Pre-PhD-Preview: VideoFilmFest -> Transmediale

VON Dr. Wolf SiegertZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 16 Uhr 09 Minuten

 

Dieser Text wurde bereits vor längerer Zeit als Entwurf auf die Ausschreibung zur Teilnahme und Teilhabe an der transmediale 2012 verfasst, die sich auch dem Thema "25 years of transmediale" annehmen will [1].

Er wird jetzt erstmals öffentlich aus Anlass der Tagung reSource in/compatible Research vom 16. bis 18. November 2011 zur Diskussion gestellt.


Auch wenn diese Veranstaltung vom 31. Januar bis zum 5. Februar 2012 im Haus der Kulturen der Welt als die sogenannte tm.12 bekannt gemacht wird: Es ist das 25. Jahr einer Veranstaltungsreihe, die im Jahr 1988 als das sogenannte VideoFilmFest aus der Taufe gehoben worden war. [2]

Dass aus einem solchen Anlass - einmal mehr - der "Vergangenheit & Zukunft" - Modus aktiviert wird, ist naheliegend. Aber auch ganz besonders schwierig - wie reizvoll: denn am Anfange waren der Film - und die analoge Welt. Und heute sind das Internet - und die digitale Welt.

Und dass man sich mit dem Thema "Zukunft" beschäftigen wird, ist dem Profil dieser Veranstaltung inhärent: Gesucht werden wird, was ES sein könnte, das jenseits dieses Transitionsprozesses ansetzt. Wir werden alle wie Scouts danach Ausschau halten, was jenseits dieses Paradigmenwechsels die neuen Werte und Wertmassstäbe sein könnten. Und was sich gar in Formen zu präsentieren traut, die wir dann sogar wieder ganz unmittelbar als "Kunst" werden wahrnehmen können.


1988, das war das Jahr jener Zeit, in der in Baden-Württemberg darüber nachgedacht wurde, der entstehenden Video-Kunst eine neue Heimat zu geben.

Zu jenem Zeitpunkt selbst als einer der Kandidaten für die Geschäftsführung im Gespräch - und in der Anhörung - galt es damals schon, Position zu beziehen. Und dann in Berlin zum Leben zu erwecken, was unter anderen Voraussetzungen auch in Karlsruhe an den Start gehen sollte.

An beiden Standorten ist mit sehr unterschiedlichen Profilen an diesen Themen gearbeitet und geforscht worden. Und immer wieder wurde versucht, das oft noch Unsagbare schon mit den Mitteln der Kunst im Vorfeld einer neuen Wahrnehmung zur Sprache zu bringen.

Das war - und das ist - gut so.


Peter Weibel, der sich anno 1968 auf der Kärntnerstrasse im 1. Wiener Bezirk von Valie Export auf offener Strasse als Hund Gassi führen liess, ist heute noch in Karlsruhe - und rund um die Welt - tätig.

Mickey Kwella ist tot. Und in diesem Jahr tritt der dritte Festivalleiter seine Nachfolge an - und die seiner beiden Vorgänger.

Was läge also näher, diese Zeit nochmals in Erinnerung zu rufen - nicht so sehr als Wehklage über den Verlust des Analogen - oder vielleicht doch? - sondern als Werkstattbericht über die Herausforderungen eines cultural change managements in dieser Zeit. [3]


Dazu zwei Vorschläge für zwei öffentliche Foren, die jeweils zu Beginn und am Ende der nächsten transmediale durchgeführt werden könnten - wobei die nachfolgend genannten Personen bislang weder angefragt wurden noch selber mit einem solchen Vorschlag öffentlich aufgetreten sind [4]:

Der Blick zurück: in eine andere Zeit.

— Hartmut Horst [5] und/oder:
— Christoph Terhechte [6]
und/oder:
— Ulrich und Erika Gregor [7]

— Andreas Broeckmann [8]

— Stephen Kovats [9]

— Kristoffer Gansing [10]

Der Blick nach vorn: in eine Zeit jenseits der Zeit

Wenn es stimmt, dass mit der Digitalisierung die traditionellen Kontinuitäten und Bezüge mehr und mehr aufgelöst werden, ja, dass die Dynamik der Entwicklung der Digitalisierung schon eine permanente Wiederherstellung des von der Zeit Überholten erfordert [11], dann wäre es doch spannend, mit jenen Persönlichkeiten zu reden, die für die Re:Präsentation und Fortentwicklung dieser Prozesse eine wichtige Aufgabe übernommen haben, also
— der hier bereits mit seinem Standort Karlsruhe zitierte Peter Weibel
— der von Linz aus in die ganze Welt wirkende Gerfried Stocker [12]
— der in München und TelAviv die digitale Welt versammelnde Hubert Burda.


