Die Vermittlung & Wahrnehmung "generativer Medien"

VON Dr. Wolf SiegertZUM Sonnabend Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 14 Uhr 22 Minuten

 

O.

Auf der vorangegangenen Seite vom Freitag, den 15. Juli 2011: Alles Wissen ist Macht - nichts finden Ohnmacht? gab es in einer der Anmerkungen einen Bezug auf eine Online-Werbung, in der ein besonders günstiges Schnitzel-Esse in Berlin angeboten wird.

Der gleiche werbetreibende Anbieter ist auch auf der Eingangsseite des heute kommentierten Themas mit der Google-Anzeige " -70% auf all you can eat | Essen gehen und nur 30% zahlen. Hol dir den Mega-Rabatt & spare Bares. | www.GROUPON.de/All-You-can-Eat" wieder zu finden. [1]

Es geht um die Seite: www.gratis-in-Berlin und den dort angekündigten UdK Rundgang 2011.

Das Ganze könnte auch - anstatt "umsonst-und-draussen" - unter dem Motto laufen: Umsonst und Drinnen [2].

1.

Da es keine Möglichkeit gab, an der abendlichen Eröffnungsveranstaltung im Haupthaus teilzunehmen [3] - so dass nur ein Vorbeifahren mit dem Auto und das "bunte Treiben" vor dem Eingang auf diese Gelegenheit aufmerksam machten - wurde umso lieber die Einladung für einen Rundgang durch die Ausstellungen der Arbeiten aus dem Bereich der Medienkunst angenommen.

Und das nicht nur des Zeitpunktes wegen: Gerade bei Arbeiten wie diesen, die nicht alle von sich aus sofort aus sich selbst heraus zu sprechen beginnen - wohlwissend, dass es auch Ausnahmen von dieser "Regel" zu sehen und zu erleben gab - ist es gut und hilfreich Menschen begegnen zu können, die sich mit diesen Arbeiten beschäftigt haben: den UrherberInnen selbst, den Kuratoren, den Initiatoren und vielen anderen mehr.

2.

Und selbst dann, trotz kleinem Handout, trotz kleinen Klebezetteln an den Eingängen zu den Ausstellungsräumen, trotz der persönlichen Anwesenheit der MacherInnen - wenn Sie denn als solche identifizierbar sind, was ausserhalb des privilegierten Moments dieser Führung so gut wie nicht möglich war - bleibt man oft auf seltsame Weise alleine mit den Arbeiten, die einem da vorgestellt werden sollen.

Da gibt es zum Beispiel einen Raum, in dem zu einem kurzen sich ständig wiederholenden musikalischen Intermezzo viele verschiedene audiovisuelle videographische Interpretationen vorgezeigt werden [4]. [5]

In dem davorliegenden Raum sind auch drei Projektionsflächen aufgebaut, auf denen drei unterschiedliche Arbeit vorgeführt werden, die aber untereinander keinen Bezug haben. Und von denen gibt es nur eine, die sich vom ersten visuellen Eindruck dem Betrachter so fort erschliesst, und ihn neugierig macht, nachlesen zu wollen, was es denn damit auf sich hat.

3.

Vielleicht ist das jetzt alles viel zu einfach gesagt, aber vielleicht ist es auch tatsächliche so, dass es manchmal notwendig ist, die so komplexen wie interessanten Zusammenänge auf das Wesentlich ihrer Art zurückzuführen.

Und das lässt sich nach dem Besuch dieser einen Etage des grossen Hauses - auch aus der Beobachtung der Verhaltens vieler anderer Besucher, die in der guten Stunde der eigenen Anwesenheit ein- und ausmarschiert sind - sagen, dass dieses Gefühl des Weitergehen-Wollens-Weil-Nicht-Angesprochen-Werdens in vielen der Gesichter, Gesten und Haltungen der Besucher nachzuspüren war.

Es haben sich bei dem kurzen Besuch drei Arten von Arbeiten herauskristallisiert
- jene, die aus sich heraus für sich selber sprechen [6]
- jene, die auf sich aufmerksam machen und die Neugier wecken [7]
- jene, die einen hohen Grad an Aufmerksamkeit und Zeit verlagen, bevor es vielleicht gelingt, ihnen ihr Geheimnis zu entlocken. [8]

4.

