sagte Fuchs. „Sie stärkt auch
die Stimme der Medienanstalten angesichts anstehender Herausforderungen,
wenn Regulierungsentscheidungen zunehmend auf nationaler und
europäischer Ebene getroffen werden und wichtige Medienunternehmen
ihre Dienste und Inhalte im Internet grenzüberschreitend anbieten.“ Die
Integration der Geschäfts- bzw. Stabsstellen von KEK und KJM in die Gemeinsame
Geschäftsstelle soll zum 1. September 2013 abgeschlossen sein."

10:45 Uhr
Keynote
Fernsehen in der vernetzten Medienwelt der Zukunft
- Richard Kastelein
CEO, Agora Media Innovation (AMI), London
 [1] [2]

"Richard Kastelein, CEO von Agora Media Innovation aus London, präsentierte in seiner Keynote die Perspektiven des Fernsehens in einer vernetzten Medienwelt. Lineares Fernsehen wird nach seiner Einschätzung nicht verschwinden, sondern weiterhin eine große Rolle spielen und durch Cloud-Dienste überall verfügbar sein. Es müsse sich allerdings verändern, um seinen Platz im Markt zu behaupten. In Zukunft werden TV-Angebote, so die Prognose von Kastelein, mehr auf die Partizipation der Nutzerinnen und Nutzer setzen und sich immer mehr auf Live-Ereignisse und andere große Events konzentrieren.

Außerdem betonte der Londoner Experte die wachsende Bedeutung der Nutzung von sogenannten „second screens“ wie Tablets oder Smartphones. Kastelein erwartet, dass die Nutzung dieser Endgeräte parallel zum TV-Konsum weiter zunimmt. Die Fernsehanbieter müssten sich künftig ihre Gatekeeper-Rolle im Wohnzimmer mit neuen Akteuren aus der Hardware- und Telekommunikationsindustrie teilen und sich mit den großen Internetunternehmen auseinandersetzen, die ebenfalls Gatekeeper-Funktionen übernehmen würden. Die Vernetzung von TV und Internet werde dazu führen, dass sich die Art und Weise, wie Fernsehangebote gefunden und genutzt werden, grundlegend ändert. TV-Unternehmen müssten den „second screen“ erobern und mit Blick auf ihre Vermarktungsmodelle schneller und flexibler agieren. „In der digitalen Welt ist der 30-Sekunden-Spot tot“, so Kastelein.

Das Festhalten an alten Geschäftsmodellen hält Kastelein mit Ausnahme des Live-TV für aussichtslos. Die traditionellen Modelle der Rechtevergütung innerhalb von Verwertungsfenstern hätten keine Zukunft. Es gelte, neue Erlösformen wie Micropayment auszuprobieren und direkte Beziehungen zu Marken und zu den Verbrauchern aufzubauen."

11:15 Uhr
Vortrag
Trends, Perspektiven und Potenziale für Connected TV
- Dr. Bertold Heil
Director Broadcast & Online Media, BearingPoint Management & Technology Consultants, Düsseldorf

" [...] betonte in seinem Vortrag, dass das innovative Potential von Connected TV vor allem in der Kombination einer technischen und ökonomischen Machbarkeit von interaktivem Fernsehen liegt. Connected TV erlaube es, Medienbrüche zu überwinden und Multiscreen Szenarien zu realisieren. Heil schilderte mit Blick auf die Fernseh-, Kabel- und IPTV-Anbieter sowie am Beispiel von iTunes mögliche Spielräume und Konfliktfelder bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle."

11:35 Uhr
Streitgespräch
Portalhoheit auf dem TV-Bildschirm – Regulierung gefordert?

- Conrad Albert
Vorstand Legal, Distribution & Regulatory Affairs, ProSiebenSat.1 Media, Unterföhring

" [...] ging es vor allem um die Weiterentwicklung von Kooperationen zwischen TV-Anbietern und Portalen, um den Markt des Connected TV zu erschließen. Wichtig sei es, den Nutzer in den Mittelpunkt zu stellen, der Markt definiere sich letztlich durch seine Wünsche. Albert betonte zudem, dass sich TV in einem globalen Wettbewerbsumfeld bewege, umgeben von neuen Akteuren, die keiner vergleichbaren Regulierung unterlägen. Wichtig sei, durch einen Abbau der Regulierung für die privaten Fernsehanbieter ein Wettbewerbsumfeld auf Augenhöhe zu schaffen."

