Gabi †

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 18. Dezember 2016 um 14 Uhr 27 Minuten

 


© all rights reserved

Gabriele Fromm ist tot

Das darf nicht sein. Noch vor kurzem gesehen.

Immer noch hat ihre Kamera den Himmel im Blick


© Gabriele Fromm

und auf Erden den Autor samt ihrem Namen festgehalten.


© Gabriele Fromm

Doch auch mit diesen Zeilen kann er nicht an ihr festhalten.

Niemand von uns kann das.

Nicht einmal ihre Tochter,
die sie so dringend bräuchte wie niemand anders auf der Welt.


© all rights reserved

Wenn wir schon nicht verstehen, warum sie sterben musste, während sie schon zur Beobachtung im Krankenhaus war, wie soll es dann erst ihre Tochter verstehen können?


© Gabriele Fromm

Dieser Tod gibt keine Ruhe.
Er wirft Fragen auf, auf die wir alle keine Antworten haben.

Und dennoch: Wir müssen damit leben.
Und sie gehen lassen.

WS.
Sonntag, den 19. Februar 2012


Gabriele Fromm ist tot. Überraschend für jene, die noch ganz zuletzt mit ihr zusammen sein konnten, unfassbar für uns alle, die wir sie seit Jahren als aktive und zuverlässige, liebe Kollegin in unserem Verband schätzen gelernt haben. Dass sie schwer krank war, wussten wir nicht.

Vor vier Jahren wurde Gabi in den Vorstand gewählt, im April 2011 zur Schatzmeisterin. Mehr als zwanzig Jahre lang war die gelernte Fotojournalistin Mitglied im Berliner DJV. Bei die Berliner Morgenpost sammelte sie - nach ihrer Ausbildung im Lette Verein und abgeschlossenem Studium für Kommunikationswissenschaften - als feste Fotografin Erfahrungen in der journalistischen Bildberichterstattung, die sie dann auf ihrem weiteren beruflichen Weg nutzen konnte. Ihre Fotografien erschienen in Stern, Quick und anderen Berliner Tageszeitungen.

Die gebürtige Berlinerin hatte es mit ihrer lebhaften Art leicht, auch außerhalb des engeren Berufsfeldes sich neue Tätigkeiten zu erschließen. So als Dozentin an der Hochschule der Künste und aktives Mitglied bei den Unternehmerinnen plus, wo sie ebenfalls als Schatzmeisterin Verantwortung übernahm. Als sie 2006 zur Vorsitzenden des Bundesfachausschusses Bild im DJV gewählt wurde, waren wir besonders stolz auf sie.
Gabi hat diese vielfältigen Aufgaben übernommen und erfüllt und blieb dabei auch als Mutter immer gefordert. Wir haben sie bewundert, als wir diese Seite ihres Wesens kennen gelernt haben. „Palle“, ihre Tochter, die auch bei den fröhlichen Anlässen unseres Verbandlebens willkommen war, ist uns inzwischen ans Herz gewachsen. Auf ihrem roten Motorroller haben die beiden im vorigen Sommer eine fröhliche Reise an die Ostsee unternommen. Im vorigen Jahr wollte Gabi dann noch einmal intensiver in die Grundlagen ihres Berufs einsteigen und nahm ein Studium an der Fachhochschule in Magdeburg auf. Diesen Weg, wie manchen anderen, konnte sie nicht mehr zu Ende gehen.

Sie wurde nur 54 Jahre alt.

Peter Pistorius
Montag, den 20. Februar 2012


© Simone Ahrend

Gabi Fromm, Bildjournalistin in Berlin (1957-2012)

Gabriele Fromm, Bildjournalistin in Berlin. Abitur an der bilingualen John F. Kennedy School, Fotografieausbildung am Lette-Verein in Berlin, Hochschulstudium der Kommunikationswissenschaften. 15 Jahre feste freie Fotojournalistin der Berliner Morgenpost, bis zur Einstellung der eigenständigen Lokalteile und der Kündigung von über hundert festen freien Mitarbeitern. Danach tätig unter anderem für Firmenpublikationen, als Dozentin sowie als frei vermarktende Fotografin (unter anderem bei d-foto.net). Engagiert im Unternehmerinnenverband und im DJV auf Landes- und Bundesebene. Zwei Jahre Vorsitzende des DJV-Bundesfachausschusses Bildjournalisten, zuletzt im Vorstand des DJV-Landesverbandes Berlin aktiv. Fotoreportagen im In- und Ausland, darunter zuletzt auch eine Fotoreportage über Weißrussland, unter teils abenteuerlichen Umständen trampenderweise erstellt.

