Trusted Computing

VON Dr. Wolf SiegertZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 16 Uhr 17 Minuten

 

Sebastian Kuhbach von WinFuture.de macht in einem seiner Beiträge vom 15. Dezember darauf aufmerksam, dass Microsoft für das nächste Betriebssystem "Windows 8" "die Integration eines eigenen Passwort-Speichers angekündigt" habe, "der die Verwaltung der diversen Login-Daten der Anwender übernehmen" solle. Dabei sei eine "getrennte Ablage von Passwörtern für Webdienste und Windows vorgesehen."


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Als Quelle wird genannt - aber nicht zitiert - "Dustin Ingalls vom Windows 8-Team in einem Blog-Eintrag".

"Als Vorteil seines neuen Passwort-Managers sieht Microsoft unter anderem den Umstand, dass die Anwender bei den von ihnen verwendeten Webdiensten sichere, ausreichend komplizierte Passwörter verwenden können, ohne sich diese merken zu müssen. Windows 8 werde die Passwörter stets bereithalten, so dass sie bei Bedarf automatisch abgerufen und für die Anmeldung bei diversen Websites verwendet werden können.

Für Unternehmenskunden will Microsoft den Umgang mit Passwörtern durch die Unterstützung für die Verwendung eines Trusted Platform Moduls (TPM) als eine Art virtuelle Smartcard erleichtern. Firmen und ihre Mitarbeitern soll es auf diesem Weg möglich sein, Dienste ohne eine physische Smartcard zu nutzen, für die bisher eine solche benötigt wird."

Lassen wir mal dahingestellt sein, wie vertrauenswürdig diese Information ist und ob es legitim ist, von einem solchen Blog-Eintrag auf die Firmenpolitik eines ganzen Konzerns zu schliessen.

Der eigentliche Punkt, um den es in diesem Artikel geht, ist ein anderer: ist es bisher schon so, dass einem mehr und mehr Daten aus den Fingern gezogen werden, um sich "irgendwo" authentifizieren und danach anmelden zu können, sollen nun auch noch die Passwörter der Verfügungsgewalt des Nutzers entzogen werden.

Natürlich wird das so nicht gesagt - ja, vielleicht nicht einmal so gedacht? - aber mit dem Anspruch, es dem Nutzer "einfacher" zu machen und "Bequemer" und damit "ganz und gar in seinem Sinne" zu handeln wird faktisch dennoch das Gegenteil erreicht: seine zunehmende Entmündigung.

Jetzt soll er nicht nur seine Daten abgeben, sondern auch noch den Kontrollverlust über eben diese als Service-Vorteil zur Kenntnis nehmen - und annehmen.

Wer sich die intensive Diskussion um diesen Artikel zwischen Befürwortern und Gegnern, zwischen der MS-, der Linux- und der OS-Fraktion durchliest wird eine Menge Stoff zu diesem Thema finden. Und zugleich feststellen, dass kaum noch jemand dabei ist, der dem eigentlichen "Juckelpunkt" angesichts dieser Ankündigung wirklich auf den Grund geht: die fremd- wie selbst verschuldete Unmündigkeit des Nutzers und die schier unmöglich klingenden Auf-Forderung, diesen wieder aus dieser herauszuführen.

Vielleicht wird es zwei, nach der ganzen WebZweiNull-Diskussion auch mal eine KantZweiNull-Diskussion vom Zaun zu brechen. [1] [2]


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Hier ein Blick auf das Kants Wohnhaus in Königsberg - mit Schlossblick.

Anmerkungen

[1Das aber ist alles andere als ein Kinderspiel: als pars pro toto wurde eine Internet-Seite der Universität Marburg aufgesucht, in der unter dem Titel Immanuel Kant Information Online eine Liste mit Verweisen zu "Kantrelevanten Seiten im Netz" angeboten wird. Von den 8 angebotenen Links erwiesen sich gerade mal 2 als funktionsfähig [sic!].

[2Aber auch die Branchenzeitschrift "CHIP" ist in ihrer Online-Ausgabe vom 9. Februar 2004 [14:50] nicht genauer, wenn davon die Rede ist, dass das Gesamtwerk von Immanuel Kant jetzt im Internet abrufbar sei, ohne auch nur einen einzigen Link auf eben diese Online-Ausgabe bereitzustellen.


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