Vergessen machen oder sich erinnern wollen?

VON Dr. Wolf SiegertZUM Freitag Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 14 Uhr 05 Minuten

 

In einer Pressemitteilung ohne Datum der Firma Symantec wird auf eine Studie hingewiesen, die in deren Auftrag im März des Jahre 2011 bei 1000 Personen ab 18 Jahren von der Firma StrategyOne durchgeführt wurde.

Danach, so das Kurzergebnis, würden über 60% aller Deutschen am liebsten "die Reset Taste drücken [wollen], um alle persönlichen Daten, die jemals im Internet aufgetaucht sind, zu löschen."

"Was wäre", so die Frage, "wenn man die Zeit zurückdrehen und noch mal ganz von vorne anfangen könnte? Mit einem Klick die Vergangenheit hinter sich lassen: Alle persönlichen Daten und Informationen, die im Internet über einen auftauchen könnten, wären gelöscht. Nirgends negative Aussagen, gespeicherte Daten oder „belastende“ Kommentare. Eine Googlesuche nach dem eigenen Namen bliebe erfolglos. Ein Neustart per Mausklick - genau das ist es, was 62 Prozent der Deutschen Internetnutzer machen würden, wenn sie könnten: gnadenlos alles löschen, was irgendwie zu ihrer Person im Internet kursiert."

Weitere Ergebnisse der Studie lauten u.a.:

— 28 Prozent der Befragten verwenden aktiv Soziale Netzwerke um Kommentare über sich selbst zu posten.
— Jüngere, Singles und Befragte mit Kindern sind deutlich eher dazu bereit, selber persönliche Informationen zu posten.
— 29 Prozent der befragten User sind nach eigener Aussage „sehr aktiv“ dabei, den persönlichen Ruf sowie private Informationen, die online existieren, zu schützen.
— Geschlecht (68 Prozent) und Geburtsdatum (52 Prozent) sind die Art von Informationen, von denen die meisten der Befragten annehmen, dass sie online zu finden sind.
— Eine Mehrheit der befragten Erwachsenen in Deutschland bezeichnet sich als „aktiv“ hinsichtlich des Schutzes der eigenen Online-Reputation.

Darüber hinaus werden die folgenden Tipps von Candid Wüest bekanntgegeben, die helfen sollen, den „guten Ruf“ im Netz zu schützen:

1. Machen Sie eine Bestandsaufnahme

— Führen Sie eine Suche zur eigenen Person durch, indem Sie alle Namen benutzen, die Sie online verwenden. Benutzen Sie hierbei möglichst verschiedene Suchmaschinen – besonders welche, die speziell nach „Personen“ suchen, damit so viele Treffer wie möglich erzielt werden können.
— Verwenden Sie „Bild-“ oder „Blog-“ Funktionen, die von manchen Suchmaschinen angeboten werden, um sicher zu gehen, dass eingestellte Fotos oder Kommentare über Sie sichtbar gemacht werden.
— Schauen Sie sorgfältig nach Kommentaren, eingestellten Fotos oder Videos, Aussagen oder Einladungen, die Sie nur mit einer eingeschränkten Gruppe an Leuten teilen wollen. Denn nicht jeder muss auf alle Informationen zugreifen, nicht jeder muss alles mitlesen.
— Wenn Sie einen gängigen Namen haben und herausfinden, dass Ihr Name für andere Personen Ergebnisse filtert und preisgibt, fügen Sie für Ihre Online-Einträge und Informationen eine Initiale z. B. Ihres zweiten Vornamens hinzu. Damit vermeiden Sie für jemand anderen gehalten zu werden.

2. Privatsphäre schützen

— Politische Überzeugungen, Religion oder gemeinnütziges Engagement können sehr subjektiv sein. Beachten Sie, dass alles, was Sie von sich preisgeben beispielsweise auch von Geschäftspartnern oder potentiellen Arbeitgebern gelesen werden kann.
— Überlegen Sie genau, welche Fotos Sie für wen und an welcher Stelle im Internet posten.
— Verlassen Sie sich nicht auf Datenschutzbestimmungen. Kontrollieren Sie die Einstellungen Ihrer Privatsphäre, die von Social-Networking-Websites angeboten werden und bestimmen Sie, was für Sie akzeptabel ist.

3. Seien Sie wachsam!

— Überprüfen Sie regelmäßig Ihre Online-Identität. Werden Sie aktiv, um negative oder falsche Einträge von Ihnen zu löschen.
— Evaluieren Sie regelmäßig die sozialen Netzwerke und Online-Dienste, die Sie häufig verwenden. Löschen Sie diejenigen, die Sie nicht benutzen.
— Überprüfen Sie Ihre Kontaktlisten, die Sie online führen, regelmäßig. Aktualisieren Sie Ihre bestehenden Freundeslisten, verlinkte Organisationen und Verbände.

Dass in diesem Zusammenhang immer wieder nach einem "digitalen Radiergummi" gerufen und an einem solchen Konzept herumentwickelt wird, ist bekannt. [1].

Weniger bekannt es aber, dass es auch Bemühungen gibt, aus dieser Negativ-Sicht der Dinge eine ganz andere Strategie abzuleiten. Eine, die sich dieser Malaise annimmt und darum bemüht ist, diesen ex negativo definierten Wunsch in eine produktive Variante umzumünzen, digitale Orte - in der "cloud" - zu schaffen und zu bereitzustellen, in denen eine positve Ausgestaltung dieses Erinnerungs-Managements angeboten und erfahrbar gemacht wird.

Mehr soll an dieser Stelle noch nicht verraten werden, da die hierzu vorliegenen Quellen derzeit im Netz noch nicht nachverfolgt werden können.

Aber es kann auf einige Beispiele eines sehr breiten Spektrums verwiesen werden, die derzeit schon im Netz abgerufen werden können:

- Erinnerungen an einen bestimmen Ort:
— http://www.erinnerungen-im-netz.de/
— http://www.trajectoires-memoires.com/reseau-memoires-histoires-en-ile-de-france/

- Erinnerungen an einen bestimmten Moment der Geschichte:
— http://www.schoah.org/zeitzeugen/vorwort.htm

- Persönliche Erinnerungen:
— http://www.myimemories.com.br/en/home
— http://www.memoriesonthenet.com/
— http://www.memoryminder.net/

- virtuelle Grabstätten:
als pars pro toto für diese Art von Seiten sei hier verwiesen auf die - zumindest zeitweise nicht zugängliche - Adresse:
— NetMemories.com

in der der u.a. zu lesen ist:

We understand how difficult it can be to make a personal visit to the cemetery or find the obituary of a love one who no longer lives in their home town. Many people have busy schedules with little time to spare. We are now offering a unique way to express remembrance for family and friends: a photo NetMemorial section. On our site you may post a personal tribute to your loved one for the world to visit or just your family and a link to all cities listed obituaries.
NetMemories.com is a place where family and friends have an eternal place to celebrate the lives of the living and the dearly departed. People from everywhere in the world can now reflect, reminisce, rejoice, and even contribute 24 hours a day in accommodation of their busy schedules.
Our loved ones must simply not fade away. By creating a NetMemorial, the essence of their being can be brought to life through photographs, video, audio, poems, stories, obituaries, and remembrances. Accomplishments, milestones, memories and cherished moments can be recorded and shared forever.

Anmerkungen

[1Siehe dazu den Eintrag aus dem Heise-Newsticker zu diesem Thema vom 24. Januar 2011, 16:05 Uhr.


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