Aus: Bildjournalisten.
Rund um den Bildjournalismus als Beruf, vom 23. Februar 2012


Bernd Lammel, Vorsitzender des DJV Berlin
in der Mitgliederinfo 02-12, Redaktion: Klaus Kundt, vom 27.02.12

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
völlig unerwartet ist unsere Schatzmeisterin Gabi Fromm am 14. Februar verstorben. Sie hatte bis zu
dem kurzen Krankenhausaufenthalt ihre übernommenen Pflichten im DJV Berlin ohne Klagen und mit
großem Engagement erfüllt. Mit großer Sorge hatten wir den Kontakt auch in den wenigen Tagen im
Krankenhaus mit ihr gehalten - so lange bis ihr das Sprechen schon zu viel Kraft nahm.
Mit der plötzlichen Nachricht von ihrem Tod stießen wir an die Grenzen unserer Vorstellungskraft. Der
Vorstand verliert mit Gabi Fromm eine Schatzmeisterin, die in ihrer Loyalität zu unserem Verband ein
Vorbild für alle anderen Vorstandsmitglieder war. Der DJV Berlin hat eine Persönlichkeit verloren, die
immer bereit war, dann Verantwortung zu übernehmen, wenn für den Verband viel auf dem Spiel
stand. Der DJV Berlin und der Bundesfachausschuss Fotojournalismus haben ihr viele Anregungen und
Aktivitäten zu verdanken. Gabi wird uns fehlen!


Trauer um Gabi Fromm

Wir sind bestürzt und fassungslos über den frühen und für uns unerwarteten Tod unseres Mitglieds Gabi Fromm. Die Berliner Fotografin hat unserem Netzwerk in den vergangenen Jahren wichtige Anstöße gegeben.

Gabi Fromm hatte wesentlichen Anteil daran, dass der Bereich Foto bei n-ost im vergangenen Jahr neu belebt wurde. Bei der schwierigen Entscheidung, ob die Durchführung einer Medienwerkstatt in Minsk angesichts massiver Repressionen in dem Land möglich und legitim ist, war sie als intime Kennerin des Landes eine wichtige Mutmacherin, die sich dafür ausgesprochen hat, dieses Wagnis einzugehen.

Auf ihrem n-ost-Profil hat Gabi geschrieben: "Aufgeschlossen für Neues. Arbeite gerne im Team, man kann mich aber auch alleine losschicken, ich gehe nicht verloren."

Wir erinnern uns an Gabi mit einer kleinen Bildstrecke, die sie während der Medienwerkstatt in Minsk gemacht hat.

Gabi Fromm war Schatzmeisterin des DJVund Mitarbeiterin der Foto-Agentur d-foto, mit der wir seit Herbst 2011 kooperieren. Wir wünschen denen, die ihr noch näher standen, Kraft und alles Gute.

Die Trauerfeier findet statt am Donnerstag, 01. März 2012 um 11 Uhr auf dem Waldfriedhof Zehlendorf, Potsdamer Chaussee 75, 14129 Berlin.

n-ost. Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung e.V.


© all rights reserved

Dr. Gesine Palmer [1]:
Trauerrede für Gabriele Fromm
Geboren am 28. Juli 1957
Gestorben am 14. Februar 2012

Musik:
1. My Way

Liebe Pascale, lieber Niko, liebe Familie Henning, liebe Angehörige
und Freunde von Gabriele Fromm, liebe Trauergäste!

Beginnen möchte ich unsere Abschiedsfeier mit einem Gedicht von
May Ayim. Es heißt „Ana“ und ist einer verstorbenen Freundin von ihr
gewidmet. Ich könnte immer, wenn im Gedicht Ana steht, Gabriele
sagen. Aber ein Gefühl sagte mir, dass sie das nicht gewollt hätte.
Ich lasse es also bei dem Namen Ana. An wen Sie denken – das
wissen Sie selbst. Und wenn es nicht passt, dann können Sie
immer noch sagen, es ist ja für Ana.