- Dr. Hans Hege
Beauftragter für Plattformregulierung und Digitalen Zugang, Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK), Berlin

" [...] beurteilte die Vernetzung von TV und Internet sowie den neuen Plattformen positiv: mehr Angebote und erweiterte Nutzungsmöglichkeiten würden die Position des Verbrauchers verbessern. Es ginge um einen Wettbewerb um die besten Lösungen. Aufgabe der Medienanstalten sei es, für faire Spielregeln zu sorgen und zu verhindern, dass dominante Akteure ihre Marktposition zu Lasten Dritter ausnutzen."

- Dr. André Schneider
Head of Product Strategy, Samsung Electronics, Schwalbach

" [...] sah ebenfalls keinen zusätzlichen Regulierungsbedarf. Connected TV würde die Vielfalt erhöhen, weil zusätzliche Angebote auf den Fernsehbildschirm kämen. Schon heute bieten alle modernen Geräte über das lineare Fernsehen hinaus einen Zugang zu App-Portalen, einen offenen Webbrowser und HbbTV. [3] Bis Ende 2012 rechnet Schneider mit über zehn Millionen internetfähigen Fernsehgeräten in den deutschen Haushalten."

- Dr. Annette Schumacher,
Abteilungsleiterin Regulierung & Public Affairs von Kabel Deutschland
 [4]

" [...] unterstrich, dass die Kabelnetzbetreiber durch umfangreiche Investitionen die Voraussetzungen für hochleistungsfähige Internetzugänge geschaffen hätten. Jetzt ginge es darum, gemeinsam mit den Inhalteanbietern den neuen Markt zu erschließen."

Kurze Einführung und Moderation:
- Prof. Dr. Claus Sattler
Geschäftsführer, Goldmedia Innovation, Düsseldorf

13:20 Uhr

Keynote
Endlich vernetzt?
Wie sich Bildschirm-Werbung durch Connected TV verändert
- Dirk Fromm
CEO, PHD Germany, Frankfurt a. M.

13:40 Uhr
Podiumsdiskussion
Grenzenlos? Content und Werbung im hybriden Fernsehen
- Jean-Pierre Fumagalli
CEO, smartclip, Hamburg

"Jean-Pierre Fumagalli, CEO von smartclip, stimmte dem zu. Wenn der Markt durch internationale Player bestimmt werde, müsse sich die Regulierung ebenfalls länderübergreifend damit befassen. Die neuen Möglichkeiten für interaktive Werbung berührten auch Fragen des Datenschutzes, der ebenfalls nur dann wirken könne, wenn es darüber eine internationale Verständigung gebe. Die großen Player in der Online-Werbung seien weltweit tätig, allein auf Google entfielen in Deutschland Schätzungen zufolge rund 60 Prozent der Online-Werbeerlöse."

- Martin Krapf
Geschäftsführer, IP Deutschland, Köln

"Martin Krapf, Geschäftsführer von IP Deutschland, betonte, dass hybride Medien der Werbewirtschaft neue Möglichkeiten eröffneten, die neben die bestehenden treten. In der zielgerichteten Ansprache spezieller Kundengruppen lägen große Chancen. Daneben gebe es aber unverändert Produkte, für die in großen Medien mit einem großen Publikum geworben werden müsse. Letztlich komme es darauf an, die Wünsche des Zuschauers zu berücksichtigen, auch in der Werbung."

- Thomas Langheinrich
Beauftragter für Programm und Werbung, Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK), Berlin

"Auch für die Werbewirtschaft wirft hybrides Fernsehen Regulierungsfragen auf: Thomas Langheinrich, Beauftragter für Programm und Werbung der Kommission für Zulassung und Aufsicht der Medienanstalten (ZAK), wies darauf hin, dass Connected TV es durchaus möglich mache, zwei unterschiedlich regulierte Inhalte gleichzeitig auf einem Fernsehschirm zu empfangen. Eine regulatorische Überprüfung auf europäischer Ebene sei nötig, so Langheinrich."

