Transmediale 2K+12 PK

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 19. Januar 2015 um 13 Uhr 47 Minuten

 

Hier zunächst der Pressetext, danach einige Beobachtungen im Zusammenhang mit der transmediale 2k+12, die vom 31. Januar bis zum 5. Februar 2012 im Haus der Kulturen der Welt Berlin stattfindet.

PRESSEMITTEILUNG ERÖFFNUNG TRANSMEDIALE IN/COMPATIBLE

Vom 31. Januar bis zum 5. Februar wird das gesamte Berliner Haus der Kulturen der Welt wieder zum Hauptquartier der transmediale 2012. Zum 25-jährigen Jubiläum dreht sich auf dem Festival für Kunst und digitale Kultur unter der neuen künstlerischen Leitung von Kristoffer Gansing alles um das Thema in/compatible. Inkompatibilität beschreibt den Zustand, der entsteht, wenn Dinge nicht miteinander funktionieren. Im Geiste von Brüchen, Lücken und kreativen Hacks präsentiert das Festival für digitale Kunst und Kultur in seiner 25. Jubiläumsausgabe ein vielseitiges, internationales Programm aus Diskussionsrunden, Kunstwerken, Video-Screenings, Workshops, Performances und künstlerischen Interventionen – sogar die Webseite der transmediale überrascht mit einem interaktiven Tool mit dem Besucher ihren eigenen Internetauftritt der transmediale gestalten können.
Zur Eröffnungsveranstaltung der 25. Jubiläumsausgabe präsentiert die transmediale ein herausragendes Programm, das bereits einen intensiven Vorgeschmack auf die kommenden Festivaltage bietet. Bei der Eröffnungszeremonie im Auditorium des HKW wird der neue künstlerische Leiter Kristoffer Gansing gemeinsam mit Hortensia Völckers (Kulturstiftung des Bundes) und Bernd Scherer (Haus der Kulturen der Welt) das Festival in/compatible vorstellen. Irgendwann mittendrin stört der Glitch-Künstler jon.satrom mit einer seiner typischen Desktop-Performances die Redner. Am Ende der Zeremonie verzaubert die Joshua Light Show das Publikum noch mit einer besonderen Vorschau auf ihre Vintage-Lichtshow. Davor und danach lädt die transmediale die Besucher im ganzen Haus zu weiteren Veranstaltungen ein. Neben der Ausstellungseröffnung von Dark Drives. Uneasy Energies in Technological Times, in der Kunstwerke und alltagskulturelle Objekte die dunkle Seite unseres technologisierten Lebens thematisieren, eröffnen Weise7, eine Gruppe von Künstlern und Ingenieuren, im Studio von Labor Berlin ihr in/compatible Laboratorium, bei dem wir uns in die Tiefen der Netzwerkkultur begeben. Mit R15N, einer Plattform für kommunikative Missverständnisse, startet die neue Initiative des Festivals reSource for transmedial culture. Außerdem gibt es Peformances der Künstler Jeremy Bailey, Morten Riis, Robert Sakrowski und Gæoudjiparl. Eine besonders in/kompatible Installation ist die neueste Arbeit aus Ben Woodesons Health & Safety Violation Series: ein elektrifizierter Vorhang der das gesamte Foyer im HKW teilt. Zu Ehren des 25. Geburtstag des Festivals, zeigt die transmediale eine Wiederaufführung von dem Eröffnungsvideoprogramm Videospiegel, des ersten VideoFilmFests von 1988, wie die transmediale damals hieß.

PROGRAMM
Eine Programmübersicht finden Sie hier

/ Austellung Dark Drives Uneasy Energies in Technological Times

Mit ihrem Schwerpunkt auf „unruhige Energien in technologischen Zeiten“ reagiert die von Jacob Lillemose kuratierte Ausstellung der transmediale 2012 unmittelbar auf in/compatible, das Rahmenthema des Festivals. Durch eine weitläufige und diverse Mischung an Beispielen aus Kunst und Kultur, Vergangenheit und Gegenwart werden in rund 35 Kunstwerken und alltagskulturellen Objekten die dunklen Seiten unserer technologischen Kultur thematisiert.

