MEHR RESPEKT!

VON Dr. Wolf SiegertZUM Mittwoch Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 16 Uhr 01 Minuten

 

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Hier zunächst der Text der Einladung:

MEHR RESPEKT! 12 Thesen zum Urheberrecht - Veranstaltung mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann

[...]

Die Dis­kus­si­on um den Stel­len­wert des Ur­he­ber­rechts in der di­gi­ta­len Welt wird hef­ti­ger denn je ge­führt. Rech­te der Ur­he­ber wer­den eben­so hin­ter­fragt wie bis­he­ri­ge zen­tra­le Be­grif­fe, etwa der des geis­ti­gen Ei­gen­tums.

Kul­tur­staats­mi­nis­ter Neu­mann hat sich dazu früh und poin­tiert ge­äu­ßert. Die In­itia­ti­ve Ur­he­ber­recht und die Deut­sche Li­te­ra­tur­kon­fe­renz haben sich des­halb ent­schlos­sen, den Staats­mi­nis­ter ein­zu­la­den, seine The­sen und Ein­schät­zun­gen in einem brei­te­ren Rah­men vor­zu­stel­len.

Im An­schluss wird eine hoch­ka­rä­tig be­setz­te Runde von Ur­he­bern die Si­tua­ti­on der Krea­ti­ven im di­gi­ta­len Zeit­al­ter dis­ku­tie­ren. [...]

In­itia­ti­ve Ur­he­ber­recht Deut­sche Li­te­ra­tur­kon­fe­renz
c/o VG-Bü­ro Ber­lin Ge­schäfts­stel­le
Kö­the­ner Stra­ße 44
10963 Ber­lin

PRO­GRAMM

MEHR RE­SPEKT! ZWÖLF THE­SEN ZUM UR­HE­BER­RECHT

LAN­DES­VER­TRE­TUNG SACH­SEN-AN­HALT

BE­GRÜ­ßUNG
Kers­tin Hen­sel, Spre­che­rin der Deut­schen Li­te­ra­tur­kon­fe­renz [1]

PO­DI­UMS­GE­SPRÄCH
Tho­mas Bürk­holz
Tho­mas Drei­er
Burk­hard Spin­nen
Cay Wes­nigk

MO­DERA­TI­ON:
Fred Brei­ners­dor­fer

1.

Nachfolgend einige direkt während der Rede und der nachfolgenden Diskussion mitgeschriebene - und noch nicht redigierte - Stichworte:

OHNE UR­HE­BER KEINE KUL­TU­REL­LE VIEL­FALT
12-Punk­te-Pa­pier zum Schutz des Geis­ti­gen Ei­gen­tums im Di­gi­ta­len Zeit­al­ter
Staats­mi­nis­ter Bernd Neu­mann MdB
Be­auf­trag­ter der Bun­des­re­gie­rung für Kul­tur und Me­di­en

"Kreativität ist was wert" so die These, aber in Zeiten des Internets gibt es eine Gratis-Mentalität. Welche Auswirkungen hat das auf die Arbeit der Künstler und Urheber.

Die Position dieses Mottos sollte wieder stärker betont werden.

Es gäbe neue Chancen - aber auch neue Risiken.

"Mein Credo: Die Sicherung des geistigen Eigentums in der digitalen Welt wird die grösste Herausforderung in dieser Zeit sein."

Noch viel mehr und noch viel deutlicher solle die Stimme von den Betroffenen erhoben werden: Machen Sie in der Öffentlichkeit klar, dass sie von ihrer Arbeit leben müssen.

"Ich verstehe mich klar als Anwalt der Kreativen und davon lasse ich mich in meinem politischen Handeln leiten."

Die Debatte solle mit dem 12-Punkte Papier angestossen werden. Und damit sollen auch die Andersdenkenden in Zugzwang gesetzt werden. Jetzt sei auch eine klare Positionierung von Seiten der SPD von Nöten.