- Dirk Fromm
CEO, PHD Germany, Frankfurt a. M.

"Der Nutzer wolle mehr Inhalte und suche neben Informationen im Fernsehen auch das emotionale Erlebnis, betonte Dirk Fromm, CEO von PHD Germany. Er hatte zuvor in einer Keynote aufgezeigt, dass Fernsehwerbung durch Connected TV das Potenzial erhalte, sich zum Präzisionsmedium zu entwickeln, das Nutzer persönlich und zielgerichtet adressieren könne. Er bezeichnete „T-Commerce“ als den „Verkaufskanal der Zukunft“, mit dem Expertenschätzungen zufolge im Jahr 2020 bereits 50 bis 60 Milliarden Euro erlöst werden könnten."

Moderation: Susanne Stichler

15:00 Uhr

Zwischenruf
Neue Medien, altes Denken? Anforderungen an eine moderne Rundfunk- und Netzpolitik aus internationaler Sicht
- Prof. Dr. Nico van Eijk
Professor of Media and Telecommunications Law, Director Institute for Information Law (IViR), Universität Amsterdam

"Eine regulatorische Krise hatte zuvor Professor Nico van Eijk konstatiert, Direktor des Institute for Information Law an der Universität Amsterdam: Die aktuellen Regulierungsvorgaben auf europäischer Ebene ergäben ein Patchwork-Muster, das für Connected TV kaum geeignet sei. Connected TV brauche eine Regulierung, die sich an der entstehenden konvergenten „information delivery chain“ orientiere, in der zwischen einer Informationsquelle und dem Nutzer verschiedene Transmissionsstufen und Rückkopplungsmöglichkeiten gegeben seien. In dieser neuen Wertschöpfungskette werde nicht zuletzt der Wahrung von Netzneutralität eine wesentliche Bedeutung zukommen."

15:20 Uhr
Abschlussdiskussion
Neue Medien, neue Realitäten – neue Ordnung
 [5]
- Jürgen Doetz
Präsident, Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), Berlin
- Thomas Fuchs
Vorsitzender, Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), Berlin
- Harald E. Trettenbrein
Stellvertretender Abteilungsleiter für Audiovisuelle und Medienpolitik, Generaldirektion Informationsgesellschaft und Medien, Europäische Kommission, Brüssel
- Dagmar Reim
Intendantin, Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), Berlin

Moderation: Dr. Christian Stöcker
Ressortleiter Netzwelt, SPIEGEL ONLINE

"RBB-Intendantin Dagmar Reim, VPRT-Präsident Jürgen Doetz und DLM-Vorsitzender Thomas Fuchs waren sich einig, dass man gemeinsam darauf hinwirken müsse, dass die Medienpolitik diese Forderungen auch auf ihre Agenda setzt. Angesichts der vielfältigen Veränderungen in den Medien müssten Ungleichgewichte beseitigt werden, um Handlungsspielräume der Inhalteanbieter zu erhalten und Chancengleichheit von Contentwirtschaft und Plattformbetreibern zu sichern.

Harald Trettenbrein aus der Generaldirektion Informationsgesellschaft und Medien der Europäischen Kommission bezeichnete die Medienregulierung als „fast moving target“, das kontinuierlich angepasst werden müsse. Auf europäischer Ebene gehe es darum, die Rahmenbedingungen zu definieren, die Details seien dann eine nationale Aufgabe. Auch die großen internationalen Konzerne, die sich in Mitgliedstaaten niedergelassen haben, müssten sich im Übrigen an die EU-Regulierung halten."

16:15 Uhr
Ende der Veranstaltung / Empfang



Wer sich tatsächlich auf dieser Seite bis zu dieser Textstelle durchgearbeitet hat [6], wird sich gefragt haben, warum dieser Text bislang nur aus - wenn auch autorisierten - Fremdzitaten besteht.