Mit Ruth White, UBERMORGEN.COM, Matteo Giordano, Eva and Franco Mattes aka 0100101110101101.ORG, Junko Mattin, Jennifer Chan, Heath Bunting, JODI, Tracy Cornish, Steina and Woody Vasulka, Paidia Institute, Constant Dullaart, VNS Matrix, JK Keller, Art 404, TR Kirstein, William S. Burroughs Antony Balch, Daniel García Andújar / Technologies To The People, Jack CaravanosVibek Raj Maurya, [epidemiC], Sture Johannesson, Jaromil, Nikola Tesla, Ant Farm, Chris Burden, Bjørn Erik Haugen, Peter Luining, Bureau of Inverse Technology (B.I.T.), Jay DahlEdward PeillChristopher Zimmer, Chris Cunningham Aphex Twin, Costanza Candeloro Luca Libertini, Autor unbekannt, Karla Grundick and Mistress Koyo, SPK, jon.satrom und Marcelina Wellmer.

/ Symposium in/compatible: systems | publics | aesthetics
Das Symposium in/compatible: systems | publics | aesthetics widmet sich vom 3. bis 4. Februar 2012 in Form von interdisziplinären Panels und Künstlerpräsentationen den aktuellen Entwicklungen der Netzwerkkultur sowie der Problematik und Produktionslogik des In/kompatiblen. Auf drei miteinander verzahnten Schienen werden politische, soziale und kulturelle Inkompatibilitäten aus Makro- und Mikroperspektive sowie aus künstlerischer Sicht beleuchtet.

Mit Anonymous, Jacob Appelbaum, Rachel Baker, Tatiana Bazzichelli, Dana Buchzik, Gabriella Coleman, Florian Cramer, Julio d’Escriván, Jodi Dean, Michael Dieter, Wolfgang Ernst, Dragan Espenschied, Matthew Fuller, Kristoffer Gansing, Baruch Gottlieb, Orit Halpern, Graham Harman, Tsila Hassine / misstate, Ralph Heidenreich, Stefan Heidenreich, Anthony Iles, Susanne Jaschko, jon.satrom, Olia Lialina, Rosa Menkman, Ziv Neeman, Norifumi Ogawa, Camille Paloque-Berges, Georgios Papadopoulos, Jussi Parikka, Frank Rieger, Christopher Salter, Liza Tsaliki, Krystian Woznicki und Siegfried Zielinski.

/ Performance Programm The Ghosts in the Machine

Das von Sandra Naumann kuratierte Performance-Programm The Ghosts in the Machine widmet sich anlässlich des 25. Jubiläums der transmediale dem Analogen, als dem Geist, der unsere scheinbar digitale Kultur verfolgt. Gemeinsam mit dem CTM.12 – Festival for Adventurous Music and Related Arts präsentiert die transmediale 2012 als ein Highlight des Performance-Programms die Joshua Light Show. Herzstück des Programms sind die Auftritte der legendären Joshua Light Show aus den 1960ern – ein psychedelischer Klassiker, der zeitgenössisch überarbeitet wurde und nun analoge und digitale Elemente des Audiovisuellen zusammenbringt und mit den Musikern Supersilent mit Stian Westerhus, Oneohtrix Point Never und als besonderes Highlight mit Manuel Göttsching auftritt.
Mit Performances u.a. von der Joshua Light Show, Billy Roisz, dieb13 und Mario de Vega, Flora Könemann, Valerio Tricoli, Wolfgang Spahn und Martin Howse.

/ Video-Programm Satellite Stories

Das von Marcel Schwierin kuratierte Video-Programm Satellite Stories stellt die Frage nach der Kompatibilität des Menschen mit den von ihm gestalteten Produkten. Als Würdigung des 25-jährigen Jubiläums der transmediale wird jedes der acht Video-Programme von einem historischen Werk aus den Anfängen der transmediale eröffnet. Auf diese Weise werden sowohl thematische Kontinuitäten als auch Brüche in der Videokunst der letzten Jahrzehnte offengelegt. Gastkuratorinnen des Arab Short Programms sind Maha Maamoun und Sarah Rifky aus Kairo.

