ELWA. Der Fahrplan

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 16 Uhr 19 Minuten

 

Eigentlich ist alles ganz einfach. Wir haben knapp drei Monate Zeit.

Und in dieser Zeit wird:

-  alles weggeworfen, was weder für das eigene Überleben, noch im Interesse der Kunden, noch zum Wohle der Nachwelt aufzuheben sich lohnen würde
-  all das Material, das im Rahmen dieses Projektes oder zur Vertiefung der Aussagen auf der Webseite www.iris-media.com sinnvoll erscheint, digitalisiert, entsprechend aufgearbeitet und auf den dafür vorgesehenen Plätzen mit eingestellt werden
-  alles, was für die noch geplanten Publikationen [1] Verwendung finden soll, ebenfalls digitalisiert und in entsprechende Container verpackt, um so zur weiteren Auswertung und Verwertung vorgehalten zu werden
-  alles, was sich für eine Zweitverwertung in Vorträgen und Seminaren als Beispielvorlagen eignet, diesem entsprechenden Themenkreis zugeordnet und ebenfalls digital kaserniert
-  all das, was auf persönliche Lebensumstände zurückgreift und diese so dokumentiert, dass es auch über ein persönliches Interesse hinaus Gültigkeit haben könnte, in eine andere Gruppe von Containern gepackt bzw. dem ebenfalls an einer nicht freigängigen Stelle im Netz zugänglichem ausführlichem Lebenslauf angefügt
-  alles, „wovon man sich einfach nicht trennen kann“ - von Kuriosa bis Unikate – wird in einem eigenen Kabinett zusammengefasst.

Eine weitere grössere Gruppe von Materialien und Unterlagen wird davon nicht betroffen sein. Das sind vor allem all diejenigen Ordner, in denen die Betriebsführung der letzten 10 Jahre dokumentiert wurde und die für eine mögliche Prüfung durch die Steuerbehörden per default bereitgehalten werden müssen. [2]

Viel grössere Schwierigkeiten werden aber jene Unterlagen machen, die im Verlauf von kreativen Arbeitsprozessen entstanden und bislang nicht der eigentlichen Verwertung haben zugeführt werden können. Das geht von Seminarprotokollen und Mitschnitten eigener Schulungs-Veranstaltungen und Kursen bis hin zu grossen Konvoluten mit nicht bis in die Presse gebrachten Publikationsvorlagen.

Und: Es geht an den aktuell genutzten Ordnerbestand. Auch darin findet sich allerlei, das eigentlich für die aktuelle Betriebs- und Buchführung keine Relevanz mehr hat. Aber ist es nicht doch von Wert, nochmals einsehen zu können, wie man sich einst von der Deutschen Bundespost und späteren Telekom mit einer Unmenge von Papier und Korrespondenz schliesslich darauf hat verständigen können, einen der ersten Telefonanschlüsse digitalisiert zu bekommen – oder ein Handy ausgeliefert zu bekommen, das auch in der (dann ehemaligen) DDR funktionsfähig war – oder in den USA?

Wenn es also nicht unbedingt der Befriedigung des ur-eigensten Nostalgie-Bedürfnisses nützt und nicht der Vermittlung von beispielhaft dokumentierten Erfahrungen, wie die Welt zum Ende des analogen Zeitalters nicht nur ausgesehen, sondern auch sehr konkret „getickt“ und uns mit ihren damals gültigen Normen und Namensgebungen auf die Spur gesetzt hat, wenn all dieses nicht mehr wirklich gilt, was gäbe es dann noch für eine Veranlassung, die Residuen solcher Aneignungs- und Verwaltungsprozesse jener längst vergangenen Welt nochmals zum Wiederaufleben zu bringen?
Die Frage ist, wie weit man wirklich an diesem „Zeug“ hängt oder inwieweit es wirklich so stark an einem selber hängt, dass der Verzicht darauf eine Disqualifizierung der eigenen Persönlichkeit oder zumindest aber einen Verlust an Lebensqualität bedeuten würde.
Wegwerfen müssen ist not-wendig. Aber Loslassen können, das wäre noch viel besser, als nur etwas aus der Not heraus weggeworfen zu haben.

Der Wunsch, endlich mal seinen Speicher „ausmisten“ zu wollen, selbst der Zwang es tun zu sollen, ist immer noch vorteilhafter als die Idee, dass die unmittelbaren Nachkommen und Freunde und Verwandte aufgrund eines nicht vorhersehbaren Unglücksfalls plötzlich gezwungen wären, sich durch all die eigenen Hinterlassenschaften – beruflich wie privater Art – hindurch arbeiten zu müssen, ohne zu wissen, welche Bedeutung und welchen Wert sie jenseits der persönlichen Wertschätzung haben könnten.

Allein dieser Gedanke sollte Antrieb genug sein – und sei es schon im Interesse all dieser Hinterbliebenen – sich auf den Weg zu machen, sich endlich dieser Herausforderung zu stellen. Und nicht länger abzuwarten, bis es plötzlich zu spät ist.

Die weit über die aktuellen Anforderungen hinausgehende Aufgabe ist es also tatsächlich, zumindest sein Berufsleben so geordnet und ausgekehrt hinterlassen zu können, wie man es noch zu seinen Lebzeiten gerne selbst hätte übergeben wollen.

Eine solche Haltung ist weder sentimental noch arrogant, und sie hat eigentlich keinen Anspruch darauf, nur im „stillen Kämmerlein“ entwickelt und soweit vorangetrieben zu werden, dass daraus ein konkreter und nachhaltiger Handlungsimpuls entsteht.
Es ist vielleicht ungewöhnlich, darüber an einer solch prominenten Stelle wie dieser auch öffentlich Zeugnis abzulegen. Aber heute haben wir die Chance, solche Fragen selbstbewusst und souverän selbst dann offen anzusprechen, wenn allein ihre Benennung den Eindruck hinterlassen könnte, eben genau das nicht zu sein: weder souverän noch selbstbewusst.

Ob dem wirklich so ist – der Fortgang dieser Aufzeichnungen wird auch darauf eine Antwort bereithalten.

Anmerkungen

[2Und das sind all jene elektronisch aufbewahrten und lesegerecht abgespeicherten GDPdu-fähigen Datensätze , an die auch heute noch kaum jemand denkt, die in einigen Jahren aber DAS zentrale „Prüfungsfutter“ sein werden.


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