Interkontinentale Todesängste & Beistandsbekundungen

VON Dr. Wolf SiegertZUM Sonnabend Letzte Bearbeitung: 16. Januar 2015 um 13 Uhr 35 Minuten

 

Der zunächst für diesen Tag geplante Beitrag zur ITB und dem ITB-Kongress [1] entfällt.

Stattdessen war es die Absicht, auf den "Wellen" des Deutschlandradios die aktuelle Berichterstattung über die Lage in Japan zu verfolgen. [2]

Im Deutschlandfunk entfallen denn auch die ursprünglich für diesen Tag geplante Sendungen wie "Computer und Kommunikation" aus der Reihe "Forschung aktuell" [3] und das Nachfolgeprogramm "Markt und Medien" [4]

Stattdessen ist neben vielen Anderen der Autor, Reporter und Redakteur Andreas Stopp mit "Eindrücken von der ITB" in Berlin zu hören: Er berichtet, dass auf der Messe der Stand der Japaner inzwischen verwaist ist, nachdem das gesamte Personal zurück nach Japan beordert worden sei. Und dass es zur gleichen Zeit noch viele Besucher gäbe, die von den schrecklichen Nachrichten aus Japan noch gar nichts erfahren hätten und sich mit allerlei bunten Werbemitteln durch die Messehallen treiben liessen [5] [6]

Aber auch aus Japan kommt eine Flut von Nachrichten, Meldungen, Reportagen, aber auch ungefilterte Aufzeichnungen auf uns zu. Direkt, oder gefiltert durch moderierenden Websites oder selbst-tätige Moderatoren, die aus den Streams und tweets dabei sein, ihrerseits neue Informationsangebote zu kompilieren.

Diese Aufgabe, hier trotz bzw. gerade wegen der hohen Aktualität des Geschehens eine Schneise in den Informationsdickicht zu bahnen - zumal in vielen Fällen diese offensichtlich zurückgehalten oder je nach dem Standpunkt des Urhebers nicht als objektiv eingeordnet werden können - wird in besonderem Masse im Rahmen der Sendung Breitband des Deutschlandradios Kultur beschrieben und diskutiert.

Eine recht reife Leistung: aktuell sein zu können und zugleich reflektiert, persönlich reagieren zu können und doch um Transparenz bemüht, mit Originaltönen zu arbeiten und diese dennoch als Teil eines grösseren Ganzen einordnen zu können.
Das ist - so wurde es auch in einer kurzen Hörer-Mail an die Redaktion zum Ausdruck gebracht - das ist Grimme-Preis-verdächtig.


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Befremdlich dagegen ein Einspieler über den Massenexodus am Atomkraftwerk Fikushima 1, der an diesem Tag im ARD-Fernsehen gezeigt wurde.

Dort wurde ein Japaner zitiert, der davon berichtet, wie es es per Autostopp nach mehr als 12 Stunden geschafft habe, um eines der Auffanglager zu erreichen, das in einer grossen Turnhalle eingerichtet worden sein.

Der Beitrag wird zweimal gesendet. In der zweiten um den letzten Halbsatz gekürzten Fassung hat man den Eindruck, dass er nun nach dieser langen Odyssee eine Zuflucht gefunden habe. [8]
Aber der gleiche Beitrag war bereits zuvor an anderer Stelle in einer Fassung ausgestrahlt worden, die um einen Halbsatz länger war. Und in diesem bringt der Japaner seine Verzweiflung darüber zum Ausdruck, dass er auch an dieser Stelle wegen Überfüllung keine Unterkunft mehr habe finden können.

Ein falscher Schnitt - und alles wird gut?

Anmerkungen

[1Berlin, 10. Dezember 2010 – Der Tourismus in Europa verzeichnet dieses Jahr einen leichten Aufschwung, wird sich aber erst langsam im kommenden Jahr von den Folgen der weltweiten Finanzkrise erholen. 2010 wird ein Jahr der Stabilisierung für die europäische Reiseindustrie, die sich jedoch weiterhin auf eine kürzere Aufenthaltsdauer und sinkende Reiseausgaben einstellen muss. Zu diesem Ergebnis kommt der ITB World Travel Trends Report, der auf einem Auszug des European Travel Monitors und Einschätzungen von über 50 Tourismus-Experten und Wissenschaftlern aus aller Welt beruht. Er wird von IPK International im Auftrag der ITB Berlin erstellt.