ANA
Es gibt keine richtigen und keine falschen worte
Für etwas das unaussprechlich ist
Es gibt kein richtiges und falsches verhalten
Für das was unbegreiflich bleibt

ANA ist tot

Die einen zeigen schmerz
Indem
Sie weinen und schreien
Die anderen zeigen verlust
Indem
Sie keine worte finden

Einen moment lang
Lachen und tanzen
Weil wir wissen
Dass wir
ANAs ideen und worte und pläne
Weitertragen werden

Dann wieder
Weinen und schreien und schweigen
Weil wir es sind die sprechen und fühlen und
Leben

Das heitere lachen die laute stimme
Und aufrichtige widerspenstigkeit
Fehlt
Nicht ihr
Fehlt uns

So viel für den Augenblick von May Ayim. Ich war fast glücklich, als
ich ihre Gedichte wieder gefunden habe. Schien mir besonders gut zu
passen zu dem, was ich von Gabriele Fromm gehört habe. Ich kann
auch genauer sagen, was mir zu passen schien: Etwas wie ein
zerbrechlicher Eigensinn. Eine Frau, die unheimlich was aushält. Sich
da, wo sie es wirklich will, enorm einsetzt. Wo sie es wirklich am Platz
findet, ganz zart ist. Und im übrigen unbeirrt ihre Sache macht. Eine
Sache, die nicht immer überschaubar ist für alle und nicht immer
berechenbar. Und die doch ganz da ist. Diese Frau mit dem, was sie machte, war etwas wie eine verlässliche Größe, selbst dann noch, wenn man gerade meint, sich fürchterlich über sie aufregen zu sollen. Eine, die der Tochter des Mannes in einer Zeit der Krankheit einfach so beisteht – und ebenso einfach mal weg ist zwei Wochen, wenn es darauf ankommt.

Habe ich gesagt, ich war fast glücklich? Ja, fast, aber nur, weil es so
schön zu passen schien. Im nächsten Augenblick genügt auch für
die völlig fremde Rednerin der Anblick der Lebensdaten, um sehr
sehr traurig zu werden. Geboren am 28. Juli 1957 ist Gabriele Fromm
am 14. Februar 2012 im Alter von 54 Jahren nach kurzer, extrem
schwerer Krankheit gestorben. Hatte noch so viel vor. Wurde noch so
gebraucht. Von der Tochter Pascale und von deren Freund Nico. Von
den Damen beim Sport, den Zehlendorfer Wespen. Von den organisierten Unternehmerinnen. Von den Kolleginnen und Kollegen aus der Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten. Von allen, mit denen sie so gern zusammen gearbeitet und gelebt hat.

Fast glücklich, sie, manchmal. Und manchmal ganz glücklich. Die Geburt ihrer Tochter – was für ein
Fest, dauerhaft, ein Kind zu haben. Da war sie völlig eindeutig. Tat
alles, was sie konnte, um das Kind zu versorgen und versorgt zu
sehen, wollte, dass es ihr gut ging. Übte, was immer möglich
war. Setzte sich für sie ein, im Kindergarten und anderswo.
Adoptierte den Freund Nico fast. Und freute sich, dass der Vater
auch viel Arbeit übernahm. So konnte sie doch ihre eigenen anstrengenden
Arbeiten stemmen, die sie immer lebhaft betrieb.

Sie war so richtig eine von den kreativen Frauen unserer neualten
Städte, die ihre Freiheit ergriffen – und dafür zuweilen einen sehr
hohen Preis zu zahlen hatten. Eine Künstlerin von klein auf. Wer kann
schon damit umgehen? Die Eltern fanden es nicht leicht, und sie
fand es nicht leicht mit ihnen. Die hatten dann auch eigene Sorgen,
trennten sich. Sie machte ihre Sache. Abitur an der John F. Kennedy-
Schule. Ausbildung zur Fotografin beim Letteverein. Studentin an
der HdK. Abschluss als graduierte Werbewirtin/ Diplom-Designerin. Sie
schrieb in ihrer Bewerbung die männliche Form, Werbewirt, und manch einer fand sie
burschikos, kumpelhaft. In den 80er Jahren arbeitete sie in dem
Beruf, für das Ökowerk am Teufelssee, für einen Fotoladen und als
Dozentin. Gleichzeitig studierte sie noch an der FU, später auch in Magdeburg. Dann machte sie sich selbständig, bildete sich weiter, arbeitete sich in neuen Techniken ein.