"Nicht jedes Wahlergebnis kann in diesem Zusammenhang gefallen".

Die Antwort sei der Aufbau der Deutschen Digitalen Bibliothek.

"Künstlerische Freiheit und kulturelle Vielfalt gehen Hand in Hand."

Auch das Urheberrecht sei ein Menschenrecht: seit 1949.

In der langen Liste der Urheber werden auch die Journalisten genannt, die "Werke und Werte" schaffen.

Der hohe Erfolg der Kreativwirtschaft ist ein grosser Erfolg - auch der "Content-Allianz".

Es gäbe kulturelle Teilhabe auch an den Inhalten durch Medienkompetenz.

"Wir wollen, dass auch verwaiste und vergriffene Werke in der digitalen deutschen Bibliothek mit aufgenommen werden."

"Seit Mai 2011 gibt es einen Vorschlag der EU-Kommission, der begrüsst wird."

Verbesserungem dieses Vorschlages seien zu bedenken: bei den teilverweisten Werken sei der Umgang mit diesem Thema noch fraglich.

"Ich könnte mir auch eine durchaus stärkere Beteiligung der Verwertungsgesellschaften vorstellen."

"Meine Ungeduld unterschiedet sich nicht von Ihrer. Insbesondere gilt das für die verwaisten und die vergriffenen Werke. "

Der Missbrauch bestehender Rechte solle zuerst verwarnt werden. Danach könnte es zu einer ernst zu nehmenden Reaktion kommen, zum Beispiel in Richtung einer kostenpflichtigen Abmahnung.

"Wir diskutieren dieses Thema ja auch in England und in Frankreich. Da ist man schon weiter. Und in Deutschland muss auch was geschehen. "

Die Providerhaftung solle modernisiert werden. Denn auch sie, die Provider profitieren von der geistigen Leistung Anderer. Hier sei eine Weiterentwicklung zu prüfen.

"Ich setze mich für ein Leistungsschutzrecht für die Presseverleger ein. Die vielfältige Presselandschaft soll geschützt und erhalten werden. - Ich kann mir dabei keine getrennte Regelung zwischen den Verlegern und den Journalisten vorstellen. - Ich rede hier nur davon, wenn es um die gewerbliche Nutzung geht".

Abschliessend wünscht sich Bernd Neumann, dass es in spätestens zwei Jahren zu einer nachhaltigen Verbesserung der Situation gekommen sei.

2.

Und nun noch einige Aufzeichnungen, die im Verlauf der Podiumsdiskussion angefertigt wurden.

Gleich zu Beginn werden von der Moderation die Finger in die Wunden gelegt:

— Es gehe um die angemessene Vergütung von Urhebern, die in der Diskussion um die 12 Punkte nicht mit berücksichtigt werden.

— Es gehe darum, wie mit den Urhebern vertraglich umgegangen wird.

— Es geht um die Vergütung von Mehrerlösen.

Es antworten:

Der Film: Das Boot habe dem Produzenten trotz des weltweiten Erfolges insgesamt Verluste eingebracht.

Die Musik: Der Zustand bei den Musikern sei schlicht und einfach nur schrecklich. In Zahlen [auch wenn eigentlich keine genannt werden sollten:] ca. zehntausend Euro pro Jahr.

Die Autoren: die KSK-Zahlen sagen elftausend Euro Jahreseinkommen.

