Japan. Ist Verschweigen: lügen?

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 14 Uhr 08 Minuten

 

Vielleicht ist dieser Kommentar heute nicht mehr wert als eine Stammtisch-Parole im Wirtshaus.

Aber er ist in nüchternem Zustand verfasst worden und bezieht sich lediglich auf das, was "man" in den letzten Wochen so aus den allgemein öffentlich zugänglichen Quellen hat hören können.

Aber wenn jetzt in den Nachrichten in Deutschland bekannt wird, dass in dem beschädigten Kernkraftwerk in Japan in drei von sieben Reaktoren zu einer Kernschmelze gekommen sei.

Und das erfahren "wir" jetzt? Erst jetzt? Warum erst jetzt?
Weil jetzt der Chef der Firma seinen Rücktritt hat einreichen müssen?
Weil diese Firma jetzt mit Geld aus den öffentlichen Haushalten wird am Leben gehalten werden müssen?
Weil sich all die bisherigen Entschuldigungen samt ihres öffentlichen Vortrages zwar dem Ritual entsprachen, aber der Vermittlung der Wahrheit nicht förderlich waren?

Das beeindruckendst Dokument der letzten Woche war das eines Atom-Experten, der vielen Jahre lang die öffentlichen Stellen beraten und in derem Namen auch Positionen vertreten hat, die er im Namen seiner Disziplin nicht/nie habe vertreten dürfen.

Diesem Mann hat "man" geglaubt. Und das nicht nur wegen seiner öffentlich vorgetragenen Haltung. Sondern auch wegen seiner Haltung.

Es ist schon an vielen Stellen gesagt worden, dass diese Katastrophe in Japan Spuren hinterlassen haben wird, die nur noch mit der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg vergleichbar seinen.

Es ist aber auch festzuhalten, dass allein die mediale Präsenz der Folgen des Erdbebens hier in Deutschland Folgen gezeitigt hat, die - neben 9-11 - über alles hinausgehen, was bislang "aus dem Ausland" in dieses Land eingestrahlt hat.

Nach all diesen Vorbemerkungen wäre es jetzt Zeit, eigentlich einen "richtigen" Text zu schreiben um diese Zusammenhänge genauer zu untersuchen.

Heute reicht es allerdings nur zum Titel, der da lauten könnte:

"Malaise und Mimikri"
Die Natur des Menschen im öst-westlichen Dilemma


Am Morgen des Folgetages ist in der Presseschau des Deutschlandfunks vom Mittwoch, dem 25. Mai 2011 um 7:05 Uhr zu hören und nachzulesen:

Die Zeitung die WELT schreibt:
"Erst vergangene Woche hatte Tepco zugegeben, die Brennstäbe im Reaktor 1 seien geschmolzen und lägen als Klumpen auf dem Boden des Druckbehälters. Gestern nun räumte Sprecher Omura ein, nach neuesten Erkenntnissen seien die Brennstäbe in den Reaktoren 2 und 3 in einem ähnlichen Zustand. Es wird sich zeigen, ob es dem Konzern gelingt, das verloren gegangene Vertrauen zurückzugewinnen. Tepco-Chef Shimizu übernahm vergangene Woche bereits die Verantwortung und trat zurück, um ’einen symbolischen Schlussstrich unter die Sache zu ziehen’. Was bleibt dem rohstoffarmen Japan auch für eine Alternative zum Teufelspakt mit der Atomkraft?", fragt DIE WELT.

Die FRANKFURTER RUNDSCHAU ist skeptisch:
"75 Tage nach dem Super-GAU hat der Betreiber Tepco also eingeräumt, dass ihm am 11. März doch ein paar Kernstäbe mehr weggeschmolzen sind. Macht ja nichts, die Suppe strahlt einige Millionen Jährchen, da kommt es auf die eine oder andere Woche mit Fehlinformationen nicht mehr an. Man würde gern glauben, dass nun die ganze Wahrheit bekannt ist. Wahrscheinlich ist das nach Monaten voller faustdicker Lügen nicht. Man würde auch gern wissen, was eine japanische Regierung zu tun gedenkt angesichts eines Energieriesen, der ihr und dem Rest der Welt auf der Nase herumtanzt. Aber vielleicht ist das auch zu viel verlangt von einem Kabinett, das sich an der Volksverdummung von Anfang an beteiligt hat. Wie sagte Premier Kan am 18. März: Man werde die Lage ’in nicht weiter Ferne’ im Griff haben. Frage an Herrn Kan: Wie weit ist weite Ferne umgerechnet in Jahren?", möchte die FRANKFURTER RUNDSCHAU wissen.

Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt/Oder meint:
"Die japanische Bevölkerung, die das Unglück und seine weitreichenden Folgen bisher erstaunlich tapfer und gefasst erträgt, verliert so den Glauben an die Zukunft. Wer hören muss, dass drei Arbeiter Strahlenschäden an den Beinen haben, weil ihnen nicht gesagt wurde, dass das Wasser in diesem Bereich extrem verseucht ist, verliert das Vertrauen. Wer hören muss, wie hohe Strahlenwerte verkündet werden, um dann wieder zurückgenommen zu werden, verliert die Zuversicht", ist die MÄRKISCHE ODERZEITUNG überzeugt.

"Im Land ist die Rechnung voll aufgegangen", betont hingegen die NEUE WESTFÄLISCHE aus Bielefeld:
"Durch die langsame Gewöhnung an die Krise haben die Japaner die Nachricht von der weltweit einmaligen multiplen Kernschmelze fast so gelassen wie den Wetterbericht aufgenommen. Aber international ist der fatale Eindruck entstanden, dass man den Aussagen von Japans Regierung nicht trauen kann."

Die RHEINISCHE POST ergänzt:
"Das Atomunglück in Japan wiegt in der westlichen Welt auch deshalb als so schwer, weil das Land zur technologischen Spitze der Welt zählt. Inzwischen stellt sich immer klarer heraus, dass Japan zwar über etliche Spitzenunternehmen und - wissenschaftler verfügt, aber in der Breite noch starke Entwicklungslücken ausweist. In abgewandelter Form trifft das auch für den Atombetreiber Tepco zu. Das Unternehmen ist am´ ehesten deutschen Stadtwerken vergleichbar. Mit dem Krisenmanagement nach der Havarie war es hoffnungslos überfordert", urteilt die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf.


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