Vielfältig aktiv war sie, und was sie machte, machte sie richtig. Nur
sah das niemand so ganz. Wenn sie einem hier fehlte, konnte er doch nicht wissen, was sie woanders soeben tat oder auszustehen
hatte. So sind die Leben von immer mehr Menschen – finden ein
wenig hier statt und ein wenig da. Eine muss hier die engagierte
Mutter, da die tüchtige Kämpferin, hier die liebe Tochter, da die gute
Kollegin, die sich um Himmels willen nicht in den Vordergrund
drängelt, aber trotzdem sehr gute Arbeit macht, sein. Ein Mann liebt sie, wünscht ihr ein etwas ruhigeres
Leben und versteht vielleicht nicht, was sie treibt, wenn sie ihren
beruflichen Sachen nach geht. Der sagt vielleicht, du bist ja fast wie ein
Kerl in unserer Beziehung. Ob sie das so gesehen hat? Sie dachten
mal an Hochzeit – aber dann wurde es doch nichts. Wieder fand ich bei May Ayim Worte, die ausdrücken, was der Liebe in Zeiten
des Umbruchs in den Verhältnissen zwischen Frauen und Männern
wohl nicht zu selten passiert:

Ein nicht ganz liebes geh dicht

Ich hatte einen geliebten
Ich liebteliebe ihn noch
Er liebteliebt mich ooch
Favoriterrorisiert
Nanntnennen wir uns
Zum trost

Ich trenntetrenne mich
Kamkomm dennoch ständig
Wieder
Vor und zurück
Tief und hoch
Er ooch

Wir tyrannisiertentyrannisieren uns innig
Mit liebes- und eifersucht
Meistmanchmal ist es kaum zu ertragen
Und dann doch wieder doch

Gern wären wir würden wir
- fort in der ferne –
voneinander entfernt sein
auf und davon und
gemeinsam gehend gegangen

doch noch lieber bliebbleiben wir
drinnen und drannen
aneinander beisammen
sicherlich nicht
ganz dicht

Liebe Trauergäste, über alle diese Verhältnisse wird jeder und jede
bei sich noch viel nachdenken. Sie sollen und werden einander
erzählen, von frühen Sachen, von ihrem letzten Tennisspiel und von ihrer tiefen Freude
am Fall der Mauer, von ihrer Begeisterung für die Mauer als Kunst
und von ihrer Freude, dabei gewesen zu sein, als wahr wurde, wovon
so viele so lange geträumt haben. Sie werden sich an Groll und an
Freude, an Verwunderung und an Begeisterung erinnern.

Für hier und heute aber ist vor allem wichtig, dass wir bedenken
lernen: Sie kann sich jetzt nicht mehr äußern. Sie ist unwiderruflich
fort. Ganz langsam müssen Sie nun alles neu ordnen, Ihre
Anhänglichkeiten von der Lebenden losreißen - und verwandelt
wieder an sich nehmen. Je freundlicher Sie ihrer gedenken, desto
besser wird das gehen. Und richtiger wird es womöglich auch sein.
Natürlich ärgert man sich hier und da über einen Menschen, das ist
so im Leben. Und plötzlich fällt vor allem auf, was man versäumt hat.
Das ist so, wenn eine stirbt. Sie aber hat alles getan, um so lange wie
möglich so gut wie möglich bei Ihnen zu sein und doch ihr eigenes
Leben zu leben. Wenn sie wen geliebt hat – der hat es gewusst.
Letzten Endes war ihr nicht so wichtig, was die anderen dachten. Ich
sage es wieder mit May Ayim:

ANA
Wir kannten und mochten dich
Auf unterschiedliche weise
Oder kannten und mochten dich nicht
Egal wie du warst und egal wie du nicht warst
Egal wie wir waren und egal wie wir nicht waren:

Du lebtest
So wie du warst
Durch uns
Mit und ohne uns
Willensstark
Mit
Einer meinung
An der sich
Gedanken und gefühle
Mal spiegelten mal vereinigten mal zerstritten

ANA du bist
Ohne den tod zu verachten
Aus dem leben gegangen
Lebhaft
Für ein leben
Das wir weitertragen werden
Ein leben
Das
Wenn es vergeht
Schmerz hinterlässt und sehnsucht und hoffnung und liebe
Ein leben
Das
Nicht nur etwas sondern
Sehr viel zurücklässt
Was wert ist weitergetragen zu werden
Danke ANA

Danke, Gabriele.

Wir hören zusammen das Lied Yesterday. Danach wird Bernd Lammel vom Journalistenverband uns noch etwas über diese Seite ihres Lebens erzählen.

