DJV-Verbandstag 2011 [II]

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 16 Uhr 06 Minuten

 

Dieser nachfolgende Text entsteht im Verlauf des zweiten DJV-Verbandstages, am 8. November 2011. Er wird in-status-nascendi ins Netz gestellt und ist daher allerlei Veränderungen und Korrekturen unterworfen.
Die hier eingestellten Fotos wurden nach und nach hinzugefügt, nachdem sich herausgestellt hat, dass - im Gegensatz der hier zitierten Texte - von der Pressestelle des Verbandes auch nicht ein einziges Foto auf der eigenen Website veröffentlicht oder zur weiteren Verwendung angeboten wurde.


Schon vor Beginn der Veranstaltung am 7. November 2011 hat es eine Zeit gedauert, bis dieser Zustand erreicht werden konnte. Eine freie WirlessLAN-Verbindung war nicht geschaltet. Und die Verbindungs ins Telekom-Netz war zu schwach, um wirklich genutzt werden zu können. So bedurfte es nach der formalen Eröffnung einer freundlichen Rüge seitens des Tagungspräsidiums, die schlussendlich ihre Wirkung nicht verfehlte. Quod erat demonstrandum.

Noch schwieriger war es, an dem Delegiertenplatz auch einen 220 Volt Stromanschluss zu bekommen. Technisch einen solchen einzurichten, wäre nicht das Problem gewesen; allein auf die entsprechende Bitte hin kam nach entsprechender Wartezeit die Antwort, dass solch ein Ansinnen von der Tagungsleitung zurückgewiesen worden sei.

Wie bitte?

Schwamm drüber: wie die werte Leserin, der werte Leser angesichts dieses Textes feststellen kann, läuft der Rechner auch noch am zweiten Tag - nachdem es zuvor eines hohen Aufwands an Durchsetzungsvermögen und diplomatischem Geschick bedurft hatte, auch diese "Kuh" vom Eis zu bekommen. [1]


Zum ersten Tag des Verbandstages schreibt der Pressesprecher des Verbandes:

So viel Pressefreiheit war selten am Anfang eines DJV-Verbandstags. Zuerst betonte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken ihre Bedeutung und ihre Bedrohungen, dann folgte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Mit Engagement über Überzeugung sprach sie zu den 300 Delegierten in Würzburg, und wäre das Ende des Verbandstags am Montag nicht auf 18 Uhr festgelegt gewesen, die Diskussion mit der Ministerin wäre noch weiter gegangen.

Pressefreiheit? Dass sich der Vorsitzende zu Fragen der Pressfreiheit äussert, ist sein gutes Recht - und nicht billig.

Aber dass sich die Ministerin nach ihrem Vortrag auch der Diskussion mit den Anwesenden gestellt hat, das hat nichts mit Pressefreiheit zu tun, sondern mit der überzeugenden Bereitschaft des hohen Gastes, sich dem Gespräch mit den Betroffenen zu stellen. Diese Bereitschaft zu einem Dialog - "Sie sind offen und ich bin offen" - ist Ausdruck der Haltung einer aufrechten Persönlichkeit, die - wie nicht mehr viele - bereit ist, auch zuhören zu wollen und zu können.


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Die Idee, sich von der Ministerin mit einem grossen Strauss Blumen zu verabschieden, war als Geste ebenso nett wie hilflos. Es ist doch klar, dass ein solcher Blumengruss - so gut er auch gemeint sein mag - zu gar nichts nützt, als für das Foto auf der Bühne und danach gut auszusehen. [2]

Wieviel klüger wäre es gewesen, der Frau Ministerin etwas in die Hand zu geben, was sie wirklich auf ihrem Weg weiter hätte mitnehmen und bedenken können.

Wie wäre es mit der Idee, ein Präsent in Form von Glückskeksen zu überreichen, in denen die wichtigsten Leitsätze der Verbandsposition nochmals als kleine Textstreifen geschmackvoll verpackt in Erinnerung gerufen werden?

Oder: Wie wäre es mit einem Stenogramm dieser Veranstaltung, in der die gestellten Fragen nochmals in Ergänzung dieser Positionen zusammengefasst worden sind. Ein solches kann gut und gerne auch noch nachgeliefert werden.

Denn - wie gesagt - es verdient aller Achtung und Beachtung, dass die Ministerin wirklich und wahrlich den Dialog mit allen anwesenden Journalistinnen und Journalisten gesucht hat - und nicht nur das Vier-Augen-Gespräch mit dem DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. [3]


Wahltag ist Zahltag.

Heute, am zweiten Tag des Verbandstages, geht es um Zahlen.
Denn es geht um Wahlen. Es geht um die Stimmenanzahl, die für die Entlastung des bisherigen Vorstands sprechen, hier nochmal im Bild:


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Und es geht um die Wahl des Neuen.

Die Ergebnisse dieses Tages werden - soweit und sobald sie vorliegen - als Links und/oder als PDF auf dieser Seite dokumentiert.

