I&K-Medien-Überflutung? Daten und Taten

VON Dr. Wolf SiegertZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 13 Uhr 41 Minuten

 

Hier einige Aufzeichnungen zu Aussagen, die im Rahmen der telefonischen BITKOM PK zum Thema "Information Overload? Wie die Deutschen mit Nachrichtenflut und Medienvielfalt umgehen" von Herrn Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer, Präsident des BITKOM, in Anwesenheit und unter Mitwirkung von Herrn Dr. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des BITKOM und Herrn Christian Spahr, Pressesprecher Medienpolitik & Recht des BITKOM vorgetragen wurden.

Einleitend wird darauf aufmerksam gemacht, dass "es sind schliesslich unsere Unternehmen sind, die solche Techniken entwickeln" und dass es deshalb auch für die Zukunft gelte, dass der Ausstellknopf leicht zugänglich sein - und bleiben müssen.

Die Daten:

"Absolute Vollversorgung" gelte für den Fernseher (96%), das Handy (83%). Es folgen der PC (80%), der Internetzugang (77%), die private Mail Adresse (76%), und das Profil in einer Community (mit derzeit schon 55%)

Nicht das Internet sei der grösste "Zeiträuber" (mit ca. 100 Minuten), sondern nach wie vor das Fernsehen (mit 223 Minuten) und das Radio (mit 186 Minuten pro Tag) - das mache im Schnitt gut und gerne 9 Stunden Mediennutzung pro Tag.

Die Struktur:

Die grösste Bedeutung habe für die Nutzer: das Internet (75%), das Fernsehen (70%), das Radio (65%). Und - nach diesen Aussagen - liegt das Buch (67%) noch vor dem Handy und den Zeitungen/Zeitschriften (63%).

Die Datenflut-Überforderung:

Über 40% der Jungen fühlten sich von der Datenflut überfordert, über 60% seien es dagegen bei den Älteren.

Dabei nimmt angeblich das Fernsehen nach wie vor mit 71% eine dominierende Rolle ein. Das Internet störe 43% der Nutzer, Radio, Print und Telefon liegen alle etwas über 20 Prozent.

Die berufliche Nutzung...

... lasse sich immer weniger von der privaten Nutzung trennen:
- 42% können gar nicht mehr auf das Handy verzichten
- 21% können gar nicht mehr auf die E-Mails verzichten.

Schon heute gibt es 80% der Mail-Nutzer, die entweder permanent oder zumindest mehrfach am Tag in den Postkasten schauen.

13 Mails am Tag kommen im Schnitt beim beruflichen Nutzer an (zum Teil seien es auch mehr, einige von diesen Nutzern würden die Mail-Flut vorab durch Filter oder das Sekretariat eindämmen). [1]

Aber: 63% der Befragten sagen, dass mindestens 50% und mehr der E-Mails für sie wichtig sind. [2]

30% der Nutzer sei immer erreichbar, 12% seien es nie.

28% der Nutzer hätten auch private Aktivitäten während der Arbeitszeit
50% dagegen würden während der Arbeitszeit keine privaten Dinge erledigen.

Informationsmanagement:

Zu diesem Thema sollten Richtlinien in den Betrieben - und in den Arbeitsverträgen - festgelegt werden.

Das betreffe Punkte wie die Reaktionszeit, die Rufbereitschaft, die Arbeitszeit und die private Internetnutzung - aber auch den Wunsch nach internetfreien und handyfreien Tagen könne und sollte geredet werden.

Zu diesen Punkten - sowohl der Internet- als auch der Handy-Nutzung - seien Vorschläge seitens des BITKOM erarbeitet worden.
Die Hauptaussage: Im Job gilt die ständige Erreichbarkeit - aber es müssten auch Kommunikationspausen möglich sein.

Auf Nachfrage:

Die Menschen seien schon weiter als die Tarifpartner, und blieben "freiwillig" im Netz" bzw. "am Rohr". Diese ständige Erreichbarkeit sei für Führungskräfte sogar ein "Muss", so der BITKOM-Chef - und das gelte selbst im Urlaub.

Insgesamt aber gelte es, im Umfeld dieses Themas neue Regelungen zu finden. "Der Mensch ist robust, er schafft es schon, damit umzugehen".

Vielleicht gibt es ja in Zukunft einen möglichen Deal der in er Perspektive so aussehen könnte: im Unternehmen wird eine eingeschränkte private Nutzung erlaubt und dafür eine potenziell ständige Erreichbarkeit auch während der Freizeit erwartet.

Interessant - und über den Umfang dieser Umfragen hinausgehend wäre es zu wissen
- ob es einen Unterschied gibt bei den hier befragten weiblichen und männlichen Nutzern?
- ob und inwieweit sich dieses Kommunikationsverhalten von dem der Nutzer in unseren Nachbarländern, aber auch in den USA und den Tigerstaaten in Asien unterscheidet? *

Nachtrag

* "Im europäischen Vergleich liegt Deutschland beim Interneteinsatz im Job auf Platz acht. An der Spitze stehen die skandinavischen Länder Dänemark, Finnland, Schweden und Norwegen mit Nutzungsraten von mehr als 60 Prozent. „Der Abstand zur Spitzengruppe ist immer noch zu groß“, sagte Scheer. Im Durchschnitt der EU-Länder nutzen 44 Prozent der Beschäftigten das Internet bei der täglichen Arbeit. Immerhin hat Deutschland einen Sprung nach oben gemacht. Im Jahr 2004 lag Deutschland noch auf Platz 12 und damit unterhalb des EU-Durchschnitts. Die rote Laterne tragen zurzeit Bulgarien mit einer Nutzungsrate von 20 Prozent und Rumänien mit 23 Prozent. „Die digitale Spaltung verläuft mitten durch Europa“, sagte Scheer. „Eine ausgeglichene technologische Entwicklung sollte ein zentrales Ziel der europäischen Wirtschaftspolitik sein.“ Der Grad der IT-Nutzung ist heute eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von Volkswirtschaften in aller Welt.

Zitiert nach Die Hälfte der Beschäftigten arbeitet mit dem Internet. BITKOM Presseinfo vom 22. März 2011

Anmerkungen

[1Und bei den Jugendlichen nimmt die Bedeutung immer mehr mehr ab, die des Instant Messaging dagegen immer mehr zu.

[2Es folgt eine Reihe von Tipps wie:
- 24 Stunden reichen als Antwortzeit für eine E-Mail-Rückantwort
- Man könne Kategorien der Dringlichkeit einsetzen
- Man könne Filterfunktionen nutzen
- ...


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