In der Zeit vom 16. - 18. November 2011 werden in Zusammenarbeit mit dem Vilém Flusser Archiv an der Universität der Künste in Berlin ein Workshop und eine Konferenz unter dem Titel reSource in/compatible Research durchgeführt, die laut Ankündigung ausschliesslich einem internationalen Kreis von Doktoranden vorbehalten ist.

Aber vielleicht ist das dennoch eine guter Anlass, in diesen Tagen am Rande dieser Veranstaltung über das Thema "tm *25" nochmals nachzudenken, nach Vorschlägen zu fragen und zu einem Konzept zu kommen.

Anmerkungen

[1tm.12 will mark the 25 year anniversary of the festival, to be reflected in a programme that both looks back at the festival’s role in the past and at the same time redefines what it could be in the future. Born as VideoFilmFest in 1988, the festival was from the beginning an outlet for the kind of hybrid artistic and activist practices that did not fit in at the regular film festivals. In this sense the in/compatible theme is also a reflection on the festival as such, always searching for new questions and formats.

[2Etwas obacht geben sollte man bei der Zählweise. Denn die 25 Jahre sagen nicht, dass dieses die 25. Veranstaltung wäre - hinzu kommt, dass es zwischendurch einen "Aussetzer" von einem Jahr gab.

[3Siehe dazu das Programm der Karlsruher Tagung zum Thema:
Digitalisierung und Bewahrung des digitalen kulturellen Erbes vom 24. und 25. Oktober 2011.

[4Dennoch - oder gerade deswegen - soll hier ein solcher Dialog angeregt werden.

[5Kress-Mediendienst vom 26.11.1997 12:00
Hartmut Horst, 45, Geschäftsführer des Berliner Radio Energy 103,4, hat den Jugendsender verlassen - im gegenseitigem Einvernehmen mit den Gesellschaftern, wie einer der beiden neuen kommissarischen Geschäftsführer, Christophe Montague, sagt. [...] Über den Grund der Trennung schweigt sich Montague aus. Hartmut Horst denkt noch darüber nach, wie´s weitergeht im Leben.

[6Seit Ende 1997 Mitglied im Auswahlkomitee des Forums und seit Mitte des Jahres 2001 Leiter der Sektion des Internationalen Forums des Jungen Films

[7Von 1971 bis 2001 Gründer und Leiter der Berlinale-Sektion Forum; hier in einem kurzen Auszug aus dem Gespräch mit Matthias Dell im Freitag vom 10. Februar 2010:

Ulrich Gregor: Ich trage alles in den Computer ein. Als die ersten PCs raus­kamen, habe ich sofort einen angeschafft, die waren damals noch wahnsinnig teuer...

Erika Gregor: ...und riesengroß

Ulrich Gregor: … damit wir die Forums-Arbeit organisieren können. Wir haben seit den achtziger Jahren minutiös aufgeschrieben, was wir gesehen haben, auch die Urteile der Auswahlkomitees. Das ist zum Teil sehr lustig, das heute nachzulesen. Wenn man so viele Filme sieht, muss man das unbedingt machen, denn manchmal weiß man nicht mehr genau: Habe ich den Film eigentlich gesehen oder nicht?

[8War der zweite Festival-Leiter seit 2001 und auch noch im zwanzigsten Jahr nach der Gründung.
Zusammen mit Thomas Munz und dem gesamten transmediale-Team wurde 2007 das
TM*20 Register. 20 Jahre transmediale Andreas Broeckmann, Thomas Munz (Hg.), Berlin, Akademie der Künste 2007 · 20 Farb- u. 5 s/w-Abb., 298 S. · Best.-Nr. 1120 · € 15,00
herausgegeben.
Das darin gegebene Versprechen, Korrekturen und die weitere Entwicklung des Festivals unter dem Link www.transmediale.de/tmx20 nach- bzw. einzutragen, ist nicht (mehr) erfüllt worden.