Mit Babak Afrassiabi & Nasrin Tabatabai, Basma Al Sharif, Hanspeter Ammann, Volker Anding, Nadav Assor, Vartan Avakian, Jeremy Bailey, Thomas Balzer, Dalibor Baric, Claus Blume, Susan Bowman, Michaela Buescher, Daya Cahen, Peter Callas, Dellbrügge & de Moll, Anthony Discenza, Herbert Distel & Peter Guyer, Sherif El Azma, Haris Epaminonda, eteam (Franziska Lamprecht & Hajoe Moderegger), Harun Farocki, Dennis Feser, René Frölke, Dominic Gagnon, Jos de Gruyter & Harald Thys, Reza Haeri, Henna-Riikka Halonen, Heidi-Anett Haugen, Isabelle Hayeur, Astrid Heibach, Tom Holert, Laura Horelli, Iman Issa, Sophie Kahn, George Kuchar, Nina Kurtela, Maha Maamoun, Basim Magdy, Walid Mattar, Jesse McLean, Franziska Megert, Norbert Meissner & Mike Krebs, Bjørn Melhus, Thomas Mohr, Raphael Montañez Ortiz, Neozoon, Till Nowak, Danièle & Jacques Louis Nyst, Rotraut Pape & Andreas Coerper (Raskin), People Like Us, Adnan Popovic, Nicolas Provost, Steve Reinke, Sarah Rifky, Roee Rosen, Nicolás Rupcich, Aura Satz, Andreas Schneider, Nikki Schuster, Solmaz Shahbazi, Shelly Silver, Maria Vedder, Katrin Willim (Sandow), Paul Wong, Akram Zaatari, Mohamed Zayan & Eslam Zein und Stefan Zeyen.

/ reSource for transmedial culture

Das von Tatiana Bazzichelli entwickelte Projekt reSource for transmedial culture unterstützt und initiiert Workshops, Diskussionen und performative Vorträge mit (trans-)lokalen Hackern, Künstlern und Wissenschaftlern. reSource for transmedial culture transmediale ist eine Zusammenarbeit von transmediale, CTM/DISK, Kunstraum Kreuzberg/Bethanien und dem Post-Media Lab der Leuphana Universität Lüneburg zum Aufbau einer Plattform für langfristig ausgerichtete Projekte, die thematisch mit der transmediale verwandt sind und während des ganzen Jahres an verschiedenen Orten in Berlin stattfinden werden. Auf der transmediale 2012 ist das Programm in fünf verschiedene Themenbereiche gegliedert: reSource methods, reSource activism, reSource networks, reSource markets und reSource sex.
Mit Alessandra Renzi, Aliya Rakhmetova, Andrew Prior, Anthony Iles, Aymeric Mansoux, Baruch Gottlieb, Carolin Wiedemann, César Baio, Christian Ulrik Andersen, Clemens Apprich, Cornelia Sollfrank, Dagie Brundert, Daniel García Andújar / Technologies To The People, Daphne Dragona, Dmytri Kleiner, Elanor Colleoni, Eva Fischer, Florian Cramer, Francesco Macarone Palmieri aka WARBEAR, Gabriella Coleman, Gabriel Menotti Gonring, Gaia Novati, Geoff Cox, Georg Russegger, Gregor Sedlag, Jacob Appelbaum, Jaromil, Jeff Mann, Joasia Krysa, Johannes P Osterhoff, Jonas Frankki, Jonathan Kemp, Júlia Marí Bernaus, Julianne Pierce, Karla Grundick, Kate Erhardt, Kate Rich, Katrien Jacobs, Lasse Scherffig, Liad Hussein Kantorowicz, Linda Hilfling, Luise Reitstätter, Magda Tyzlik-Carver, Magnus Lawrie, Marie Thompson, Mark Butler, Mattin, Martin Howse, Martin Hug, Mathias Fuchs, Matthias Tarasiewicz, Michal Wlodkowski, Mike Pearce, Morten Breinbjerg, Morten Riis, Nicholas Knouf, Nicola Angrisano, Nina Wenhart, Oliver Baurhenn, Oliver Lerone Schultz, Paolo Podrescu aka Podinski, Prayas Abhinav, Prof. Dr. Natascha Adamowsky, Ricardo Amaral, Robert Jackson, Roberta Buiani, Rosa Menkman, Salvatrice Settis, Sergio Messina, Shintaro Miyazaki , Shu Lea Cheang, Sidney Ogidan, Stéphane Bauer, Steve Lambert, The Telekommunisten Network, Tero Karppi, Thomas Bjørnsten, Victoria Estok, Wolfgang Spahn, Zach Blas, Florian Wüst, Eckart Lottman, Kathy Rae Huffman und Pit Schultz.