Nach Zahlen der UNWTO werden die internationalen Ankünfte in Europa in diesem Jahr um ein bis drei Prozent wachsen. Für Reisen aus europäischen Ländern sagt IPK International ein Wachstum von bis zu zwei Prozent bis zum Jahresende voraus.

Während die Zahl von Kurzstreckenreisen innerhalb Europas stagnierte, stiegen die Langstreckenreisen der Europäer um fünf Prozent an. Der Siegeszug der Kreuzfahrt hielt auch im laufenden Jahr an, Kreuzfahrten und Flussreisen verzeichneten einen Anstieg von zehn Prozent, während Flugreisen um nur zwei Prozent zunahmen und Autoreisen einen Einbruch von ebenfalls zwei Prozent hinnehmen mussten.

Der gegenwärtige Wirtschaftsaufschwung stellt für 2011 einen wichtigen Wachstumsmotor dar, der auch das Reiseverhalten der europäischen Reisenden wieder nachhaltig ankurbeln wird. „Das Reiseland Deutschland gehört im Vergleich zu anderen europäischen Ländern zu den Nutznießern des momentanen Konjunkturaufschwungs“, erklärt Dr. Martin Buck, Direktor des KompetenzCenter Travel und Logistics der Messe Berlin. „Wie sich der europäische Reisemarkt 2011 entwickeln wird, hängt nicht zuletzt von externen Rahmenbedingungen wie der Luftverkehrsabgabe sowie dem wichtigen britischen Markt ab, der noch schwer mit den Folgen der Wirtschaftskrise zu kämpfen hat.“

Zu den Gewinnern unter den Destinationen gehört 2010 Deutschland, das laut ITB World Travel Trends Report ein Wachstum von über acht Prozent mehr Reisenden aus Europa erreicht. Auch die Niederlande, Ägypten und China verzeichneten 2010 einen ähnlich starken Zuwachs an europäischen Reisenden. Eine sinkende Zahl von Reisenden aus Europa mussten dagegen Großbritannien, Spanien, Griechenland und die USA hinnehmen.

Wie einschneidend die weltweite Finanzkrise das Reiseverhalten nicht nur von internationalen, sondern auch von europäischen Reisenden noch 2010 beeinflusst hat, zeigt sich anhand deren Aufenthaltsdauer und Ausgaben. Während sich die Anzahl der Reisen von Europäern um ein Prozent erhöhte, fiel die Zahl der Übernachtungen um zwei Prozent. Auch die Ausgaben der Reisenden aus europäischen Ländern sanken um drei Prozent. Wie unsicher Europas Reisemärkte dieses Jahr waren, demonstriert auch die gestiegene Zahl der Lastminute-Buchungen. Der European Travel Monitor verzeichnete einen Anstieg von 25 Prozent mehr Buchungen, die eine Woche vor Abreise getätigt wurden. Das Internet erweist sich als immer wichtigerer Kanal für Planung und Buchung der Reise. Die Zahl der Buchungen, die online geschlossen werden, stieg in Europa um 17 Prozent und nähert sich jetzt der 50 Prozent Marke.

Die Finanzkrise wird sich auch noch im nächsten Jahr auf das Reiseverhalten der Europäer niederschlagen. 65 Prozent gaben an, dass die Finanzkrise ihre Reiseabsichten beeinflussen würde. 44 Prozent planen dieselbe Anzahl an Reisen wie in diesem Jahr, während jeweils knapp 23 Prozent entweder mehr oder weniger reisen möchten als 2010. Deutsche entpuppen sich dabei als eine der Sparfüchse Europas, zusammen mit Russen und Spaniern. Insgesamt beabsichtigen lediglich sechs Prozent im nächsten Jahr mehr für ihre Reisen auszugeben, 37 Prozent möchten ihr Reise-Budget verringern.

Der ITB World Travel Trends Report 2010/2011 ist abrufbar unter www.itb-berlin.de. Er basiert auf Einschätzungen von 60 Tourismusexperten aus 30 Ländern, einer speziell von IPK durchgeführten Trendanalyse in den wichtigsten Herkunftsmärkten sowie auf Kerndaten des World Travel Monitor®, der als größte kontinuierliche Studie zum globalen Reiseverhalten aus rund 60 Herkunftsländern gilt. Diese Trendergebnisse zeigen Tendenzen auf, die sich in den ersten acht Monaten des Jahres 2010 abzeichneten. Die Jahresendergebnisse inklusive aktueller Ausblicke für das Jahr 2011 werden am 9. März 2011 auf dem ITB Future Day im Rahmen des Kongresses in der Session "ITB World Travel Trends Report: An update on Global and European Tourism Forecast" von Rolf Freitag, CEO IPK International, vorgestellt.

