Ralf

VON Dr. Wolf SiegertZUM Freitag Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 13 Uhr 18 Minuten

 


© all rights reserved

1964 - 2011
Ralf Regitz

Im Interview


Eine Pressemitteilung vom 24. Januar 2011:
aus Anlass des unerwarteten Todes von Ralf Regitz - Wegbereiter des Techno in Deutschland, Organisator der Berliner Love Parade, Gründer des Technoclubs ewerk, Organisator von Chromapark und Geschäftsführer der ewerk und Moskau GmbH.

Mitte der vergangen Woche ist Ralf Regitz im Alter von 46 Jahren unerwartet und viel zu früh in Berlin Mitte verstorben. Er hinterlässt ein Vermächtnis, das weit über die Grenzen Berlins und Deutschlands hinaus strahlt. Im Laufe seines bewegten Lebens hat er vor allem dem Techno einen Platz als anerkannte Kunstform verschafft und als Kopf und Organisator von Megaevents die Kulturszene maßgeblich beeinflusst.

1988 beginnt er sein Schaffen als junger Student mit Vertrauten wie Dimitri Hegemann - ebenfalls Clublegende - mit der Zusammenarbeit im dadaistischen Fischbüro und der Organisation der Atonal Festivals sowie erster Technopartys im damaligen Westberlin. Der Mauerfall 1989 eröffnete auch der Clubszene neue Möglichkeiten - eine Bewegung befreit von Mauern auf der Suche nach Ausdrucksmöglichkeiten. Die Gründung des "Ufo" war 1989/90 ein maßgeblicher Meilenstein.

Das alte Ostberlin diente vorerst als Kulisse und wurde jedoch schnell Heimat für die Bewegung, für die Techno mehr als Musik war, vielmehr Lebensgefühl, Kunst, Avantgarde, Ausdrucksform einer Zeit des Umbruchs. 1993 gründete Ralf Regitz gemeinsam mit Lee Waters, Hilke Saul und Andreas Rossmann den Technoclub "ewerk" in dem alten Umspannwerk zwischen Mauer- und Wilhelmstraße. Das "ewerk" wurde zur Legende über die Stadtgrenzen hinaus und gilt als Symbol der subversiven, intensiven Clubszene der 90er Jahre im freien Berlin.

Auch die Love Parade war ein Produkt dieses Umbruchs und der artifiziellen Rebellion. Die erste Love Parade startete im Sommer 89. Die Parade erlebte ihre Blüte in den Jahren von 1998 bis 2000, bei denen Millionen Musikfans dem Aufruf zur friedlichen Demonstration folgten. Als Geschäftsführer der Planetcom GmbH und verantwortlich für die Abwicklung und Gesamtorganisation dieses weltweit größten Open Air Events lieferte Ralf Regitz sein Meisterstück ab.

Die Organisation von Veranstaltungen blieb seine Leidenschaft, die er einfließen ließ in die Neukonzeption des alten ewerks als professioneller Veranstaltungsort im aufblühenden Berlin. Als Geschäftsführer der ewerk GmbH erschuf er das ewerk ein zweites Mal und entwickelt ein Geschäft von dem hunderte Kunden aus Industrie, Kunst und Kultur profitieren - das ewerk ist Bühne wichtiger, großer Events der Hauptstadt.

In die Umgestaltung des ehemaligen Cafè Moskau hat er all seine Veranstaltungserfahrung einfließen lassen und auch dort eine einmalige Symbiose aus Strahlkraft, Symbolik, Veranstaltungsinfrastruktur und -logistik geschaffen, die viele als Referenz nutzen. Als Geschäftsführer der Moskau GmbH hat er das Moskau wiederbelebt und es eingereiht in die Top Locations Berlin.

Zu seinem nächsten Vorhaben - gemeinsam mit alten Weggefährten wie Dimitri Hegemann das Kraftwerk in der Köpenicker Straße zur Bühne zu machen - ist es leider nicht mehr gekommen.

Silke Friedrich (ewerk GmbH)

Roger Regitz

Familie Regitz und Freunde


Ein Nachruf von Jürgen Laarmann. [1] vom 25. Januar 2011:

Vollkommen überraschend und unvorhergesehen ist vergangene Woche Ralf Regitz (46) verstorben. Mit ihm hat die Technoszene einen der bedeutendsten Pioniere und Protagonisten der Club- und Eventkultur der letzten Jahrzehnte (u.a. UFO, Planet, E-Werk, Love Parade) verloren.

