CrissCrossing Space & Time

VON Dr. Wolf SiegertZUM Sonnabend Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 12 Uhr 59 Minuten

 

Unter dem Titel IF BUILDINGS COULD TALK wurde heute auf Einladung der NEUEROADMOVIES Produktionsgesellschaft im der astor FILM LOUNGE die Möglichkeit angeboten, die für die Architekturbiennale in Venedig entwickelte 3D-Präsentation des Rolex Learning Center, Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne in der Umgebung - und mit den Vorteilen aber auch Beschränkungen - eines Kinoraumes wahrzunehmen und zu erleben.


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Es gibt viel, viel Gutes und auch Kritisches zu dieser Produktion zu sagen.

Auch dann, wenn sie schon auf der Biennale selbst den Tauglichkeits- und Schönheitsbeweis erfolgreich angetreten hat.

Hier nur jeweils ein Punkt, in dem das Positive und das Nachteilige in ganz besonderer Weise herausgehoben werden.

- Es ist geradezu unglaublich, wie es gelingen kann, mit so "kleiner" Technik so gutes Kino zu machen: Wenn man auf Vorerfahrungen aufbauen und sich im Team ganz aufeinander verlassen kann. Das Ganze wurde fast nur "auf Zuruf" und extrem kurzem Zeitrahmen gedreht und komponiert.
Und es gut anzusehen: Es ist gut zu sehen, dass bei einem solchen Thema sich das Drehen in "3D" als eine geradezu natürliche Form der Darstellung anbietet. Auch wenn diese Technik etwas tut, was dennoch sehr stark von der natürlichen Wahrnehmung unseres eigenen Umfeldes abweicht.
Es ist mit diesem Film ein wenig so, wie in dem gefilmten Gebäude selbst. In dem - alles auf einer Ebene - auch auf die Ausgestaltung von Höhen und Tälern geachtet wurde, die Teil dieser einzigen Ebene sind - während durch die Fenster des Gebäudes die "echten" Berge zu sehen sind.

- In diesem wie ein "loop-in-the-loop" komponierten Film wird die Wahr-Nehmung des Gebäudes zweimal erzählt. Allein der Versuch, nach einem sehr gelungenen ersten Teil einen noch eindringlicheren zweiten Teil hintanzustellen, ist nicht aufgegangen.
Zumindest in dieser Kinoversion nicht, in der die Dramaturgie der Erzählweise für uns sitzendens Publikum anders hätte organisiert werden können als für jene Menschen, die durch die 3D-Installation in Venedig hindurch wandern konnten.
Es ist schwer, so etwas mit Kritikastersätzen zu sagen, wenn man nicht selber am Schneidetisch sitzt. Daher an dieser Stelle zumindest soviel dazu: die Wiederaufnahme der gleichen Sequenzen und die Wiederholung der Sequenzen aus dem ersten Teil unter Einspielung eines neuen Textes ist nicht das Problem an sich. Aus der Introduktion des ersten Teils ist aber im zweiten Teil der Wunsch entstanden, das Gebäude selbst direkter zu uns als Zuschauer sprechen zu lassen. Und das nicht nur durch seine Stimme, sondern auch durch seine Bilder. Also: noch längere Einstellungen, noch mehr Zeit für Auge und Ohr, aus dem Informationsgehalt des erstmals Vorgeführten nun auch die eigene Ansprechbarkeit selbst erlebbar werden zu lassen.
Dieser zweite Teil hätte die Chance für ein next generation 3D-Szenario gehabt, um ein Stück weit in einem neuen Sinne "konventionelles" und doch zugleich immersives und interaktives 3D-Kino zu machen.

Aber: Vielleicht sollte man das auch gar nicht kritisieren, sondern lieber sagen, dass mit solchen ersten "3D-Frühchen" die Zeit für solcherART grosse Kunst einfach noch nicht reif ist. [1]

WS.

Anmerkungen

[1Auf der einzigen Uhr, die in diesem Film dann auch gleich mehrmals zu sehen war, war es gerade mal neun Uhr. Und dafür ist man bei den NEUEROADMOVIES schon verdammt früh aufgestanden: Bleibt nur zu hoffen, dass man dort auf der Strecke bis zum Mittagstisch nicht schon verhungert ist.


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