Cay Wes­nigk: Die Industrie leiste ihre Zahlungen - auch wenn es nur Kleinstbeträge sind - höchst ungern.
Was ist die Rolle der Verwertungsgesellschaften? Wie macht man eine Vergütung einfach und gerecht? Und das ohne einen "Verwertungsgesellschaftstrojaner"?
Er kenne noch keine Modelle, mit denen das funktionieren könnte.
Das File-Sharing-Modell habe sich als besonders effektiv erwiesen. So konnten die Kosten gut sozialisiert werden. Diese Technik sei nicht eine Gefahr, würde es aber dann, wenn es um ein "stranger sharing" gehe.
"Die Öffentlich Rechtlichen" haben sich in eine Ecke hineinmanöviret, von der man gar nicht mehr weiss, wo man sich eigentlich hinschämen solle.
Das Modell des Crowdfunding, das habe Leipzig jetzt wieder gezeigt, könne sich durchsetzen.
Der Vertrieb des Films Iron Sky sei zur Hälfte von der Community finanziert worden.
Das Problem sei, dass die Nutzer nicht bereit seien, mit ihren Zahlungen die Verwerter zu entlohnen und das Geld nicht bei den Urhebern ankomme.

Burkhard Spinnen: Das Niveau, auf dem wir jammern, sei immer noch gar nicht so schlecht. Es ist eine Qualität des Künstlers, Katastrophen vorhersehen zu können.
Aus dieser Katastrophenaffinität könne zum Beispiel ein Roman werden. Aber ist "das System" bereit, dafür eine Qualität anzuerkennen? Der Erfolg sei nur dann einer, wenn er ein Verkaufserfolg sei. "Der wunderbare Text eines Gedichtbandes ist maximal 800 mal 2 Euro". Die Raubdrucke gegen Zettels Traum wurden verkauft - und zugleich wieder vernichtet. "Der adäquate Verkauf der Kopie war im analogen Zeitalter noch etwas anderes als im digitalen".
"Der Künstler ist nicht Dienstleister, sondern ein schaffendes Individuum. Und dabei ist und bleibt es unendlich schwer, sich gegen die Meinung der grossen Mehrheiten durchzusetzen. "
"Seit den 90er Jahren begleite ich Internet-Projekte. Aber auch im Internet gibt es Wüsten. Benjamins Hoffnungen aus dem Jahr 1931 haben sich bis heute nicht konkret umsetzen können. "
Wie ist das Risiko des Verlegers zu bewerten? Wie ist die Position des Autors zu bewerten, der auf das eigene Lebensrisiko hin investiert, sich selbst investiert.

Tho­mas Drei­er sagt aus "professoraler Sicht": die online-Verkäufe der Verlage würden ca. 2% des Umsatzes machen.
Viele junge Autoren wollen dagegen mit der Gratis-Publikation bekannt werden.
Das seien zwei ganz unterschiedliche Positionen.
Die Urheber, die Nutzer, die Vermittler und die Wettbewerber sind alle Bestandteil dieses Geflechtes. Und es sei notwendig, die Sicht aus dem Zusammenhang der Beteiligten zu erörtern.
Google habe es geschafft, für sich selbst eine "win-win-Situation" herzustellen - und damit einen Kontakt mit den neuen Ideen, die vor allem von den jungen Menschen erkannt werden. Aus seiner Sicht sei daher die Gründung des Berliner Instituts durchaus zu begrüssen.

Tho­mas Bürk­holz macht deutlich, das die vielen Diskussionen über das Internet dazu führen, dass man eigentlich gar nicht mehr über das Urheberrecht im eigentlichen Sinne diskutieren würde.

Daraufhin kommt die Position aus dem Publikum, die besagt: Das Problem sei nicht das Internet, sondern der Geldfluss.
In einer zweiten Position wird erläutert, dass nicht die Gewinne der Verlage interessieren, sondern die Umsätze. Die Content-Allianz sei eine Allianz von Verwertern, nicht von Urhebern.

3.

Kaum einer der Anwesenden hat vor Ende der Veranstaltung den Raum verlassen - ausser der Staatsminister mit seinem Tross.

In der Zeit des Empfangs wurde dann dieser Text fertiggestellt und hochgeladen.

Und ein besonderer Dank geht an die Landesvertretung und seinen Vertreter, die/der auf Anfrage eine echt stabile WLAN-Versorgung zur Verfügung gestellt hat.

Anmerkungen

[1"In diesem für die DDR-Künstler sehr traditionellen Haus"


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