Dominik Graf: Vertrauen, es geht nur mit Vertrauen

VON Dr. Wolf SiegertZUM Freitag Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 16 Uhr 11 Minuten

 

Das Programm

der Reihe "Grimme trifft die Branche" des Grimme-Instituts in Kooperation mit dem Institut für Schauspiel,
Film- und Fernsehberufe (iSFF) an der VHS Berlin Mitte im Veranstaltungssaal der Deutschen Kinemathek im Museum für Film und Fernsehen an der Potsdamer Str. 2 in 10785 Berlin

16:00 Uhr Filmvorführung
"Im Angesicht des Verbrechens"; Folge 3 "Der Überfall" & Folge 4 "Der Verrat"

18:15 Uhr Begrüßung
- Uwe Kammann (Direktor des Grimme-Instituts)
- Dr. Jutta Wiegmann (Institutsleiterin iSFF)
- Peter Paul Kubitz (Leiter des Fernsehmuseums)

18:30 Uhr Preisbegründung
- Volker Bergmeister, Journalist, Grimme-Jury-Mitglied

18:45 Uhr Panel 1
Das Gesamtkunstwerk "Im Angesicht des Verbrechens" im Spannungsfeld von Regieansprüchen, Produktionszwängen und Sendervorgaben

- Dominik Graf (Regie),
- Rolf Basedow (Buch), Katrin Bullemer (Produktion),
- Wolf-Dietrich Brücker (Redaktion) im Gespräch mit
- Dr. Ulrich Spies (Leiter des Referats Grimme-Preis)

19:30 Uhr Panel 2
"Im Angesicht des Verbrechens" - oder die Kunst der
Schauspielerführung. Die überzeugende Rolleninterpretation als gelungene Wechselwirkung zwischen Schauspieler- und Regieleistung - Dominik Graf (Regie)
und die Schauspielerinnen und Schauspieler
- Alina Levshin,
- Max Riemelt,
- Ulrike Claudia Tscharre,
- Ronald Zehrfeld im Gespräch mit
- Prof. Anna Kurek (Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf"), Schauspielerin, Grimme-Jury-Mitglied

20.00 Uhr Publikumsdiskussion
Moderation Volker Bergmeister

20.30 Uhr Resümee
- Volker Bergmeister

Der Kommentar

Der Regisseur spricht vor dem Publikum in Berlin. Ein gutes Publikum, das seine Arbeiten im Fernsehen gesehen hat, das weiss, dass diese aussergewöhnlichen Anstrengungen aussergewöhnlichen Menschen geschuldet sind, die aussergewöhnliches geleistet haben. Und wenn er spricht, spricht er über die ganz gewöhnlichen Herausforderungen eines Berufs, den man eben nicht nur an der Schule hat lernen können, sondern in der alltäglichen Auseinandersetzungen mit und in der Praxis.

Er setzt damit auch ein gutes Gegengewicht zu einer Passage aus dem DWDL -Interview mit Geschäftsführer Rainer Wemcken aus Anlass des 20. Geburtstages von GrundyUFA.

Wemken in dem mit Thomas Lückerath geführten und am 23. November 2011 ab 07:52 Uhr publizierten Gespräch:

Ich behaupte sogar, dass die meisten sehr guten deutschen Regisseure das, was wir in einer täglichen Serie leisten, gar nicht könnten. Einerseits, weil sie es nicht gewohnt sind, es noch nicht gemacht haben und andererseits weil sie am Tag wohl kaum mehr als fünf Minuten inszenieren können.

Stellen Sie Dominik Graf mal vor die Budget-Frage...

...mit Dominik Graf habe ich in der Vergangenheit zusammen gearbeitet und kenne ich nun auch sehr gut, er hat ein ganz anderes Spektrum an Filmen und Serien, die er dreht. Aber viele Kollegen, die uns bei uns mal hinter die Kulissen blicken, verlassen uns mit Hochachtung für die Leistung, die wir erbringen. Die Daily ha[b]t schon lange das Image des Schmuddelkindes abgelegt.

In dem Podiumsgespräch in Berlin vom 24. November 2011 spricht Graf von 12 und mehr Minuten, die er pro Drehtag an Material für die daraus gewonnene sendefertige TV-Zeit in seinen "Bildersack" hat einspielen können.

Und macht dabei klar, wie wichtig es sei, gerade in diesen Situation und Tagen, in denen mit höchstem Druck gearbeitet wird, sich auch eine Auszeit nehmen zu können, wenn sich im Verlauf der Arbeit "Sandkörner" einschleichen, die den Apparat zum Knirschen bringen: "zwanzig Minuten reichen", sagt er, um sich besinnen zu können, das Geschehen und analysieren und neu einzustarten, um dann wieder auf volle Touren zu kommen - und so dann doch noch zu erreichen, was vor dieser Pause als massive gefährdet wahrgenommen worden sei.

Aus seiner Sicht sei es wichtig, ja entscheidend, auch im Verlauf seiner Arbeit Transparenz auch dann herzustellen, wenn es um Aufgaben gehe, die nicht die direkte Arbeit am Set betreffen, sondern beispielsweise seinen Dialog mit der Produktion Selbst wenn es dabei um Spitz und Knopf geht. Es habe Zeiten gegeben, so berichten die Schauspieler, da habe dieser Dialog die Arbeit am gesamten Set gestoppt - inklusive die Arbeit eines Kollegen, der in 15 Metern Höhe am Seil gehangen und auch dort geduldig gewartet habe.

Das - so wird aus diesem Blick in die Werkstatt klar - ist des Ergebnis einer Zusammenarbeit, die auf gegenseitigem Vertrauen beruht, auf einem hohen Grad an Respekt an der Arbeit des Anderen. Wenn die Verhältnisse schon so bescheiden seien, das man vor einer blauen Wand ganze blühende Landschaften zu inszenieren habe, dann sei es umso dringender geboten, den Schauspielern dafür den roten Teppich auszurollen.

Und der "rote Teppich" ist in diesem Umfeld das Gegenteil dessen, als was er in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Nicht als der Laufsteg der Inszenierten Selbstdarstellungen sondern als das Arbeitsumfeld, das die Herstellung aussergewöhnlicher Leistungen befördert. Leistungen, über die sich selbst die Schauspieler gelegentlich wundern, wie diese haben zustande kommen können.

Es geht nicht um Eitelkeiten, sondern immer wieder erneuten Versuch, eitel Freude an der Arbeit gewinnen, sich auf eine ganz besondere Szene auf einen ganz besonderen Dialog zu freuen, das an diesem neuen Tag auf seine Umsetzung wartet.

Es ist viel und manchmal zu klischeehaft über die Arbeit der Filmcrew als Team geredet worden, Hier und und an diesem Abend konnte am Abglanz der wenigen kargen Worte nachvollzogen - ja sogar ein Stück weit nacherlebt - werden, was es bedeutet, sich aufeinander verlassen zu können. Sich nicht mehr beweisen zu müssen, dass man gut sei, sondern mit Güte aufeinander zugehen zu können um beweise zu können, dass man einen guten Film wird machen können.

Nein, an diesem Abend sei es nicht um mögliche "Burn Outs" gegangen nach denen auch das Publikum gefragt habe, an diesem Abend, so Grimme Chef Kamman in seinen erfreulich kurzen und einfühlsamen Abschlussbemerkungen, sei des Thema das "Burn In" einer solchen TV-Film-Produktion gewesen.

Der Bericht

Über diesen Link zur URL des Grimme-Instituts gibt es mehr zu lesen über diese Veranstaltung vom 24. November 2011: Grimme trifft die Branche.


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