Zahlen bitte? Nein Danke!

VON Dr. Wolf SiegertZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 13 Uhr 34 Minuten

 

Heute sei von einem Zufallsfund berichtet.

Beim Suchen nach den möglicherweise verspäteten Zügen ab Berlin Hbf. fällt aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen plötzlich die Seite www.nachrichten2010.de [1] in das Blickfeld des hier publizierenden Internet-Nutzers.

Und wirft eine Reihe von Fragen auf:


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Die erste Reaktion: nach den "www.nachrichten2011" zu suchen.

Und diesen Titel als voreingekauft zu finden auf der "Domainparking"-Seite von: adcell.de

Die zweite Reaktion: Nach den aktuellen Nachrichten zu suchen.


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Diese bestehen aus einem Sammelsurium von abgekupferten Beiträge aus den Quellen Dritter.

Die dritte Reaktion: Nach dem Distributionsmodell zu suchen.

Und dieses lautet twitter und signalisiert eine Gruppe von fast fünfundzwanzigtausend "follower"s

Die vierte Reakion: Nach dem Finanzierungsmodell der Seite zu suchen.

Und diese wirbt

— mit dem Spruch: "Initiative zur Vermeidung der Altersarmut"


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und der Unterschrift "Diskretion wird zugesichert"

— mit dem EU-Emblem


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und der Unterschrift "Die Chance für Jeden - Europaweit! "

Zur Durchsetzung der eigenen Interessen diese Herrn "Journalisten und Buchautor" wird Bezug genommen auf Sendungen wie die des Westdeutschen Rundfunks WDR, in denen von den bisherigen und zukünftigen Leistungen der Kapital- und Risiko-Lebensversicherungen berichtet wird.

Dazu gibt es eine eigene Seite, die presserechtlich unter dem Namen eben diese Publizisten firmiert [2]

http://www.eu-policen.de/

Auf dieser [3] wird der Ankauf von Lebensversicherungspolicen "zu Top Konditionen" angeboten.


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Im Impressum steht die Firma Emporenta AG aus Wiesbaden, in der es einen Vorstand und einen Aufsichtsrat gibt, der aus zwei Personen mit dem gleichen Nachnamen besteht.

Auf dieser Seite ist dann die "Aufklärungskampagne zur Alterarmut" zu finden, in dem - nach einem Videovorspann mit dem eigenen Loge - auf die Sendung Markt des WDR verwiesen und diese in voller Länge "zitiert" wird.

Die fünfte Reaktion besteht in der Frage: etwas falsch gemacht?

— ist das der Weg, aus der eigenen Rolle als "Journalist und Buchautor" mehr Kapital zu schlagen?

— ist das der Weg, die Zahl der Nutzer an der eigenen Seite zu steigern?

— ist das der Weg, mit dem das ausführliche "Zitieren" von TV-Quellen als Möglichkeit der eigenen Vorteilsnahme besser genutzt werden kann?


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Und die Antwort lautet: Nein, nichts falsch gemacht.

Vielmehr zeigt dieses Beispiel, wie sehr die einst im Jahr 2004 entworfene Form dabei ist, "mainstream" zu werden.
Auch, wenn dieses nur ein allzu billiger Abklatsch dessen ist, was eine "Zweitverwertung" journalistischer Arbeit an Positivem beinhalten könnte. Dieses Format zeigt, wie sehr die Formate einer neuen Welt - seien es nun die des Kinos, des Videostreamings oder der "klassischen" Netzpräsentationen - heute im "Mainstream" angekommen sind. Und offensichtlich auch ihre Nutzer und Nachahmer finden.

Nein, damit ist die Welt sicherlich nicht "besser" geworden; "moderner"? Vielleicht. Aber um welchen Preis?

Auf jeden Fall zeigen solche Fall-Beisiele wie dieses, dass es mehr denn je notwendig ist, die eigene Arbeit als Referenz fortzuschreiben und zur öffentlichen Diskussion zu stellen: auch ohne öffentlich präsentierte Foren und Follower.

Anmerkungen

[1Alle hier dargestellten Grafiken sind den im Verlauf dieses Textes als Link zitierten Webseiten entnommen worden. WS.

[2Zitat: "Copyright by Hans D. Eich 2011" während auf der oben genannten Seite steht: "Copyright by Hans D. Eich 2010 - 2015"

[3Man beachte insbesondere auf dem "header" das ach so wunderbar in die Breite gezogene Portrait der jungen Frau im rote Pullover, die sich à la Minority Report mit den Bildern von Vergangenheit und Zukunft in Form von vier Auswahl-Buttons identifizieren lässt.


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