CES: aus Konsumenten-Sicht

VON Dr. Wolf SiegertZUM Sonnabend Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 13 Uhr 10 Minuten

 

I.

Aufmerksame Leser haben es schon mitbekommen, dass krankheitshalber eine Reihe von Plänen und Projekten nicht so ausgeführt werden konnten, wie geplant. Auch der Plan zur Reise auf die Consumer Electronics Show in Las Vegas wurde bereits im Dezember storniert.

Dennoch soll dieses Thema nach wie vor nicht unberücksichtigt bleiben – und dieses Mal ganz bewusst – und sicherlich subjektiv – aus der Nutzerperspektive besprochen werden.

Als Basis für diese Besprechung nehmen wir uns einen Artikel aus der WELT AKTUELL vom Donnerstag, den 6. Januar 2010 vor. Mit dem Untertitel BUSINESSUPDATE und dem Verweis REDAKTIONSSCHLUSS 13.15 UHR versehen, wird sie am gleichen Tag noch in der ersten Klasse des ICE 1502 auf dem Weg von München nach Berlin verteilt.

Also genug Zeit, sich diese Zeitung offline zu Gemüte zu führen und aufmerksam zu lesen.

II.

Auf Seite 6 heisst es unter der Trigger-Zeile CONSUMER ELECTRONICS SHOW: DIE IT-BRANCHE SETZT AUF DAS MOBILE INTERNET. Microsoft schafft keinen iPad-Klon und fährt in der Unterzeile fort mit dem Satz: Der Software-Konzern gibt in Las Vegas erstmals einen Ausblick auf das nächste Windows – mit den angesagten Tablet-Computern tut sich die Firma aber schwer. [1]

Am unteren Ende der Seite findet sich ein grosser olivfarben unterlegter Kasten, in dem Die wichtigsten Tablets im Überblick vorgestellt werden. Da ist zunächst von den Vor- und Nachteilen der bereits auf dem Markt befindlichen Systeme iPad und Samsung Galaxy Pad die Rede.

Und die Summe der dort aufgelisteten Argumente bestätigt die eigene Entscheidung: gegen das iPad und für das Galaxy.

Dann aber ist folgender Satz zu lesen, der da lautet:

Nachteil: Es lässt sich vermutlich nicht auf Googles neues Honeycom-Betriebssystem updaten und ist wohl bald schon wieder veraltet [2]

Danach werden diejenigen Geräte vorgestellt, die derzeit schon auf der CES im Gespräch sind.

Das Motorola Xoom sei das erste Gerät, das noch im ersten Quartal dieses Jahres als der „erste echte Tablet-PC“ mit dem neuen Google-Betriebssystem auf den Markt kommen werde.

Das wird sicherlich interessant werden, was wir da zu sehen bekommen. Aber es wird vor allem eine grosse Herausforderung für das Haus Motorola sein, dessen Mobilfunksparte nun schon wahrlich bessere Zeiten gesehen hat. [3]

Diese Ankündigung erinnert ein wenig an die Präsentation des letzten Telefons aus dem Hause Palm, bevor die Firma vom HP-Konzern aufgekauft wurde. [4]

Das HP Palmpad sollte ja schon vor Jahr und Tag auf den Markt gebracht werden und wurde ja auch schon dem interessierten Fachpublikum immer wieder von der Bühne aus vorgeführt. [5]

Nun aber steht fest, dass nach dem Kauf der Firma Palm deren Betriebssystem Web-OS weiterentwickelt und zur Basis für ein eigenes Gerät fit gemacht wurde: als Alternative zu den Operation Systems von Apple und Google.

Ob das gelingen wird, sich als Dritter neben den zwei hier Genannten noch etablieren zu können? Zumal Apple demnächst mit seinem „Facetime“ genannten iPad der zweiten Generation noch einige nachlegen wird, um im Kampf mit Google die Nase weiter vorne behalten zu können?
Das Eee Slate von Asus mit dem Betriebssystem Windows 7 ist eines der ganz wenigen Geräte, die sich auf dem von Microsoft, trotz vieler Anläufe, nach wie vor nicht eroberten Tablet-Markt zu etablieren versuchen.