Regitz war in den 80ern nach Berlin gekommen, um zu studieren und war früh Macher in der Berliner Clubszene, zunächst als Techniker für Dimitri Hegemanns UFO Club, der Keimzelle der Berliner Technobewegung. Schon im zweiten UFO in der Großgörschenstrasse zeigte Regitz, was er am besten konnte: Aus „unmöglichen“ Locations, an dieser Stelle ein leergeräumter Penny Markt, Veranstaltungsräume mit eigener Spiritualität zu errichten. In jenen Tagen lernte er Elsa Wormeck (Elsa 4 Toys) kennen, die mit ihren Lichtpyramiden und Leuchinstallationen den Prototyp des Berliner Technohouseclubs erschuf, der sich von allen bisherigen Discothek-Konzeptionen abhob, gerade weil sich Regitz nicht nur architektonisch um jedes Detail kümmerte, sondern auch immer den Gast und sein Befinden in jedem Moment der Party im Auge hatte. Der Nachwelt wird Regitz für immer in Erinnerung bleiben, weil er Pionier dafür war, das Techno-Event als Kunstform auszugestalten.

Schon bald waren Andreas Rossmann und Hilke Saul, damals in Diensten des 90 Grad, auf ihn aufmerksam geworden und holten ihn zum Planet, jenem sagenumwobenen Club in der Köpenicker Strasse, für den sie die Location entdeckt hatten. Andreas Rossmann, sein Partner zu Planetzeiten, heute Immobilienmakler, konstatiert „Die Idee alleine reichte nicht, Regitz machte es möglich“.

1991 stieß Ralf Regitz zum Team der Love Parade, um die technische Leitung zu übernehmen und die anschließende Party durchzuführen, die in der Halle Weissensee stattfinden sollte.

Es war legendär, wie der völlig verwahrloste Veranstaltungsort dank Regitz zur Toplocation wurde, und unvergesslich wird für immer bleiben, wie Ralf Regitz persönlich mit Flex in der Hand den Eingangsbereich umgestaltete, damit die Party pünktlich losgehen konnte.

Nachdem der Planet geschlossen war, eröffneten die Betreiber das E-Werk, jene Location die das Berliner Partynightlife endgültig weltweit bekannt machen sollte. Regitz war treibende Kraft der Techno-Art Exhibition und Messe Chromapark, die Mitte der 90er Jahre stilbildend war.

Kay Itting, Chromapark Mitveranstalter und langjähriger Weggefährte Regitz bemerkt, dass einem erst heute, „wo man in einem Trendclubs Sylvester feiert und 30 Euro Eintritt bezahlt, ohne dass auch nur ein Konfetti auf dem Boden liegt“, klar werde, wie viel Aufwand für liebevolle Dekorationen, die das Clubleben der 90ies ausmachten, in jenen Zeiten von Regitz ausgegeben wurde.

Als das E-Werk 1997 schloss, führte Ralf Regitz die Betreibergesellschaft Planetcom alleine weiter, vor allen Dingen als durchführende Agentur der Love Parade.

Nach seinem Ausscheiden aus der Love Parade stieß Regitz auf einen befreundeten Investor, der das E-Werk zu einem multiplen Büro- und Wohnkomplex mit Eventlocation umbaute und der in Regitz genau den Mann sah, der aufgrund seiner langjährigen Erfahrungen die Geschäfte leiten sollte. So arbeitete Regitz in der neuen E Werk GmbH weiter in seiner Lieblingslocation und erschuf es ein zweites Mal – in einem gesetzterem Rahmen - und produzierte zahlreiche hochwertige Events, u.a. zuletzt die Tommy Hilfiger-Modenschau. Zuletzt war er an der Umgestaltung des Cafe Moskaus zu einer komplett umgewandelten Location beteiligt. Zu seinem nächsten Vorhaben – gemeinsam mit seinem alten Partner Dimitri Hegemann (Tresor) – das Kraftwerk neben dem neuen Tresor zur Bühne zu machen, ist es nicht mehr gekommen.

Regitz’ Tod hat in der Technoszene weit über Berlin große Bestürzung ausgelöst, zumal er völlig überraschend kam. Das Unbehagen in der Szene wächst, da zuletzt einige Techno-Protagonisten der 90er sehr früh verstarben, zuletzt Mario „Felsen“ Senderrek, der legendäre Tresor Türsteher.


Das oben nachträglich eingestellte Foto wurde der Traueranzeige des ewerk-Teams->http://www.ewerk.net/home.0.html] entnommen.

Anmerkungen

[1Mit der Bitte, der Übernahme seines Textes aus dem Raveline Magazin an dieser Stelle zuzustimmen. Danke.


 An dieser Stelle wird der Text von 7617 Zeichen mit folgender VG Wort Zählmarke erfasst:
b2c6a692e9b178c9e6a33fff86a500