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[9Wurde vom Künstlerischen Beirat als der dritte Festivalleiter ausgewählt und hielt mit seinem Konzept diese Position bis 2011 inne.

[10Wir erlauben uns an dieser Stelle das Profil des neuen künstlerischen Leiters von der Seite http://www.transmediale.de/content/transmediale-autumn-update nochmals zu zitieren, da der dunkelgrau auf schwarz gesetzte Text am Bildschirm ohne weitere Bearbeitung so "gut" wie nicht lesbar ist:

Ab 2012 übernimmt der Schwede die künstlerische Leitung der transmediale in Berlin und tritt somit die Nachfolge von Stephen Kovats an, der sich nach der transmediale 2011 neuen Aufgaben widmet.

Dem transmediale Beirat, der sich für Kristoffer Gansing als neuem künstlerischen Leiter entschied, gehörten an: Alex Adriaansens, Rotterdam; Prof. Dr. Marie-Luise Angerer, Köln; Prof. Dr. Dieter Daniels, Leipzig, (Vorsitzender); Jan Edler, Berlin; Dr. Marie Cathleen Haff, Berlin; Hortensia Völckers, Halle/Saale.

Kristoffer Gansing wurde 1976 im schwedischen Karlstad geboren. Heute lebt der Kulturproduzent und Medienexperte in Kopenhagen und Malmö. Gansings Interesse gilt den Schnittstellen zwischen Medienkultur, Kunst und Alltag; seit 1999 sind zahlreiche Beiträge von ihm in internationalen Zeitschriften und Büchern erschienen, darunter „Sarai Reader 05: Bare Acts”, „Online Territories” und „Place Studies in Art, Media, Science and Technology”. Gansing war 2005 Mitbegründer und bis 2009 Leiter von „The Art of the Overhead“, ein Vorreiter auf dem Gebiet medienarchäologischer Kunstpraxis. Mit dem Projekt für seine Doktorarbeit, „Transversale Medienpraxis“, an der K3 School of Arts and Communication (Universität Malmö) untersuchte er die zunehmende Hybridisierung alter und neuer Medientechnologien in der medialen Kunst und Network Culture. Seit 2006 gehört Kristoffer der Leitung von tv-tv an, einem von Künstlern betriebenen Fernsehkanal in Kopenhagen, der in Dänemark landesweit sendet. Er war Teilnehmer und zwei Jahre lang auch Koordinator der Kunst & Technologie-Gruppe „E.A.T. Sweden“.

Für die transmediale 2012 entwickelt Gansing bereits ein Konzept. Er möchte, „dass sich das Festival und die dazugehörigen Communities mit den oft schöngeredeten Unstimmigkeiten über die Art und Weise, wie Medientechnologien in der Gesellschaft verbreitet werden (sollten), auseinandersetzen. In diesem Rahmen soll mit dem Mythos der reibungslosen Übereinstimmung Schluss sein, stattdessen sollen Künstler und Kulturproduzenten herausgefordert werden, die klaren Linien der radikalen Unvereinbarkeit herauszuarbeiten – und die vielen widersprüchlichen Parallelwelten in der Network Culture zu untersuchen“.

[11Siehe dazu zum Beispiel den Bericht des Deutschlandradio Kultur vom 28.Oktober 2011 , 23:05 Uhr von Christian Gampert mit dem Titel: "Ständige Umwälzung" "Wie digitale Medienkunst im Karlsruher ZKM bewahrt und restauriert wird".

[12Hier nun doch mal eine persönliche Anmerkung: Lesen sie nach, was Gerfried in einem Standard-Interview vom 09. September 2010 17:02, über seine alten Autos sagt. Das Ende seines Textes wird konterkariert mit einem Anzeige-Link der besagt: "Porsche Gebrauchtwagen finden Sie auf derStandard.at/Auto" [sic!]
Und wenn das noch nicht reicht, gibt es hier einen Link mit Hinweisen auf einen eigenen PKW, der inzwischen auf Anraten einer höheren Gewalt verkauft werden musste. WS.


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