Das hat seinen guten Grund. Denn in diesem Fall wurde vom Autor zum Ende der Veranstaltung persönlich Flagge gezeigt und öffentlich das Wort ergriffen.

Da diese Stellungnahme aber bis zum Ende der 12. Kalenderwoche auf der Seite www.dlm-symposium.org/de/dokumentation.html noch nicht abgerufen werden konnte, hier als Ergänzung eine persönliche Stellungnahme des Autors vorab.

— Jetzt, wo die nationalen Regulierungen angesichts der neuen internationalen Inhalteanbieter und Plattformbetreiber immer weniger ausrichten können, ist es lobenswert, aber eben nicht ausreichend, die aktuelle Entwicklung als DLM nur "zu beobachten".

— Je weniger Regulierung noch effektiv möglich sein wird, desto wichtiger wird es sein, als Aufsichtsgremium des Privaten Rundfunks nicht nur nach Orientierung zu suchen - sondern sie auch geben zu können - und zu wollen.

— Nach der Vervielfachung der Angebote seit der Einführung und Zulassung von Kabel- und Satelliten-Sendungen in Deutschland und seit der Ausweitung dieser Angebotspalette durch die Explosion internationaler Angebote im Mobil- und IP-Sektor kommt es zu einer nicht mehr beherrschbaren Flut neuer Bild- und Tonquellen - auch auf mobilen Bildschirmen.

— Aus dem antagonistischen Gegenüber von öffentlich-rechtlicher und privater Rundfunkversorgung ist eine "Deutsche Content Allianz" geworden, die mit dem Austausch des Inhaltegedankens durch den "Content"-Begriff vorwegnimmt, was sie zu verhindern versucht: die Auflösung einer kulturellen Vielfalt, die selbst Rundfunk- und Medienräte nicht einmal gemeinsam werden schützen können.

— Der Ruf nach der Politik, das Beklagen ihrer mangelnden Handlungskraft und geringen Bereitschaft, sich den aktuell drängenden medienpolitischen Themen zu stellen, sollte möglichst nicht zu Momenten wie jener schon peinlich wirkenden argumentativen Schockstarre führen, wie sie uns an diesem Tag in ungewollt entlarvender Form auf dem Podium vorgeführt wurde.

— Es mag auch positiv gewertet werden, dass man es sich erlaubt hat, einmal die anstehenden Fragen so ganz und gar ohne vordefinierte Perspektive in den Raum einer solchen Veranstaltung zu stellen. Und dass die führenden Köpfe bereit waren, in persönlichen Aussagen Spekulationen über das weitere Vorgehen zu machen: vom "Anketten vor dem Bundeskanzleramt" bis hin zum DLM-Umbau.

— Aber wenn es stimmt, dass auch die Durchführung einer Veranstaltung wie dieser dazu beitragen soll, Orientierungshilfen aufzuzeigen - so wie von Direktor Dr. Hege selbst angesprochen - dann hat sie die Pflicht und Schuldigkeit, sich dieser Aufgabe auch mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zu stellen.

— Diese "zur Verfügung stehenden Mittel", das ist nicht nur das Geld: _ Das ist viel mehr als das Geld und der Status und die eigene Karriere und eine möglichst qualifizierte Mischung von technischem Sachverstand und Gutmenschentum, von juristischem Fingerspitzengefühl und gefühlter gesellschaftlicher Verantwortung...

— "Conncted TV" - das ist nicht nur die Verknüpfung des Fernsehers mit dem Internet, sondern das ist das gerade erst begonnene Ausloten von "Connected Transmedial Velocity": Das heisst, eines neuen Konglomerats von audiovisuellen Eindrücken, die in Zukunft immer weniger ihrem dreifaltigen Ursprung zugeordnet werden können - technisch (bezogen auf einen Carrier), formal (bezogen auf einen institutionellen Publisher / Contentaggregator) und urheberrechtlich (bezogen auf einen individuellen Contentprovider).

— Es gibt viel zu tun.
Wer packt es an?

WS.

Online ansehen : Connected TV - Medien und Regulierung in der vernetzten Fernsehwelt