III.

Interessant – aber auch kritisch zu sehen – ist aus der Benutzerperspektive der Umstand, wie schnell die aktuell qualifiziert zu begründende Entscheidung für ein Gerät schon wenige Monate nach dessen Erwerb von den fortschreitenden Entwicklungen in Frage gestellt werden wird.

Wie bereits oben beschrieben, stellt sich zu Recht die Frage, ob das soeben erst erworbene Galaxy von Samsung mit dem neuen Google-Betriebssystem upgrade-kompatibel sein wird oder nicht.

Und diese stellt sich aus gutem Grunde, nachdem sich herausgestellt hat, dass der Fünfjahres-Service-Vertrag für ein iPaq-Handy der Firma HP ein echter „Schuss in den Ofen“ war.

Die Nutzung war uns von den HP-Kollegen mit grosser Emphase und einem günstigen Preis wahrlich „ans Herz gelegt“ worden, nachdem das erstmals auf der Berliner Pressekonferenz vorgestellte Vorgängermodell bei einer ausführlichen internen Prüfung mehr oder weniger klar durchgefallen war [6]

Seit Inbetriebnahme des Gerätes stellte sich nämlich heraus, dass die Updatefunktion des Window-Mobile 6.1 - Betriebssystems nicht funktionierte und weder von HP noch von Microsoft unterstützt wurde. Jetzt ist bereits das zweite Gerät im Austausch fällig, und auch das wird – so gilt die Wette - mit dem gleichen Softwarestand wie von vor zwei Jahren ausgeliefert werden.

IV.

Vielleicht ist es müssig – und für viele in dieser Industrie sogar lästig – über diese immer weiter verkürzten Zyklen der Nutzung eines mobilen Endgerätes zu berichten. Man solle sich doch bitteschön damit abfinden und vielmehr an den Neuigkeiten erfreuen, die einem mit der jeweils neuesten Gerätegeneration angeboten werden.

Und vielleicht liegt es ja nur daran, dass in diesem Jahr die Reise zur CES ob widriger Umstände nicht hat stattfinden können, dass es überhaupt zu solchen Überlegungen kommt?

In einem Gespräch mit Joachim Berg am Vorabend des IT-Gipfels in Dresden, erzählt dieser in kleiner Runde, dass sie bei Microsoft im Vorfeld des Starts der Windows 7 Phone Software eine Kunden-Untersuchung gemacht und gefragt hätten, welche Funktionen denn nach ihrer Meinung so ein modernes mobiles Endgerät zur Verfügung stellen solle. Und dabei, so Berg, sei unter den ersten zehn Funktionen die folgende nicht mehr mit dabei gewesen: das Telefonieren…

Die eigene Entscheidung für das Galaxy und gegen das iPod war unter anderem darauf zurückzuführen, dass das Samsung-Gerät auch Voice- und Bild-Kommunikation als Teil seines gesamten Nutzungsspektrums zulässt. Und nach allem, was bisher von der CES zu hören ist, wird auch die nächste iPad Generation mit diesen Features aufwarten (müssen).

V.

Also: auch eine Reise zur CES hätte nicht zur Folge gehabt, aus Konsumentensicht eine bessere, klügere, besser vorausschauende Entscheidung für den eigenen Gerätepark zu treffen.

Und dass zur Eröffnungsrede Seve Ballmer – Lars Winckler in der WELT AKTUELL: „Für den US-Konzern ist der Auftritt von Ballmer peinlich.“ – der Key-Note-Speaker sowohl „in echt“ als auch als sein eigener Avatar auf der Bühne erlebt werden konnte, wäre sicherlich allein auch nicht die Reise wert gewesen.

Aber es gibt einen Punkt, der sich so ganz nebenbei in Wincklers Artikel mit einschleicht und der von weitreichender Bedeutung sein könnte, wenn er von den iPod-Kunden redet als Menschen, „die sich zurücklehnen und digitale Magazine lesen, Fotos oder Videos anschauen wollen. Bloß nicht damit arbeiten“.

