HBCI: Tot und Wieder-Auferstehung

VON Dr. Wolf SiegertZUM Mittwoch Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 13 Uhr 26 Minuten

 

Die Ankündigung der Commerzbank, zum Wochenbeginn ihren bisher ohne Probleme funktionierenden HBCI- (PIN/TAN) Dienst zu beenden - siehe: C AG’s Do-HBCI-S ist nun Realität geworden.

Über den T-Online-Schnittstelle funktioniert Nichts mehr (und zu allem Überfluss macht auch noch das Flash V.10.1 Plug-in Ärger):


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Also wird zunächst die in der Fehlermeldung angegebene Hotline-Nummer 01803 366966 "kontaktiert".

Diese Nummer ist - wie kaum anders zu erwarten - fortwährend besetzt.

Als die Nummer schliesslich weitergeschaltet wird, kommen zunächst einmal die - ebenfalls üblichen Ansagen - wie:

"Einzelne Gespräch könnnen zur Qualitätssicherung aufgezeichnet werden..."

"Bitte noch einen Augenblick Geduld. Sie werden gleich verbunden."

Dieser Satz wird vielmals wiederholt, während im Hintergrund eine Pop-Sängerin-Stimme verlauten lässt:

"I can’t wait till you’re comming around."

Als sich schliesslich ein Support-Mitarbeiter meldet macht dieser seine sacht gut. Er erklärt, dass in der Sendung der Commerzbank Lesegerät und die neue HBCI-Chipkarte im Bundle enthalten sind. Und dass auch möglich sei, diese Karte allein mit einem schon im Einsatz befindlichen Lesegerät zu nutzen.

Also werden die erforderlichen Treiber eingespielt und die Karte in das bereits vorhandene Lesegerät "SPR 532 Chipdrive pinpad 532" eingesteckt. Dort aber nicht erkannt.

Also wird als nächste Hotline die von T-Systems angerufen, die sich als T-Com meldet und verspricht:

"Sie werden mit dem nächsten freien Mitarbeiter verbunden".

Auch hier ist die Wartezeit lang, sehr lang... aber im Hintergrund spielt zumindest eine wesentlich sanftere Musik - ohne Gesangseinlage...

Auch hier gibt es eine kompetente und freundliche Beratung.

Das gleiche Spiel. Wieder gilt es, eine neue Software zu laden, dieses Mal den "myTrustCardManager", mit dem es dann möglich ist, alle Daten aus dem auf der Karte hinterlegten qualifizierten Signaturzertifikat auszulesen.

Gesagt, getan: Der Trustmanager erkennt sowohl den probeweise ebenfalls angeschlossene HBCI Dekoder als auch das von T-System ausgelieferte Gerät, das nun unter dem Namen: "SCM Microsystems Inc. SPRx32 USB Smart Card Reader 0" erscheint.

Nach dem erfolgreichen Auslesen der Daten aus der eigenen TeleSec-Karte wird auch die HBCI-Karte der Commerzbank eingeführt. Das Ergebnis lautet: "Dieser Kartentyp wird nicht unterstützt".

Daraufhin wird mit der gleichen Software das von dieser erkannte Lesegerät "REINER SCT cyberJack pinpad/e-com USB 52" aufgerufen. Das Ergebnis: die gleiche Meldung: "Dieser Kartentyp wird nicht unterstützt".

Bedeutet das also, dass für diese Anwendung wiederum eine eigene Software zum Einsatz kommen muss, die sich "cyber Jack Gerätemanager" nennt?

Und wenn es tatsächlich so ist, dass diese beiden Lesegeräte nicht miteinander kompatibel sind sondern jedes nur für seine spezifische Funktion zum Einsatz gebracht werden kann, was passiert, wenn nun auch noch der HBCI-Dienst der Postbank umgestellt wird.

Ein drittes Lesegerät? Gesehen haben wir es bereits auf der CeBIT-Preview in München, an der sich auch die Firma KOBIL beteiligt hatte. [1]

Aktuell gilt es zunächst ein anderes Problem zu lösen. Beim Test-Betrieb des "cyberJack Secoder USB 01" in Version 6.ß.8 werden folgende Fehler gemeldet:

x Öffnen des cyberJack Lesers
i die CTAPT Schnittstelle kann nicht geöffnet werden (ID: -51)
x Es ist ein Fehler aufgetreten (Fehlercode 30003) ||||| Hinweis:
_
Test der CTAPI Schnittstelle nicht erfolgreich.