Hier einige konkrete Beobachtungen, Hinweise und Vorschläge:

— Der Zugang auf das Online-Programmverzeichnis gelingt zunächst nicht.
Die Seite
http://www.udk-berlin.de/sites/content/e177/e8/e12749/e144138/infoboxContent144139/programmheft_web_2011_1_ger.pdf
kann zwar geöffnet werden, das PDF hingegen - mit dem Hinweis auf einen "ungültigen Farbraum" - nicht.
Bei einem erneuten Versucht poppte die Nachricht auf: "Diese Datei ist beschädigt und kann nicht repariert werden.
Bei einem vierten Versuch, dieses Mal direkt über die UDK-Hompage, wird die gleiche Datei aufgerufen
http://www.udk-berlin.de/sites/content/e177/e8/e12749/e144138/infoboxContent144139/programmheft_web_2011_1_ger.pdf
und dieses Mal ist ein Zugriff möglich.

Das Ganze ist ein hoch beeindruckendes - in seiner Vielfallt fast überdimensionales - Dokument, das die vielfältigsten Interessen auch von Aussenstehenden anzusprechen vermag.

— Ab der Seite 11 wird Auskunft gegeben über die "Fakultät Gestaltung | Visuelle Kommunikation | Kunst und Medien | Gesellschafts- und
Wirtschaftskommunikation | Industrial Design" im Medienhaus in der Grunewaldstrasse 2-5 samt Videolounge und Kino.

Schwerpunkt des Interesses sind die Räumen mit den "Audio Visionen" der Klasse Medienkunst, die mit den Stichworten "Sound, Video, Performances" auf sich aufmerksam macht.

— Vielleicht ist ja wirklich zu viel verlangt, aber es wäre toll gewesen, wenn sich darüber hinaus ein "Lageplan" dargestellt gewesen wäre, auf dem der Standort der einzelnen Exponate samt Namen der UrheberInnen und jeweils einem kurzen Abstract hätte finden lassen können.

Der Versuch, über den Link in das Medienhaus einen weiteren Einblick zu erhalten, führt zu vielen ebenso interessanten wie anregenden Informationen und Hinweisen, hilft aber dennoch in diesem konkreten Fall nicht weiter. [9]

— Vielleicht, wenn dieser Online-Nachvollzug des Erlebten nicht möglich ist, wäre es hilfreich, dass den Exponaten kleine Merk- oder Visiten-Karten der UrheberInnen beigefügt oder vor Ort ausgegeben worden wären. Sei es, um insbesondere jene Kunstwerke stärker vor Ort ins Bewusstsein zu bringen, die hier unter der dritten Kategorie subsummiert worden sind, sei es, um im Nachgang nochmals an die ausgestellten Arbeiten zu erinnern - und damit auch an die, die sie gemacht haben.

5.

All diese wird hier so detailliert aufgeschrieben, da es gerade im Zusammenhang solcher öffentlicher Tage wichtig und notwendig ist zu lernen und zu erfahren, wie man das Kunstwerk zum Sprechen und die Leute darüber zum Sprechen bringt.

Denn es fällt während des Rundgangs immer wieder auf, wie viele der UrheberInnen vor oder neben oder in der Nachbarschaft ihrer Arbeiten anzutreffen und doch schwer anzusprechen sind. Sie es, weil man als Aussenstehende(r) nicht sicherer ist, ob die avisierte Person tatsächlich diejenige ist, die der Arbeit zuzuordnen ist, sei es auch, dass es Hemmungen gibt, diese Menschen einfach nur anzusprechen - und wenn sie noch so sehr darauf warten sollten...

So schön und faszinierend der Rundgang - in diesem Fall nur die eine einzige Etage des ganzen Hinter-Hauses - auch sein mag. Was in der Zukunft stärker in den Vordergrund gerückt werden sollte ist das Bemühen um das, was die Franzosen ein Rencontre nennen. Eine Begegnung also: online wie offline, linear wir zeitversetzt, virtuell wie real.