Und das ist spannend. Und sollte bei der Beobachtung der weiteren Entwicklungen nicht ausser Acht gelassen werden: Das Tablet als die mobile Antwort auf die Frage, welche Zukunft der Fernseher als lean-back-Medium angesichts der zunehmend PC-Nutzung noch haben könne.

PS.

Auf der Reise von Berlin nach München mit dem ICE 1515 gab es die Möglichkeit, den letzten Teil der Strecke in unmittelbarer Nähe des Lokführers mit zu verfolgen.

Besonders spannend war dabei der Einsatz des Galaxy-Tablets: dieser zeigt Dank GPS-Steuerung und UMTS-Anbindung die jeweils aktuellen Karten und auf diesen den sich während der Fahrt immer wieder verändernden Standpunkt an.

Nicht immer funktioniert alles reibungslos. Manchmal kann die GPS-Position nicht einwandfrei geortet werden, manchmal gelingt es nicht, die Karten-Daten schnell genug über das Netz einzuspielen, zumal wenn sich der Zug in hohen Geschwindigkeiten fortbewegt, oder wenn er nach Nürnberg durch die Tunnel der Ausbaustrecke fährt.

Und dennoch: Es ist schon toll zu erleben, wenn der Blick durch die Frontscheibe ergänzt wird durch die jeweils auftauchenden Beschreibungen der Umgebung, durch die der Zug seinen Weg fährt.

Das war zu diesem Zeitpunkt nur mit diesem aktuell zur Verfügung stehenden Gerät möglich - und eine tolle Erfahrung.

Anknüpfend an eine altes Projekt, das einst in den achtziger Jahren bis zu einem erteilten Patent hat entwickelt werden können: das Integrierte Reise- und Informations-System.

WS.


Hints & Links & Tipps

Der turi2-newsletter weist ab Freitag, den 7. Januar 2011 ab 08:05 Uhr zu Recht auf http://ces.crunchgear.com/ hin und sagt: "Techcrunch-Ableger Crunchgear bietet einen guten Überblick über die wichtige Computer- und Entertainmentmesse CES in Las Vegas samt Videostreams."

Aus den USA trifft am Freitag, den 7. Januar 2011 um 17:05 Uhr eine Mail mit 2 Fotos und der Betreffzeile ein "Fr 07.01.2011 17:05"
"Images of my macbook pro second generation"

© all rights reserved

Und der Unterzeile:
"Lithium ion batteries let go with this result!!!"

In einem Telefongespräch wird der Sachverhalt nochmals erörtert und von dem Gesprächspartner mit Dankbarkeit in der Stimme festgestellt, wie "gut" es gewesen sei, dass dieser Akku während seiner Abwesenheit "nur" explodiert sei und nicht etwa Feuer gefangen und das Haus in Brand gesetzt habe.

Anmerkungen

[1Achtung: dieser Artikel ist nicht identisch mit dem Text, der auf dem Online-Portal der Welt unter dem Titel Microsoft kapituliert vor Apples iPad-Erfolg ab 19:02 Uhr veröffentlicht wurde.

[2Wir werden daher diesen Text den Pressestellen von Samsung und ihrem Vertriebspartner, der Deutschen Telekom, zu senden und hierzu um eine Stellungnahme bitten.

[3Und das kann aus eigener langjähriger Zusammenarbeit mit diesem Hause durchaus beurteilt werden – rückblickend auf eine Zeit, als Motorola noch einer der Referenzaussteller auf der CeBIT in Hannover war…

[4Siehe CES (II) 2009.

[5Hier ein Foto von der NAB-Show 2010, auf der Join Phil McKinney, Vice President and Chief Technology Officer von HP’s Personal Systems Group das neue Gerät bereits präsentiert.
© all rights reserved


 An dieser Stelle wird der Text von 10151 Zeichen mit folgender VG Wort Zählmarke erfasst:
afb6a995ae3b404c543cc53b4a6aff