/ Featured Projects

Die folgenden Projekte und künstlerischen Neuproduktionen, die sich mit den spezifischen Aspekten des Themas in/compatible beschäftigen, werden im Haus der Kulturen der Welt außerhalb der kuratierten Ausstellung vorgestellt.

Ben Woodeson – Health & Safety Violation #36 – Bite you on your ass and kiss your socks goodbye

Die Kunstwerke des britischen Künstlers Ben Woodeson gehen absichtlich auf Konfrontationskurs und streben nach einer intensiven, körperlich erfahrbaren Beziehung mit dem Betrachter und der ausstellenden Institution. Seit 2009 arbeitet Ben Woodeson an der Serie Health & Safety Violation und seine Werke vibrieren förmlich vor Bedrohlichkeit. Auf der transmediale präsentiert der Künstler ein neues Werk dieser Serie: Ein scheinbar unschuldiger skulpturaler Vorhang teilt und versperrt das Foyer im Haus der Kulturen der Welt. Um darum herum zu kommen, muss man sich für einen Umweg entscheiden, dem Werk wirklich zu begegnen, erfordert hingegen Mut zum Risiko – ein „interaktives“ Werk, das nicht den Anschein der Harmlosigkeit machen möchte.

Gæoudjiparl – MORT AUX VACHES EKSTRA EXTRA - THE GÆOUDJI SYGNOK GIVE AWAY!

Mort Aux Vaches Ektra Extra ist ein kompositorisches Projekt des Musik-Maverick und Krieger Gæoudjiparl, bei dem er sich auf radikale Weise dafür einsetzt, die „Computermusik- und Medienkunstkrise“ zu lösen. Das Projekt besteht aus mehreren Alben, interaktiven Spiele-Büchern, einer unabhängigen Schule und auf der transmediale aus der großformatigen Installation MORT AUX VACHES EKSTRA EXTRA – THE GÆOUDJI SYGNOK GIVE AWAY!. Alles, was Gæoudjiparl besitzt, wird als Teil dieser Installation verschenkt, so wie er es schon seit längerem mit Schallplatten und Büchern tut. Die Schenkungen folgen besonderen Regeln und werden im Zusammenhang mit einem kleinen Vortragsritual an einem eigens von Gæoudjiparl dafür ausgewählten Ort geschehen.

R15N

R15N ist ein experimenteller Telefon-Service von Dmyrti Kleiner, Baruch Gottlieb, Jonas Frankki, Mike Pearce, Jeff Mann und dem Telekommunisten Netzwerk., der Engagement und Kommunikation in der lokalen Community fördern will. Nach der Registrierung auf www.r15n.net werden die Teilnehmer in der R15N-Community willkürlich miteinander verbunden und können daraufhin per Anruf Informationen austauschen. Jedes registrierte Mitglied wird sich früher oder später mit einer anderen Person in einer echten Unterhaltung befinden, was Zusammenhalt und Komplizität herstellt. R15N wurde ursprünglich in Zusammenarbeit mit dem Israeli Center of Digital Art produziert und erfolgreich in der Jessy Cohen Neighborhood (Holon, il) eingesetzt.

collaborative documenting / archiving netart.activities

Die Videoinstallation ist eine Initiative von constantdullaart.com & curatingyoutube.net und (Robert Sakrowski und Constant Dullaart). Sie besteht aus Dokumentationsmaterial ephemerer Netzkunstwerke, die auf früheren transmediale Festivals gezeigt wurden und steht dadurch in enger Verbindung mit der Podiumsdiskussion web.video – the new net.art? (1. Februar 2012, 15:00 Uhr, Theatersaal, Haus der Kulturen der Welt). Im Projekt wird YouTube im Sinne eines digital repository kollaborativ genutzt, um Netzkunstwerke zu sichern. Durch das Um-Nutzen der gegebenen Strukturen des Video-Portals lässt sich eine Datenbank zur Netzkunst einfach einrichten, auch wenn diese von YouTube nicht explizit intendiert wird.