Die Lösung - wie bei Microsoft üblich - ist ein Neustart des Systems.
Und danach kommt es zu der Meldung "der cyberJack Chipkartenleser wurde mit Erfolg getestet.

Dieses Zwischenergebnis bedeutet in Praxis:
- die Investition von mehr als einem Manntag um die anstehenden Umstellungen zu begreifen, durchzuführen und zu erproben
- die Zahlung eines Betrages von Euro 44.99 an die Firma REINER KARTENGERÄTE GMBH & CO KG um weiterhin am Online-Banking überhaupt teilnehmen zu können
- die Anschaffung eines dritten Lesegerätes, da - voraussichtlich - die bislang installierten nicht mit dem neuen HBCI-Verfahren der Postbank kompatibel sind
- die Anschaffung eines vierten Lesegerätes, da das jetzt zum Preis von Euro 44,99 zur Verfügung gestellte zwar schon jetzt das teuerste ist, aber dennoch nicht in der Lage, die Daten des neuen Personalausweises auszulesen.

Frage an die Politik:
Ist dieses eigentlich noch einem "Otto-Normal-Verbraucher" zumutbar, Herr Otto?

Frage an die Bank:
Warum weisen sie nicht darauf hin, dass es neben diesen Möglichkeiten auch andere kostenfrei - wenn auch vielleich weniger sichere - Alternativen gibt, via einem USB-Dongle oder sogar via Diskette?

Frage an REINER SCT:
Wäre es nicht möglich, anstatt dem jetzt zur Auslieferung gebrachten Gerät eines aus jener Klasse zu erhalten, das auch die Daten der Postbank und des Personalausweises ausliest? [2]

Anmerkungen

[1Wir werden darauf nochmal getrennt eingehen müssen. Denn auch dieses Angebot wirft eine Reihe von Fragen auf:

tanJack® optic SX
Einen einfachen und besonders kompakten TAN-Generator für den Einsatz im chipTAN-Verfahren können Sie zum Preis von 14,90 € (inkl. Versand) erwerben. Dieser TAN-Generator eignet sich durch seine kompakte Bauweise ideal für den Einsatz mit Smartphones oder Handys. Der Hersteller bietet Ihnen in seinem Webshop die Möglichkeit, das Gerät per Lastschriftverfahren zu bezahlen. Im Webshop können Sie mit dem tanJack® optic SR auch ein alternatives Gerät mit Zahlentastatur erwerben.

TAN Optimus comfort
Einen komfortableren, etwas größeren TAN-Generator erhalten Sie zum Preis von 11,90 € (inkl. Versand) . Dieses Gerät bietet im Unterschied zum TAN-Generator tanJack® optic SX die Möglichkeit, Kontodaten und Beträge bequem per Tastatur einzugeben. Sie können diesen TAN-Generator im Webshop mit Ihrer Kreditkarte, über ein Lastschriftverfahren oder per Vorauskasse bezahlen. Ein weiteres, besonders edel gestaltetes Gerät (opTAN touch) ist in diesem Webshop ebenfalls zu erwerben.

Vorhandenen TAN-Generator nutzen
Sie haben bereits einen TAN-Generator von einer anderen Bank? Dann können Sie diesen in der Regel auch für das Postbank chipTAN-Verfahren nutzen. Sie können das einfach ausprobieren, indem Sie sich im Online-Banking anmelden, unter dem Menüpunkt „Einstellungen" auf den Link „chipTAN-Karten verwalten" klicken, die gewünschte Postbank Card auswählen und den weiteren Anweisungen im Online-Banking folgen.

chipTAN comfort – im Online-Banking aktivieren

Ausführliche Informationen zum Thema TAN-Generator finden Sie im Info-Center chipTAN comfort unter dem Reiter „TAN-Generator".

[2Nach dem fünften Anruf-Versuch bekommen wir am 15. Februar 2011 endlich eine Antwort: von einer kompetenten Mitarbeiterin aus der Buchhaltung. Für den hier zum Einsatz definierten Zweck werde ein "Komfort" - Gerät benötigt, das aber erst Mitte April ausgeliefert werden könne.
Auch von der Hotline kam inzwischen eine entsprechende Nachricht, wonach die jetzt für die Commerzbank ausgelieferten Kartenleser NICHT in der Lage seien, die Chipkarten des neuen Personalausweises auszulesen.


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