Real War: Now!

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 13 Uhr 00 Minuten

 

Am Samstag, den 18. Dezember 2010 wird auf der Seite Bundeskanzlerin.de der folgende Artikel veröffentlicht:

Bundeskanzlerin Merkel in Afghanistan

Bei einem Überraschungsbesuch im nordafghanischen Kundus hat Bundeskanzlerin Angela Merkel den Soldatinnen und Soldaten für ihren Einsatz gedankt. Das militärische Engagement am Hindukusch diene auch der Sicherheit Deutschlands, so Merkel.

Begleitet wurde die Kanzlerin von Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und dem Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker.

Es war der dritte Besuch der Bundeskanzlerin in Afghanistan. Derzeit sind dort nahezu 5.000 Soldatinnen und Soldaten stationiert. "Wir haben hier nicht nur kriegsähnliche Zustände, sondern Sie sind in Kämpfe verwickelt, wie man sie im Krieg hat", sagte Merkel vor den Soldaten im Feldlager der Bundeswehr in Kundus.

Abzug erster Soldaten Ende 2011

Zum Ziel der Bundesregierung, Ende 2011 erste Bundeswehr-Soldaten aus Afghanistan abzuziehen, erklärte Merkel, dass die Lage dann auch so sein müsse, das man dies verantworten könne.

In Masar-i-Scharif kam die Kanzlerin mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai und dem Kommandeur der Internationalen Schutztruppe Isaf, US-General David Petraeus, zusammen. Die Fortschritte beim Aufbau der Verwaltung und bei der Korruptionsbekämpfung seinen noch nicht so, wie wir uns das vorstellen würden, betonte Merkel.

Tragischer Unfall

Der Besuch der Bundeskanzlerin wurde vom Tod eines deutschen Soldaten überschattet, der am Freitag in der nordafghanischen Provinz Baghlan starb. In einer Schweigeminute gedachten die Kanzlerin und die Soldaten des Toten. Bundeskanzlerin Merkel sprach von einem "tragischen Unfall". "Es ist grausam, eine Woche vor Weihnachten die Nachricht vom Tod des geliebten Sohnes und Bruders zu bekommen."


Der entscheidende Satz "Wir haben hier nicht nur kriegsähnliche Zustände, sondern Sie sind in Kämpfe verwickelt, wie man sie im Krieg hat" - wird sodann während des gesamten Weihnachts-Wochenendes landauf landab durch alle Gazetten dieser Republik getrieben.

Welche Kontinuität - und wie lange hat es gebraucht, der Wahrheit auch die ihr genehme Sprache zu verleihen. Und das trotz Übereinstimmung zwischen den politischen Lagern.

Hatte der doch der SPD Franktionschef und ehemalige Verteidigungsminister Struck Struck noch bis zu seinem Ausscheiden aus allen politischen Ämtern im Verlauf des Jahres 2009 betont, dass man sich keine Illusionen über die Situation am Hindukusch machen solle - so der Spiegel in seiner Online-Ausgabe vom 5. August 2010 - und fährt fort: Der frühere Verteidigungsminister bekräftigte seine legendäre Aussage, dass Deutschland auch am Hindukusch verteidigt werde: "Das gilt bis heute", erklärte der SPD-Politiker, der nach der Bundestagswahl aus der Politik ausscheidet.


Hierzu im Vergleich die Rede von der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel bei der Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs vom 1. September 2009 in Danzig

Sehr geehrter Herr Staatspräsident,
Herr Ministerpräsident,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
Exzellenzen,
meine Damen und Herren,

heute vor 70 Jahren begann mit dem deutschen Überfall auf Polen das tragischste Kapitel in der Geschichte Europas. Der von Deutschland entfesselte Krieg brachte unermessliches Leid über viele Völker - Jahre der Entrechtung, der Erniedrigung und der Zerstörung.

Kein Land hat so lange in seiner Geschichte unter deutscher Besatzung gelitten wie Polen. Gerade in dieser dunklen Zeit, über die wir heute sprechen, wurde das Land verwüstet. Städte und Dörfer wurden zerstört. In der Hauptstadt wurde nach der Niederschlagung des Aufstands 1944 kaum ein Stein auf dem anderen gelassen. Willkür und Gewalt durchzogen den Alltag. Kaum eine polnische Familie blieb davon verschont.

Hier auf der Westerplatte gedenke ich als deutsche Bundeskanzlerin aller Polen, denen unter den Verbrechen der deutschen Besatzungsmacht unsägliches Leid zugefügt wurde.

Die Schrecken des 20. Jahrhunderts gipfelten im Holocaust, der systematischen Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden.

Ich gedenke der sechs Millionen Juden und aller anderen, die in deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagern einen grausamen Tod erlitten.

Ich gedenke der vielen Millionen Menschen, die ihr Leben im Kampf und im Widerstand gegen Deutschland lassen mussten.

Ich gedenke aller, die unschuldig durch Hunger, Kälte und Krankheit, durch die Gewalt des Krieges und seine Folgen sterben mussten.

Ich gedenke der 60 Millionen Menschen, die durch diesen von Deutschland entfesselten Krieg ihr Leben verloren haben.