2. Yesterday

Trauerrede von Bernd Lammel
Vorsitzender des DJV Berlin

Das erste Mal traf ich Gabriele Fromm im Dezember 1989 - als das Brandenburger Tor offiziell wiedereröffnet wurde. Es regnete in Strömen und wir standen nebeneinander auf Aluminiumleitern, um an gute Motive zu kommen, während das Regenwasser in die Sucher unserer Kameras kroch. In den folgenden Wochen sollten wir uns noch oft entlang der ehemaligen Berliner Mauer begegnen. In den Jahren danach noch öfter im Berliner Journalistenverband.

Gabriele fiel in der Männerdomäne der Berliner Fotografen nicht nur dadurch auf, sich unkonventionell zu kleiden, sondern auch mit ihrem Geschick Aggressionen abzubauen, wenn bei Presseterminen zwei Dutzend ungeduldige Fotografen, um das beste Bild kämpften. Denn eigentlich sind die Berliner Bildjournalisten eine ziemliche homogene Gruppe. Die meisten fühlen sich ohne viele Worte zusammengehörig. Man kennt sich und man hilft sich. Im Fachausschuss der Bildjournalisten im Deutschen Journalisten-Verband gab es immer einen großen Zusammenhalt und einer der wichtigsten Anker in dieser Gemeinschaft war Gabriele Fromm.

Ihr Handwerk hatte sie im Lette-Verein gelernt und nach dem Studium des Journalismus dieses Genre nie verlassen, auch nicht als ihre feste Bindung an die Berliner Morgenpost verloren ging, weil die Redaktion bei den freien Fotografen sparte. Neugierig beschritt sie das Gebiet der digitalen Fotografie an der Jahrtausendwende, nicht nur technisch, sondern immer mit einem zutiefst menschlichen Verständnis und der Sehnsucht Unbekanntes mit der Kamera sichtbar zu machen. Respekt vor den abgebildeten Menschen war ihr Erfolgsrezept. Journalistisch war ihr Blick nach Osten gerichtet. Polen, das Baltikum und Weißrussland wurden immer häufiger Ziele ihrer Reportage-Reisen. Neben ihrer ehrenamtlichen Arbeit im Deutschen Journalisten-Verband hat sie sich im Verbund von Osteuropa-Korrespondenten, in der Agentur n-ost, einen guten Namen gemacht. Ihre letzte Reise machte sie im vergangenen Jahr mit n-ost nach Minsk.

Ganz eng habe ich mit ihr vor drei Jahren in einem Projekt zur Digitalisierung bislang unveröffentlichter Fotografien vom Fall der Berliner Mauer zusammengearbeitet – zum 20. Jahrestag. Gabriele überlegte schon damals was wir beim 25-jährigen Jubiläum besser machen könnten. Wir hatten uns gemeinsam darauf gefreut und nicht geahnt, dass sie daran nicht mehr mitarbeiten kann.

Oft haben wir uns gefragt, woher die Frau mit den hellwachen Augen ihre Kraft nahm, wie sie familiäre, berufliche und ehrenamtliche Situationen zu einem Ganzen werden ließ. Ihre Tochter Palle nahm sie mit zu Interviews in den Bundestag oder, wenn es keine andere Betreuung gab, zu Redaktionssitzungen. Im DJV Berlin wurde Palle ganz selbstverständlich ein gern gesehener Gast.

Ihre Stärken spielte Gabriele Fromm immer dann aus, wenn andere bereits jeglichen Optimismus verloren hatten. Als vor sieben Jahren unserem Verband das Aus drohte, stand sie mit fester Stimme am Rednerpult und sprach ermunternde Worte. Als andere schon resigniert aufgegeben hatten oder uns verließen, war sie bereit, in verschiedenen Funktionen Verantwortung - ja große Verantwortung zu übernehmen. Sie wurde in die Funktion der Bundesfachausschussvorsitzenden der Bildjournalisten gewählt. Dort war sie die einzige Frau in einem schwerfälligen Gremium, das ihrem Tempo nicht gewachsen war. Ich hätte ihr mehr Dankbarkeit für ihre geduldige und substanzielle Arbeit gewünscht, als sie damals die Arbeit des auf tragische Weise aus dem Leben geschiedenen Kollegen Uli Kraufmann aus Stuttgart übernahm.

Zurück in Berlin engagierte sie sich wieder im Vorstand. In einer der kritischsten Phasen des Verbandes, wurde sie unsere Schatzmeisterin. Gabrieles plötzlicher Tod ist ein so großer menschlicher Verlust, dass wir ihn noch gar nicht verstehen können. Doch ein großes Vorbild wird sie immer für uns bleiben.

3. What a Wonderful World