In einem ersten Wahlgang für den ersten Vorsitzenden werden 268 Stimmen abgegeben. Und KEINE von diesen Stimmen ist ungültig. Enthalten haben sich 9 Personen. Gegen die Wahl beider Kandidaten haben 13 Personen gestimmt. 237 Stimmen erhielt der alte - und damit auch neue Vorsitzende - Michael Konken. 9 Stimmen wurden für für Herrn Conen abgegeben [4]

Das liest sich in der hauseigenen Presseverlautbarung dann so:

Michael Konken bleibt für weitere zwei Jahre Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes. Die rund 300 Delegierten des DJV-Verbandstags in Würzburg bestätigten ihn am heutigen Dienstag mit fast 90 Prozent der Stimmen im Amt. Der Journalismus-Dozent aus Wilhelmshaven steht seit 2003 an der Spitze von Europas größter Journalistenorganisation. Ebenfalls mit überwältigender Mehrheit wurden die freien Journalisten Ulrike Kaiser und Michael Anger als Konkens Stellvertreter wieder gewählt.
Als neuer Schatzmeister gehört der freie Journalist und Sachbuchautor Frank Überall aus Köln dem DJV-Bundesvorstand an. Zu Beisitzern wurden die freie Journalistin Kathrin Konyen aus Neu-Ulm, der Zeitungsredakteur Wolfgang Grebenhof aus Franken und der Online-Redakteur Peter Jebsen aus Hamburg gewählt.
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Dieses Foto zeigt den neuen Vorstand in Aktion: bei der Ablehnung von einem der vielen Anträge der Landesverbandes Brandenburg. [6]


Im Nachgang der Wahlen und kurz vor Beginn der Mittagspause spricht die hiesige Weinkönigin, begrüsst die Gäste, lädt sie zu einer Verkostung ein und beschliesst ihre Promotion mit dem Satz: "Wer nicht geniesst, wird irgendwann ungeniessbar."


In der Pause werden die Ergebnisse gesichtet - und gezählt. Der Betriebsrat des Schwarzwälder Boten zählt - am 73. Streiktag - die als Barmittel zur Verfügung gestellten Spenden zur Unterstützung der Streikenden vor Ort. In Euro 1.077, 50. Hinzu kommen Spenden von je Euro 1.000 aus vier Landesverbänden.


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Anmerkungen

[1Dass all diese Probleme im Prinzip nicht hätten sein müssen, zeigt das nachstehende Foto vom Tisch der Verbandsgeschäftsführung. Dort sitzen die Menschen, die von uns Mitgliedern gewählt und finanziert werden - und dann doch gleicher sind die Gleichen...
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[2Und dass dann im Nachgang für die zuvor vereinbarten Interviews* mit der Ministerin nicht einmal ein Raum zur Verfügung stand, dass erst ein Mitarbeiter des Servicepersonals gesucht und gefunden werden musste, um einen solchen Platz für diese Gespräche bereitzustellen, all das und vieles mehr ist dem Ruf des DJV als der weltweit zweitgrössten Vereinigung von Journalisten alles andere als angemessen.

*Eines der hier geführten Interviews wird am Sonntag, den 13. November 2011 im Medienmagazin des Bayerischen Rundfunks auf Bayern 5 aktuell zu hören sein.

[3Erstaunlich, aber wahr: in der verbandseigenen Presse-Erklärung wird nicht über diesen offenen Dialog mit den Delegierten berichtet, sondern ausschliesslich davon, dass er nach ihrer Rede die Bundesjustizministerin dazu aufgefordert habe, in der Koalition weiterhin für die Pressefreiheit zu streiten...

[4Er erklärt im Anschluss, dass die Wahl unwirksam sein könnte. Und dann tut er so, dass dies nicht sein könne, indem er "den Volksmassen" dankt, dass sie ihn gewählt hätten. [ja, das hat er wirklich so gesagt angesichts der 9 Stimmen, die ihn gewählt haben.

[5In den Auszählzeiten wurden die nunmehr ehemaligen Vorsitzenden von drei Landesverbänden öffentlich geehrt: Die Herren Koty und Dr. Pistorius, beide Berlin, und Wolfgang Marr aus Thüringen:
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[6Während am 7. November die Plätze der Delegierten des DJV Berlin-Brandenburg noch mit diesem Namen ausgezeichnet waren, wurde am 8. November dieser Namenszug vom Veranstalter in "DJV Berlin" geändert und in den Schildern ausgewechselt.
Während also auf der presseöffentlichen Bühne die Positionen im freien Wettstreit der Meinungen ausgetragen werden, gibt es in der Person des Vorsitzenden des Landesverbandes Brandenburg jemanden, der parallel zu diesen Wortbeiträgen längst seinen Anwalt eingeschaltet hat, um damit seine Position über die Intervention der Gerichte zur Geltung zu bringen.
PS.
Vom Vormittag dieses Tages gibt es im Umfeld dieses Themas und dieser Person eine vor dem Auditorium vorgetragene persönliche Stellungnahme des Autors, die bei Bedarf aufgeschrieben und dann zur Verfügung gestellt werden kann.


 An dieser Stelle wird der Text von 8884 Zeichen mit folgender VG Wort Zählmarke erfasst:
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