/ 25 Jahre transmediale

Die transmediale wird 25 Jahre alt. Aber wie geht man mit solch einem Jubiläum um? Die transmediale hat sich dafür entschieden das inkompatible Wesen des Festivals sichtbar zu machen, statt die Kerzen auf der Torte zu zählen. In seiner Geschichte hat das Festival immer wieder die Perspektive zeitgenössischer kultureller Phänomene entgegen dem Mainstream und institutioneller Beschränkungen vorangebracht. Die unterschiedlichen Programme im Rahmen der transmediale 2012 reflektieren daher auch die Geschichte einer produktiven Inkompatibilität, die das Festival auszeichnet. So wurde die transmediale vor 25 Jahren als VideoFilmFest gegründet, für Medienformen und -formate, die keinen Zugang zu den etablierten und standardisierten Formen der Filmfestival-Kultur und der Kulturproduktion der damaligen Zeit fanden. Wiederaufgeführt werden Videoprogramme aus den 1980er und 90er Jahren, Net Art-Installationen sowie medienarchäologische Performance-Programme.

/ Das transmediale Archiv

Gemeinsam mit Partnern in einem europäischen Verbund arbeitet die transmediale derzeit daran das Archiv digital aufzuarbeiten. Mit dem aktuellen Neuaufbau und der umfassenden Digitalisierung des Festivalarchivs sollen dessen Inhalte stärker öffentlich zugänglich gemacht werden. In dieser Erprobungsphase wird eine Werkauswahl recherchiert, die zugleich Einblick in die fortlaufende Entwicklung der Arbeiten am Archiv geben möchte. Die Auswahl konzentriert sich dabei auf Werke aus den 2000er Jahren und widmet sich thematisch den Vereinbarkeiten und Unvereinbarkeiten an den Schnittstellen medial übersetzter Beziehungsgeflechte. Das Format der Auswahl umfasst übergreifende Dokumentationen der künstlerischen Arbeiten und Dossiers zu den vorgestellten Künstlern in Form einer redaktionell zusammengefügten themenbezogenen Online-Publikation. Erste Ergebnisse werden beim Festival vorgestellt und kontinuierlich auf der transmediale Website aktualisiert. Diese Auswahl aus dem Festival-Archiv wurde gast-kuratiert von Thomas Munz.

PRESSEKONFERENZ UND PRESSEVORBESICHTIGUNG

Pressekonferenz: 30.01.2012, 11 Uhr - 12 Uhr


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Auf der Pressekonferenz der transmediale 2012 und des CTM.12 stellen der künstlerische Leiter der transmediale Kristoffer Gansing und der Leiter des CTM Jan Rohlf im Haus der Kulturen der Welt (Raum K1) die allgemeinen Programmbereiche der beiden Festivals vor.

Pressevorbesichtigung: 30.01.2012, 12:15 – 13:15 Uhr

Im Anschluss an die Pressekonferenz besteht die Möglichkeit an einem rund einstündigen Presserundgang mit den Kuratoren der transmediale 2012 im Haus der Kulturen der Welt teilzunehmen. Der Kurator Jacob Lillemose führt unter Anwesenheit einer Reihe von Künstlern durch die Ausstellung Dark Drives: Uneasy Energies in Technological Times. Sandra Naumann stellt ihr Performanceprogramm The Ghosts in the machine und insbesondere die anwesenden Künstler der Joshua Light Show und deren 1000kg schweres Equipment vor. Tatiana Bazzichelli präsentiert die von ihr konzipierte Initiative reSource for transmedial culture und abschließend gibt Marcel Schwierin im Theatersaal einen ersten Einblick in die historischen und zeitgenössischen Arbeiten des Videoprogrammes Satellite Stories.

REFLEKTIONEN

I.

