Apés CeBIT: Cerveau sans server

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 13 Uhr 33 Minuten

 

Was fuer ein Absturz

Eine Woche CeBIT mit all den Erungenschaften und Neuerungen der EDV ist vorbei.

Und dann der erste Morgen wieder im Buero: noch ohne Server, der im Verlauf der Abwesenheit vom Netz genommen war und der erst gegen 11 Uhr dieses Tages wieder in Betrieb genommen werden kann.

Aber diese wenigen Morgen-Stunden reichen aus, damit sich in Ermangelung der EDV-Dienste die Ärgernisse und Versäumnisse nur so häufen.

Gleich in der Frühe ein verpasster Termin. Und der für den Nachfolgenden sagt sich Gott-sei-Dank die avisierte Person nochmals zuvor an, sonst wäre auch diese Verabredung durch die Lappen gegangen..

In aller Offenheit

Sollte man sowas überhaupt schreiben, sich so die Blösse geben?

Ja, und Nein.

Nein: Denn es gibt eine Grenze, an der die Aussenwahrnehmung so negativ reagiert, dass Stillschweigen der bessere (Aus-)Weg ist.

Das wurde exemplarisch auf einem CeBIT-Vortrag zum Thema Daten-Sicherheit deutlich. Dort wurde gesagt, dass die meisten Firmen bei schweren Angriffen auf ihre Daten - oder sogar der Piraterie eben dieser - schön die Klappe halten und lieber zahlen, als dass ihr Image in der Öffentlichkeit darunter leiden könnte.

Ja: Weil es ein ganz und gar übliches Problem ist, wie sehr heute die Vernetzung von Leben und Arbeit, von Verpflichtungen und Vernetzungen unser Leben bestimmt.

Und es ist offensichtlich wahr, dass selbst bei sorgfältigster Inaugenscheinnahme und fachlich qualifizierter Betreuung ein Punkt kommen kann, an dem einem durch EDV-Versagen das Heft aus der Hand genommen und einem dann die Folge dieses Versagens dennoch persönlich zur Last gelegt wird.

Technik-Vorsorge

Und es kommt der Momment, wo der alte Karteikasten, das Notizbuch, die Notatekladde wieder einen Wert erhalten, der dem aktuellen Kommunikationsverhalten ganz und gar nicht mehr entspricht, der eher mit Nostalgie zu tun hat als dass er einen realistischen Ausweg signalisieren könnte.

Auf der anderen Seite sind die CeBIT-Verlockungen in Richtung Cloud & Co so stark wie selten zuvor. Was für ein Gedanke, sich des ganzen "EDV-Krams" entledigt zu haben und stattdessen von überall und ohne weiteren technischen Ballast auf seine Termine, Adressen, Daten und Skripte zugreifen zu können.

Angebote gab es dazu ja in diesem Jahr zuhauf. Und dennoch - und eben deshalb - waren die Fragen so drängend wie nie zuvor. Wer übernimmt welche Garantie für einen fehlerfreien und verlustfreien Zugang und Zugriff auf diese Daten? Was ist, wenn diese Host- und Provider-Firma pleite geht? Ist nicht nach wie vor Kontrolle besser als Vertrauen? Wie aber bitte kann diese Kontrolle ausgeübt werden? Nützt nicht letztendlich doch nichts besser als die Platte aus der Sicherheitskonsole, die aus dem RAID-System heraus einmal wöchentlich aktualisiert und dann in ein Save ausserhalb des Büros eingelagert wird?

Werte-Diskussion

Interessant ist, dass mit diesen Veränderungen auch die Werte, die einem Menschen und seiner Arbeit zugemessen werden, mit dadurch bestimmt sind, wie und wie gut er in der Lage ist, seine Werkzeuge zu beherrschen.

Die immer komplexere EDV gibt aus den Mündern der Marketing-Leute vor, eben vermittels ihrer Komplexität in der Lage zu sein, immer besser auf die tatsächlichen Bedürfnisse des Menschen eingehen und darauf reagieren zu können.

Dieses wird aber erst noch unter Beweis zu stellen sein. Heute und Morgen. Beim nächsten Systemabsturz und auf der nächsten CeBIT.


PS:

Der Text war noch keinen Tag alt, als sich das Kleine im Grossen wiederspiegelte, als die Nachricht einlief, dass im Bundestag die Strom- und Telefonversorgung zusammengebrochen sei.

Unglaublich aber wahr.

Schon erstaunlich, was man mit einem einzige Bagger so alles anzurichten vermag...

Das Einzige, was noch funktioniert hat, war das Schlusslicht der tagesschau-Redaktion mit einem Beitrag der rbb-Korrespondentin Kerstin Lohse:

 [1]