PS.

Anstatt diesen Text zu bebildern, seien hier einige Bilder im Nachgang zu diesem Text dem interessierten Publikum zur Kenntnis gebracht:

Zunächst die zwei Bilder, die zum diesjährigen Besuch des Medienhauses und der Medienkunstklasse einladen:


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So unterschiedlich sie auch sind, so - vielleicht erst auf den zweiten Blick auffällig - übereinstimmend die Anspielungen beider Darstellungen auf jene Gegenstände der Spiele- und Radio-Welt, die längst im Aussterben begriffen sind und jetzt auf diese ART und wundersame Weise wieder ein neues retrovisionäres Leben beginnen [10].

B.

Und hier noch als pars pro toto zwei Bilder, die jeweils zwei positive Elemente dieses Rundgangs dokumentieren:


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Die Erläuterung, Einführung, Sensibilisierung auf ein Ensemble von Arbeiten, die nach den Ausführungen dieses Textes der zweite Gruppe zugeordnet werden könnten.


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Und hier das Beispiel der Begegnung mit einer Arbeit die zwischen der zweiten und der dritten Gruppe anzusiedeln wäre - und ihrer Urheberin.

Anmerkungen

[1Zum Thema Google siehe auch: Alles Wissen ist Macht - nichts finden Ohnmacht?.

[2Angesichts des herrlichen Sommer-Sonnen-Wetters für jeden Berliner eine ganz besondere Herausforderung.

[3Hier zwei Links auf die Wahrnehmungen während des Rundgangs im Jahr 2005:
Der Rundgang geht weiter
Der Rundgang geht noch weiter.

[4Eine Installation, die dadurch noch an Reiz gewinnt, weil die Arbeiten nach und nach auf immer wieder anderen Monitoren bzw. Projektionsflächen auftauchen, die im ganzen abgedunkelten Raum verteilt aufgestellt worden sind.

[5Dieses war ein guter Anreiz, dieses Motto von einem Thema mit seinen Variationen noch einmal aufzugreifen.
So wie bereits geschehen am Beispiel des Humpty-Dumpty-Textes / - Liedes - siehe dazu in "DaybyDay" vom 21. April 2011: "Grein"DonnersTag - oder gar in Form einer eigenen und also einzigen und doch zugleich vielgestaltigen Arbeit.

[6Auf dem Gang war zum Beispiel ein Monitor installiert auf dem eine unendlich Fahrt durch die Badezimmer-Spiegel-Wände zu sehen und mitzuerleben war. Eine Arbeit die nur als generische digitale Produktion möglich war und sich dennoch einem sehr konkreten ästhetisch wie menschlich spannenden Zusammenhang angenommen hat.

[7Die dann entweder befriedigt wird oder auch enttäuscht, da es keine weitergehenden Informationen, Hinweise oder was auch immer gibt. Am Beispiel der Maske, die Käfer ausspuckt, liess sich eine solche Hintergrundinformation schliesslich als Klebezettel auffinden. Am Beispiel der angeblich interaktiven Videoarbeit mit einer Reihe von Japan-Bildern nicht.

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Diese Arbeit ist von ihren Bildern her ebenso reizvoll wie von ihrer Ausführung her ungenügend, da sie unter dem progressiven Begriff der Interaktivität die Hilflosigkeit versteckt, selber mit dem vorgezeigten Material nicht ins Reine gekommen zu sein.

[8Gerade hier wäre eine Begleitung des Betrachters hilfreich. Denn auch Arbeiten wie "BUM bum" haben ihren Reiz und laden zum Verweilen ein, wenn es denn gelänge, den Initialfunken für die Betrachtung auch dann zünden zu lassen, wenn diese nicht unter dem Privileg einer solchen Führung durchaus gelingt.

[9Das gilt auch für jene Seite, die direkt auf die Abteilung Medienkunst verweist.

[10Wie auch die Handtasche der Professorin, die hier aus Gründen der Diskretion nicht mit in die Liste dieser darstellenden Bilder eingebunden wurde.


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