Es gibt keine Worte, die das Leid dieses Krieges und des Holocaust auch nur annähernd beschreiben könnten.
Ich verneige mich vor den Opfern.

Wir wissen: Die Gräuel des Zweiten Weltkriegs können wir nicht ungeschehen machen. Die Narben werden weiterhin sichtbar bleiben. Aber die Zukunft im Bewusstsein unserer immer währenden Verantwortung gestalten - das ist unser Auftrag.

In diesem Geist hat sich Europa aus einem Kontinent des Schreckens und der Gewalt in einen Kontinent der Freiheit und des Friedens verwandelt. Dass das möglich geworden ist, ist nicht mehr und nicht weniger als ein Wunder.

Wir Deutschen haben dabei nie vergessen: Deutschlands Partner in Ost und in West haben diesen Weg durch Versöhnungsbereitschaft geebnet. Sie haben uns Deutschen die Hand zur Versöhnung ausgestreckt. Wir haben sie voller Dankbarkeit ergriffen.

Ja, es ist ein Wunder, dass wir in diesem Jahr nicht nur an die Abgründe europäischer Geschichte vor 70 Jahren denken müssen. Es ist ein Wunder, dass wir auch an die glücklichen Tage denken können, die vor 20 Jahren zum Fall der Berliner Mauer, zur Wiedervereinigung Deutschlands und zur Einheit Europas geführt haben. Denn vollendet wurde der Weg Europas zur Freiheit erst mit dem Fall des Eisernen Vorhangs.

In der Tradition der Solidarnosc in Polen haben die Menschen damals überall das Tor zur Freiheit mutig aufgestoßen. Wir Deutschen werden das nie vergessen -

* nicht die Rolle unserer Freunde in Polen, Ungarn und der damaligen Tschechoslowakei;

* nicht die Rolle Michail Gorbatschows und unserer westlichen Partner und Verbündeten;

* und nicht die Rolle der moralischen Kraft der Wahrheit, die keiner so überzeugend und glaubwürdig verkörperte wie Papst Johannes Paul II.

Es lag auch deshalb in der besonderen deutschen Verantwortung, Polen und den anderen Staaten Mittel- und Osteuropas den Weg in die Europäische Union und die NATO zu ebnen und ihnen zur Seite zu stehen.

Ja, es ist ein Wunder, eine Gnade, dass wir Europäer heute in Freiheit und Frieden leben können. Kaum etwas könnte den Unterschied zu 1939 besser versinnbildlichen als die enge, die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen und die vielfältigen freundschaftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern.

Die Einigung Europas und die Freundschaft Deutschlands mit seinen Nachbarn finden ihre Stärke darin, dass wir uns unserer Geschichte stellen. Dies bringen die Vorsitzenden der deutschen und polnischen Bischofskonferenzen in ihrer jüngst veröffentlichten Erklärung zum heutigen Jahrestag folgendermaßen auf den Punkt - ich zitiere:

"Gemeinsam müssen wir in die Zukunft blicken, auf die wir zugehen möchten, ohne die geschichtliche Wahrheit in all ihren Aspekten zu vergessen noch zu gering zu achten." - Zitatende.

Wenn wir in meinem Land bis heute auch an das Schicksal der Deutschen denken, die in Folge des Krieges ihre Heimat verloren haben, dann tun wir das stets genau in dem von den Bischöfen beschriebenen Sinne. Dann tun wir das in dem Bewusstsein der Verantwortung Deutschlands, die am Anfang von allem stand. Dann tun wir das, ohne irgendetwas an der immer währenden geschichtlichen Verantwortung Deutschlands umschreiben zu wollen. Das wird niemals geschehen.

Und in genau diesem Bewusstsein bin ich heute - 70 Jahre später - hierher nach Danzig gekommen. In diese einst leidgeprüfte, nun aber glanzvoll restaurierte Stadt.

Sehr geehrter Herr Staatspräsident, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, dass Sie mich als deutsche Bundeskanzlerin zum heutigen Gedenktag eingeladen haben, berührt mich sehr.

Ich verstehe dies als ein Zeichen unserer vertrauensvollen Nachbarschaft, unserer engen Partnerschaft und unserer wirklichen Freundschaft zwischen unseren Ländern, zwischen den Menschen in Deutschland und Polen. Ich möchte Ihnen ausdrücklich dafür danken!


Ihr Satz auf diesem Jahr 2009 "Ja, es ist ein Wunder, eine Gnade, dass wir Europäer heute in Freiheit und Frieden leben können" - ist dieser Satz damit heute noch gültig?

Was ist mit der "Gnade der späten Geburt"? Und was ist mit jenen Jungen, für die die Wehrpflicht ab dem Jahr 2011 aufgehoben sein wird?

Während auch in den nächsten Jahren noch Deutsche Soldaten im Ausland Krieg führen werden?

Vielleicht sollte das nächste Video-"Spiel" als sogenanntes serious game zu eben diesem Themenkomplex entwickelt werden - von der Bundeszentrale für politische Bildung in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Verteidigung und dem Bundeskanzleramt?


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