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[2Und Print? In diesen schnellen Zeiten fast "out". Aber dann, dank Online-Distribution, dann doch nicht.
So der nach Fertigstellung dieses Textes auf der deutschsprachigen AOL-Homepage über einen Link avisierte Text von Uwe Schmidt: "Was uns das verzweifelte Lächeln der Japaner sagt" vom 13. März 2011.

Darin gelingt es ihm, das aktuelle Ereignis in die geschichtliche und kulturelle Dimension dieses Landes, seiner Kultur und Traditionen einzubinden, wenn er schreibt:

" Wer in den nächsten Wochen auf Japan blickt, kann helfen, ohne etwas zu tun: indem er versucht, „Taifun-Mentalität“ zu dechiffrieren.

Die Bilder von Leidenden können im Westen in die Irre führen, weil die Sprache und Körpersprache fremd ist. Japaner leiden nicht weniger oder lieber als andere. In dieser Kultur bedeutet Stille nicht notwendigerweise Hingabe, raues Flüstern kann kodiertes Schreien sein, Lächeln Verzweiflung.

Dass Menschen in einer schlimmen Lage vor Verlegenheit und Ohnmacht lächeln, weil das zur Schau getragene Leid den Betrachter belasten könnte, bedeutet nicht, dass in Sendai frohgemuter Fatalismus herrschte. [...]

Auch damals in Kobe sah man unrasierte Männer in überfüllten Turnhallen klagen, lächelnd, aber mit harten Blicken. Wenn Kobe als Erfahrung dient, werden sie bald beginnen, im Radio die Namen der Toten in einer endlosen Litanei zu verlesen, die Ausländern als pietätlose Entblößung erscheinen kann.

In Japan werden nach allen Katastrophen, ob Verbrechen, Naturgewalttaten oder Unfällen, Namen und Alter veröffentlicht, auf dass die Trauer beginne: Die Totenwache durch Angehörige und Freunde kann erst beginnen, wenn die grausige Bekanntmachung sie zusammenbringt. In Japan wird niemand totgesagt, verbrannt, beigesetzt, der keinen Leichnam abgibt.

Wer nicht anzufassen ist, gilt als „vermisst“. Leiden ist universell, seine Sprache kulturell. Die Überlebenden und die Toten von Sendai haben es verdient, verstanden zu werden."

[3- Schwerpunkt: Droiddream -
Ein Virus-Traum für Hacker
und ein Alptraum für Google
- Löschen, installieren, spionieren - Was Software-Konzerne alles auf fremden
Handys anstellen können
- Cyber-Alliance light - Das
BKA plant Cyber-Abwehrzentrum
nach amerikanischem Vorbild
- Klein und Scharf - Winzige
HD-Kamera vereint Sensoren,
Wandler, Sender und Empfänger
in einem Gehäuse
- Das Digitale Logbuch -
Wiki-Friedhof

[4- Nonsens aus der "Hölle" - Die Medienkarriere eines angeblichen Sachbuches
- Der letzte Pressetycoon - Rupert Murdoch wird 80
- Im Visier der Republikaner - NPR in den USA unter Druck
- Radio-Enthüllung - Der Schwedische Rundfunk gründet
"Radio-Leaks"

[5Was aber in der nachfolgenden Aufzeichnung nicht mitgeschnitten wurde.

[6Im Nachgang zu diesem Beitrag dann ein längeres Interview von Christoph Heinemann mit dem Japan-Experten der Deutschen Welle, Alexander Freund, zum Krisenumgang der Bevölkerung.

[7Dieses Video-Bild mit der doch sehr makabren Bild-Text-Konnotation wurde dem Tagesschau-Beitrag vom 12. März 2011 entnommen, der unter dem Titel "Schwarzes Brett: Japaner suchen übers Internet nach Angehörigen" um 12:23 Uhr ins Netz gestellt worden war.

[8"Ich war erleichtert, weil ich eine Mitfahrgelegenheit hatte, aber ich musst dauernd umsteigen, und dann hat es zwölf Stunden gedauert, bis ich endlich hier war."
Beitrag von Anja Martini (NDR) in den tagesthemen-extra vom 12. März ab 23.55 Uhr: "Sicherheitszone um AKW Fukushima auf 20 Kilometer ausgeweitet"


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