Am Ende der Pressekonferenz gab es nur eine einzige Frage: Wie die zum Leuchtturm-Projekt emanzipierte Veranstaltung sich noch rückbesinnE auf die Anfänge eines VideoFilmFestes, das sich doch ganz bewusst als Alternative zum vor-herrschenden Kultur- und Medien-Betrieb verstanden habe.

Nun, so die Antwort, auch heute sei man nicht Mainstream und auch nicht ein Fürsprecher für jedwede Art von Mehrheitsmeinung. Aber dass man eine solide Finanzierung gefunden und damit die Strahlkraft dieser langjährigen Arbeit nutzen wolle sei auch zum Vorteil all jener, die auch heute einen nicht angepassten Weg in ihre Zukunft gehen wollten.

II.

Im Rahmen der kurzen und sehr kursorischen Vorstellungsrunden wird - bei aller Verkürzung und Verknappung - klar, dass es auf dieser Festival-Reihe nicht mehr darum geht, sich "nur" mit der Zukunft zu beschäftigen und den aktuell gerade wirksamen Strömungen, sondern dass es darum geht, die analoge und die digitale Welt in einen neuen Bezug zueinander zu setzen, ja, als zwei Seiten der gleichen Medaille zu sehen.

Dehab sei auch der Begriff der Nicht-Zusammengehörigkeit zum Motto gemacht worden. Hier gehe es nicht darum zu erkennen, was sie Welt im innersten Zusammenhält, sondern zu erforschen und vorzuzeigen, wie sich das Alte und das Neue, das Technische und das Virtuelle, das Lineare und das Fragmentale voneinander abgrenzen und dennoch und zugleich doch wieder aufeinander beziehen.

III.

Dieser Ansatz macht Mut und ermutigt, das Festival zu besuchen.
Er macht Mut, da er über die Geburtswehen des Digitalen hinaus darum bemüht ist, die heranwachsenden Kinder der numerischen Olymps auf ihre Eltern und Grosseltern zu verweisen, die noch in einer ganz und gar anderen Kultur aufgewachsen sind, die sich auch in den noch so fortschrittlichen Exponaten eines Digital Art Space als Versatzstücke einer noch nicht bewältigten Vergangenheit wiederfindet.
Und er ermutigt, da es in diesen neu enteckten hypbriten Bezügen zwischen alter und neuer Welt darum geht, nach neuen Orientierungen zu suchen, ja nach LeitLINIEN, die in der Zeit einer Transzendenz des Materiellen in das Digitale von einer ganz besonderen Qualität sein müssen.

IV.

In der Sendung Fazit am Abend auf den Frequenzen von Deutschlandradio Kultur [1] wird Kristoffer Gansing nach diesen Themen befragt und er bestätigt, dass es ihm auch, aber nicht nur darum ginge, sich um die sogenannten "Neuen Medien" zu kümmern, sondern um die Beziehungen, die diese zur alten Welt - zur Welt der Alten? - noch habe. Ja, dass es darum gehe, diese Beziehungen erst nach und nach (wieder) herzustellen.

Anstatt die 25 Jahre dieses Festivals als eine Sonderveranstaltung zu feiern, habe man es sich zur Aufgabe gemacht, in jeder einzelnen Veranstaltung immer auch auf ein Werk oder eine Aussage zu verweisen, die in den frühen Jahren dieses Festivals vorgetragen / vorgezeigt worden ist.

V.

Auf der Webseite des Deutschlandradio Kultur findet sich auch dieses Foto von Kristoffer Gansing von Martin Genz, das vom transmediale-Büro zur Verfügung gestellt und mit der Überschrift versehen wurde: "Neuer Transmediale-Chef setzt auch auf traditionelle Medien":

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Martin Genz, transmediale

Diesem sei ein Portrait aus eigener Hand an die Seite gestellt, das heute im Verlauf der Führung durch die Ausstellung entstanden ist und sich ebenfalls dem Wunsch annimmt, "nur" im Profil gezeigt zu werden:


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PS.

Der Berichterstatter hat selbst in jungen Jahren mit Marc Boyle an vergleichbaren Projekten gearbeitet. Und so ist diese eine wunderbare Begegnung mit dieser "alten Welt" und ihrer zeitgemässen Wiederauferstehung von


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Hier das Team:


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und der Namensgeber:


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